31.07.2012 SGL Group muss bei Carbonfasern zubuttern
Beim Kohlenstoffspezialisten SGL Group haben anhaltende Probleme im aufstrebenden Geschäft mit Carbonfasern die Gewinnhoffnungen für das laufende Jahr zerstört. Statt zu steigen, wie ursprünglich geplant, dürfte der operative Gewinn 2012 in etwa auf der Vorjahreshöhe von 160 Millionen Euro stagnieren, teilte der Konzern mit. Zu den größten Anteilseignern des Wiesbadener Unternehmens (Factsheet als PDF) zählen BMW mit knapp 16 Prozent sowie Volkswagen mit etwas über 8 Prozent. Carbonteile spielen eine Schlüsselrolle beim Leichtbau in der Automobilindustrie, doch was im Motorsport zum teuren Alltag gehört, lässt in der Großserie auf sich warten.
Der BMW i3 hat eine Fahrgastzelle aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK).
Bild: heise Autos
Auch Luftfahrtprojekte, die auf die leichten und stabilen Fasern setzen, verzögerten sich weiter, in der Windindustrie herrsche weiter Flaute und die Nachfrage aus der Industrie sei schwach. Das führe dazu, dass sich der Verlust in der Sparte im zweiten Quartal nicht reduziert habe, sondern bei etwa 8 Millionen Euro stagniere. Im Gesamtjahr dürfte sich das Minus in dem Segment sogar ausweiten, hieß es. Zudem kann SGL aktuell keine Zeichen für eine Verbesserung ausmachen.
Die Carbonfaser ist der große Hoffnungsträger im Portfolio der SGL. Prestigeträchtig und öffentlichkeitswirksam ist etwa das Gemeinschaftsunternehmen mit BMW, in dem Fasern für den automobilen Leichtbau produziert werden. Jedoch kommen neue Modelle wie der elektrische BMW i3 erst 2013 auf den Markt. Zudem drücken Überkapazitäten auf den Preis für die Fasern. Mit dem Bau von Rotorblättern fährt SGL schon seit einiger Zeit Verluste ein. Wegen der Unsicherheiten in der Energiewende und Finanzierungsproblemen stockt vielerorts der Ausbau der Windkraft.
Geld verdient die SGL Group hingegen mit Graphitspezialitäten, wie sie etwa von Kunden aus der Halbleiter- oder Leuchtdiodenbranche nachgefragt werden, sowie im Hauptgeschäft, das heißt mit Graphitelektroden für die Stahlhersteller und Kathoden für die Aluminiumschmelzen. (dpa-afx)
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