Logroño (Spanien), 21. Februar 2012 – Was für einen Kundenkreis Bentley mit dem neuen Continental GT V8 ansprechen will, ist eine interessante Frage. Mit dem V8-Motor aus dem Audi S8 bleibt er zwar rund 20.000 Euro unter dem Topmodell W12, doch was zählt das in dieser Klasse schon? Wer 160.000 Euro für ein Auto aufbringen kann, den wird der Gegenwert eines guten Kompaktwagens kaum in finanzielle Verlegenheit bringen. Auch der deutlich geringere Verbrauch dürfte wohl nicht ausschlaggebend sein, denn wer als Käufer darauf gesteigerten Wert legt, wird, soviel sei hier schon verraten, auch mit diesem Bentley nicht glücklich. Nein, der Continental GT V8 muss andere Akzente setzen. Welche das sein könnten, wollten wir bei einer kurzen Ausfahrt herausfinden.
Das schwächere Modell unterscheidet sich schon optisch vom W12-Topmodell: Der Grill des V8-Modells ist immer schwarz, die Öffnungen in der unteren Frontschürze wurden anders geformt, die beiden Endrohrblenden treten jeweils als liegende Acht aus und das Bentley-B ist nicht schwarz sondern rot hinterlegt. Mit dem alten Bentley-Siegel „red label“ hat dies nichts zu tun.
Der Innenraum dürfte den grundsätzlichen Erwartungen der meisten Kunden entsprechen: Ledergeruch, Oberflächen und Nähte von sauberster Handarbeit, in edlem Metall glänzende Registerzüge für die Lüftung und einen der feinsten Schaltknäufe der Autobranche – natürlich mit dickem Bentley-B-Druckknopf in der Mitte. Die Mittelkonsole zieht sich beim V8-Modell nicht mehr bis zu den Fondsitzen durch, was mehr Platz für die Füße der Fondpassagiere bringt. Wer das nicht mag, kann gegen 3279 Euro Paket-Aufpreis auch die lange Mittelkonsole aus dem Zwölfzylinder-Modell bekommen. Der Reisekomfort auf den feinen Sitzen kennt trotz deutlich sportlichem Anstrich das Wort „Ermüdung“ nicht – und die Betonung liegt hier auf Reise, schließlich ist der Continental ein Tourer.
Über eine Taste in der Mittelkonsole lässt sich die Federung unnachgiebig hart einstellen. Von Comfort geht es über zwei namenlose Stufen bis hin zu Sport. Aber auch schon im komfortablen Modus zieht der Brite mit einer ausgeprägten Grundstraffheit über den Asphalt mit seinen Rissen, Löchern und Gullydeckeln. Bei Sport wird es dann knochentrocken, geeignet für die lange Autobahnkurve weit jenseits der 200-km/h-Marke. Die Lenkung gibt sich äußerst präzise – Spiel scheint sie nicht zu kennen. Dabei hilft auch die etwas bessere Gewichtsverteilung des V8-Modells: 51 zu 49 Prozent zwischen vorne und hinten stehen den 53 zu 47 Prozent des W12 gegenüber.
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