Wiedergekäutes zu unterschiedlichen Themen.

Zuletzt aktualisiert am: 19.07.2011

Diese Leseranfragen werden bevorzugt behandelt

Zeit, mal wieder grausam zu sein. Ja, schon wieder.

Letzte Woche erreichte mich mal wieder eine dieser Leser-Mails: "Bekomme ich jetzt endlich mal eine Antwort auf meine Anfrage vom Juni?" Woraufhin ich brav die Ordner meines Mail-Programms nach einer vorangegangenen Anfrage des Absenders untersucht habe. (Fehlanzeige: Der Leser hat entweder die erste Anfrage von einer anderen Mail-Adresse abgeschickt oder beim letzten Mal einen anderen Redakteur angeschrieben.)

Viele Leser scheinen der Meinung zu sein, dass wir technische Unterstützung für Probleme mit der in c't vorgestellten Soft- und Hardware leisten. In den meisten Fällen läuft die Antwort leider auf eine Rückfrage heraus: "Wie hat denn der Hersteller auf Ihre Support-Anfrage reagiert?"

Die Leser-Hotline und die gebotenen Kontaktmöglichkeiten dienen dazu, Fragen zu unseren Artikeln zu beantworten. Viele Leser sind sich dieser Spielregel durchaus bewusst. Die benutzen dann oft einen cleveren Trick: "Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel zum Thema X gelesen. Ich hätte da eine Frage zum Thema Y..."

Etwa ein Prozent der Leser-Mails und -Anrufe sind tatsächlich Fragen zu Artikeln.

Besonders verzweifelte Anschreiben enden mit einer Variante der Floskel: "Ich denke, dass die Lösung dieses Problems auch andere Leser interessieren wird." Diesen Worten geht meist eine sehr konkrete Beschreibung eines unter sehr eng definierten Bedingungen auftretenden Problems voraus. In anderen Worten: Um das Problem zu reproduzieren, müsste ich am Rechner des Lesers sitzen.

Wie gehe ich als Redakteur mit Mails und Anrufen von Lesern um? Das kommt ganz darauf an.

Unter den folgenden Randbedingungen bestehen die größten Chancen auf eine Beantwortung Ihrer Leser-Anfrage:

  • Ihre Anfrage ist freundlich formuliert.
  • Sie sprechen mich nicht mit "Herr Himmelreich" oder gar "Herr Himmler" an.
  • Ihre Anfrage ist kurz gefasst.
  • Sie haben den Hersteller-Support kontaktiert, bevor Sie mich angeschrieben haben.
  • Sie erwarten nicht a priori, dass ich eine Frage beantworten kann, auf die der Hersteller-Support keine Antwort wusste.
  • Sie setzen mich nicht kommentarlos ins CC- oder BCC-Feld für eine mit Kraftausdrücken angereicherte Anfrage beim Hersteller-Support.
  • Sie haben verstanden, dass c't-Redakteure grundsätzlich keine Produkte empfehlen dürfen (so wie wir auch in Artikeln keine "Siegel" vergeben).
  • Sie wissen, dass c't-Redakteure keine Rechtsberatung geben dürfen.
  • Sie schicken Kekse.

Leseranfragen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit beantwortet werden:

  • Fragen zu Artikeln, die ich geschrieben habe (Autorenzeile oben)
  • Fragen zu Artikeln, die ich betreut habe (Redakteurskürzel am Artikelende)
  • Fragen zu Artikeln, die ich schreiben könnte
  • Fragen zu rezensierten Produkten, die keine Support-Anfragen sind
  • Fragen zu rezensierten Produkten, bei denen der Support nicht weiterhelfen konnte (Warnung: Ich kann es auch oft nicht, aber die Probleme sind oft interessant)
  • für mehr als eine einzige Person interessante Problemstellungen, für die sich nicht schon tausend Lösungen im Web finden

Siehe auch:

22.08.2007: Diese Leseranfragen werden bevorzugt behandelt

Kontrovers ist immer gut

Aus der Sicht eines Editorial-Schreibers besteht der größte anzunehmende Unfall darin, dass kein einziger Leserbrief kommt. Da hat man, meist am Wochenende oder sonstwie in der "Freizeit", mühevoll 2500 bis 3000 Zeichen vor sich hin gedichtet, möglichst themenbezogen, hoffentlich mit Pointe, und dann... dann interessiert es kein Schwein. (Vorsicht, dieser Link führt zu einem Tiefpunkt.)

Ha! Diesmal nicht. Das Editorial in c't 9/07 war ein echter Volltreffer. Der erste gepeinigte Aufschrei kam schon vor dem Erstverkaufstag des Hefts, zu meiner Überraschung aus einer rauhen, gestandenen Manneskehle:

"ich finde das Editorial von G. Himmelein einfach niveaulos.
Wenn er ein Problem mit Frauen hat, dann kann er das in "Praline" oder "Playboy" austoben, aber das gehört jedenfalls nicht in eine c't."
http://www.heise.de/ct/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12575433&forum_id=115449

Hatte ich eigentlich schon erklärt, dass ich generell kein Problem mit Frauen habe? Nur mit Frauen, auf denen Windows läuft.

Nachdem der oben zitierte gute Mann erst geurteilt hat, die c't sei von derartigem Schweinkram sauberzuhalten, forderte er übrigens vier Tage später das Recht auf freie Meinungsäußerung ein, das er mir versagt: "Ich bin der Ansicht, dass man auch seine Meinung äußern darf, wenn man nicht selbst betroffen ist. [...] Und manchmal sollte man das unbedingt, um nicht zum stillschweigenden Mitläufer zu werden."

Auch sonst meinen sich zutiefst betroffene Männer ganz altmodisch schützend vor Das Schwache Geschlecht zu stellen zu müssen (Sie lasen soeben: "Indianer Jonas und der Satzbau des Todes"):

"Wurde versehentlich ein Editorial von 1875 verwendet? In 2007 kann ein Editorial, in dem ein Redakteur seine Ehefrau derartig und ohne jedes Augenzwinkern objektifiziert [...] - doch kaum geschrieben sein?"
http://www.heise.de/ct/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12580197&forum_id=115449

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: "ohne jedes Augenzwinkern objektifiziert".

Auch per E-Mail echauffieren sich erlesene Herren über den frauenfeindlichen Redakteur, vorzugsweise direkt an die Chefredaktion gerichtet:

"Wir schreiben das Jahr 2007. Immer größere Teile der Welt haben endlich begriffen das Frauen und Männer gleichberechtigte Partner sind. [...] Für die Desaster die einem bei der Umstellung von XP aus Vista passieren können hätten sich viele lustige Vergleiche angeboten. Warum musste es ausgerechnet dieser Altherren-Humor im Stil der 50er Jahre sein?"

Selbst diverse Kollegen haben mich vorsichtig gefragt, was denn meine real existierende Frau von diesem Text gehalten habe. Sie hat dasselbe getan wie alle anderen Frauen, von denen ich weiß, dass sie den Text gelesen haben: Sie hat herzhaft gelacht. Eine eine Etage höher angesiedelte Dame hat sogar extra telefonisch zu ebendiesem Editorial gratuliert. Ein weiblicher PR-Kontakt, der (eigentlich: die) seit Monaten keinen Pieps mehr von sich gegeben hatte, meldete sich spontan, nur um sich über das Editorial zu freuen.

Da stehen also die galanten Herren der Schöpfung mit vor Empörung geschwellter Brust vor der Frauenwelt und haben gar nicht gemerkt, dass die mittlerweile zu anderen, wichtigeren Schlachtfeldern weitergezogen ist. Womit wir wieder bei den Kinderkrippen wären...

Weiterführende Links

18.04.2007: Kontrovers ist immer gut

Wenn Java das Glas weg nimmt

Windows Vista hat eine äußerst elegante Oberfläche (sagt Microsoft) mit transparenten Fensterrahmen, durch die dahinterliegende Inhalte weichgezeichnet durchschimmern. Dieser "Look" heißt Aero Glass und ist angeblich ein wesentliches Kaufargument für Vista. Bei beiden Release Candidates (RC1 und RC2) kam es jedoch vor, dass plötzlich und unvermutet der Bildschirm schwarz wird, bevor die Fenster nach und nach in reinstem himmeleinblau wiederkommen. Dann erscheint im Infobereich der Taskleiste diese hilfreiche Meldung: "Das Farbschema wurde in Windows Vista-Basis geändert."

Das Farbschema wurde in 'Windows Vista-Basis' geändert.

Wer ist schuld daran? Beispielsweise Opera mit aktivierten Plug-ins, sobald in die aktuelle Webseite ein Flash-Applet integriert ist. Oder eine Java-Anwendung. Vista aktiviert Aero erst dann wieder, wenn das böse Programm wieder zu ist.

Ein Blog-Eintrag des Sun-Entwicklers neues FensterChet Haase neues Fenstererklärt im Detail, wie es dazu kommt. Kurz gesagt: Vista schaltet Aero Glass ab, wenn ein Programm die DirectDraw-Schnittstelle exklusiv für sich beansprucht -- egal wie kurz. Und damit Vista halt nicht mehrfach hin- und zurückschaltet, wartet das Betriebssystem ungeduldig darauf, dass die blöde Anwendung endlich wieder aus dem Speicher raus ist.

