Prüfstand (Workshop) vom 20.03.2010 | c't magazin

Video: Sie wollen doch nur spielen!

- Kinder am Computer


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Sie wollen doch nur spielen!

Kinder am Computer

Beim Mindestalter für den Computereinstieg schwanken die Empfehlungen von Medienpädagogen zwischen vier und sechs Jahren. Eltern können in Ruhe abwarten, bis das Kind von sich aus Interesse anmeldet. Die berufliche Zukunft eines Kindergartenkindes ist nämlich nicht gefährdet, falls es lieber im Sand buddelt oder Bilderbücher anschaut, als sich mit Tastatur und Maus zu befassen.


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Wenn es so weit ist, sollten Vorschüler grundsätzlich nicht allein am Rechner sitzen, sondern immer einen Erwachsenen neben sich haben. So können sie Fragen stellen und geraten nicht auf ungeeignete Webseiten. Auch beim ersten Herumklicken in einem Spiel lässt man Kinder nicht allein. Was einige von ihnen schon mit fünf Jahren langweilt, will anderen selbst mit sieben nicht gelingen. Die dauernde Unter- und Überforderung durch ein Spiel führt gleichermaßen zu Frust, daher sollte man in solchen Fällen eingreifen.

Sanfter Einstieg

Erziehungswissenschaftler raten, ein tägliches Zeitlimit für Fernsehen, Computer und Internet festzulegen, die sogenannte Medien- oder Bildschirmzeit. Falls ein sechsjähriges Kind nachmittags eine Sendung im Fernsehen anschaut, ist der Computer an diesem Tag tabu. Als Empfehlung für Kinder unter sechs Jahren wird eine Zeitspanne von 20 oder 30 Minuten genannt, für Grundschüler kann sich die tägliche Medienzeit nach und nach steigern und für Kinder ab zwölf etwa 90 bis 120 Minuten betragen. Es ist ratsam, klare Vereinbarungen zu treffen, in denen sich das Kind zur Einhaltung der Medienzeiten verpflichtet – eventuell sogar schriftlich.


Auf der Webseite des SWR kann man lustige Sachen machen. Lässt das Kind Günter Kastenfrosch beim Farbenmischen per Mausklick auf eine Tube hopsen, klatscht ein Farbklecks auf die Leinwand. Vergrößern
Es ist etwas völlig anderes, ob man gelegentlich über die Schulter des Kindes hinweg einen Blick auf das bunte Treiben auf dem Bildschirm wirft oder sich wirklich auf eine spannende Detektiv-Geschichte einlässt. Erwachsene, die noch keine Computerspielerfahrung haben, werden dabei feststellen, wie schnell eine halbe Stunde verfliegt, wenn man mit einer scheinbar unlösbaren Aufgabe beschäftigt ist. Solche Spielsituationen können zu Konflikten führen, in denen man sich als Elternteil am besten kompromissbereit zeigt. Wird der Abbruch des fesselnden Jump & Run mit einem genervten „Jetzt mach die Kiste endlich aus!“ just dann erzwungen, wenn der Held zum finalen Sprung ins nächste Level ansetzt, fühlt sich das Kind zu Recht unverstanden. Besser ist es, die Zeitüberziehung zu tolerieren, und anschließend mit dem Kind darüber zu sprechen, welche Sogwirkung Spiele haben können und warum das so ist.

Solange Zeitvorgaben grundsätzlich beachtet werden und Freunde, Familie und Schule nicht darunter leiden, ist bei Kindern ab zwölf auch nichts gegen ein durchgespieltes Wochenende zu sagen. Falls aber die gemeinsam beschlossenen Grenzen von Tag zu Tag ein bisschen mehr überzogen werden und diese Tendenz über einen längeren Zeitraum und zu Lasten anderer Freizeitbeschäftigungen anhält, sollten Eltern gegensteuern. Dabei gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, zu beurteilen, ob es sich bei der übermäßigen Computernutzung einfach um die vorübergehende Begeisterung für ein neues Computerspiel handelt oder womöglich um den Beginn einer Spielsucht.


