Prüfstand (Workshop) | c't magazin 24.10.2009

Modern Reisen

Hintergrund: Ohne Ticket im Zug

touch&travel Video: Prüfstand (Workshop) »

Berühr mich!

Wir haben es ausprobiert. Eine Reise mit der Deutschen Bahn und vor allem: Ohne Ticket. Dabei fahren wir nicht schwarz, wir probieren einfach das neue System touch&travel – die Fahrkarte über das Handy aus. Sozusagen ein Selbstversuch.

Pilotphase

Der Plan ist einleuchtend und soll den Passagieren eine deutliche Komfortsteigerung bieten. Kein Warten mehr am Schalter und auch die etwas komplizierte Nutzung der Fahrkartenautomaten soll der Vergangenheit angehören. Einfach beim Einsteigen am Bahnsteig das registrierte Spezial-Handy an den Touchpoint halten und beim Aussteigen am Zielort wieder auschecken. Das System ermittelt dann die Route und bucht die Fahrtkosten automatisch über das Handy ab. Die Kontrolleure im Zug können mit ihren elektronischen Lesegeräten das Handy auslesen und die Fahrberechtigung einsehen. So zumindest ist die Theorie.

Funktioniert’s ?

In einer Pilotphase muss nicht alles wirklich funktionieren. Bei unserer angemeldeten Stichprobe allerdings versagt das System nahezu komplett. Rückschlüsse auf das fertige Touch&Travel-System lassen sich daraus nicht ziehen, Skepsis allerdings ist angebracht. Wir waren als Fernsehteam angemeldet und reisen in Begleitung fachkundiger Bahnmitarbeiter. So kommen wir nicht in den Ruf, Schwarz fahren zu wollen, als die Kontrolleurin unsere Fahrkarte nicht lesen kann. Als normaler Kunde allerdings hätten wir sicher Probleme bekommen. Als Grund für die Probleme nennt uns die Bahn, dass die eingesetzten Handys noch handgefertigte Prototypen sein.

Stresstest – nicht nur für das System

Natürlich wollen wir auch wissen, was passiert, wenn der Handy-Akku unterwegs den Dienst versagt. Die Bahn beruhigt: Auch das ausgeschaltete Handy können die Kontrolleure auslesen – wenn sie denn können. Und was ist, wenn der Kunde das Auschecken vergisst. Wie lange wird dann die Reise – und vor allem: Wie teuer? Dann bekommt der Kunde eine SMS mit dem freundlichen Hinweis, die gefahrene Strecke zu nennen – nur die würde dann auch wirklich berechnet. Das freut uns, zeigt die Bahn doch an dieser Stelle, welch grenzenloses Vertrauen man in die Fahrgäste hat. Dürfen die Kunden aber auch der Bahn vertrauen? Denn mit dem neuen Dienst könnte man ja ganz einfach Bewegungsprofile der Kundschaft anlegen. „Tun wir aber nicht!“, stellt die Bahn-Projektleiterin Birgit Wirth klar. „Den Datenschutz nehmen wir sehr ernst!“ Und auch das Ausspähen der persönlichen Handykennung soll unmöglich sein. Die Sicherheit vergleicht die Bahn mit der bei EC- oder Kreditkarten.

Die Technik dahinter

Die Bahn setzt vorerst nur Handys der Firma Motorola ein, die mit sogenannter Nahfunktechnik (NFC) ausgestattet sind. Diese Funkverbindung reicht nur über wenige Zentimeter. Ein Serversystem übermittelt die Daten wie Start- und Zielstation und die Handy-ID. Einmal im Monat wird über die Handyrechnung abgerechnet. Die Bahn legt auf ihrer Webseite großen Wert darauf. dass die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden.

Übrigens: Die Bahn sucht Testkunden. Wollen Sie auch mal probieren? Ein Testhandy gibt es gratis.

(Ulrich Geiger )

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Der Hessische Rundfunk und der Heise Zeitschriften Verlag haben beschlossen, die Kooperation zur Produktion der TV-Sendung c't magazin aus Kostengründen nicht weiter fortzuführen. Der HR und der Heise Verlag bedauern sehr, dieses erfolgreiche Format deshalb zum 25. Juni 2011 einstellen zu müssen.

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