Im Osten Deutschlands verschwinden die meisten Fahrzeuge Wegweiser
Leipzig, 13. September 2012 – Die Zahl der gestohlenen Fahrzeuge in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Versicherungsportal geld.de in Auftrag gegeben hat. Der Studie zufolge wurden 2011 hierzulande 41.057 Kraftwagen als gestohlen gemeldet, was einen Rückgang um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
500 Millionen Euro Schaden
In der aktuellen Studie wurden die Diebstahlzahlen erstmals in Relation zu der Anzahl der zugelassenen Kraftwagen gesetzt – nicht wie sonst üblich zur Zahl der Einwohner. Allein auf die 121 größten Städte entfallen über 50 Prozent (22.499) aller gemeldeten Kraftwagendiebstähle in Deutschland. Statistisch betrachtet wechselten noch immer täglich etwa 113 Autos ungewollt den Besitzer. So ergibt sich ein Schaden von rund 500 Millionen Euro, welcher letztlich durch die Versicherungsprämien an die Autobesitzer weitergereicht wird.
Der Rückgang an gestohlenen Fahrzeugen hat freilich auch noch eine andere Ursache: Zunehmend konzentrieren sich Täter auf bestimmte Teile wie werksseitige Navigationssysteme, die statt des ganzen Autos gestohlen werden. Autohändler an der Grenze zu Tschechien und Polen klagen seit Jahren über dieses Phänomen – ein Grund für die Politik, dieses Thema auf einer Innenministerkonferenz zu debattieren. Das Knacken von elektronischen Sicherheitseinrichtungen, das Zerlegen der „Beute“ in Einzelteile, die Fälschung von Urkunden und Fahrzeugpapieren sowie der Abtransport und Weiterverkauf lassen das Bild einer zum Teil gut organisierten Tätergruppe entstehen, mit Absatzmärkten in Osteuropa, dem Balkan, dem Nahen Osten und Nordafrika. Das Bild des alleine tätigen Autoknackers gehört schon längst der Vergangenheit an, heißt es in der aktuellen Studie. Von den Tätern, die erwischt wurden, kamen im vergangenen Jahr 31,4 Prozent aus dem Ausland. 1990, im Jahr der deutschen Einheit, waren es gerade einmal 16 Prozent und 2008, im Jahr nach dem Wegfall der Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien, 22,9 Prozent ermittelte, ausländische Diebe.
Stadt-Problem
Vor allem ist der Kraftwagendiebstahl ein städtisches Phänomen. In der Anonymität der Großstädte können Diebe mit den geklauten Autos schneller abtauchen, als in kleineren Kommunen oder auf dem Land. Zudem sind grenznahe Städte und solche mit Autobahnanschlüssen zum Abtransport des Diebesguts ebenfalls ein begehrtes Zielgebiet. So befinden sich unter den Diebstahlhochburgen überdurchschnittlich viele Städte, die im Osten und Norden der Republik liegen und über eine gute Transit-Anbindung nach Osteuropa verfügen. Wohl nicht ohne Grund gibt es hier bis zu 80 Prozent Tatverdächtige, die keinen deutschen Pass haben. Und genau die sorgen dafür, dass rund 46 Prozent der gestohlenen Kraftwagen auch auf Dauer verschwunden bleiben.
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