Hannover, 22. Juni 2011 – Seit Anfang des Jahres sind bei SAP 27 Elektroautos als Dienstwagen im Einsatz. 450 Mitarbeiter dürfen die Flitzer testen, mittlerweile gibt es von ersten Erfahrungen zu berichten.
"Ich kann mir gut vorstellen, ein Elektroauto für kurze Fahrten anzuschaffen", sagt zum Beispiel Olena Demeter, Projektleiterin in der SAP-Entwicklung. Sie durfte das Auto eine Woche lang nutzen – auch für Privatfahrten. "Man braucht allerdings einen Zweitwagen für längere Distanzen". Nach etwa 120 Kilometern ist die Batterie leer. Das Laden dauert eineinhalb bis zwei Stunden, dafür stehen derzeit 36 Ladepunkte zur Verfügung. Bei den Fahrzeugen, die SAP im Einsatz hat, handelt es sich um einen Stromos, der von der Firma German E-Cars gebaut wird – oder besser umgebaut wird, denn die Basis ist ein Suzuki Splash, der mit einem Eletromotor und der übrigen notwendigen Technik für ein Elektroauto ausgestattet wurde.
SAP hat sich das Ziel gesetzt, seine Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um die Hälfte zu senken – dazu soll auch das Projekt "Future Fleet" beitragen, in dem die Fahrzeuge erprobt werden. Zudem will SAP neue Märkte erschließen. Co-Konzernchef Jim Hagemann Snabe sieht einen "Riesenmarkt" im Management von Elektrofahrzeugflotten, für das SAP die Software entwickelt hat. Damit können wichtige Informationen abgefragt werden, beispielsweise wie voll die Batterie noch ist. So soll sichergestellt werden, dass dem per Mail angemeldeten Fahrer ein Auto zur Verfügung steht, dessen Batterie geladen ist. Am Zielort reserviert das System automatisch eine Ladesäule. "Tanken" können die E-Automobilisten derzeit an den fünf verschiedenen SAP-Standorten – natürlich Ökostrom. Der Energieversorger MVV Energie entwickelte die Ladestationen.
Von außen betrachtet ist "Future Fleet" gewissermaßen zum Erfolg verdammt, denn die Dienste des Unternehmens für die Softwareentwicklung werden natürlich nur gefragt sein, wenn sich auch die Elektroautos im Alltag grundsätzlich bewähren. Die Probleme sind bekannt: Die Reichweite ist bescheiden, die Technik bisher so teuer, dass sie für Privatpersonen praktisch nicht infrage kommt. Im Falle des SAP-Stromos ist zum Beispiel eine Batterie mit knapp 20 kWh Energieinhalt verbaut, allein sie dürfte so viel wie ein respektabler Kleinwagen kosten. Eines der wichtigsten Ziele der Elektromobilität ist es deswegen, das Zusammenspiel zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur zu optimieren – das geschieht im Kern mit großen Software-Strukturen, hier ist SAP zuhause.
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden
Permalink: http://heise.de/-1265535