Vorsicht Kunde! | c't magazin 10.07.2010

Das Geschäft mit der Angst

Hintergrund: Falsches Notrufhandy für Senioren (Wdh. vom 30.1.2010)

Vorsicht Kunde! - Seniorenhände Video: Vorsicht Kunde! »

Für den Fall der Fälle

Es klingt so einfach auf der Verkaufsveranstaltung. Das richtige Handy in Verbindung mit dem passenden Vertrag soll Sicherheit geben. Das verspricht der Verkäufer des so genannten Senioren-Notrufhandys. Sogar Leben retten soll es können!.

Dafür hat das vermeintliche Handy angeblich sogar eine Notruftaste. Ein Druck und das Handy löst Alarm aus und ruft den Rettungsdienst an. Die Notfallretter sollen das Handy und damit auch die Notsituation über den eingebauten GPS-Empfänger auf wenige Meter genau orten können.

Windige Verkäufer

All das spielt sich auf einer Verkaufsveranstaltung der Vertriebs-Firma EKG ab. Das Angebot: Die Rentnerinnen sollen einen Handyvertrag abschließen: 4,95 Euro Grundgebühr und 15 Euro dazu, die als Gesprächsguthaben abtelefoniert werden können. Das ganze wird abgewickelt über den Mobilfunkbetreiber Talkline.

Die Handys können Gisela K. und Hedwig C. gleich mitnehmen. Eigentlich sehr praktisch.

Böses Erwachen

Aber dann kommt die erste Rechnung. Und der vermeintliche Spezialtarif entpuppt sich als ein ganz normaler Handyvertrag für 19,95 Euro Grundgebühr. Von einem Gesprächsguthaben ist jetzt keine Rede mehr. Und das Spezialhandy? Dabei handelt es sich um ein ganz normales Seniorenhandy mit keinen besonderen Fähigkeiten – der Notrufknopf entpuppt sich als ein einfacher Rufnummernspeicher. Auch die Ortungsfunktion gibt es nicht.

Aussage verweigert

Wir konfrontieren den Geschäftsführer von EKG im niedersächsischen Garrell mit den Vorwürfen. Zuerst gibt sich einer der Geschäftsführer ahnungslos, er sei nicht informiert und müsse erst Rücksprache halten. Dann allerdings bleibt die Tür zu. Man verweigert uns das Interview.

Die Björn-Steiger-Stiftung

Geworben hatte die Firma auch im Namen der Björn-Steiger-Stiftung. Die Stiftung zählt seit den 1960iger Jahren in Deutschland zu den Pionieren der Notfallrettung. Was hat die Stiftung mit diesen Machenschaften zu tun? Gar nichts, bestätigt uns Melanie Storch von der Björn-Steiger-Stiftung. „Wir verfolgen diese Machenschaften bereits seit längerem strafrechtlich und bitten alle Betroffenen dringend, sich bei uns zu melden.“ Die Werber haben sich vermutlich alte Flyer der Stiftung besorgt und verteilen diese auf ihren Verkaufsveranstaltungen, um einen serilsen Eindruck zu machen.

Was tun?

Betroffene sollten sich direkt bei der Björn-Steiger-Stiftung melden, entweder per Telefon 0711-320666-10 oder per Email an info@steiger-stiftung.de

Den abgeschlossenen Handyvertrag wird man los, indem man beim beim Vertragspartner den aufgrund falscher Versprechen geschlossenen Vertrag anfechtet. Auch wenn sich der Anbieter zunächst weigert, sollte man auf einer fristlosen Kündigung bestehen. (gs)

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Der Hessische Rundfunk und der Heise Zeitschriften Verlag haben beschlossen, die Kooperation zur Produktion der TV-Sendung c't magazin aus Kostengründen nicht weiter fortzuführen. Der HR und der Heise Verlag bedauern sehr, dieses erfolgreiche Format deshalb zum 25. Juni 2011 einstellen zu müssen.

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