09.11.2012 Die EU-Initiative CARS 2020 soll die Automobilindustrie stärken
Die europäische Automobilindustrie befindet sich in einer schwierigen und zum Teil etwas widersprüchlichen Lage. Einerseits ist der Binnenmarkt rückläufig und mit einer schnellen Erholung wird derzeit nicht gerechnet, zumal es eine hohe Marktsättigung gibt. Andererseits gibt es einige europäische Hersteller, die in neuen Märkten wie China sehr erfolgreich sind und wachsen. Aus Sicht der Politik geht es aber auch darum, Arbeitsplätze in Europa zu erhalten und dafür zu sorgen, dass die industrielle Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Und schließlich sieht sich die Politik in der Pflicht, die Schadstoff- und Lärmemissionen sowie den Bedarf an fossilen Energien zu verringern.
In dieser Gemengelage hat die EU-Kommission gestern die Initiative CARS 2020 angekündigt, mit der die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Branche bis 2020 gestärkt werden soll. Mit verschiedenen Maßnahmen will die Kommission die europäische Automobilindustrie stärken. So sollen kleinere und mittelgroße Unternehmen leichter an Kredite der Europäischen Investitionsbank kommen, um es auch ihnen leichter zu machen, technische Innovationen zu entwickeln. Das klingt vernünftig, weil Entwicklungsdienstleister und Zulieferer bei den Innovationen in der Automobilentwicklung eine wichtige Rolle spielen.
Die EU-Kommission will auch dafür sorgen, dass in Europa einheitliche Ladeschnittstellen für Elektroautos verwendet werden.
Im Bereich der Emissionen setzt die EU auf eine Mischung von Fordern und Fördern: Einerseits soll es ein "umfangreiches Bündel" von Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen geben, wobei die Kommission wenig konkret wird. Anderseits soll die Infrastruktur für alternative Energien wie Strom, Wasserstoff und Erdgas ausgebaut werden, damit alternative Antriebe überhaupt eine Chance haben sich durchzusetzen.
In diese Richtung zielt auch die Einführung einer EU-Norm für Ladeschnittstellen für Elektrofahrzeuge, damit diese zumindest innerhalb von Europa einheitlich sind. Zudem will die Kommission die "Fortsetzung von Maßnahmen für mehr Straßensicherheit, einschließlich intelligenter Verkehrssysteme" vorantreiben. Im Rahmen der europäischen Umweltinitiative "Horizont 2020" sollen schließlich Investitionen in Forschung und Innovation fließen, die umweltgerechten Fahrzeugen zugute kommen.
Aus europäischen Ländern kommen gelgentlich Klagen, dass sich Märkte wie etwa Südkorea unverhältnismäßig stark abschotten, während die dortigen Unternehmen freien Zugang zum europäischen Markt haben. Die EU-Kommission will nun dafür sorgen, dass es "ausgewogene Handelsvereinbarungen" gibt und – Politikersprache at its best – die Gesamtauswirkungen dieser Vereinbarungen sowie die Förderung und Weiterführung bilateraler Dialoge mit wichtigen Partnerstaaten außerhalb der EU sorgfältig evaluiert werden. Einen Hauch konkreter sind das "Endziel einer weltweiten Fahrzeug-Typgenehmigung" und weltweit gültige Normen für die Sicherheit von Elektroautos und ihre Batterien.
(ggo)Kommentare lesen (1)
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