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Leere Versprechungen

Schöne neue Breitbandwelt. Was darf der Kunde nicht alles erwarten: Video am PC in toller Qualität, aktuelle Berichterstattung, Filme, Infos. Offenbar wissen die Werbestrategen genau, was die Kunden wollen. Nur hätten sie vielleicht vorher mal kurz in der Technik nachfragen sollen, ob denn das alles schon machbar ist.

Bundesliga-Videos in digitaler TV-Qualität in Zusammenarbeit mit SAT1-ran verspricht der DSL-Anbieter QSC. Klingt super, ist es aber nicht. Die Videos erinnern in der Qualität eher an die Übertragung der Olympischen Spiele in Deutschland. Nicht von 1972, sondern von 1936. Farbe hatte man zwar damals noch nicht, dafür aber auch keine hässlichen Artefakte und kein ständiges Ruckeln. Außerdem war die Übertragung im Jahre 1936 schon live, QSC und SAT1 brauchen Stunden, bis die aktuellen Spielberichte endlich abrufbar sind. Der echte Fan wendet sich da mit Grausen ab, kündigt seinen Breitbandanschluss und investiert das gesparte Geld ins herkömmliche Bezahlfernsehen.

Die Konkurrenz hat ihr Angebot aber technisch auch nicht im Griff, T-Online mit seinem Breitbandportal beispielsweise. Tolle Trailer lassen sich dort zum kostenlosen Testen abrufen. 768 Kilobit pro Sekunde schafft T-DSL, die Trailer im Breitbandportal nutzen aus unerfindlichen Gründen nicht einmal die Hälfte. Logischerweise bleibt die Bildqualität dann auch knapp unter der einer mittelmäßigen 8-mm-Aufnahme. Auch hier störende Artefakte und Ruckeln. Kunden lockt man so keine.

Angesichts dieser Fakten bleibt Multimedia auf dem Handy wohl noch eine ganze Weile ein Traum. Was bei i-mode zu sehen ist, erinnert denn auch am ehesten an die Klötzchengrafik des verflossenen Btx aus den späten 80er Jahren. Von Videos auf dem Handy sprechen die UMTS-Strategen schon länger nicht mehr - sie werden wissen, warum.

Die Anbieter müssten einsehen, dass die heutigen Kodierungsverfahren eine Transferrate von 2 MBit/s verlangen, damit der Kunde die versprochene VHS-Qualität erhält. Bis es so weit ist, werde ich mir weiterhin lieber die Bundesliga-Berichte im Fernsehen anschauen. Ich will ja schließlich etwas sehen. Und lehne mich einstweilen entspannt zurück und warte, ob bessere Codecs oder schnellere Anschlüsse das Rennen machen.

Die Anbieter versuchen es mit der Brechstange, setzen auf massive Werbung für die neuen Breitband-Angebote. Die Wahrheit verbreitet sich unterdessen per Mundpropaganda; jeder enttäuschte Kunde vergrault weitere Interessenten, wenn er von seinen Negativ-Erlebnissen berichtet.

Urs Mansmann


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