Aus Programmierersicht gibt es gute Gründe, einen Screen-Lock zu machen. Aber es führt halt zu etwas, was Haase "punt the Desktop Windows Manager" nennt (dafür gibt es kein deutsches Wort; es bedeutet, jemanden den Ball aus der Hand zu schlagen):

Locking is also a good way to just sanity-check that things are functional with DirectX before we start depending on it.  But locking is also, unfortunately, the quickest way to make the DWM punt on Vista; because of the new composited-desktop approach, applications in DWM no longer have direct access to the screen itself.  If an application demands access (such as through this older DirectDraw interface), Vista will oblige the request, but only by first disabling DWM, and thus disabling Aero Glass.
neues Fensterweblogs.java.net/blog/chet/archive/2006/10/java_on_vista_y.html

Die aktuellen neues FensterJava-6-Betas machen das wohl schon wieder richtig und die Entwickler planen, die Korrekturen auch auf JS2E 1.4.2 zurückzuportieren. Mal sehen, wann die Opera-Entwickler gleichziehen. Übrigens gibt es bei Firefox keine Nebenwirkungen, wenn der Browser das Flash-Plug-in aktiviert.

Mehr zum Thema

11.10.2006: Wenn Java das Glas weg nimmt

Snidesoft: Website down

Update, 14.9.2006: neues FensterSnidesoft ist wieder online (auf der ursprünglichen Website snidesoft.com scheint jetzt ein Domain-Squatter zu sitzen). Aktuell ist mittlerweile neues FensterSnIco Edit 2.2.8 (ZIP-Download).


Die auf Seite 60 in c't 17/2004 angegebene Website neues Fensterhttp://www.snidesoft.com zeigt seit kurzem nur noch auf einen Hosting-Anbieter. Ich nehme mal an, dass da irgendeine Rechnung nicht zur Zufriedenheit beider Parteien bezahlt wurde oder sonst etwas unangenehmes. (Die Site ging einen Tag nach Drucklegung über den Jordan. Peinlich, sowas.)

Glücklicherweise gibt es einige Ausweichmöglichkeiten, von denen man SnIco Edit herunterladen kann (Dateiname: "SE2310104.zip"). Die da wären:

  • Download-Seite bei altech-ads.com: http://www.altech-ads.com/product/10000461.htm (auf grünen grafischen Button mit dem Pfeil nach unten klicken)
  • Download-Link (funktioniert eventuell nicht mangels Referer): http://www.altech-ads.com/product/100004/10000461/SE2310104.zip
  • Download-Link (sollte klappen): http://www.serbi.info/soft/SE2310104.zip

Wer mir erklären kann, was mit Snidesoft passiert ist, möge sich bitte bei mir melden. Wer eine funktionierende alternative URL für die Snidesoft-Site kennt, bitte ebenfalls. Danke im Voraus.

27.08.2004: Snidesoft: Website down

Sicherheit durch Verpflichtung

Schon mal ein EULA (End User License Agreement) durchgelesen? So heißen die Texthaufen, die man bei der Installation eines Programms meist ungelesen wegklickt. Kleine Schrift in Versalien, extrem lesefreundlich. Oft findet sich darin die Aussage, Software sei nach dem aktuellen Stand der Technik nie fehlerfrei. Daraufhin schwimmt sich der Hersteller von aller Verantwortung frei, indem er Schadensersatzforderungen begrenzt usw. (Das EULA von Windows XP findet sich unter %windir%\system32\eula.txt. Viel Spaß damit.)

Nun argumentieren einige Leute seit Jahren, die Software-Hersteller müssten für Versagen ihrer Produkte zur Verantwortung gezogen werden. Ein Argument, das ich bislang nicht so besonders sinnvoll hielt, bis Bruce Schneier es mir erklärt hat. Schneier ist ein renommierter, aber nicht unumstrittener Sicherheitsexperte. Er erklärt, welcher Gedanke hinter den in einigen Läden aufgehängten Schildern steckt, auf denen steht: "Wenn Sie keinen Beleg erhalten, bekommen Sie Ihren Einkauf geschenkt."

That sign is a security device, and a clever one at that. And it illustrates a very important rule about security: it works best when you align interests with capability.
neues Fensterhttp://www.schneier.com/blog/archives/2006/06/aligning_intere.html

Dieses Schild ist deshalb ein Sicherheitsmittel, weil der Kunde aufgrund des Versprechens wie ein Fuchs aufpassen wird, ob er einen Beleg bekommt. Bekommt er keinen, geht er zum Manager, um seinen Einkauf gratis zu bekommen. Der Manager weiß dann, dass der Kassierer den Betrag nicht abgerechnet, sondern in seine eigene Tasche gesteckt hat. Das Schild dient also dazu, die Angestellten vom Klauen abzuhalten. Die Kunde werden als Sicherheitsleute instrumentalisiert.

Und so, meint Schneier, werde es auch kommen, wenn Software-Hersteller für die Fehler in ihren Anwendungen zur Verantwortung gezogen werden können. Dann können sie es sich nicht mehr leisten, fehlerhafte Software auf den Markt zu bringen und werden aus eigenem Interesse mehr Augenmerk auf die Vorbeugung/Beseitigung von Fehlern richten. Die Software-Hersteller werden als Sicherheitsleute instrumentalisiert.

Kleines Manko in Schneiers Argumentation: Freeware- und Shareware-Entwickler wären dann ziemlich schnell am Ende. Daher mahnt Schneier auch, man müsse darauf achten, wie man dieses Thema handhabe. Eine Lösung schlägt er leider nicht vor.

Empfohlene Lektüre:

22.06.2006: Sicherheit durch Verpflichtung

Gratis-Logo abzugeben

Wer es haben will, darf dieses kleine Logo ungestraft auf seine Webseiten kopieren. Bitte nicht direkt verlinken, sondern Bild herunterladen, auf den eigenen Server hochladen und in die eigenen Seiten einbinden. Topaktuell:

Ballfreie Zone

Auf Wunsch stelle ich das Logo auch in anderen Auflösungen bereit. Das Original ist eine Vektorzeichnung im Xara-Format (.xar), die ich auf Anfrage ebenfalls gern weitergebe. E-Mail genügt.

08.06.2006: Gratis-Logo abzugeben

Vortrag auf der CeBIT 2006

Update vom 22.3.2006: Jetzt in der Vergangenheitsform und mit einem zusätzlichen Schlusssatz.

Der Himmelein stellte sich auf der CeBIT 2006 den Massen. Nervös wie immer, fahrig in der Gestik, unklar in den Formulierungen. Viele Öhs und Ähs. Ihm zur Seite saß Joerg Heidrich, gefestigt, professionell und kompetent. Keine Öhs, viel Jura.

  • Wo? CeBIT Hannover, Halle 5, Stand E38.
  • Wann? 10.3.2006 und 12.3.2006, 17:00 Uhr (Dauer: 1h)
  • Was? "Privatkopien: Recht und Unrecht" auf dem "CeBIT Forum Sicherheit und IT-Recht"
  • Wer? Gerald Himmelein (Redaktion c't) und Joerg Heidrich (Justiziar Heise Zeitschriften Verlag)

Worum gings? Um eine Aufarbeitung der Titelgeschichte von c't 5/2006 mit anschließender Fragestunde. Wie wars? Nun ja, die Folien sind endlich online.

10.03.2006: Vortrag auf der CeBIT 2006

Vortragsfolien von der CeBIT 2006

Zuerst einmal, hier die seit einer Woche überfälligen Folien:

Das Ungeschickteste, was einem EDV-Journalisten passieren kann, ist, während der CeBIT krank zu werden. Und jetzt raten Sie mal, was dem Himmelein dieses Jahr passiert ist. Aber erhöhte Innentemperatur oder her: Die angekündigten Vorträge wollte er dennoch nicht platzen lassen, zumal der Himmelein nicht solo auftrat -- Joerg Heidrich, seines Zeichens Justiziar des Heise Zeitschriften Verlags, hatte seine Unterstützung signalisiert.

So stand der Himmelein also am 10.3.2006 und am 12.3.2006 je eine Dreiviertelstunde lang ab 17 Uhr auf der kleinen Bühne hinter dem Heise-Messestand und trug im Wesentlichen dasselbe vor, was in c't 05/2006 auf acht Seiten zu lesen ist. (Den kompletten Artikel kann man mittlerweile auch online kaufen.)

Am Freitag lief eine Vorführung schief, was an einem recht komplexen Problem lag, das vereinfacht mit "Redakteur zu doof" zusammengefasst werden kann. Die Fragerunde im Anschluss an den Vortrag führte dazu, dass der Himmelein die Struktur des Vortrags nochmal geringfügig überarbeitete. Daher gibt es also oben zwei Folien-Sets zur Auswahl. Nach den Vorträgen schlich der Himmelein wieder ins Bett zurück und ärgerte sich über sein Immunsystem.

Eine Anwesende wollte die Folien haben, um sie ihren Kindern zu zeigen. Es wäre zu überlegen, ob nicht ein Merkzettel angebracht ist, der die Risiken und Nebenwirkungen der leichtsinnigen Tauschbörsennutzung zusammenfasst. Die Frage ist nur, ob die Chefredaktion sowas nicht als zu trivial ansehen wird.