In jedem Bild des Spiels „Klopf an!“ von Terzio gibt es ein paar Anima tionen. So kann man per Maus Türen öffnen, Blumen gießen und Teddybären schlafen legen. Vergrößern
In der Pubertät entwickeln Kinder und Jugendliche immer stärker eigene Interessen und suchen sich ihre Computerspiele zunehmend selbst aus – genauso wie ihre Freunde oder ihre Kleidung. Konflikte sind dann unvermeidlich und ganz normal. Falls Eltern und Kinder es bisher gewohnt waren, sich über ihre Vorlieben und Abneigungen auszutauschen, können sie aber weiter im Gespräch bleiben. Auch deshalb ist die gemeinsame Beschäftigung mit Computerspielen und Internet in der Vorschul- und Grundschulzeit so wichtig.

Geeignete Beschäftigung für kleine Computereinsteiger findet sich an vielen Stellen im Web. Zum Beispiel gibt es witzige Flash-Spielchen mit der Tigerente, Bob dem Baumeister oder der Maus und dem Elefanten vom WDR.

Sicher unterwegs im Web


So soll es sein: Hase Felix macht im PC-Spiel von HMH Vorschläge und das Kind kann frei entscheiden, wohin die (Zeit-)Reise geht. Vergrößern
Im Internet gibt es Pornografie und Gewalt, Abzocker lauern mit Abofallen und beim Download illegaler Film- und Musikkopien drohen teure Abmahnungen. Kinderschutzsoftware soll dafür sorgen, dass unerwünschte Inhalte den Kindern gar nicht erst angezeigt werden.

Bis etwa zum Ende des Grundschulalters bieten sogenannte Whitelists zuverlässigen Schutz: Sie lassen nur Webseiten durch, die in einer Positiv-Liste stehen. Solche Listen sollten bereits mit vielen geprüften Seiten befüllt sein, damit die Kinder sie nicht als Gefängnis empfinden.

Eine brauchbare Whitelist-Lösung für jüngere Kinder ist frag-FINN . Eine kostenlose Software auf dem PC überwacht dabei die Benutzerkonten der Kinder. Man kann dann sicher sein, dass keine ungeeigneten Inhalte durchrutschen, zumal sich die Software nicht einfach austricksen lässt.


In der Gartensimulation „Viva Piñata“ züchten die Spieler lustige bunte Tiere, wobei ganz neue Arten entstehen können. Vergrößern
In Whitelist-Lösungen müssen die Eltern immer wieder neue Seiten einpflegen. Irgendwann wird der Aufwand zu groß und die Kinder fordern mehr Freiraum. Wer dann zu restriktiv reagiert, riskiert, dass die Kinder auf unkontrollierte Internetzugänge ausweichen, etwa bei Freunden oder in der Schule. Besser ist dann der Wechsel zu einer Blacklist, die umgekehrt funktioniert: Sie lässt alles durch, was nicht aufgeführt ist. Allerdings ist das Internet zu groß und ändert sich zu schnell, als dass alle problematischen Seiten auf einer Blacklist aufgeführt sein könnten. Häufig werden Blacklist-Lösungen durch einen Filter ergänzt, der anhand von Schlüsselwörtern arbeitet. Das kann dazu führen, dass etwa Aufklärungsseiten als vermeintliches Sexangebot ebenfalls blockiert werden.

Windows 7 und Vista enthalten in den Home- und Ultimate-Versionen eine Jugendschutzfunktion, die als White- wie auch als Blacklist funktioniert. Beide Listen lassen sich beliebig erweitern. Das ist bei der Whitelist auch dringend nötig, da sie nur wenige Seiten für Kinder durchlässt. Die Blacklist haben wir mit einer Liste von 460 URLs aus verschiedenen Kategorien getestet. Sie sperrte dabei beachtliche 97 Prozent der Porno-, immerhin 53 Prozent der Gewalt-, aber nur 8 Prozent der Abzockseiten. Dafür blockierte sie nur 4 von 107 harmlosen Seiten – ein gutes Ergebnis.


Auf der Wildwasser-Strecke schwimmen Entchen und die Frisbeescheibe apportiert ein Hund – die Wii-Sportspiele sorgen für Action im Wohn - zimmer und sind bewusst kinderfreundlich gestaltet. Vergrößern
Der Jugendschutz lässt sich nur schwer aushebeln und bietet nützliche Zusatzfunktionen wie das ausführliche Protokoll und die Möglichkeit, die Nutzung auf bestimmte Zeiten zu beschränken. Leider kann man kein Zeitkontingent pro Tag oder Woche einrichten. Diese Aufgabe erfüllt die „Kindersicherung 2010“ von Salfeld für 30 Euro sehr gut. Hier kann man für Lernprogramme größere Zeitkontingente vorsehen und Einmalpasswörter erzeugen, mit denen sich die Nutzungszeit in Ausnahmefällen verlängern lässt. Das Programm versendet täglich Protokolle per E-Mail.

