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Ein für Netbooks seltenes Feature ist ein Touchscreen. Wir haben vier damit ausgestattete Mini-Notebooks ins Labor geholt. Sie haben nicht alle Funktionen eines vollwertigen Tablet PC, mögen aber vielen Anwendern ausreichen – gerade wegen ihrer niedrigen Preise.
Angesichts der kleinen Touchpads und Tastaturen von Netbooks wünscht man sich mitunter eine weitere Eingabemethode zum täglichen Arbeiten. Am Schreibtisch mag man eine Maus anschließen können, doch unterwegs ist man auf die eingebaute Hardware angewiesen. Wir haben vier Mini-Notebooks getestet, die sich dank Touchscreen zusätzlich per Finger bedienen lassen.
Während Dell beim Latitude 2100 einfach eine zusätzliche, berührungsempfindliche Schicht vor das Panel setzt, kommen die drei anderen Kandidaten Asus Eee PC T91, Gigabyte TouchNote T1028X und Wortmann Terra Mobile Edu III (baugleich zu Intels Convertible Classmate PC) in Convertible-Bauweise daher und werden deshalb mitunter als Netvertible bezeichnet: Wie bei Tablet PCs lässt sich der Deckel hier um 180° drehen und mit dem Display nach oben über die Tastatur klappen. Während selbst die günstigsten Tablet PCs mindestens 1000 Euro kosten, gehen die hier vorgestellten Geräte für 450 bis 570 Euro über den Ladentisch.
Die kompletten Testergebnisse aller überprüften Geräte finden Sie in der aktuellen Printausgabe 22/09 des c't magazins im Artikel "Touchbooks, Netbooks mit Touchscreen ab 450 Euro" von Achim Barczok und Florian Müssig ab Seite 110. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 26. Oktober 2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk . Hier die Kurzbeschreibung der drei in der Sendung vorgestellten Geräte.
Dell Latitude 2100
Dell Latitude 2100: Touchscreen nicht drehbar; keine Touch-Software; gute Tastatur; klobiges Gehäuse; in fünf Farben lieferbar
Dell-typisch können Käufer des Business-Netbooks Latitude 2100 ihr Gerät bei der Bestellung an persönliche Vorlieben anpassen. Auf unserem Testgerät lief Windows XP, doch zur Wahl stehen auch Vista oder Ubuntu Linux 8.10. Nur mit einem der beiden letzteren Betriebssysteme bekommt man 2 GByte Arbeitsspeicher oder mehr als 160 GByte Festplattenplatz – Microsofts Beschränkungen für die günstige XP-Home-Lizenz lassen grüßen.
Ein knallrotes, neonblaues, giftgrünes oder quietschgelbes Gehäuse schlägt mit 30 Euro Aufpreis gegenüber der schwarzen Standard-Variante zu Buche. Die Unterseite und die Deckelaußenseite des Netbooks sind gummiert, was ein sicheres Festhalten ermöglicht und unschönen Kratzern vorbeugt.
Der Sechs-Zellen-Akku unseres Testgeräts kostet moderate 24 Euro mehr als das Drei-Zellen-Modell und verdoppelt die Laufzeit auf bis zu sieben Stunden. Er bockt das Latitude 2100 am hinteren Ende rund eineinhalb Zentimeter auf, wodurch es noch klobiger wirkt, als es durch die großen Seitenflächen sowieso schon ist.
Das Bestellen des Touchscreens (30 Euro) ergibt nur dann Sinn, wenn man eigene, auf Fingerbedienung angepasste Anwendungen hat, denn Dell liefert keine mit. Die Panel-Auflösung beträgt immer magere 1024 x 576 Punkte, was selbst Windows zu wenig ist: In regelmäßigen Abständen motzt XP, man möge doch bitte die Auflösung erhöhen.
Die Standardgarantie von einem Jahr lässt sich auf bis zu drei Jahre (126 Euro) erhöhen. Unabhängig davon kann man die Garantiezeit des Akkus ebenfalls auf bis zu drei Jahre (83 Euro) verlängern; so etwas bietet kaum ein anderer Notebook-Hersteller an. Ein internes UMTS-Modem sieht Dell selbst gegen Aufpreis nicht vor – für ein Business-Gerät befremdlich.
Gigabyte TouchNote T1028X
Gigabyte TouchNote T1028X: hohe Bildschirmauflösung; große Tastatur; welliger Touchscreen; erweiterbar
Gigabytes TouchNote T1028X hat die für ein 10-Zoll-Netbook ungewöhnlich hohe Bildschirmauflösung von 1366 x 768 Punkten (155 dpi). Sie erlaubt ein komfortables Arbeiten mit Dokumenten, Bildern und Webseiten ohne das bei den anderen Testkandidaten allgegenwärtige Scrollen; zum Bedienen der kleinen Icons und Menüpunkte über den Touchscreen muss man allerdings den mitgelieferten Stift benutzen – mit dem Finger trifft man nicht. Über dem Touchscreen sitzt eine wellige, spiegelnde Anti-Kratzschicht, die sich bei Berührung durchbiegt, bevor man den Tipp tatsächlich auslöst.