20.03.2006: Vortragsfolien von der CeBIT 2006

Aberglauben bei PR-Leuten

Dinge, die PR-Leute scheinbar glauben:

Allgemeines

  • Ohne PR-Leute hätten c't-Redakteure nichts zu tun.
  • Redakteure kennen alle Produkte des Herstellers im Detail, unabhängig vom Bekanntheitsgrad und der Produktbandbreite des Herstellers. So muss ich nicht erklären, ob es sich beim XRM-D2 um einen Grafik-Chip, eine Tasche oder einen Fusionsreaktor handelt. Wichtig ist nur, dass die Handhabung verbessert wurde.
  • Redakteure finden sich sofort in den obskursten Themen zurecht und verstehen jedes Akronym auf Anhieb.
  • Da jeder Redakteur tiefgreifendes Vorwissen in allen Themen besitzt, muss ich nichts erklären. Wenn ein Redakteur um Erklärungen bittet, werden diese zwingend mit Worthülsen und neuen Akronymlawinen beantwortet.
  • c't druckt Pressemitteilungen im Wortlaut ab.
  • Redakteure interessieren sich für Personalentwicklungen, die keinerlei Einfluss auf die Produkte der Firma haben.
  • Dagegen interessieren sich Redakteure grundsätzlich nicht für Personalentwicklungen, die tiefgreifenden Einfluss auf die Produkte der Firma haben.
  • c't-Redakteure unterschreiben bereitwillig jede Vertraulichkeitsvereinbarung (Non Disclosure Agreement, NDA), die ich ihnen vorsetze. Es hilft, es immer wieder zu versuchen.
  • Wenn ein Redakteur nicht kooperationswillig ist, hilft eine Beschwerde bei der Chefredaktion.

Besuche vor Ort

  • Das persönliche Gespräch ist die beste Form, komplexe Informationen zu übermitteln.
  • Ich muss nie vorher erklären, weshalb ich konkret vorbei komme, das erhöht die Spannung beim Redakteur. Allein schon mein Besuch ist Anlass zur Freude.
  • Bin ich erstmal im Verlagsgebäude, ist mir ein ausführlicher und positiver Artikel in c't so gut wie sicher.
  • Redakteure interessieren sich für die letzten achtzehn Quartalszahlen des Herstellers und bewundern meine Fieberkurven zum Firmenwachstum.
  • Ich kann Redakteure mit langen Listen mit "wichtigen Partnern" beeindrucken.
  • Redakteure lieben halbstündige PowerPoint-Präsentationen zum Firmenprofil.
  • Ich kann Redakteuren glaubhaft vorspiegeln, es gebe keine mit dem vorgestellten Produkt vergleichbare Konkurrenz.
  • Redakteure finden es prima, wenn ich ihnen das vorgestellte Produkt nur zeige, es ihnen aber nicht in die Hand gebe.

Rezensionsexemplare

  • Ich schicke Rezensionsexemplare grundsätzlich nie umgehend. Nur so bleibt dem Redakteur ausreichend Zeit, sich auf das Produkt zu freuen.
  • Redakteure haben auch einen Monat nach der Produktanforderung ungemindertes Interesse daran, es zu rezensieren. (Bonus: zwei Monate)
  • Wenn ich ein Produkt sechs bis acht Wochen nach der Bitte um das Rezensionsexemplar abschicke, kann ich einen umgehenden Test erwarten.

Die Schriftform (allgemein)

  • Public Relations haben nichts mit der Vermittlung von Informationen zu tun, sondern mit deren Chiffrierung. Die Aufgabe des Redakteurs ist es, aus meinen Formulierungen den intendierten Inhalt zu entschlüsseln.
  • Redakteure lesen gern langatmige "Zitate" des Firmengründers, in denen dieser sich allgemein gehalten darüber freut, wie gut das vorgestellte Produkt ist.
  • Ich muss aus dem Englischen übertragene Pressemitteilungen nicht an lokale Begebenheiten anpassen. Direkte Übersetzungen sind willkommen.
  • Je weniger Inhalt eine Pressemitteilung enthält, desto weiter muss ich ausholen.
  • Je trivialer der Inhalt einer Pressemitteilung, desto verschwurbelter muss ich sie formulieren.
  • Je komplexer der Sachverhalt ist, desto komplizierter muss ich ihn formulieren.
  • Kurze, klare Sätze haben in einer Pressemitteilung nichts verloren.
  • Preise sollten grundsätzlich keine Mehrwertsteuer enthalten. Darauf sollte ich aber nie hinweisen.

Die Schriftform (E-Mail)

  • Ich muss Adressaten in die CC-Zeile packen, damit jeder der 276 Empfänger weiß, welchem illustren Kreis er angehört.
  • Jede Pressemitteilung ist wichtig genug, um sie mit hoher Priorität zu versehen.
  • Ich muss jede Pressemitteilung an alle c't-Redakteure parallel versenden, sonst kommt sie möglicherweise nicht an.
  • Der Betreff muss alle wesentlichen Punkte der Pressemitteilung abdecken, auch wenn damit das 255-Zeichen-Limit erreicht wird.
  • WICHTIG: DAS BETREFF DURCHGEHEND IN GROSSBUCHSTABEN VERFASSEN!
  • Das erste Wort des Betreffs muss "WICHTIG" lauten.
  • Die Formulierung "zur sofortigen Veröffentlichung" sollte in jeder Pressemitteilung mindestens einmal vorkommen.
  • Der Aufbau meiner Pressemitteilungen ähnelt gezielt der Struktur von Spam-Mails, damit der bayes'sche Spam-Filter des Redakteurs sie treffsicher als Müll klassifiziert.
  • Ich darf keine funktionierende Methode anbieten, sich aus dem Verteiler auszutragen. In Wirklichkeit will sich der Redakteur doch eh nicht austragen.
  • Meine E-Mail-Pressemitteilungen müssen mit einem Standard-Disclaimer enden, der die Veröffentlichung und Weitergabe in jeglicher Form verbietet.

Verhalten am Telefon

  • Es hilft, wenn ich nach der Aussendung einer Pressemitteilung telefonisch "nachfasse".
  • "Nachfassen" unterstreicht die Wichtigkeit des Kunden und der Botschaft.
  • Am besten fasse ich gleich am Tag des Versands nach.
  • Es hilft, bei mehreren Redakteuren parallel nachzufassen.
  • Es hilft, wenn ich nach dem ersten "Nachfassen" wiederholt weiter anrufe.
  • Es ist unwichtig, sich den Namen des Redakteur zu merken. Himmelreich, Himmler, Himmelmann... er wird schon merken, dass er gemeint ist.

Alles schon vorgekommen. Mehrfach.

(siehe auch: Aberglauben bei c't-Lesern)

20.07.2005: Aberglauben bei PR-Leuten

Der Kult um das fliegende Spaghettiwesen

Vorweg: Nichts gegen Gottesglauben, ganz im Gegenteil. Religiosität hat damit aber nicht immer etwas zu tun. Und an Fanatismus grenzende Religiosität hat weniger mit Gott zu tun als mit extremer Hybris im Bezug auf den eigenen Standpunkt.

Extreme Christen versuchen derzeit in den USA, Schulen zur Lehre des "Intelligent Design" zu zwingen. Kurz gefasst wollen sie, dass die Evolutionstheorie als eine von mehreren Erklärungsmöglichkeiten für die Weltgeschichte bezeichnet wird. Biologielehrer sollen ihren Schülern sagen, man könne auch anderer Meinung sein als dass der Mensch sich im Laufe der Jahrmillionen aus Einzellern entwickelt hat.

Hinter "Intelligent Design" steckt nichts anderes als Kreationismus, also der Glaube, die Schöpfungsgeschichte des alten Testaments sei wörtlich zu nehmen. Erst als in Pennsylvania und Kansas radikal-christliche Schulaufsichtsräte durchdrückten, dass die Pädagogen ihren Schülern "Intelligent Design" als eine zur Evolution gleichberechtigte Lehre vorstellen, fingen US-Wissenschaftler an zu debattieren, ob man sich mit dieser Farce auseinandersetzen müsse oder ob herabschätzende Blicke aus dem Elfenbeinturm vorzuziehen seien. Dann meinte auch noch US-Präsident George W. Bush in einem Interview, er fände es richtig, dass in der Schule "alternative Standpunkte" gelehrt würden.

In Georgia hat mittlerweile ein Richter entschieden, dass Intelligent Design in der Schule nichts zu suchen habe. Aber die viel bessere Aktion gegen Intelligent Design stammte von einem Studenten aus Oregon. Bobby Henderson gründete die neues Fenster"Church of the Flying Spaghetti Monster". Die Rationale dahinter: Wenn die Befürworter von Intelligent Design ihren Willen durchkriegen, dass Evolution und Kreationismus gleichberechtigt zu lehren seien, müssen in den Schulen auch andere "Theorien" gleichberechtigt gelehrt werden -- etwa dass die Welt von einem fliegenden gigantischen Spaghettiwesen erschaffen wurde.

Die Kirchenmitglieder bezeichnen sich augenzwinkernd als "Pastafarians" (ein Jamaikaner mit Rasta-Locken ist im Englischen ein "Rastafarian"). Wie immer, wenn intelligente Leute übermotiviert an etwas sinnlosem arbeiten, wurde aus der spleenigen Idee schnell eine Bewegung. Und jetzt wird auch noch ein Buch daraus -- der aktuelle Anlass, der diese Zeilen rechtfertigt. In einem neues FensterInterview mit Wired News kündigt Henderson jetzt ein Buch an, neues Fenster"The Gospel of the Flying Spaghetti Monster", im spröden Look einer Gideonbibel und verlegt bei Random House ("where great books & authors live"). Das Interview ist ein echter Sonnenstrahl, insbesondere kurz vor Weihnachten.

