Der Absatz von Neuwagen ist nach Angaben des VDA weltweit rückläufig. In Europa wurden im Januar 958.500 Pkw abgesetzt, ein Rückgang um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein in Westeuropa wurden 891.500 Fahrzeuge verkauft, der Rest verteilt sich auf die neuen EU-Länder wie Rumänien, wo sich der Absatz halbierte. Deutschland (-14 %), Frankreich (-8 %) und Benelux (-16 %) kamen vergleichsweise glimpflich davon, in Spanien (-42 %), Italien (-33 %) und Großbritannien (-31 %) sieht es schlechter aus. Fast alle Länder versuchen mit unterschiedlichen Maßnahmen gegen die Flaute anzugehen. Großbritannien gewährt Kreditgarantien für die Automobilindustrie und hat zeitlich befristet die Mehrwertsteuer (VAT) gesenkt – gebracht hat es offenbar wenig. In Spanien erhalten Autokäufer günstige Kredite, und die Bedingungen für die dortige Verschrottungsprämie wurden gelockert. In Italien soll die Prämie wieder eingeführt werden, nachdem sie letztes Jahr ausgelaufen war.
Frankreich prescht besonders weit vor: Die Automobilindustrie soll 6 Milliarden vergünstigte Kredite erhalten, um besonders sparsame Autos zu entwickeln. Die Kredithilfen für den Autokauf – nur für französische Marken – werden auf 2 Milliarden Euro erhöht. Eine weitere Milliarde Euro steht für zusätzliche Kredite für französische Zulieferer zur Verfügung. Der Fonds zur Stärkung des Eigenkapitals der Zulieferer wird auf 600 Millionen Euro verdoppelt. 250 Millionen Euro sind zudem für Abwrackprämien vorgesehen. Im Gegenzug sollen sich die Hersteller verpflichten, in den kommenden fünf Jahren keine Werke in Frankreich zu schließen, keine Fertigung ins Ausland zu verlagern, keine Mitarbeiter zu entlassen sowie vorrangig bei französischen Zulieferern einzukaufen. Im Ausland werden einige dieser Maßnahmen als Protektionismus betrachtet, die EU-Kommission prüft bereits die Rechtmäßigkeit der Vorhaben. Auch außerhalb Europas sieht der Pkw-Absatz bescheiden aus: USA traft es im Januar mit -37 %, Japan mit -20 % und China mit -8 %. Der VDA setzt nun einige Hoffnung auf die Konjunkturprogramme. Sollten sie greifen, könne durchaus in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung gerechnet werden.
Eines lässt sich bereits beobachten, zumindest in Deutschland: Autokäufer, die die Abwrackprämie in Anspruch nehmen, entscheiden sich meist für Kleinwagen, und zwar nicht unbedingt zum Nutzen deutscher Hersteller. So überschrieb die Financial Times gestern einen Beitrag ironisch mit „Dacia sagt danke“. Doch auch deutsche Marken profitieren: Der Opel Corsa beispielsweise findet dank der Prämie deutlich mehr Kunden und auch VW hat geplante Kurzarbeit abgesagt, um der gestiegenen Nachfrage nach dem Polo nachkommen zu können. Dies führte dazu, dass VW-Chef Martin Winterkorn und der Vizepräsident von General Motors Europe, Alain Visser, Anfang der Woche fast gleichzeitig mit dem Wunsch nach einer Ausweitung der Abwrackprämie an die Öffentlichkeit traten.
Viele Neukäufer, die sich jetzt zum ersten Mal seit langem einen Kleinwagen zulegen, werden dann wohl feststellen, dass es sich auch mit einem Auto dieser Größe inzwischen ganz gut fährt. Dass sie in einigen Jahren wieder ein oder zwei Klassen höher einsteigen, ist nicht unbedingt zu erwarten. So führt die Abwrackprämie möglicherweise auch längerfristig für mehr Kleinwagen im deutschen Straßenbild.
(ggo)
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