Die Ausstattung kann sich mit Atom N280, Draft-N-WLAN, Bluetooth und ExpressCard-Schacht sehen lassen. In unserem Testgerät steckte zudem ein UMTS-Modem, was den Preis auf satte 720 Euro hebt; ohne Mobilfunk geht das T1028X für 570 Euro über den Ladentisch – und wer später aufrüsten möchte, kann das UMTS-Modem als Zubehör nachkaufen.
Auf den 17,5 Millimeter breiten Tasten kann man längere Texte problemlos tippen, einzig die einzeilige Enter-Taste ist gewöhnungsbedürftig. Beim Touchpad muss man umlernen, weil die Maustasten nicht wie üblich vor, sondern neben der Sensorfläche sitzen.
Gigabytes Webseite führt eine zweite Variante des T1028 namens T1028M mit 1024-x-600er Bildschirm, doch bei deutschen Händlern findet man sie nicht. Generell sind Gigabytes Notebooks – anders als die Grafikkarten oder Mainboards des Unternehmens – hierzulande nur bei wenigen Händlern wie Notebook.de zu bekommen. Der 8,9-Zoll-Vorgänger M912 ist weiterhin erhältlich und mit zwei verschiedenen Bildschirmauflösungen lieferbar: als M912M (390 Euro) mit 1024 x 600 und als M912X (420 Euro) mit 1280 x 800 Punkten .
Wortmann Terra Mobile Edu III
Wortmann Terra Mobile Edu III: präziser Touchscreen mit Handballenerkennung; umfangreiches Softwarepaket; nur 8 GByte Speicherplatz
Mit seinem rundlichen, weißgrauem Design erinnert das Edu III von Wortmann an Spielcomputer für Kinder, was nicht von ungefähr kommt: Bei dem Gerät handelt es sich um die dritte Generation von Intels Classmate PC, der für Bildungsprojekte in Schwellenländern entwickelt wurde – quasi das Gegenstück zum AMD-bestückten „100-Dollar-Laptop “ XO von OLPC (One Laptop Per Child). Bis vor kurzem war das Gerät nur für regierungsnahe Organisationen in großen Stückzahlen erhältlich, doch nun können es auch Privatanwender kaufen.
Bei Wortmann bekommt man es mit XP Home oder Professional; das Netbook ist aber auch bei Unimall.de (als Convertible Classmate PC) und Tarox (als Basic Book 100) zu haben – in etwas anderer Konfiguration: Während die beiden Wortmann-Modelle nur knappe 8 GByte Flashspeicher bieten, haben die Unimall-Geräte doppelt so viel Speicherplatz und sind wahlweise mit Linux oder ohne Betriebssystem erhältlich.
Tarox baut statt Flash eine 60 GByte fassende 1,8-Zoll-Platte ein, doch das Basic Book 100 war bei Redaktionsschluss nicht verfügbar. Es hat laut Datenblatt nur einen Vier-Zellen-Akku, während Unimall und Wortmann die Sechs-Zellen-Version mitliefern, die über sechs Stunden durchhält. Sie steht nach hinten unten über, blockiert den praktischen Tragegriff am hinteren Ende aber nicht. Das Gehäuse besteht aus robustem, mattem Kunststoff, weshalb nichts dagegen spricht, das Gerät per Griff und ohne Hülle zu transportieren.
Wortmann stattet sein Edu III mit einer Vollversion des Zeichenprogramms ArtRage 2.5 sowie etlicher (Freeware-)Bildungs-Software aus. Da sich neben vorinstallierten Anwendungen auch noch die Installationsroutinen für weitere Anwendungen im nur 8 GByte kleinen Flashspeicher befinden, bleibt kaum Platz für eigene Wunschsoftware – und das, obwohl bereits die 1-GByte-Datei für den Ruhezustand fehlt. Wortmann kaschiert den knappen Speicherplatz durch die Komprimierung des kompletten NTFS-Dateisystems, was negative Auswirkungen auf die Geschwindigkeit hat: Wegen des lahmen Atom-Prozessors brechen die Schreibraten mitunter auf unter 1 MByte/s ein – ohne Komprimierung schafft die SSD rund 17 MByte/s schreibend und 32 MByte/s lesend.
Die Energieverwaltung muss über Intels Hilfsprogramm Power Manager vorgenommen werden, dessen Energieprofile die Windows-Einstellungen über schreiben. Zwar lassen sich darin auch eigene Profile erstellen, doch diese sind unflexibel: WLAN lässt sich beispielsweise nur als an oder aus definieren; den letzten Zustand merkt sich der Power Manager hingegen nicht. (Florian Müssig, Achim Barczok)