Wired News: Why does Pastafarianism deserve equal time in science classrooms where intelligent design is taught?
Bobby Henderson: Our theory is as much science -- in fact much more so -- than what the ID (intelligent design) guys are proposing. And, if you are going to redefine science to include supernatural explanations, you have to allow them all. To include intelligent design in a science classroom you have to first expand the definition of science to include supernatural explanations, rather than only natural ones, as it is now.
neues Fensterhttp://www.wired.com/news/politics/0,69905-0.html?tw=wn_tophead_5

So zeigen die Pastafarians mit ihrem absurden "Glauben" den Verfechtern von Intelligent Design schnell, wo ihr Kreuzzug hinführt. Fehlt nur noch, dass in US-Schulen der moslemische Glauben gleichberechtigt mit dem Christentum gelehrt wird (übrigens neues Fensterkein neuer Gedanke).

Weiterführende Links

  • Heise Online: Juristische Schlappe für "Intelligent Design". " Der Boston Globe hält es für sehr unwahrscheinlich, dass der Schulbezirk gegen das Urteil in Berufung geht, da acht der neun Mitglieder des Schulrates mittlerweile abgewählt sind."
  • neues FensterChurch of the Flying Spaghetti Monster. "Let us remember that there are multiple theories of Intelligent Design. I and many others around the world are of the strong belief that the universe was created by a Flying Spaghetti Monster. It was He who created all that we see and all that we feel. We feel strongly that the overwhelming scientific evidence pointing towards evolutionary processes is nothing but a coincidence, put in place by Him." Besonders schön: Die URL heißt "venganza.org" -- venganza ist spanisch für Rache.
  • Wired News: neues FensterPassion of the Spaghetti Monster. "WN: What do you think about the impact this all has on the education a student will get? / Henderson: I would be skeptical of anyone with a supernatural science education."
22.12.2005: Der Kult um das fliegende Spaghettiwesen

Stofftiere per Flash therapieren

6.12.2005: Inzwischen hat sich viel getan bei Paraplüsch, der liebevoll in Flash gestalteten "Psychiatrie für misshandelte Kuscheltiere" von Martin Kittsteiner. Ich bitte die Ausrufezeichen zu entschuldigen, aber:

  • Mittlerweile stehen vier Tiere zur Therapie bereit: das lila Nilpferd Lilo, das knurrende Schaf Dolly, das verschüchterte Krokodil Kroko und die stumme Schlange Sly. Vier!
  • Alle Tiere lassen sich bis zum bittersüßen Ende durchtherapieren!
  • Drei der vier Stofftiere sind käuflich erwerblich! Den Fotos nach sehen die Plüschtiere ihren Flash-Vorgaben erfreulich ähnlich. Sigikid sei Dank.

Möglicherweise muss man mich persönlich kennen, um zu verstehen, warum mir www.parapluesch.de so ungemein gefällt. Aber eigentlich gibt es keinen Grund für irgend jemanden, diese Seite nicht zu mögen, obwohl der Macher nicht davor zurückscheut, seine orthografischen Schwächen in 14 Punkt Schriftgröße zu zelebrieren.

Auf dieser Website kann man traumatisierte Plüschtiere behandeln, in Form einer Flash-Anwendung. Von "Spiel" würde ich hier nicht mehr reden wollen -- u.a. stehen dem Therapeuten sowohl ein "Rohrschachtest", Musiktherapie als auch eine medikamentöse Behandlung als Kurinstrumente zur Verfügung.

Wer sich mal wieder ohne zu RTFM ins Getümmel schmeißen will, sollte zumindest diesen einen Absatz vom Info-Board berücksichtigen:

Leider ist momentan nur das Krokodil vollständig therapierbar. Die beiden anderen Patienten benötigen noch ein wenig Zeit, bevor man sie behandeln kann. Als nächstes wird wohl das Nilpferd Lilo soweit sein...

Auf in "Die Anstalt - Psychatrie für misshandelte Kuscheltiere"!

Update 4/2004: Mittlerweile lässt sich auch das Nilpferd Lilo therapieren. Interessanterweise kann man das arme Tier auch komplett in den Autismus treiben... etwas Fingerspitzengefühl ist also gefragt.

24.11.2003: Stofftiere per Flash therapieren

So nah

Dienstag, den 13. September 2005, in Los Angeles. Schräg vor mir steht der reichste Mann der Welt in lockerer Kleidung auf einem Podium. Ein irgendwie seltsames Gefühl.

Bill Gates @ PDC 2005 (Keynote Speech)

Was man auf den ganzen Fotos von der PDC Keynote nicht sehen kann, ist, dass der Hintergrund eine hochauflösende Projektion war. Während einer Multimedia-Demo (und nur während der einen) wurde das Bild auf einen Windows-Desktop umgeschaltet. Der dann falsch skaliert war. Aber man kann ja nicht alles haben wollen.

Das Foto oben entstammt übrigens meiner Digicam, für die ich extra ein Stativ gekauft hatte, um auf der PDC auch dann noch scharfe Fotos machen zu können, als Blitzfotografie verboten worden war. Sah lustig aus, eine filigrane Pentax-Digitalkamera auf einem massigen Stativ.

19.09.2005: So nah

Dvorak gegen Creative Commons

neues FensterJohn C. Dvorak schreibt seit Jahren und Jahrzehnten über Computer. In seinen Kolumnen empfiehlt er Dinge, die ihm geholfen haben, zerlegt Unnützes und regt sich gelegentlich über Sachen auf, die andere Leute prima und klasse finden.

Jetzt hat er für das US-amerikanische PC Magazine eine neues FensterKolumne über Creative Commons geschrieben. Kurz zusammengefasst: Er ist dagegen. Creative Commons habe für Schaffende keinen praktischen Nutzen. Zudem lenke CC von Anstrengungen ab, das bestehende US-Copyright zu verändern:

If I have a complaint about copyright, it's this: I think copyright laws need to get things such as Picasso art from 1924 back into the public domain, thus allowing reprints of books from 1930 without worrying about who owns the copyright. A lot of things are lost to the public domain because of the new laws.
neues Fensterhttp://www.pcmag.com/article2/0,1895,1838249,00.asp

Er malt sogar einen ganz besonders finsteren Teufel an die Wand: Creative Commons könne "Fair use" (also die Erlaubnis, Auszüge von Dingen zu kopieren) unterminieren:

Before Creative Commons I could [...] always use excerpts for commercial or noncommercial purposes. It's called fair use. I can still do that, but Creative Commons seems to hint that with its license means that I cannot. At least not if I'm a commercial site and the noncommercial proviso is in effect. This is a bogus suggestion, because Creative Commons does not supersede the copyright laws. In fact, the suggestion is dangerous, because if someone were sued by the Creative Commons folks over normal fair use and Creative Commons won the suit, then we'd all pay the price, as fair use would be eroded further.
neues Fensterhttp://www.pcmag.com/article2/0,1895,1838244,00.asp

Das wird sicherlich eine interessante Debatte lostreten.

P.S.: John C. Dvorak ist nicht der Erfinder des gleichnamigen neues FensterTastatur-Layouts.

P.P.S. vom 2.8.2005 für Leute, die sich noch nie Gedanken über Creative Commons gemacht haben: Der Sinn von CC besteht im Wesentlichen darin, das Copyright für Werke zu lockern. Sprich -- mit einer CC-Lizenz schränkt der Urheber meist seine Rechte ein und signalisiert, dass ihm das © zu weit geht. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe -- siehe auch die Meinung des Economist zu diesem Thema.

20.07.2005: Dvorak gegen Creative Commons

Aberglauben bei c't-Lesern

Dinge, die Leser scheinbar glauben:

Allgemeines

  • Redakteure leisten Kaufberatung. (Bonus: Redakteure können in Rechtsfragen beraten.)
  • c't-Redakteure haben nichts anderes zu tun, als Artikel zu schreiben und Leseranfragen zu beantworten.
  • c't-Redakteure haben die Zeit, komplexe individuelle Problemfälle nachzustellen.
  • c't-Redakteure leisten Support für die Produkte, die sie rezensieren.
  • c't-Redakteure leisten Support für Produkte, die sie noch nicht rezensiert haben.
  • Wenn ich ein Problem mit einem Hersteller, Ebay-Verkäufer oder Händler habe, kann mir ein c't-Redakteur weiterhelfen ("c't kämpft für Sie").
  • Der Schreiber des letzten Editorials ist zwingend der Chefredakteur.

Schriftliche Anfragen

  • Wenn ich am Anfang meiner Anfrage schreibe, ich sei Abonnent, werde ich bevorzugt behandelt. (Bonus: Angabe der Postanschrift und Abonnementskennziffer)
  • Wenn ich dieselbe Mail möglichst vielen Redakteuren schicke, wachsen meine Chancen für eine schnelle Beantwortung. (Bonus: Mail geht per Kopie an mehrere Redaktionen)
  • Wenn sich Redakteur XY mit Thema A auskennt, wird er sich wohl auch mit Thema C auskennen, also schicke ich ihm eine Anfrage zu Thema C, weil er mir schon mal eine Anfrage zu Thema A beantwortet hat.
  • Wenn ich eine Anfrage an Redakteur QR schicke und der mir keine Antwort schickt, hilft eine Mail an Redakteur XY mit der Bitte, Redakteur QR zur Beantwortung meiner Anfrage zu bewegen.

