DRM, Zune und der Untergang von MSN Music (USA)
Mittlerweile ist mancherorts zu lesen, dass Kunden von MSN-Music bald keinen Authentifizierungsserver für ihre DRM-geschützten Downloads mehr haben. Ohne Authentifizierungs-Server hat der Media Player niemanden mehr, der ihm sagt, wie er die verschlüsselten Dateien öffnen soll, um sie wiedergeben zu müssen. Diese Behauptung ist unwahr. Die Fakten:
In den USA schließt Microsoft das Portal
MSN Music zum 14. November, heißt es allerorts. Genauer: MSN Music wird zu einem Portal, das kaufwillige Kunden zum Zune Marketplace beziehungsweise zum Online-Musikladen Rhapsody des Konkurrenten Real Networks weiterleitet.
Die Authentifizierungs-Server werden nicht abgeschaltet. Über MSN Music gekaufte Musik lässt sich weiterhin abspielen, auf CDs brennen und auf andere Rechner übertragen, sofern die maximale Zahl der aktiven Lizenzen nicht überschritten wird. Dies verspricht zumindest die
FAQ im US-amerikanischen MSN Store.
Das MSN Store nutzt ein DRM-Verfahren namens "Janus", auch bekannt als Microsoft DRM 10, das zu Marketing-Zwecken als "PlayForSure" bezeichnet wird. Das Etikett soll Kunden versichern, dass mit dem "PlayForSure" ausgezeichneten Logo ausgestattete mobile Player und Online-Stores zueinander kompatibel sind.
Zune verwendet ein eigenes DRM-System, das sich signifikant von DRM 10 unterscheidet -- nicht zuletzt darin, dass Titel drahtlos an andere Zune-Besitzer weitergegeben werden können. Der Empfänger kann die Stücke maximal dreimal oder innerhalb von drei Tagen anhören, danach fordert ihn der Player nur noch dazu auf, den Track zu kaufen. Diese Einschränkungen gelten auch für Titel, die auf dem ursprünglichen Zune-Player ohne Nutzungsbeschränkungen gespeichert wurden.
Ein in einem PlaysForSure-Laden gekauftes Musikstück lässt sich also nicht auf einen Zune-Player übertragen. Ein Zune-lizenziertes Stück wird sich auch nicht auf einen PlaysForSure-Player übertragen lassen. Es gibt sicherlich solide technische Gründe dafür, dass bestehende Player das neue Format nicht verdauen können.Vielleicht gibt es sogar Gründe dafür, warum die Zune-Player das Vorgängerformat nicht unterstützen. In jedem Fall gibt es einen guten Grund, warum Microsoft einen Zaun vor das Zune-DRM gestellt hat: Diesen Spielplatz will man nicht mit Anderen teilen.
Für deutsche Kunden eines PlaysForSure-kompatiblen Web-Musikladens ändert sich so schnell sowieso gar nichts: Hierzulande kommt Zune vermutlich erst Ende 2007 auf den Markt (Verkaufsstart in den USA: der 14. November 2006). Der Grund dafür dürfte sein, dass Microsoft erst noch europaweite Verträge mit der Musikindustrie schließen muss.
Der gleiche Grund hatte ja auch den Europastart des Itunes Music Store (jetzt nur noch Itunes Store) verzögert. Apple hatte allerdings genügend Vertrauen in die inneren Werte des Ipod, um das Gerät auch ohne Store auf den europäischen Markt zu bringen.
Der Wikipedia zufolge gibt es in den USA neun Online-Stores, die weiterhin auf PlaysForSure setzen. (Würde ich jetzt noch Songs in einem Online-Laden kaufen, der ein DRM-Format benutzt, das Microsoft auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt hat? Nun...)
Zuletzt geändert am 07.11.2006 um 19:25
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