Prüfstand (Workshop) | c't magazin 14.11.2009

Selbstfahrer

Hintergrund: Machen Computer unsere Autos wirklich sicherer? (3Sat)

Computer im Auto Video: Prüfstand (Workshop) »

Vollautomatisch

Hightech im Auto - sie wird immer schlauer. Jüngstes Beispiel: das Müdigkeitswarnsystem der neuen Mercedes E-Klasse. Es merkt aufgrund der Lenkbewegung des Fahrers genau, wann der müde ist - und schickt ihn mit einem dezenten Hinweis auf den Parkplatz.

Oder die Einparkautomatik, die mittlerweile schon in zahlreichen Autos eingebaut ist. Sie verhindert hässliche Beulen am eigenen Fahrzeug und an dem anderer. Eine schöne Erfindung. Doch ist Hightech im Auto wirklich immer ein Segen?

Panne Nummer 1: Steuerelektronik

Macken in der Steuerelektronik sind mittlerweile Pannenursache Nummer 1. Volker Lempp, Verkehrsrechtsexperte des ACE weiß: „Die Anzahl der Elektronik im Auto ist schneller gewachsen als das Wissen als man das Wissen weitervermitteln kann. Es werden immer mehr immer schneller Steuergeräte eingebaut. Und der typische Mechaniker kommt nicht mehr nach. Die Qualifikation hinkt hinterher.“

Was das heißt - davon kann Hubertus K. ein Lied singen. Sein Auto streikt permanent, der Motor ruckelt und läuft nur noch im so genannten Notprogramm. Und dauernd leuchten Warnlampen auf. Die Werkstatt vermutete ein Elektronikproblem und tauschte etliche Steuergeräte aus.

Hubertus K. hat einen ganzen Korb voll ausgetauschter Teile im Kofferraum seines Wagens stehen: „Das elektronische Parkbremssystem funktioniert nicht. Die Motorsteuerung funktioniert nicht.  Der Wagen läuft nicht richtig. Er verliert Leistung. Er startet nicht richtig. Aber woran es liegt, weiß keiner.“

Auch Rudolf H. ist ratlos. Mehrfach mussten in seinem Wagen unter anderem Kombiinstrument, Hinterachsen-Getriebe, Standheizung, Licht- und Regensensoren getauscht werden  Viele dieser Fehler scheinen ursächlich nicht an den jeweils als defekt gemeldeten Einheiten gelegen zu haben, sondern waren Falschmeldungen der Elektronik, die zum Versagen geführt haben. Auch sein Auto war unzählige Male in der Werkstatt. Ohne jeden Erfolg. Rudolf H.s Wagen ist mittlerweile so gut wie unverkäuflich.

Rudolph H. : „Ich hab bei meinem Händler gefragt, ob er mir den Wagen in Zahlung nimmt, wenn ich ein neues Fahrzeug kaufe. Der sagte, er würde ihn ungern in Zahlung nehmen, weil er die Geschichte meines Autos ja kenne.“

Fachleute ratlos

Die Probleme der beiden Autobesitzer sind keine Einzelfälle. Immer häufiger lassen sich Probleme mit der Steuerelektronik selbst in Fachwerkstätten nicht lösen. Obwohl die doch für so etwas da. Doch statt zu reparieren heißt es immer öfter: „Tut uns leid, wir können den Fehler einfach nicht finden.“

Nur was ist mit den hochmodernen Analysegeräten, die Elektronikfehler normalerweise automatisch erkennen und binnen weniger Sekunden anzeigen? Eigentlich tun sie das auch. Doch nicht so, wie sie sollten, weiß Elektronik-Fachmann Wolfgang K.: „Bei der Konzeption der Steuergeräte werden Prüfprogramme festgelegt. Und in den Programmen wird festgelegt, was kaputt gehen kann. Und alles, was in diesen Prüfprogrammen nicht erfasst ist, wird danach nicht gefunden.“

Reparatur unnötig!

Und statt die Fehler zu korrigieren, wird die teure Steuerelektronik einfach ausgetauscht. Ein Unding, wie man in dieser Spezialwerkstatt weiß. Hier können alle erdenklichen Elektronikmacken problemlos analysieren werden. Täglich landen in der Autoklinik Dutzende scheinbar defekter Steuergeräte. Doch das Erstaunliche: Viele sind überhaupt nicht kaputt, zahlen muss der Kunde trotzdem.

Ralf H. von der Autoklinik: „Wir haben da eine Zahl, die sich über die letzten Jahre konstant hält: 40 Prozent der Geräte sind völlig in Ordnung“

Und selbst die defekten Geräte lassen sich in der Regel für die Hälfte des Neupreises reparieren. Nur: wer weiß das schon? Hubertus K. jedenfalls hat sich von seiner Werkstatt immer wieder neue Teile einbauen lassen. Kosten bis jetzt: satte 5000 Euro!

Zukunftsmusik

Doch trotz des massenhaften Hightech-Desasters tüfteln Autoentwickler und Computerspezialisten weiter an der technologischen Aufrüstung unserer Fahrzeuge. Sie soll das Fahren noch viel sicherer machen. Und auch die Vernetzung von Autos ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Per Internetverbindung sollen unsere Autos andere Verkehrsteilnehmer automatisch warnen - etwa wenn sie an einem Unfall vorbeifahren. Car-to-car-Kommunikation heißt das Zauberwort. Doch bis so was Alltag ist, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Und vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

 Die Autoklinik

Die im Beitrag genannte Autoklinik finden Sie hier:

Firma Hitzing und Pätzold
Am Wiesenbusch 2
45966 Gladbeck
Tel:  02043 / 944 449
FAX: 02043 / 944 450

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Der Hessische Rundfunk und der Heise Zeitschriften Verlag haben beschlossen, die Kooperation zur Produktion der TV-Sendung c't magazin aus Kostengründen nicht weiter fortzuführen. Der HR und der Heise Verlag bedauern sehr, dieses erfolgreiche Format deshalb zum 25. Juni 2011 einstellen zu müssen.

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