Telefonische Anfragen

  • Wenn mir Redakteur XY eine Frage zu Thema A beantworten kann, kann ich ihm noch Fragen zu den Themen B, C und F stellen. Kann er diese nicht beantworten, ist er doof.
  • Wenn mir Redakteur XY Fragen zu den Themen A, B und C beantworten konnte, werde ich ihn auch bei Fragen zu den Themen D, E und F immer wieder anrufen, denn da wandelt offenbar ein Gott unter Menschen.

Alles schon vorgekommen. Mehrfach.

(Siehe auch: Aberglauben bei PR-Leuten)

16.06.2005: Aberglauben bei c't-Lesern

RSS Redux

Gleich nach der Einrichtung des RSS-Feeds kam die erste Jammer-Mail: "Das ist ja doof, dass da nur die Zusammenfassungen drinstehen."

Also habe ich brav auf einen Volltext-Feed umgestellt. Prompt kam neulich eine Jammer-Mail: "Mein RSS-Reader bricht das nicht richtig um, das ist total unleserlich."

Seufz.

Für mich ist das Erstellen eines RSS-Feed ein bisschen ungewohnt, da ich selbst keinen RSS-Reader benutze. Buh, pfeif, selber. Ich nutze neues FensterWatzNew, das bereits meinem Kuss des Todes anheim gefallen ist.

Wer also mit den Zusammenfassungen nicht glücklich ist, möge mir bitte erklären, warum. Und zwar bitte so, dass ich es verstehe. Grund für die Umstellung war von meiner Seite aus, dass ich den Heise-Server schonen wollte. Dieses Nicht-Blog wird ab sofort nämlich häufiger aktualisiert als zuvor.

Update vom 21.7.2005: Meiner einer hat mal g'schwind FeedDemon installiert und dann schnell gemerkt, warum "nur Zusammenfassungen" blöd eher suboptimal sind. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch noch ein bisschen an den Feed-Details gearbeitet. Wer diese Zeilen mit einem RSS-Reader liest, möge mir bitte sagen, ob es so jetzt besser ist.

18.07.2005: RSS Redux

Gegen das Herumlungern, Teil 2

Na, gestern wieder nichts zuende bekommen, aller guten Vorsätze vom Vorabend zum Trotz? David Allen ist ein derart irre erfolgreicher "Personal Productivity Coach", dass er Chef der David Allen Company ist. Wie alle irre erfolgreichen Coaches hat er ein Buch, das Dir (ja doch, Dich meine ich, keinen anderen) helfen kann, Dein Leben zu verändern.

neues Fenster"Getting Things Done" heißt das Buch, "the art of stress-free productivity". Fünf, na gut, sechs einfache Schritte führen Dich zum Erfolg:

  1. Finde alles, was in Deinem Leben nicht am richtigen Ort ist.
  2. Entsorge alles, was nicht zu dir gehört oder was du nicht brauchst.
  3. Erzeuge einen Ort, dem du vertrauen kannst und die deinen Arbeitsstil unterstützt.
  4. Lege Deine Sachen konsistent am richtigen Ort ab.
  5. Erledige Deine Arbeit so, dass deine Zeit, Energie und der Kontext optimal genutzt werden.
  6. Wende diese Vorgehensweise immer wieder und auf alles an.
    (gestrafft übersetzt von neues Fensterhttp://www.43folders.com/2004/09/getting_started.html)

Um herauszufinden, wie das genau klappen soll, kaufe Das Buch, befolge Seine Ratschläge und Du wirst ein Besserer Mensch sein. Oder finde Dich damit ab, dass dieses GTD genau wie alle anderen Superpläne zur Verbesserung Deines Ich ist -- ein Weilchen lang funktioniert es, dann lässt Du es ein bisschen schleifen und ehe Du Dich versiehst, bist Du wieder in den Fängen des Schlendrians.

Richtig erschreckt hat mich an diesem Allheilmittel die Zusammenfassung eines GTD-Jüngers, der im selben Satz die neues FensterWieselworte "iterate" und "refactor" benutzt. Auszug:

So, basically, you make your stuff into real, actionable items or things you can just get rid of. Everything you keep has a clear reason for being in your life at any given moment—both now and well into the future.
neues Fensterhttp://www.43folders.com/2004/09/getting_started.html

Links zum Thema

12.07.2005: Gegen das Herumlungern, Teil 2

Bloggen, aber richtig

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) ist eine überaus wohlmeinende Organisation zur Verteidigung der "elektronischen Rechte" von US-Bürgern. Jetzt hat sie einen neues FensterRechtsratgeber für Blogger online veröffentlicht.

Bindend gelten die darin behandelten Punkte natürlich nur für die USA. Für Germanen bietet die FAQ aber zumindest Anhaltspunkte, was man alles falsch machen kann. Im Einzelnen geht es der EFFum folgende Themen:

  • Rechtliche Haftung: Überblick, FAQ zu geistigem Eigentum, Verleumdungsklagen, Schutz vor Rechtsansprüchen Dritter, Schutz der Privatsphäre.
  • Blogger als Journalisten: journalistische Privilegien, Hinweise zum Zugriff auf öffentliche Daten.
  • Andere rechtliche Fragen (für Germanen von geringem praktischen Interesse): US-Gesetze zu Berichten über Wahlkampfthemen, rechtliche Grundlagen für Blogging am Arbeitsplatz.

Insgesamt eine interessante Ressource. Witzigerweise verlinkt die Seite nicht auf den Ratgeber, wie man anonym bloggen kann -- obwohl der ebenfalls von der EFF stammt.

Weiterführende Links zum Thema

neues FensterEFF: Legal Guide for Bloggers (englischsprachig)

Mehr zum Thema Weblogs

14.06.2005: Bloggen, aber richtig

Entstehungsgeschichte eines Editorials

Aufgrund widriger Umstände sah ich mich in der seltsamen Position, in zwei aufeinanderfolgenden Heften das Editorial zu bestreiten. "Ach, Microsoft" war mal wieder ein DRM-Lamento. Gern würde ich zu diesem Thema nie wieder ein Editorial schreiben, aber damit müsste sich erstmal das Thema verflüchtigen.

Am selben Tag, an dem "Ach, Microsoft" im Satz war, schrieb ich ein weiteres Editorial für die Schublade, ohne aktuellen Bezug -- nur um mir selbst zu beweisen, dass ich auch was anderes kann als den Stand der Dinge zu beklagen. Die Zielscheibe war verdammt groß: überflüssige, schlecht übersetzte Handbücher, wie sie Unterhaltungselektronik und PC-Zubehör oft beiliegen.

Nun gab es dazu zwar schon mal was in c't, das ist aber mittlerweile acht Jahre her und war keine Fiktion (Clip und klar, c't 8/1997, S. 308). Die Idee, da noch einen drauf zu setzen, keimte schon seit einem halben Jahr in meinem kleinen kranken Hirn.

Im Taumel des letzten Editorials verfasste meiner einer also auf die Schnelle ein englischsprachiges Handbuch für den Gebrauch von c't. Der arrogante Ton orientierte sich an den meisten Texten dieser Art, garniert mit erlesenen Gemeinheiten. Dieser Input wurde einem Übersetzungsprogramm zum Fraße vorgesetzt, erlesene sprachliche Stolperfallen inklusive. Der Output überstieg meine kühnsten Erwartungen. "Tables" wurden zu Tischen statt zu Tabellen... "character" entschlüsselte sich zu Buchstaben statt Charakter. Katastrophal. Herrlich.

Auf das Editorial in Heft 11/2005 hin habe ich nur zwei Leserbriefe bekommen, Tenor: "Mit Linux wär das nicht passiert." Das Editorial in Heft 12/2005 löste eine Sturmflut an Zuschriften aus. Ein Leser beklagte, dass nach Befolgung der ersten Schritte alle Buchstaben in seinem Heft kopfstanden... und wollte Minderung geltend machen. Ein anderer beschrieb die Formulierungen als Yoda-Deutsch. Etliche Leser (und ein paar Kollegen) hielten das Editorial zunächst für Werbung und überblätterten es.

Fünf Tage nach dem Erscheinungstermin erhielt ich den ernüchternen Anruf eines Lesers, der den Gag nicht verstanden hat. Ich habe ihm dazu gratuliert, dass ihm offensichtlich noch nie ein derart verschrobenes Handbuch begegnet ist, als dass er die Grundlage für die Satire nachvollziehen hätte können. Ach, wie ich diesen Leser beneide.

Weiterführende Links

06.06.2005: Entstehungsgeschichte eines Editorials

Blogging für Dummys

Die stets wohlmeinende Electronic Frontier Foundation (EFF) hat einen Ratgeber zum anonymen Bloggen veröffentlicht: neues Fenster"How to Blog Safely (About Work or Anything Else)". Bitte beachten: Der Ratgeber berücksichtig ausschließlich US-amerikanisches Recht.

