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Schrecken in der Nacht
"Wir sind mitten in der Nacht aufgewacht, weil es so geknallt hat. Zuerst haben wir an Einbrecher gedacht. Erst später stellte sich heraus, dass das Telefon explodiert ist... Obwohl das Geräte gerade bei der Reparatur war. Dort haben wir gefragt ob der Akku einer der Charge ist, bei der Explosionsgefahr besteht. Das wurde verneint.", schildert Daniel Seidel die Ereignisse.
Das feurige Energiebündel aus dem Nokia Handy hat bei der Explosion tiefe Spuren hinterlassen: Regal und Fußboden sind verkohlt. Um ein Haar hätte die Wohnung Feuer gefangen. Daniel Seidel wendet sich an Nokia, zu diesem Zeitpunkt geht er noch davon aus, dass man ihm natürlich schnell ein Ersatzhandy zusendet. Ein Irrtum.
Einfach ignorieren?
Daniel wird vom Nokia-Service jäh enttäuscht: "Die Mitarbeiter haben sich gar nicht dafür interessiert. Sie haben lediglich geraten das Gerät einzuschicken. Der Eingang wurde bestätigt. Seit dem warte ich auf Ersatz.", berichtet der verärgerte Nokia-Kunde.
Sind brennende Akkus nichts außergewöhnliches für den Handy-Weltmarktführer? Auch auf unsere Bitte um Stellungnahme ernten wir nur eisiges Schweigen... Da bleibt Familie Seidel wohl nur der Rechtsweg.
Druck machen!
Rechtsanwalt Erc von Conrady rät der Familie: "Sie sollten dem Hersteller eine Frist setzten. Verstreicht diese sollte Familie Seidel den Hersteller auf dem Rechtsweg zur Herausgabe zwingen."
Indes macht sich Daniel Seidel so seine Gedanken zur Beinahekatastrophe. Muss man wirklich damit rechnen, dass so ein Handy "einfach mal" explodiert?
Mittelbar gefährlich
Beim TÜV Rheinland werden die HighTech Akkus auf ihre Betriebssicherheit hin untersucht. TÜV-Experte Ralf Diekmann relativiert die Explosions-Gefahr: "Es muss niemand Angst haben, dass einem das Handy beim telefonieren um die Ohren fliegt. Besonders Billigakkus sind gefährdet, weil sie nicht über Sicherheitsschaltungen verfügen. Da kann es unter Umständen vorkommen, dass sich ein Akku so stark aufheizt, dass er sich durch’s Gehäuse frisst. Wenn Lithium austritt kann es zu heftigen Reaktionen kommen. Aber auch mit Markenakkus gibt es Probleme beim Ladevorgang."
Also: Keine Entwarnung! Während Nokia beharrlich eine Auskunft verweigert, fragt sich Familie Seidel wer eigentlich für den entstandenen Schaden in der Wohnung aufkommt.
Warten und zahlen
Seit 2 Monaten wartet Familie Seidel, dass Nokia sich meldet. Immerhin laufen die Grundgebühren vom Handyvertrag weiter und ohne Handy kann die Familie nicht telefonieren. Hinzu kommt die Regulierung des Brandschadens. Aber auch darauf hat Rechtsanwalt Erc von Conrady eine klare Antwort: Nach Produkthaftungsgesetz haftet grundsätzlich der Hersteller, allerdings nur ab einer Schadenhöhe von 500 Euro. Bis zu 500 Euro muss der Verbraucher selbst zahlen.
Nordisches Schweigen
Wir wollen das konsequente Schweigen von Nokia nicht akzeptieren und haken nun zum dritten Mal bei Nokia nach, um die versprochene Stellungnahme zu erhalten. Aber auch diesmal: Fehlanzeige. So lässt sich nur spekulieren, welches Ausmaß das Problem mit dem explodierten Handy bei Nokia wirklich haben könnte. Ist das der Versuch, durch das Aussitzen eines Problemes größeren Schaden einer ganzen Serie zu vertuschen?
Sollte es grundsätzliche Probleme mit einer Akkuserie geben und hält Nokia diese Serie weiter in Umlauf, könnte es teuer werden für den Konzern, "weil der Hersteller gegebenenfalls durch das in Verkehr bringen eines Schadhaften Akkus seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat und deshalb den ganzen Schaden nach §823 ersetzen muss." erklärt der Kölner Rechtsanwalt.
Ganz aufs Mobiltelefon und andere Akkugeräte will Familie Seidel nicht verzichten. Daniel installiert deshalb überall in der Wohnung Rauchmelder – Die sollen recht zeitig Alarm schlagen wenn wieder mal ein Akku hochgeht. Und ein Nokia-Handy muss es nicht mehr unbedingt sein, resümiert Familienvater Seidel. (ug)
Permalink: http://heise.de/-401897
c't magazin wird eingestellt
Der Hessische Rundfunk und der Heise Zeitschriften Verlag haben beschlossen, die Kooperation zur Produktion der TV-Sendung c't magazin aus Kostengründen nicht weiter fortzuführen. Der HR und der Heise Verlag bedauern sehr, dieses erfolgreiche Format deshalb zum 25. Juni 2011 einstellen zu müssen.
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