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heise Autos > Kurzmeldungen

30.12.2011 China ändert Regeln für ausländische Autobauer

China will ausländische Investitionen in seine Autoindustrie künftig stärker in umweltfreundliche Technologien wie Hybridfahrzeuge lenken. Diese Absicht verkündeten die mächtige Entwicklungskommission NDRC und das Handelsministerium am 30. Dezember in Peking in gemeinsam veröffentlichten "Richtlinien für ausländische Direktinvestitionen". Gleichzeitig solle die "Unterstützung für ausländisches Kapital in der Automobilherstellung entzogen" werden, zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua aus dem Papier.

Analysten der chinesischen Autoindustrie wussten nicht sofort, was sie von der leicht kryptischen Ankündigung halten sollten. Ausländische Automobilhersteller wie Volkswagen, Toyota und Honda haben zusammen einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent in China, und jede künftige Beschränkung ihrer Investitionen hätte weltweite Folgen. "Die Regierung will die Unterstützung für ausländisches Kapital in der Automobilherstellung entziehen, weil eine gesunde Entwicklung der heimischen Autoproduktion benötigt wird", schrieb Xinhua ohne Nennung weiterer Details.

Erfahrene Analysten warnten jedoch vor einer Überreaktion auf Chinas Ankündigung. Peking wolle vermutlich im neuen Markt der Elektro- und Hybridfahrzeuge die Chancen heimischer Hersteller stärken, sagte der Analyst Marvin Zhu von LMC Automotive in Shanghai der Nachrichtenagentur dpa. "Wir glauben, dass die neuen Richtlinien nur die Intentionen der chinesischen Regierung zeigen, aber vermutlich ausländische Autobauer in China nicht allzu stark beeinträchtigen werden", sagte Zhu.

Es sei möglich, dass ab dem 30. Januar 2012, wenn die neuen Richtlinien in Kraft treten, keine neuen Joint-ventures zwischen ausländischen und chinesischen Autobauern mehr genehmigt werden, glaubt der Marktbeobachter. Für unwahrscheinlich halte er jedoch, dass die Kapazitätserweiterung existierender Joint-ventures im Automobilsektor eingeschränkt werde. "Die meisten ausländischen Markenhersteller sind längst in China vertreten und dürften kaum betroffen sein", sagte der Analyst. "Nur Renault und einige Luxusmarken wie Landrover oder Jaguar könnten möglicherweise Probleme bekommen, sofern sie noch auf Genehmigungen für ihre geplanten Werke warten."

Ähnlich gelassen zeigte sich der amerikanische Automobilriese GM in einer ersten Reaktion. "Wir erwarten einen minimalen negativen Einfluss der neuen Richtlinien auf die künftigen Expansionspläne von GM in China", hieß es in einer von Bloomberg zitierten Stellungnahme aus Detroit. Erst kürzlich hatte GM Rettungsversuche für die insolvente Traditionsmarke Saab torpediert, indem der US-Riese eine Weiternutzung seiner Patente durch chinesische Saab-Finanziers verweigerte.

Ausländische Marken werden vermutlich noch länger den chinesischen Automarkt dominieren. Chinas Regierung hatte ursprünglich gehofft, im Gegenzug für dieses Abtreten von Profiten zügig Zugriff auf modernste Technik beim Autobau zu bekommen – eine Hoffnung, die sich nur zum Teil erfüllt hat. Jahrzehnte nach der Marktöffnung gibt es noch immer keine einzige international erfolgreiche chinesische Automarke. "Bei den Elektro- und Hybridfahrzeugen wollen sie nun diesen Fehler nicht noch einmal wiederholen", sagte Marvin Zhu von LMC Automotive. (dpa)

(ssu)

Permalink: http://heise.de/-1402079

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