Ich fand diese Ratschläge ziemlich amüsant. Vor allem diesen einen Satz hielt ich für ziemlich aussagekräftig, da sich dadurch eigentlich die restlichen Warnungen zu "Blog Without Getting Fired" erübrigen:

While your right to free speech is protected by the First Amendment, this protection does not shield you from the consequences of what you say.
neues Fensterhttp://www.eff.org/Privacy/Anonymity/blog-anonymously.php

Eine kurze Zusammenfassung der Ratschläge:

Anonym bloggen

  1. keinen eigenen Namen oder sonstige identifizierende Details (z.B. Foto) angeben
  2. anonymisierende Dienste nutzen (z.B. Invisiblog.com, Anonymizer.com)
  3. Zugang durch Passwörter eingrenzen
  4. Google-Indizierung durch robots.txt blockieren

Bloggen, ohne den Arbeitsplatz zu gefährden

  1. Politische Meinungen sind durch die US-Verfassung geschützt (US-Recht!)
  2. Aussagen zum Thema gewerkschaftliche Vereinigung sind durch die US-Verfassung geschützt (US-Recht!)
  3. "Whistleblowing", also das Preisgeben von illegalem Verhalten durch den Arbeitgeber, ist durch Gesetze geschützt (US-Recht!)
  4. Berichte über die Arbeit bei einer Regierungsstelle sind durch die US-Verfassung geschützt (US-Recht, gilt nicht für Geheimnisverrat)
  5. Berichte über Freizeitaktivitäten sind in einigen US-Staaten geschützt (US-Recht, gilt nicht für alle Staaten)

Weiterführende Links

08.04.2005: Blogging für Dummys

Mit Windows wär das nicht passiert

Ist ja nicht verkehrt aufzuzeigen, dass der Umstieg nach Linux nicht ohne Tücken ist. Das kann man natürlich mehr oder weniger plakativ machen.

Seit Linux im neuen Gewand ganz Windows-ähnlich bedienbar ist, stellt es eine echte Alternative zu Microsofts übermächtigem Betriebssystem dar. Soweit die Legende. In Wahrheit, davon ist SPIEGEL-ONLINE-Autor Klaus Lüber überzeugt, überfordert das Open-Source-Betriebssystem seine User.
http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,347074,00.html

Ach, ist das schön, wenn im Vorspann gleich das Fazit steht. Fast so schön wie der Umstand, dass ein Artikel über Linux mit einer Microsoft-Werbung illustriert wird, die über die bei Linux herrschende Vielfalt herzieht. Noch besser die Vorschau auf den zweiten Teil:

Morgen früh in der Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE: "Linux: Die Not mit dem Retter". Wie frischgebackene Linux-Experten Stück für Stück den Rückzug antreten - und doch wieder beim "Monopolisten" landen.

Irgendwie habe ich den Verdacht, dass der Artikel eine einzige neues FensterTrollfütterung darstellt.

Warnung vorweg: Zwei Wochen nach der Erstveröffentlichung stehen Spon-Artikel nur noch gegen Geld online.

Weiterführende Links

21.03.2005: Mit Windows wär das nicht passiert

Tag, zieh Line

Wer mir eine Mail schreibt und eine Antwort bekommt, findet an deren Ende meist eine "Randomly Selected Quote". Die wird tatsächlich zufällig aus einer Datei mit Einzeilern ausgewählt -- ein Überbleibsel aus der DFÜ-Steinzeit, als ich noch Mailboxen mit Zyxel-Modems anpollte und dabei den Connect mitsummte. (Zyxel 16800 Connects, das war noch ein Klang zum Schwärmen. Seit V.34 klingen Modems nur noch fies.) Damals endeten alle Mails mit einzeiligen "Taglines", die oft dumme oder schlaue Sprüche enthielten.

Die jetzt von meinem Mail-Client ausgewählten Zitate passen drolligerweise oft zum Inhalt der Nachrichten, gelegentlich auch wie die Faust aufs Auge. Neulich ging beispielsweise eine Anfrage an die Microsoft-Pressestelle mit der (vom Zufallgenerator ausgewählten, Ehrenwort!) Zeile "MCSE = Minesweeper Consultant & Solitaire Expert" raus. Das war noch harmlos. Ein Leser fühlte sich (nicht ganz zu Unrecht) von meinen Taglines gemobbt.

Hier kurz eine FAQ zu diesen Zeilen:

  1. Werden diese Zeilen tatsächlich automatisch generiert?
    Ja, werden sie. Die Quelle ist eine Datei mit einzeiligen "Cookies".
  2. Wie funktioniert das?
    Die Entwickler des von mir genutzten Mail-Programms neues Fenster"The Bat" sind ebenfalls DFÜ-Veteranen und haben in die Software einen Zufallsgenerator für "Cookies" eingebaut (Einbindung in Mail-Templates per %cookie%, Definition der Cookie-Liste in den Account Settings).
  3. Woher kommen die Zitate und Sprüche?
    Die Filmzitate stammen meist aus der Internet Movie Database, die restlichen sind selbst gesammelt und teilweise auch selbst erfunden. Meist steht die Quelle am Ende der Zeile. Sprüche ohne Quellenangabe stammen meist aus den Taglines anderer Leute.
  4. Schicken Sie mir bitte Ihre Cookie-Liste?
    Sammeln Sie doch lieber selbst Ihre eigenen Sprüche, das ist viel origineller als meine alten Hüte.

Wer keine Lust hat, sich selbst Taglines auszudenken, findet im Web zahlreiche Listen. Eine der größten Site mit Taglines ist neues Fenster"Taglines Galore". Aus deren Fundus habe ich mich aber noch nicht bedient.

Weiterführende Links

  • neues FensterTaglines Galore, riesige Tagline-Liste, alphabetisch sortiert.
  • neues FensterTaglines Galore FAQ: Woher kommt der Name Tagline usw.
  • neues FensterZyxel-Verbindungsmodi: 16800 ist kein Tippfehler...
  • neues FensterThe Bat, ein Mail-Client für Windows mit so vielen Features, dass mich die zahlreichen Mängel noch nicht vergrault haben (Wann klappt endlich AOL-Mail per IMAP, verdammt, so schwer kann das doch nicht sein!)
08.03.2005: Tag, zieh Line

Luch und Betruch

27.12.2004: Auf nichts ist mehr Verlass, am wenigsten auf "Das Internet" und auf gute Freunde. Ein externer Kollege hat in seinem (schauder) Blog den zweiten Editorial-Aufruf vermerkt und nicht nur das, auch gleich einen praktischen mailto-Link angefügt, der die passende Mail-Adresse und Subject-Zeile einfügte. In Nullkommanichts war mein Postfach mit Anfragen voll. Der bloggende Kollege hat ca. 1000 Leser, von denen knapp siebzig geklickt haben.

Nun hatte ich mir das natürlich ganz anders vorgestellt, nämlich so: Von der kleinen Gruppe Leute, die diese traurigen Seiten liest, würden nur die Motiviertesten die Mail-Adresse (auf einer separaten Seite) herausfischen, in ihre Mail-Software das richtige Subject eintippen und dann anfragen. Das vorletzte Mal machten sich gerade mal acht Leute die Mühe.

Nun hatte ich versprochen, wenn sich bei diesem Mal bis zum 15. Januar mehr als 24 Leute melden, würde ich das Editorial hier veröffentlichen. Mittlerweile mag ich die Anzahl der "Ich will das Editorial" Mails schon gar nicht mehr zählen -- prinzipiell ist das Soll damit übererfüllt.

Ich kann den für die Flut verantwortlichen Kollegen schon händereibend auf seinem Stuhl hin und her ruckeln sehen, während er etwas von "The Power of The Internet" feixt. Aber jetzt kommt was Neues: The Power of The Editor.

Liebe Blogklicker: Sie haben leider gemogelt. Ich kann nicht unterscheiden, wer auf den Bloglink geklickt hat und wer tatsächlich die erbetene Leistung erbracht hat. So bleibt mir nur die Alternative, meine Zusage für alle zurückzunehmen. (Jaja, ich weiß: Buuh, pfeif. Selber.)

Bin gespannt, wie "Das Internet" darauf reagieren wird. Zur Auswahl stehen:

  1. Indifferenz: Nix passiert.
  2. Empörung: enttäuschte Schreiben von sich betrogen fühlenden Leuten
  3. Aktionismus I: Aufruf, mir die Bude zuzumailen, bis ich klein beigebe
  4. Aktionismus II: Guerilla-Veröffentlichung der unveröffentlichten Editorials an anderer Stelle jenseits meines Einflussbereichs
  5. gutes Zureden: liebevolle Schreiben, die mich zum Umdenken bitten
  6. eine andere Reaktion.

Meine Reaktion auf 2., 3., und 4. kann sich jeder denken, der hier mehr als einen Beitrag gelesen hat. Meine Reaktion auf 5. und 6. kenne ich selbst noch nicht.

Aber ich bin ja kein Unmensch. Wer sich von seinen Mails erhofft hatte, auch das erste Egon-Editorial lesen zu dürfen, das seinerzeit nur achtmal verschickt wurde, bekommt hiermit die Chance. Es ist mir auch relativ egal, ob das Angebot wieder durch einen Link-Automatismus hochgeschaukelt wird.

Wer also das erste, nicht veröffentlichte Egon-Editorial lesen mag, schicke mir bitte eine Mail mit dem Betreff: "Ich will den zweiten Egon" -- das erste Editorial mit Egon war ja veröffentlicht worden. Meine Mail-Adresse findet sich hier.

P.S.: Die Reaktionen auf die unveröffentlichte Variante des Editorials für Heft 26/2004 waren bislang höchst unterschiedlich. Von "also das andere war besser" bis hin zu "Warum wurde das nicht gedruckt, das war doch super" und auch "Ich kenne einen, der ist genau wie Egon". Was die Leser vom veröffentlichten Editorial gehalten haben, liest sich übrigens in c't 1/2005 auf Seite 8f. (Zusammenfassung. gemischt, aber meist zustimmend.)

