PVP-OPM in Longhorn, Teil 1
Traurige Wahrheit: Nicht jeder liest c't.
Das hat sich vergangene Woche wieder bewahrheitet, als
Engadget berichtete, welche DRM-Restriktionen mit Windows Vista (ehemals "Longhorn") ins Haus stehen. Die Buchstaben der Stunde lauten PVP-OPM: Protected Video Path - Output Protection Management. Sie beschreiben, wie die nächste Windows-Version mit HD-Inhalten umgehen wird.
PVP-OPM performs two main functions. First, it detects the capabilities of the display devices attached to the computer. For instance, does the DVI LCD monitor that you’re using have HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection)? Second, it manages what, if anything, gets sent to those devices. [...]
So what will happen when you try to play premium content on your incompatible monitor? If you’re “lucky”, the content will go through a resolution constrictor. [...] Much of the clarity is lost.
http://www.engadget.com/entry/1234000143050582/
Das stand alles schon im Mai in c't 11/2005, erstmal im Editorial auf Seite 3 und dann nochmal ausführlich ab Seite 114 unter dem Titel "Ein gutes und ein böses Schloss" (Link zum Online-Kauf des Artikels). Davon zu schweigen, dass es im April auch auf Heise Online stand: "HD-Inhalte nur mit straffen DRM-Fesseln".
Hier eine Zusammenfassung wesentlicher Punkte des Artikels in Stichworten:
- Alle "Premium"-Inhalte, also HD DVD, Blu-ray oder HD-Sendungen werden von Windows 2006 in einem "Protected Environment" (PE) gehandhabt.
- Das Protected Environment setzt die DRM-Anforderungen der Inhaltsanbieter (Medienkonzerne) in verbindliche Windows-Richtlinien um.
- Die Entschlüsselung sämtlicher DRM-geschützter Inhalte findet ausschließlich innerhalb des PE statt. In der PE laufen nur signierte, von Microsoft zertifizierte Module.
- Die Ausgabe geschützter HD-Inhalte ist nur bei geschützten Ausgabekanälen erlaubt. Das einzige derzeit als "zuverlässig" betrachtete Schutzverfahren ist HDCP -- mehr dazu hier: HD DVD nur mit HDMI.
- HDCP funktioniert derzeit nur bei zwei Schnittstellen: DVI (Digital Visual Interface) und HDMI (High Definition Multimedia Interface). Es gibt Grafikkarten und Monitore, die HDCP unterstützen... aber sie sind sehr, sehr selten.
- Ungeschützte Schnittstellen, also VGA, S-Video und DVI ohne HDCP, dürfen bestenfalls ein Signal mit reduzierter Auflösung ausgeben. Also mit derselben Auflösung, die derzeit von DVDs angeboten wird.
- Dazu durchläuft der HD-Datenstrom innerhalb des PE einen "Constrictor", der das Signal auf SD (Standard Definition) herunterrechnet. Die Grafikkarte skaliert das Bild danach wieder auf die Pixelauflösung des Bildschirms hoch.
Und jetzt der Clou der Sache (und das stand bisher noch nicht in c't): Dies ist der aktuelle Stand, der noch nicht von der Unterhaltungsindustrie abgesegnet ist. Es gibt also noch keine Garantie, dass diese Einschränkungen der Unterhaltungsindustrie zur Sicherung ihres "Premium Content" ausreichen werden.
Mit welchen Schritten die Unterhaltungsindustrie und Microsoft sicherstellen werden, dass die Kopier- und Wiedergabesperren von HD-DVD nicht geknackt werden, steht wiederum in c't 11/2005. Eine Zusammenfassung gibts an dieser Stelle auf Anfrage.
Wers mir nicht glaubt und lieber direkt bei Microsoft nachlesen will:
Output Content Protection and Windows Longhorn, ein Paper vom 27. April 2005, das meines Wissens nach immer noch aktuell ist.
Zuletzt geändert am 22.07.2005 um 15:04
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