Könnte sich nicht ohnehin die Stimmung wieder in Richtung zu Verbrennungsmotoren drehen, falls es gelingt, fossile Kraftstoffe zu substituieren, ohne die Nahrungsmittelproduktion zu beeinträchtigen?
Das ist prinzipiell möglich. Ich persönlich glaube allerdings, dass die Elektrifizierung sich trotzdem durchsetzen wird, weil es immer mehr Metropolen gibt und die Forderungen nach lokaler Null-Emission eine große Rolle spielen wird. Und noch etwas sollte man nicht unterschätzen: Als ich mein erstes Diesel-Fahrzeug mit Direkteinspritzung bekam, so vor etwa 15 Jahren, war ich richtig stolz – es war en vogue, so ein Fahrzeug zu haben. Dabei ging es nicht nur um rationale Fragen wie die Kraftstoffkosten auf langen Strecken, sondern auch um Image, Drehmoment usw. Diesen „Drive“ hat der Dieselmotor aber verloren, und daran werden auch alternative Kraftstoffen voraussichtlich nichts ändern. Bei der Elektrifizierung könnten wir einen ähnlichen Effekt haben wie damals beim Diesel mit Direkteinspritzung: Das ist hip, das ist green, das ist sexy. Ich glaube, dieser Aspekt hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss und wird die Elektrifizierung vorantreiben.
Welche Chancen hat denn der Verbrennungsmotor überhaupt noch?
Es wird schwierig, in großen Stückzahlen Fahrzeuge zu verkaufen, die nur sehr begrenzte Reichweite von zum Beispiel 100 km haben, dann wieder an die Steckdose müssen oder einen Batteriewechsel benötigen. Auch zukünftig werden wahrscheinlich vor allem Fahrzeuge verkauft, die mindestens 250 km oder weiter kommen. Da die Batterietechnologie auf absehbare Zeit aber teuer sein wird, wird man versuchen, mit kleinen Batterien auszukommen. Und dann braucht man eben ein Zusatzaggregat – in der ersten Stufe werden das Verbrennungsmotoren bleiben. Außerdem lässt sich auch beim konventionellen Antrieb mit Otto- und Dieselmotoren, vor allem in Verbindung mit elektrifizierten Getrieben, noch einiges an Effizienz herausholen. Ich glaube, der Verbrennungsmotor wird uns noch mindestens 20 Jahre begleiten.
Vielen Dank für das Gespräch!
(ggo)
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