Auch wenn in Deutschland ein Gesetz zur grenzüberschreitenden Verfolgung von Verkehrsdelikten im Ausland nicht mehr vor Ende 2009 erwartet wird – wer mit dem Auto im Ausland unterwegs ist und an Ort und Stelle bei einem Verkehrsverstoß erwischt wird, muss für vermeintliche Bagatellen mitunter tief in die Tasche greifen. Darauf weist die Sachverständigen-Organisation Dekra hin.
Zum Beispiel in Portugal wird das Fehlen einer Warnweste im Auto mit bis zu 300 Euro und das Nichtanlegen im Pannenfall mit bis zu 600 Euro geahndet. Vorgeschrieben ist eine Warnweste außerdem in Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Norwegen, Österreich, Rumänien, der Slowakei, Spanien und Tschechien. In Deutschland hingegen gibt es keine generelle Pflicht, in einem privat genutzten Kraftfahrzeug eine Warnweste mitzuführen oder im Pannenfall zu tragen und folglich auch kein Bußgeld. Anders sieht es bei gewerblich genutzten Fahrzeugen aus, dort schreibt die Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltung das Mitführen einer Warnweste vor – wenn auf dem "maschinell angetriebenen Fahrzeug" regelmäßig ein Beifahrer dabei ist, müssen es zwei Westen sein.
Auch bei Geschwindigkeitsverstößen drohen im Ausland oft empfindliche Strafen. Wer 20 km/h zu schnell fährt, muss in Ungarn mit bis zu 230 Euro Bußgeld rechnen, in Schweden sind es ab 260 Euro und in Norwegen 395 Euro oder mehr, hat die Dekra ermittelt. Streng geahndet wird in einigen Ländern auch das Telefonieren am Steuer mit Handy am Ohr. In Spanien beginnt das Bußgeld bei etwa 90 Euro, die Niederlande und Norwegen kassieren rund 150 Euro. Böse Überraschungen können auch Falschparker erleben. In Spanien und Norwegen werden dafür bis zu 90 Euro fällig, in Tschechien ab 60 und in Holland 50 Euro oder darüber. Dagegen wirkt die in Deutschland erhobene Geldbuße von 40 Euro plus einen Punkt in Flensburg fast wie ein Soderangebot.
Bei Rotlicht- und Überholverstößen bitten die Ordnungshüter in der Slowakei mit Bußgeldern bis 220 Euro zur Kasse, in Griechenland ab 350 Euro und in Norwegen 660 Euro. Alkohol am Steuer wird europaweit mit hohen Strafen belegt. Spitzenreiter sind Großbritannien (bis 6500 Euro), Dänemark (bis zu einem Monatsverdienst), Schweden (ab 30 Tagessätze), Irland (ab 1270 Euro) und Tschechien (ab 1000 Euro). In vielen osteuropäischen Ländern ist Alkohol am Steuer verboten, in Norwegen, Schweden und Polen mit 0,1 Promille de facto auch. Ansonsten liegt in den meisten Staaten die Grenze bei 0,5 Promille, fasst die Dekra zusammen.
Vor wenigen Tagen hatte der ADAC Italienreisende nachdrücklich davor gewarnt, sich in Italien alkoholisiert hinters Steuer zu setzen: Dort drohen nach derzeitiger Rechtslage Fahrern, die mit 1,5 Promille und mehr Alkohol im Blut erwischt werden, die Beschlagnahme und Enteignung ihres Kfz.
(ssu)
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