Prüfstand (Workshop) | c't magazin 06.06.2009

Alte Schätze retten

Hintergrund: Wie man VHS-Kassetten ins digitale Zeitalter holt

VHS auf DVD Video: Prüfstand (Workshop) »

Um analoges Videomaterial in den Computer zu holen, werden die alten Bänder mit einem funktionsfähigen Abspielgerät wiedergegeben – möglichst nur einmal, denn mit jedem Wiedergabedurchgang steigt das Risiko von Aussetzern. Das analoge Videosignal – in Composite(FBAS) oder S-Video-Ausführung – wird dabei samt Tonsignal in eine Wandlerbox geschickt, die daraus digitale Daten erzeugt und an den Rechner weiterreicht. Der übernimmt anschließend die Fehlerkorrektur und die Komprimierung in ein nutzbares Format wie MPEG-2.

In diesem Test vertreten sind fünf Komplettpakete aus aufeinander abgestimmter Hard- und Software; Kabelpeitschen und Adapter erlauben die Nutzung verschiedener Anschlussnormen. Die getesteten Videokonverter von Magix, Roxio und der Grabby von Terratec kommen im USB-Stick-Format; die Hersteller liefern ein USB-Verlängerungskabel mit. Analoge Geräte werden mit der beiliegenden Kabelpeitsche für Composite (FBAS) und S-Video angeschlossen.

Ein vollständig belegter Scart-Anschluss, den das größere Modell von Terratec – der Grabster AV350 MX – mitbringt, überträgt auch das qualitativ sichtbar bessere RGB-Signal – sofern die verwendete Videoquelle solche Signale überhaupt bereitstellt. Ein Scart-Adapter ist zwar nützlich, um alte Videorecorder anzukoppeln; einen echten Scart-Anschluss mit RGB-Eingang kann er aber nicht ersetzen, wenn er nur S-Video- und FBAS-Signale weiterleitet. Die Moviebox von Pinnacle stellt neben analogen Anschlüssen sogar einen vollwertigen FireWire-Port für die Ein- und Ausgabe von DV bereit; die Box wird am USB-Anschluss angekoppelt.

Eine detaillierte Beschreibung aller getesteten Konvertiersysteme finden Sie in der Printausgabe 12/09 des c't magazins in Artikel "Kassetten retten, Preisgünstige USB-Wandler für Analog-Videos" von Florian Mihaljevic und Joachim Sauer ab Seite 58. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 8. Juni 2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk. Hier die Kurzbeschreibung der in der Sendung vorgestellten Lösungen.

Terratec Grabby

Trotz des günstigen Preises von 40 Euro wirkt der Terratec Grabby deutlich robuster als die Wandlerboxen von Roxio und Magix. Die USB-Leitung sowie die Kabelpeitsche für Composite, S-Video und Stereoton sind fest am Modul verdrahtet. Als Software liegt – wie auch beim Grabster AV 350 – Magix "Filme auf DVD" bei.

Beim Einspielen des VHS-Materials zeigte der Grabby die beim großen Bruder sichtbaren Verzerrungen nicht. An den Rändern kam es aber wie bei den anderen Kandidaten zu Farbverfälschungen, was sich mit der Magix-Software beseitigen ließ. Helligkeit, Farbe und Kontrast kann man mit dem Programm problemlos korrgieren. Doch wie bei der Konkurrenz kann das Videobild nach erfolgter Korrektur – bedingt durch Hochskalieren nach dem Randbeschnitt – durchaus schlechter, weil matschiger aussehen.

Magix Retten Sie Ihre Videokassetten 2

Nur 60 Euro verlangt Magix für seinen Digitalisierer mit dem Namen "Retten Sie Ihre Videokassetten". Der in China gefertigte Konverter im USB-Stick-Format wirkt nicht besonders robust. Als Software legt Magix die hauseigene Software "Filme auf DVD 8" bei. Eine USB-Verlängerung erlaubt das Anstecken des großen Sticks beispielsweise am Laptop oder im Kabelsalat hinterm Rechner. Mit der Kabelpeitsche stellt man die Anschlüsse für Composite, S-Video und Stereo-Cinch bereit. Für Besitzer alter VHS-Geräte liegt ein Scart-Adapter bei, der allerdings nur S-Video, Composite sowie Audio überträgt.

