Der erste M5 setzte wie alle späteren Modelle auf Understatement: Erst ein Blick unter die Haube ließ die besonderen Qualitäten des Wagens erahnen: Hier saß ein Vierventil-Sechszylinder mit 3,5 Liter Hubraum. 83 PS pro Liter: Solch ein Wert wurde bis dahin nur im Motorsport erreicht. Und dort kam das Aggregat auch her: aus dem legendärem BMW M1 (E26). Der zweisitzige Renner in dem zeitlos schönen Design von Giorgio Giugiaro wurde erstmals 1978 auf dem Pariser Automobilsalon gezeigt. Das Mittelmotor-Fahrzeug war seinerzeit Deutschlands schnellster Straßensportwagen. Das Sechszylinder-Reihen-Aggregat des für Autorennen konzipierten M1 lieferte 277 PS. Und schon beim M1 war alles überdurchschnittlich, was bei einem M-Wagen eben richtig gut sein muss: Agilität, Dynamik, Ansprechverhalten und Rückmeldung. Und gerade in Sachen Rückmeldung ist der M1 ein ganz Besonderer.
Ich fahre mit dem M1 über die Nordschleife, bin vom ersten Augenblick an begeistert, wie gierig der Wagen am Gas hängt. An die Kulisse der präzisen Fünfgang-Schaltung habe ich mich schnell gewöhnt: Der erste Gang liegt links unten, der Zweite in der Mitte oben. Wegen des Mittelmotor-Konzepts sitzt die Kabine relativ weit vorne, was wiederum eine enge Pedalerie zur Folge hat: Da sich links im Fahrerfußraum das Radhaus breit macht, befinden sich die Pedale rechts dicht beieinander. Die Bremsen verzögern gut, aber sie blockieren auch schnell. Und die servofreie Lenkung lässt den Fahrer jedes vom Herbstwind auf die Straße gewehte Blatt spüren. Ab 160 km/h muss man für einen probaten Geradeauslauf das Steuerrad gut festhalten – die alten Haudegen sind mit dem Wagen bis zu 260 km/h gefahren. In Zeiten ohne ABS und ESP konnten die Leute noch mit Autos umgehen.
Im Anschluss schnappe ich mir den M5 von 1985. 286 PS treffen hier auf ein Leergewicht von 1430 Kilogramm – und der Wagen sieht nun wirklich nicht aus wie ein Sportwagen. Aber er fährt sich so: Nach 6,1 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Die Lenkung bietet einen stabilen Geradeauslauf und ist ein Riesensprung im Vergleich zum M1. 251 km/h sind drin – begrenzt durch den Luftwiderstand. Tiefer gelegt mit strafferen Federn und einem ABS-Bremssystem wirkt der Wagen beim Fahren überhaupt nicht 25 Jahre alt. Zur Verbesserung der Achslastverteilung saß die Batterie des mit Sperrdifferenzial ausgerüsteten Hinterradantrieblers im Kofferraum. Und im Straßenverkehr gibt sich der M5 von 1985 wie ein ganz normaler Wagen mit jeder Menge Komfort – auf Wunsch hatte er auch einen Fahrerairbag an Bord. 80.750 Mark wurden für den M5 fällig, doppelt so viel wie für einen schon nicht gerade günstigen 528i. Trotzdem fanden insgesamt 2200 von Hand hergestellte M5 der ersten Generation ihren Käufer.
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