Außer dem Jugendschutz bietet Microsoft im Rahmen von Windows Live noch den kostenlosen Family-Safety-Filter an, der auch unter Windows XP läuft. Um ihn nutzen zu können, muss man sich registrieren und erhält dann eine Windows Live ID. Die lokal zu installierende Komponente des Filters verwaltet die Benutzerkonten und die Grundeinstellungen dazu. Die Feineinstellungen nimmt man auf der Website familysafety.live.com vor, wo auch ein Aktivitätsbericht einsehbar ist. Hier können Eltern sogar vom Büro aus Seiten freigeben, die ihre Kinder daheim etwa für ihre Hausaufgaben gerade dringend benötigen.


Die nostalgisch bebilderten Krimi geschichten mit Professor Layton stecken voller Rätsel und Puzzles. Vergrößern
Erstaunlicherweise wichen die Testergebnisse des Family-Safety-Filters teilweise von denen des fest in Windows eingebauten Jugendschutzes ab: Während sie bei den Pornoseiten und den harmlosen Ergebnissen identisch waren, sperrte der Family-Safety-Filter weniger Gewalt- (21 Prozent), dafür aber mehr Abzockseiten (29 Prozent). Leider lässt sich der Filter einfach austricksen: Es genügt, einen Proxy-Server im Browser einzutragen oder den Rechner im sicheren Modus mit Netzwerk zu booten. Auf der CeBIT zeigte Microsoft den Prototyp eines Kinder-Netbooks, bei dem alle Sicherheitsangebote des Herstellers in einer Eltern-Konsole gebündelt werden sollen, um weniger geübten Eltern das Einrichten eines Schutzes zu erleichtern.

Auch AOL bietet einen kostenlosen Kinderschutzfilter, bei dem lokal installierte Software mit einem Online-Dienst zusammenarbeitet. Um ihn zu nutzen, muss man sich und alle zu schützenden Kinder registrieren. Er beeindruckt durch seine wirkungsvolle Blacklist, die im Test 99 Prozent der Porno-, 88 Prozent der Gewalt- sowie immerhin 29 Prozent der Abzockseiten ausfilterte. AOL verschickt täglich oder einmal pro Woche Protokolle per E-Mail an die Eltern. Der Kinderschutz verhindert zwar die Nutzung von Proxies, bleibt aber nach dem Booten im sicheren Modus wirkungslos.


Wenn fragFINN eine Seite sperrt, gibt es dem Kind die Möglich keit, diese zur Prüfung vorzuschlagen. So kann die Redaktion die Whitelist zielgruppengerecht ausbauen. Vergrößern
Schutzfilter können die Erziehung zur Medienkompetenz nur ergänzen, nicht ersetzen. Es ist wichtig, mit Kindern und Jugendlichen über problematische Inhalte und die kommerziellen Interessen vieler Webanbieter zu sprechen. Dabei sollten Eltern auch darauf hinweisen, dass längst nicht alles stimmt, was im Web zu lesen ist. In der JIM-Studie 2007 stimmten 40 Prozent der 12- bis 13-Jährigen „voll und ganz“ oder zumindest weitgehend der Aussage zu, dass Inhalte im Web vor der Veröffentlichung geprüft werden. Als Hintergrund für solche Gespräche können Protokolle dienen, die – stets mit Wissen der Jugendlichen erstellt! – den Eltern Hinweise liefern, wenn sich die Interessen in eine bedenkliche Richtung entwickeln.

Ausführliche Informationen zum Thema liefert der Beitrag "Die wollen doch nur spielen, Videospiele und Internetnutzung im Vor- und Grundschulalter" von Cordula Dernbach, Axel Kossel und Dorothee Wiegand. Er ist in der Printausgabe 7/2010 des c't magazins ab der Seite 92 zu finden. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 29.3.2010 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk . (Cordula Dernbach, Axel Kossel, Dorothee Wiegand)

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Der Hessische Rundfunk und der Heise Zeitschriften Verlag haben beschlossen, die Kooperation zur Produktion der TV-Sendung c't magazin aus Kostengründen nicht weiter fortzuführen. Der HR und der Heise Verlag bedauern sehr, dieses erfolgreiche Format deshalb zum 25. Juni 2011 einstellen zu müssen.

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