23.11.2012 Studie: Der Autoindustrie droht eine Spaltung
Die Autoindustrie hat sich angesichts der Absatzkrise auf dem europäischen Markt weiter in Richtung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickelt. Das ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Studie von Ernst & Young. Demnach wuchsen deutsche, japanische und koreanische Hersteller zuletzt deutlich, während südeuropäische Autobauer mit sinkenden Erlösen und rückläufigen Verkaufszahlen zu kämpfen hatten.
Volkswagen konnte im dritten Quartal 2012 Absatz und Umsatz steigern, der Gewinn sank allerdings.
Den deutschen Marken geht es dabei vergleichsweise gut. Sie können die Absatzverluste in Westeuropa (-5 %) mit kräftigen Zuwächsen in China (+18 %) und den USA (+26 %) ausgleichen, sodass am Ende ein Plus von 9 Prozent herauskommt. Nur die Koreaner, allen voran natürlich Kia und Hyundai, können in Europa derzeit noch zulegen, was auch einer frischen Modellpalette und vergleichsweise günstigen Preisen liegen dürfte. Die südeuropäischen Marken, wozu die Studie auch die französischen zählt, trifft der Absatzrückgang in Westeuropa mit -7 Prozent wesentlich stärker, denn sie sind auf den derzeitigen Wachstumsmärkten China und USA, wenn überhaupt, nur schwach vertreten. Die Südeuropäer müssen auch beim Umsatz Federn lassen, der um 4 Prozent sank, während deutsche, japanische, amerikanische und koreanische Hersteller auch in diesem Bereich deutlich zulegen konnten.
Allgemein macht die Krise allen zu schaffen, die im globalen Markt nur schwach vertreten sind. Opel ist dafür ein gutes Beispiel. Konkurrenten wie Ford und Volkswagen können die Verluste in Europa mit steigenden Verkäufen und Umsätzen in anderen Ländern ausgleichen. Opel, derzeit auf den europäischen Markt beschränkt, kann nur auf ein rasches Ende der Flaute oder stark steigende Verkäufe auf Märkten wie Russland hoffen. Im dritten Quartal haben General Motors, Volkswagen und Toyota mit jeweils knapp 2,3 Millionen Autos den höchsten Absatz gehabt. Schon deutlich abgeschlagen folgen Ford und Nissan, Schlusslicht sind Mazda (313.000 verkaufte Autos) und Mitsubishi (239.000).
Interessant auch der Blick auf die Gewinne der einzelnen Unternehmen: Die größten Zuwachsraten im dritten Quartal 2012 konnten Mazda (+567 %), Toyota (+352 %), Honda (+92 %) und Chrysler (+31 %) verbuchen, jeweils bezogen auf die Landeswährung. Bemerkenswert ist vor allem die Gewinnsteigerung von Mazda, da in diesem Zeitraum 3 Prozent weniger Autos verkauft wurden. Honda konnte
Goldene Zukunft? Honda konnte bei Absatz, Umsatz und Gewinn stark zulegen.
seinen Absatz um 47 Prozent steigern, was angesichts der Umsatzsteigerung nicht ganz so sehr überrascht. Zu den Verlierern beim Gewinn im dritten Quartal gehören Volkswagen, Suzuki, Mitsubishi und Fiat (ohne Chrysler). Die Italienern hatten schmerzliche 77 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahreszeitraum. Am meisten haben im dritten Quartal insgesamt Toyota, Volkswagen, BMW und Daimler verdient.
„Das weitere Auseinanderdriften birgt erheblichen Sprengstoff“, fasst Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, die Ergebnisse der Studie zusammen. „Die deutschen, koreanischen und japanischen Hersteller haben die Finanzkraft, die europäische Krise durchzustehen – die Südeuropäer hingegen stehen mit dem Rücken zur Wand.“ (mit Material der dpa)
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