8.3.2005: P.P.S. : Eingetreten ist selbstredend 1. Die Macht des Internet? Phbbt.

27.12.2004: Luch und Betruch

Zu den Abmahnungen

Die beiden Artikel in der letzten c't zum Thema Abmahnungen gegen private Anbieter von Programmen zur Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen und Webseitenbetreibern, die Links zu solchen Programmen setzen, stehen auch online.

Da steht also der Briefträger vor der Tür und will Ihre Unterschrift für den Brief einer Kanzlei, von der Sie noch nie gehört haben. Könnte ja eine Benachrichtigung sein, dass Sie doch noch was von Großonkel Karl-Friedrich erben, der vor ein paar Monaten gestorben ist. Es ist aber eine Abmahnung mit einer strafbewehrten Unterlassungserklärung, bei deren Unterzeichnung eine Anwaltsgebühr von 3200 Euro fällig wird.
http://www.heise.de/ct/05/05/003/
  • Artikel c't 05/05, S. 52: Abgemahnt nach UrhG, Wie Abmahner die Kopierschutzklausel missbrauchen
Die Anpassung des Urheberrechts an die Verhältnisse in der Informationsgesellschaft verursacht Kollateralschäden im Rechtsverständnis vieler Bürger. Während in Berlin schon über den zweiten Schritt diskutiert wird, machen Konsequenzen aus dem ersten viele unschuldige Anwender arm und einige Rechtsanwälte reich. Eine Korrektur ist nicht in Sicht.
http://www.heise.de/ct/05/05/052/

Die Liste der "rechtlich riskanten Programme" ist selbstverständlich unvollständig -- weil wir nicht genau wissen, was alles abgemahnt wurde. Selbstredend interessieren mich alle Informationen über Fälle, die abgemahnt wurden und nicht eines der genannten Programme betreffen.

Wer also von einem Fall weiß, der ein anderes Programm oder Buch betrifft, möge sich bitte mit mir in Verbindung setzen. Danke im Voraus.

02.03.2005: Zu den Abmahnungen

Die Enden der Welt

Die Flutwelle in Asien war Pillepalle im Vergleich zu alledem, was uns noch bevorsteht: Meteoreinschläge, globale Infektionen, Ölkrise, Atomkrieg, Eiszeit, Zombies.

Moment -- Zombies? Die Website neues Fenster"Exit Mundi" sammelt Katastrophenszenarien wie "Supervulkane legen die Welt in Asche", "eine Welt ohne Männer" und ähnliches. Wer also noch nicht genug nachweihnachtliche Angst und Schrecken verspürt, kann sich hier in Panik lesen.

The world is going to end. You don't even have to be a religious fundamentalist to see that's true. [... ] Exit Mundi collects scenarios of what could go wrong with the world. Sure, our planet could get hit by an asteroid. But hey, that's nothing. Did you know we could all be munched away by hungry molecules? Or that our physicists could unintentionally wipe us all out while tinkering with particles? `Oops, sorry...' Exit Mundi isn't in it for doom preaching, but strictly for fun.
neues Fensterhttp://www.xs4all.nl/%7Emke/exitmundi.htm

(Aber nicht vergessen: fleißig weiterkaufen, damit die arme deutsche Wirtschaft nicht kollabiert, bevor sie vollends globalisiert ist.)

06.01.2005: Die Enden der Welt

Egon bringt mir kein Glück

Das c't-Editorial für Heft 12/2004 war eine schwere Geburt. Ich hatte viele Ansätze im Kopf und habe dann zunächst ausgerechnet den schwächsten davon umgesetzt: eine Konversation mit Egon, einem fünf Jahre zuvor erstmals vorgestellten fiktiven Freund (in Heft 11/1999).

Kopfschüttelnd gab mir die Chefredaktion meinen gescheiterten Versuch, Egon wiedereinzuführen, wieder zurück. Der Text sei schwach, bemüht, langatmig und stellenweise fachlich falsch. Mächtig enerviert zog ich mich in einen unbelegten Raum zurück und hackte in etwa zwanzig Minuten ein neues Editorial in die Tasten meiner neues FensterDana. Es mussten später noch ein paar Wortwiederholungen ausgemerzt werden, aber ansonsten war's das dann. (Als Vergleichswert: Am ersten Versuch hatte ich über eine Stunde lang gesessen.)

Eigentlich gab es mehr als genügend Indizien, dass der erste Versuch schlecht war. Zunächst wäre da der Umstand, dass das erste Egon-Editorial von den meisten Lesern missverstanden wurde. Dass mir der Text damals misslungen war, bezeugen die Briefe -- die meisten waren der Meinung, ich wolle damit unterstreichen, dass Computerspiele einen schädigenden Einfluss auf Kinder haben. Das alte Problem mit der Ironie (Grundregel des Journalismus: Ironie versteht keiner).

Ein unmoralisches Angebot

Jetzt habe ich also dieses abgelehnte Editorial für Heft 12/2004 auf der Festplatte liegen, das bisher nur fünf Kollegen zu sehen bekommen haben. Und da ich zu diesem Nicht-Blog bislang noch kaum Feedback erhalten habe, will ich doch mal sehen, wer mich hier überhaupt liest. Einmaliges Angebot: Senden Sie mir eine Mail mit dem Betreff "Ich will das Editorial" und ich schicke es Ihnen. Meine E-Mail-Adresse finden Sie hier.

Zwischenstand 30.6.2004: Acht Leser (davon ein Ex-Kollege).

04.06.2004: Egon bringt mir kein Glück

Gebt Egon eine Chance

Da hat der blöde Himmelein doch schon wieder ein Editorial zum Thema illegale Kopien geschrieben. Reicht es nicht langsam? Vermutlich schon.

Kurz der Hintergrund: Am Freitag schneit einer der Chefredakteure vorbei: Wir haben da einen Artikel zur Neuauflage der Werbekampagne "Raubkopierer sind Verbrecher" im Heft, fällt dir dazu vielleicht ein Editorial ein? Erstmal Kopfschütteln des Redakteurs: Zum Thema Raubkopien hat er jetzt wirklich genug geschrieben. Dann aber: "Obwohl..." Eine Idee, nicht mal eine schlechte. Übers Wochenende schreibt er zwei Versionen des Textes: eine lustige in Dialogform mit dem 1999 eingeführten fiktiven Freund Egon, eine weniger lustige ohne Egon.

Die Chefredaktion gibt der Version ohne Egon den Vorzug. Obwohl es da erst richtig zur Sache ging. Ich hätte es mir mit Egon zu einfach gemacht. Dabei war es mir leichter gefallen, den Text ohne Egon zu schreiben als den mit ihm. Es ist harte Arbeit, Egon Worte in den Mund zu legen.

Die Chefredaktion gibt Egon einfach keine Chance. Als das zuletzt in Heft 12/2004 passiert ist, habe ich eine Aktion gestartet: Wer mir eine Mail schickt, kriegt die alternative Fassung des Textes. Nach vier Wochen hatten sich gerade mal acht Seelen gemeldet. Angesichts dieses riesigen Erfolgs wage ich an dieser Stelle mutig eine Neuauflage der Aktion.

Noch ein unmoralisches Angebot

Geboten wird: ein nagelneues Editorial, das bisher nur einige wenige Kollegen und ein guter Freund gelesen haben. Erforderte Gegenleistung: Schicken Sie mir eine Mail mit dem Betreff "Ich will das Editorial" und Sie erhalten postwendend das alternative, ursprüngliche Editorial für Heft 26/2004 mit Egon und ohne chefredaktionellen Segen. Addendum: Wenn ich diesmal mehr als 24 Anfragen bekomme, stelle ich beide unveröffentlichte Egon-Editorials online. Dieses Angebot endet am 15. Januar 2005.

Ergänzung: Angebot am 27.12. abgeblasen, der Grund findet sich hier.

14.12.2004: Gebt Egon eine Chance

Wem tun illegale Kopien weh

Seit Monaten überlege ich mir, was die richtige Reaktion auf den Einsatz nicht gekaufter Software ist. Zwei Sachen sind mir klar: Weder die Software-Industrie ("Jede Kopie ist illegal") noch die Freiheitsfanatiker ("Freie Software für freie Bürger") haben uneingeschränkt recht. Wer sich eine differenzierte Meinung bilden will, findet vielleicht in folgenden Artikeln Ansatzpunkte.