Die Software "Filme auf DVD" ähnelt den anderen Schnittlösungen von Magix. Das digitalisierte Material zeichnet das Programm wahlweise als MPEG-1 oder MPEG-2 auf. Der Magix-Lösung gelingt eine erfreuliche Bildqualität: Die Verzerrungen, die auf dem am VHS-Recorder angekoppelten TV-Gerät noch zu sehen waren, sind dank der hochwertigen Wandlung mit Korrektur des Zeilen-Timings in der digitalen Fassung fast nicht mehr zu bemerken; sie wären auch mit den einfachen Mitteln, die das Programm bereitstellt, nicht zu korrigieren. Dennoch blieb am linken Bildrand ein falschfarbiger Balken sichtbar. Leichtes, aber nicht störendes Flimmern ist in strukturierten Flächen auszumachen – insbe-ondere in Szenen, die auf dem Fernseher stark verzerrt waren.

Helligkeit, Schärfe und Kontrast lassen sich unter "Optimieren" in der "Effekte"-Auswahl per Schieberegler oder automatisch korrigieren. Zudem hellt die Funktion "1-Klick FX/Verbessern" zu dunkle Ränder auf. Mit "Video Cleaning", erreichbar per Doppelklick auf einen Videoclip, darf der Cutter einmal mehr Helligkeit und Kontrast verändern. Der zweite Reiter "TV-Bild" bietet die Wandlung von Halbbildern in Vollbilder an sowie den Randbeschnitt. Eine Vollbildwandlung ist aber nicht nötig, da "Video auf DVD" das Material bereits mit 25 Vollbildern/s aufgezeichnet hat – in insgesamt akzeptabler Qualität. Der Randbeschnitt führte zu deutlichen Qualitätseinbußen, leichtes Nachschärfen verbesserte den Bildeindruck aber sichtbar.

Pinnacle Studio Moviebox Plus 12 USB

Pinnacle bietet seine "Moviebox" in zwei Ausführungen an, die sich in der beiliegenden Softwareversion unterscheiden. Der Plus-Version für 130 Euro liegt das Studio Plus 12 bei, zur Ultimate-Ausführung für 200 Euro packt Pinnacle das Studio 12 Ultimate. Für die 70 Euro Aufpreis bekommt der Anwender zusätzliche Effektsoftware sowie ein grünes Tuch für "Bluebox"-Effekte. Die Software ist obendrein in beiden Versionen vollständig HD-tauglich und bearbeitet AVCHD-Material nativ.

Die Digitizer-Box findet per USB 2 am Rechner Anschluss. Sie stellt obendrein einen FireWire-Port zum Anschluss eines DV-Camcorders bereit, der bei aktuellen PCs und Laptops oft fehlt. Analoge Signale nimmt die Box über Composite- und S-Video-Buchsen fürs Bild sowie Stereo-Cinch für den Ton entgegen. Im Unterschied zum Mitbewerb spielt die Moviebox das analoge Material auch aus, etwa zur Vorschau auf einem TV-Monitor.

Beim Einspielen hat man die Wahl zwischen DV, MJPEG, MPEG-1 und MPEG-2. Die Pinnacle-Lösung zeichnet ein weitgehend verzerrungsfreies Videobild auf, bis auf den linken Rand und leichtes unruhiges Rauschen. Die Nachbearbeitung des Analogvideos lässt sich mit Pinnacle Studio gut erledigen; so genügt ein Doppelklick auf einen Clip, um beispielsweise den fehlerhaften Rand abzuschneiden. Mit den "Videoeffekten" kann man per Filter Helligkeit, Farbe und Kontrast ohne Probleme korrigieren; Funktionen zum Entflackern oder zur Randaufhellung fehlen. Der Entrauschen-Effekt (Denoiser) verschlechterte die Bildqualität eher. Die Umwandlung von Halb- in Vollbilder ist dank der Vorarbeit des Hardwarewandlers nicht nötig. Die Anpassung der Geschwindigkeit und das Entwackeln lässt sich nur aktivieren, wenn der Denoiser nicht aktiv ist. (Florian Mihaljevic, Joachim Sauer) / (gs)

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Der Hessische Rundfunk und der Heise Zeitschriften Verlag haben beschlossen, die Kooperation zur Produktion der TV-Sendung c't magazin aus Kostengründen nicht weiter fortzuführen. Der HR und der Heise Verlag bedauern sehr, dieses erfolgreiche Format deshalb zum 25. Juni 2011 einstellen zu müssen.

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