Hannover, 1. Oktober 2008 – Die Hersteller müssen ja sehen, wie Geld in die Kasse kommt. Doch ist es wirklich notwendig, dass der Kunde für eine Funktion zahlen soll, die nur durch ein paar zusätzliche Bits in sein Auto kommt? Klar, eine Möglichkeit, etwas gegen Aufpreis zu verkaufen, lässt man sich ungern entgehen. Wenn man darüber hinaus ohne großen oder gar ganz ohne Mehraufwand „Mehrwert“ ins Fahrzeug bringen kann, dann ist das umso besser.
Die Geschwindigkeitsregelanlage war früher mal eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Da musste ein kleiner Aktuator den Bowdenzug ziehen und gleichzeitig noch irgendwie sein Handeln mit dem Wirbelstromtacho abstimmen. Dass das Aufpreis kostete, war verständlich – es war ja auch ein kleines mechanisches Wunderwerk, das da arbeitete. Heute werden die Befehle nur noch an eine kleines Elektronengehirn geleitet, das selbst entscheidet, was am Motor alles eingestellt werden muss, sei es die Drosselklappe, die Einspritzung oder womöglich sogar elektrisch verstellbare Nockenwellen. Der Draht, der vom Gaspedal wegführt, ist heute nur noch ein Drähtchen, es leitet schwache elektrische Impulse an die Motorsteuerung weiter. Was braucht man also noch, um den Tempomat zu bekommen? Nichts – außer den Hebel, mit dem der Fahrer die Sollgeschwindigkeit setzen kann. Den Rest kennt das Motorsteuergerät bestens. Doch entfällt dadurch auch der hohe Aufpreis? Selbstverständlich nicht – der Kunde weiß doch den Mehrwert eines solchen Wunderwerks der Technik zu schätzen.
Manche Autohersteller haben es da besonders gut. Sie haben eh schon Technik im Auto, die mehr kann als bei anderen, die Parkautomatik von Volkswagen etwa. Das System kostet 320 Euro Aufpreis – und dreht das Lenkrad wie von Geisterhand von selbst, um die Fuhre in die Lücke zu bugsieren – wie geht das für so wenig Geld? Das geht nur, wenn man eine Lenkung hat, das Lenkrad per Elektromotor selbst drehen kann, aber die ist ja in Golf oder Passat sowieso drin. Die 320 Euro Aufpreis müssen also nur die Ultraschallsensoren finanzieren – und natürlich die Software, die die gewonnenen Daten auswertet, in Lenkbefehle umsetzt und den Fahrer rechtzeitig warnt, bevor er dem Hintermann die Stoßstange demoliert.
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