Hannover, 26.7.2008 – In einem guten Restaurant können Sie jeden Gang einzeln bestellen, im Auto geht das nicht. Kennen Sie die Übersetzung Ihres ersten Gangs? Oder des sechsten? Würden Sie auf der Autobahn, wenn Sie beschaulich dahinrollen, nicht gerne einen weiteren Gang zum Hochschalten haben? Ich auch, gibt es aber nicht, nicht mal gegen Aufpreis. Wo doch sonst alles gegen Aufpreis geht. „Hamwernich …“ sagt der freundliche Verkäufer, und preist weiter die tolle Leistung des Motors an und vielleicht das satte Drehmoment, falls er den Unterschied versteht.
Einheitsgetriebe
Klar, Sie können zwischen X Motor- und Getriebekombinationen wählen: Den Motor können sie aussuchen und so den Preis des Autos in Handumdrehen nach oben treiben. Sie können sich für Handschalter, Automatik oder Doppelkupplungsgetriebe usw. entscheiden – aber die Übersetzung der Gänge gibt es nicht mal zum Nachlesen. Versuchen Sie mal auf der Webseite Ihres Automobilherstellers die Getriebeübersetzung ihres Wagens herauszufinden. Zugegeben, es wäre nicht sehr anschaulich, einfach nur die Übersetzungen von Getriebe und Achse als Wert anzugeben. Aber wie wäre es stattdessen mit einer Angabe der Drehzahl des Motors bei Tempo 100 in den verschiedenen Gängen? Beispiel: Drehzahl bei Tempo 100: 1. Gang: (entf.), 2. Gang: 6200 U/min, 3. Gang 4600 U/min, 4. Gang 3600 U/min, 5. Gang 2800 U/min, 6. Gang 2150 U/min. Könnte man das nicht auch in einem Prospekt dem Kunden zur Auswahl stellen? Das würde jeder kapieren, garantiert.
Ein Gang mehr, trotzdem nicht satt
Die Autohersteller werden nicht müde, sich über „mehr Gänge“ von der Konkurrenz abzusetzen. Doch was hat der Kunde davon? Mehr Schaltarbeit, aber keinen längeren Gang „oben rum“. Da werden sechs Gänge einfach mal auf denselben Umfang wie sonst fünf gestreckt. Wer schon bei 70 gern in den sechsten Gang schaltet, ist dann auf der Autobahn nicht besser dran als mit einem weniger. Unten herum sieht´s nicht viel besser aus: Da versuch ich mit kaltem Motor meine Tiefgaragenausfahrt hochzufahren, und der Motor geht aus. Kurzer erster, langer sechster? „Hamwernich …“ – wieso auch, welcher Kunde käme überhaupt im Vorfeld auf die Idee zu fragen, ob die Übersetzung auch zur Ausfahrt aus der Tiefgarage taugt – er erwartet schlicht, dass es geht.
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