Stuttgart, 20. Juli 2011 – Der Mercedes-Stern gehört zu den bekanntesten Markenzeichen weltweit. Damit sich die Statussymbole auf vier Rädern auch in extremen Klimazonen keine Blöße geben, sind Erprobungsfahrten am Polarkreis oder im Death Valley fester Bestandteil der Automobilentwicklung. Auch wenn sich vieles inzwischen am Computer simulieren lässt, ist die Realerprobung nicht zu ersetzen. Um den Aufwand für Testfahrten in fernen Ländern in Grenzen zu halten, hat Mercedes-Benz nun in Sindelfingen zwei neue so genannte Klima-Windkanäle eingeweiht, die es erlauben, nahezu alle auf der Erde vorkommenden Wetterphänomene hinter verschlossenen Türen auf Knopfdruck nachzuahmen.
Moderne Automobile entstehen zunächst am Computer. Auch die ersten Crashversuche, Aerodynamikuntersuchungen oder Fahrwerkserprobungen finden in einer virtuellen Welt statt, lange bevor der erste Prototyp gebaut ist. Solche Simulationen könnten allerdings Prüfstandsversuche und die Erprobung auf der Straße nicht ersetzen, schränkt der Hersteller ein.
In der neuen Anlage können Temperaturwerte von minus 40 bis plus 60 Grad Celsius, Orkane mit Windgeschwindigkeiten bis 265 km/h, eine so intensiv wie sonst nur in der Wüste scheinende Sonne, tropische Regengüsse oder auch heftige Schneestürme simuliert werden. Zur anschließenden realen Erprobung auf Straßen in arktischer Kälte und glühender Wüstenhitze kommen deshalb künftig nur noch Prototypen, die schon einen großen Reifegrad haben. Angenehmer Nebeneffekt für den Autobauer: Die Ingenieure und Prototypen müssen nicht mehr so häufig in entlegene Gegenden geflogen werden. Weil weniger Testkilometer abgespult werden, sinken zugleich die Chancen für Erlkönigjäger, die noch geheimen Testwagen abzulichten.
Einer der beiden neuen Klima-Windkanäle ist als Kaltkanal mit einem Temperaturbereich von minus 40 bis plus 40 Grad Celsius konzipiert. Im Warmkanal steht ein Temperaturbereich von minus 10 bis plus 60 Grad Celsius zur Wahl. In beide Kanäle wurde jeweils ein zweiachsiger Rollenprüfstand integriert, der ein Tempo von bis zu 265 km/h simuliert. Die neuen Anlagen ersetzen den bislang zur Verfügung stehenden Kaltkanal, in dem Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius erzeugt und Geschwindigkeiten bis 64 km/h erreicht werden können, sowie einen Warmkanal, bei dem die Grenzwerte bei plus 40 Grad Celsius und 100 km/h Höchstgeschwindigkeit liegen.
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