Die neue Hybrid-E-Klasse ist das erste Hybridfahrzeug mit Seifenkistenmodus Segeltour im Mercedes E 300 Bluetec Hybrid
Einfach mal loslassen
Anders als das normale Segeln muss man das Segeln Plus manuell einleiten. Auf unserer Fahrt durch Schwarzwald und Schwäbische Alb gab es häufig Gelegenheit, die Funktion zu testen. Beispiel Gefällestrecke auf der Autobahn: Ich nehme den Fuß vom Fahrpedal, merke, dass das Bremsmoment des Generators zu stark ist, um den Wagen mit gleich bleibender Geschwindigkeit rollen zu lassen. Also ziehe ich kurz am rechten Lenkradpaddle, das normalerweise zum manuellen Eingreifen in die Automatik dient. Daraufhin rollt die E-Klasse frei, beschleunigt je nach Gefälle sogar, sofern ich sie nicht mit dem Bremspedal darin hindere. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich schnell an das Seifenkisten-Spielchen. Bei längeren Abfahren zupfe ich einfach kurz am Paddle, um (natürlich vollkommen emissionsfrei) vor mich hin zu rollen.
Wie diese Funktion bei den Kunden ankommt, wird sich zeigen müssen, denn der ökonomische Nutzen ist von Fahrer nicht ganz einfach einzuschätzen. Man muss schon mitdenken, wie ein Entwickler anmerkt, um den Verbrauchsvorteil nutzen zu können. Denn auch beim normalen Segeln kann man ja durch sehr sachtes "Gasgeben" bis zu einer Geschwindigkeit von 160 km/h das Bremsmoment des Generators überlisten. Als Faustregel taugt aber, das immer dann, wenn man weit ausrollen kann, die Funktion Segeln Plus von Vorteil ist. Mercedes ist es damit gelungen, die Vorteile des Hybrids zum Teil auch auf der Autobahn zur Verfügung zu stellen, dort also, wo weitgehende Konstantfahrt die Vorteile eines Hybridantriebs normalerweise nicht zur Geltung kommen lässt.
Flotten Kandidat
Von dieser neuen Funktion abgesehen bekommt man von der Hybridfunktion der E-Klasse im Fahrbetrieb praktisch nichts mit - und das ist positiv gemeint. Die E-Klasse fährt zwar elektrisch an, doch fast unmittelbar darauf wird der Diesel von einem eigenen Anlasser angeworfen, spürbar durch ein minimales Schütteln des Antriebsstrangs. Man kann auch rein elektrisch rangieren oder einparken, immer einen vorsichtigen Gasfuß vorausgesetzt. Wer es darauf anlegt, darf auch bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h und etwa einen Kilometer weit elektrisch fahren. Das sind aber akademische Werte, denn dazu dient der Hybridantrieb der E-Klasse nicht, schließlich ist sie nicht als Plug-in-Hybrid ausgelegt. Der Verbrauch im NEFZ beträgt ganze 4,2 Liter, entsprechend einem CO2-Ausstoß von 109 g/km. Nach Überzeugung von Mercedes wird dies so manchen Dienstwagenbetreiber locken, vor allem in Ländern, in denen Autos mit einem CO2-Ausstoß unter 120 g/km besonders belohnt werden, etwa in Frankreich oder Spanien. Apropos andere Länder: Der E 300 Bluetec Hybrid ist vorläufig nur für Europa gedacht, für den amerikanischen Markt und später auch Japan oder China wird es den E 400 Hybrid mit einem V6-Benziner geben.
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