Die deutsche Autoindustrie befürchtet Nachteile durch ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien, über das am 10. Februar in Neu Delhi verhandelt wird. Der Branchenverband VDA sieht in den bisher angepeilten Konditionen eine ungerechtfertigte Begünstigung des Produktionsstandorts Indien, wie VDA-Präsident Matthias Wissmann in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (Freitag) sagt. Geht es nach dem Willen Indiens, kann das Land seine Abschottung teilweise aufrecht erhalten: Während auf Autos aus Europa, die nach Indien exportiert werden, ein Zoll von 60 Prozent erhoben wird, können Autohersteller in Indien hergestellte Fahrzeuge mit einem Preisaufschlag von nur 6,5 Prozent nach Europa liefern. Indien verlangt von der EU, den Zoll auf Autos herabzusetzen, und zwar auf null. Umgekehrt bieten die Inder lediglich an, ihrerseits den Zoll zu halbieren – auf 30 Prozent.
Kommt es trotz des Protests der deutschen und europäischen Autolobby zu der von Indien vorgeschlagenen Lösung, dann sind dem Bericht zufolge Autohersteller wie Hyundai, die in Indien produzieren und nach Europa exportieren, die großen Gewinner. Schon heute verkauft Europas Autoindustrie nach den Zahlen des Branchenverbands Acea im Jahr nur 5000 Autos nach Indien, umgekehrt werden aber in Indien jährlich 250.000 Autos nach Europa verschifft, die in Aurangabad, Chennai oder Pune vom Band gelaufen sind. Das sind mehr, als aus Korea importiert werden.
Der neue Hyundai i30
Hyundai würde damit in seinem Bestreben gestützt, sein Wachstum in Europa weiter anzukurbeln. "Wir werden im laufenden Jahr unseren Absatz um 15 Prozent auf 465.000 Autos steigern", sagte Europachef Alan Rushforth der FAZ – und dies, obwohl die Zahl der Neuzulassungen in Europa insgesamt um fast 5 Prozent auf 15 Millionen Neuwagen sinken werde. Rushforth, der die Marke von der Konzernzentrale in Offenbach aus leitet, sieht Wettbewerber wie Peugeot, Renault, Opel, Ford und Fiat unter Druck. Fast alle müssten die Produktion drosseln, manche sogar Stellen abbauen oder über Werksschließungen nachdenken.
Seinen Marktanteil in Europa will der Hersteller 2012 von 2,9 auf 3,5 Prozent ausbauen. Nach den Angaben konnte Hyundai seien Absatz auf dem gesättigten europäischen Markt zuletzt fünf Mal in Folge steigern. Im Januar habe Hyundai die Verkäufe um 10 Prozent auf 31.000 Einheiten erhöht. Die meisten neuen Kunden wirbt Hyundai nach Rushforths Angaben bei Ford und Opel ab. In Deutschland konnte Hyundai im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 50 Prozent zulegen. Ford verkaufte mit gut 15 000 Neuwagen zwar doppelt so viele Autos wie Hyundai, aber nur 0,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Opel musste im Januar nach den Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) vom Donnerstag sogar ein Minus von fast zehn Prozent auf 13 600 Einheiten verkraften.
(ggo)
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