Der Shareware-Autor Nick Bradbury neues Fensterbeschreibt mit recht wenig Pathos, wie er zu illegalen Kopien steht und wie er damit umgeht, dass seine Software durch die Warez-Szene geistert:

Shareware developers are losing enormous amounts of money to piracy, and we're mostly helpless to do anything about it. [...] If you visit a few public "warez" sites, you're unlikely to find software from companies such as Microsoft who can afford to prosecute pirates - instead you'll find hundreds of shareware products written by people like me.
neues Fensterhttp://nick.typepad.com/blog/2004/01/on_piracy.html

Bradbury hat auch neues Fenstereine Antwort auf Anwender, die Cracks und Warez-Versionen als kostenlose Werbung schönreden:

But even so, this still costs me. My support newsgroups contain countless messages from people who have been asking me questions for years, yet have never purchased a copy. [...] And you'd be amazed by the number of emails I get from people who admit that they're using a stolen copy, but still expect me to offer them support.
neues Fensterhttp://nick.typepad.com/blog/2004/01/on_piracy_part_.html

Und natürlich sieht er auch das Dilemma, dass drakonische Maßnahmen sich nicht unbedingt auszahlen:

Trust me: shareware developers such as myself really don't want to resort to things like software activation since it adds to our already oversized workload, but when we see thousands of people stealing from us, we're willing to do pretty much anything (wouldn't you?).
neues Fensterhttp://nick.typepad.com/blog/2004/01/on_piracy.html

Auch Wincent Colaiuta sieht sich durch illegale Seriennummern neues Fensterin die Enge getrieben:

 Throughout the month of August, a fake license was "doing the rounds" unchecked on a popular serial-sharing forum. Sales dropped 20-30% in response, starting on the day of the leak, and stayed low for the entire month.
neues Fensterhttp://wincent.org/article/articleview/246/1/0

Er stellt gleich einen kleinen Strafkatalog vor, den er sowohl gegen die Klauer als auch seine zahlenden Kunden anwenden will:

These are just some of the consequences that piracy can provoke:
1. Higher license prices. [...]
2. Less time spent on improving the software and developing new products. [...]
3. Less time spent on tangible software features and more time spent on anti-piracy technology. [...]
4. Less convenience for honest end-users. Thanks to piracy, honest customers have to deal with things like longer serial numbers, product activation, or supplying their previous license code before they'll be allowed to download new versions.

Hier sträubt sich dann mein Gefieder. Die zahlenden Anwender sollen dafür büßen, dass Colaiuta in seine Software einen zu leicht hackbaren Seriennummer-Algorithmus eingebaut hat?

Chad Z. Hower geht zwei Schritte zurück und bietet damit neues Fenstereinen besseren Überblick über die Situation:

[...] when developers find their product is being pirated, they react emotionally. "Those stinking pirates! They are stealing my software! I will stop them!". An emotional response is the wrong one - the situation must be evaluated logically. Break it down to a dollar figure, and forget the emotions. [...]

Many vendors end up creating their own pirates, often specific to their products. These "pirates" pirate only your software to bypass draconian anti piracy measures you have created. Often they continue to buy your software, but refuse to use your officially released version, but instead seek, create, or use cracked and modified versions without the negative features of your anti piracy solution. Your solution to prevent piracy has turned on you and has created pirates.

neues Fensterhttp://www.codeproject.com/gen/design/UnconventialWisdom.asp

Gerade das Argument mit den "selbstgemachten Piraten" leuchtet mir unmittelbar ein, da ich es ständig in meinem Umfeld sehe: Leute, die zwar ein gekauftes XP haben, das aber zugunsten einer "Corpfiles-CD" links liegen lassen. Und so weiter.

Und Chad hat sogar konstruktive Lösungsvorschläge für die Entwickler...

Let me summarize what you should be doing to limit piracy:
1. Take reasonable steps to prevent piracy. Implement prudent, and non invasive solutions to "keep the honest people honest".
2. Follow the money. Forget those without money. If they do not have money, they will not buy your product.
3. Forget your elaborate anti piracy schemes. Stick to something simple, un-intrusive and reasonably effective.
4. Sell more than software. Provide your purchased users with private authenticated support and other options that cannot be pirated.

Ah. Damit könnte ich leben. Wenn ich allerdings als zahlender Anwender bei jedem dritten Update von UltraEdit einen neuen Schlüssel brauche, weil irgendwo im Web wieder ein Keymaker veröffentlicht wurde, kriege ich gelegentlich schon einen dicken Hals...

30.11.2004: Wem tun illegale Kopien weh

Service Pack 1.5

Update vom 20.10.2004: Jetzt gibt es auch eine neues Fensteroffizielle Fassung der MS-FAQ (KB 888162).

Microsoft-Entwickler Raymond Chen hat neues Fensterin seinem Blog (ich weiß, ich weiß. "Der Himmelein hat Blog gesagt.") beschrieben, was passiert, wenn die Installation vom Service Pack 2 fehlschlägt, der Anwender die abgebrochene Installation aber nicht rückgängig macht: Nach einem Windows Update kommt der Explorer nicht mehr zum Zug. System tot? Nicht ganz.

Die Kurzfassung neues Fensterder Problemlösung: Man muss über das Software-Panel der Systemsteuerung (control appwiz.cpl) erst den vorgestern erschienenen Hotfix deinstallieren, der das Problem verursacht (neues FensterWindows XP Hotfix – KB834707), den Rechner neu starten, dann die fehlgeschlagene Service-Pack-Installation vom PC fegen und das Service Pack von Neuem installieren (und hoffen, dass es diesmal klappt).

Und was ist die Problemquelle? Viele Anwender merken gar nicht, dass die Service-Pack-Installation in die Hose gegangen ist -- die Symptome sind offenbar nicht immerso eindeutig wie bei mir. Nach einem fehlgeschlagenen Update arbeiten sie mit einem System, das teilweise aktualisierte Dateien hat und teilweise noch die alten (SP1 oder, Gott behüte, XP pur). Raymond Chen beschreibt es richtig schön:

The result of not fixing the problem is that you are left with a machine that is neither Service Pack 1 nor Service Pack 2 but instead is a Frankenstein monster of some files from Service Pack 1 and some files from Service Pack 2. This is hardly a good situation. Half the files are mismatched with the other half.

Was lernen wir daraus? Nach der Service-Pack-Installation genau auf eventuelle Fehlermeldungen beim ersten Neustart achten und nicht einfach wegklicken. Im Zweifelsfall nachgucken, ob der Befehl winver die richtige Systemversion zurückgibt (sie muss heißen: "Build 2600.xpsp_sp2_rtm.040803-2158: Service Pack 2"). Ausschlaggebend ist die Zeichenfolge "040803" -- ein niedrigere Nummer bedeutet Ärger.

Weiterführende Links

14.10.2004: Service Pack 1.5

SP2 goes Boom

Inständige Warnung: Der folgende Text beschreibt bestenfalls als "abenteuerlich" zu bezeichnende Trouble-Shooting-Methoden, denen man möglichst nicht folgen sollte.

Wenn die Kollegen aus dem Windows-Ressort (nicht der offizielle Name) alle Nas' lang vom Service Pack 2 schwärmen und auf dem c't-Titelblatt groß steht "Das Pflichtupdate", tendiert man schon mal dazu, gegen den Instinkt zu handeln. Der Instinkt sagt: "Lass' uns mit der Installation mindestens drei Wochen warten, dann findest du im Google-Cache alle Lösungen für deine Probleme, wenn sie nicht eh' im Heft stehen."

Stattdessen sitze ich am vergangenen Mittwoch abend da und installiere SP2, ohne Netz und doppelten Boden. Installation geglückt, Reboot, Windows-Bildschirm -- Bluescreen. Kein Login. Neustart -- Bluescreen: Stop in ntdll.dll, die Hex-Adresse bestand nur aus Nullen. Immerhin ließ sich der abgesicherte Modus noch starten. SP2 deinstallieren, Reboot, alles läuft wie früher.

Am nächsten Morgen stehe ich im Windows-Ressort auf der Matte und lamentiere. Der Kollege guckt mich mit einem fiesen Grinsen an und fragt mich ungerührt, ob ich vor dem Update ein Image gezogen hätte. Hatte ich nicht. "Mutig", sagt der geschätzte Kollege und meint damit: "Doof". Helfen kann er mir nur sehr begrenzt; er hat gerade viel zu tun. Ich solle doch mal alle Dienste und Autoruns abschalten: c't 12/04, Seite weißnichtmehr.

Donnerstag abend: SP2 installiert (wieder ohne Image), Reboot -- Bluescreen. Abgesicherter Modus: Start/Ausführen/msconfig aufgerufen, unter "Dienste" alles ausgeschaltet, was nicht von Microsoft stammte und unter "Systemstart" alles deaktiviert, was da aufgeführt wurde. Reboot -- Bluescreen. Abgesicherter Modus, SP2 deinstalliert. Alles lief wieder.

Nach Problemlösungen googlen half nichts. Der kompetente Kollege war in den Urlaub entfleucht (gutes Timing). Am Abend drauf bei Freunden herumtelefoniert. Es kam ein Tipp, in der boot.ini die Zeichenfolge /NoExecute=OptIn rauszunehmen beziehungsweise durch /Execute zu ersetzen. Half auch nichts. Protokollierten Boot-Vorgang versucht. Der Absturz passierte nach dem Laden von agp440.sys. SP2 deinstalliert. Nach kurzem Gegoogle die ATI-Treiber deinstalliert und sicherheitshalber noch eine halbe Schubkarre voller selbstladender Anwendungen, Treiber und Utilities. SP2 installiert, Neustart -- Bluescreen.

Jetzt wurde ich richtig abenteuerlustig und spielte ein wenig in den AGP-Settings des BIOS herum, Spannungsregelung und so. Boot -- Bluescreen. Also die AGP-Einstellungen wieder zurückgesetzt. Boot, nicht einmal eine BIOS-Meldung mehr. Der Computer war tot.

Das ist der Moment, in dem man nichts mehr zu verlieren hat. In der Hoffnung, nur die Grafikkarte fritiert zu haben, baute ich also gegen Mitternacht eine neue Grafikkarte ein (bzw. eine alte, die noch rumlag, HIS Radeon 9000). Boot, Windows-Bildschirm -- .... Logon-Bildschirm! SP2 lebte. Nachdem ich das Sicherheits-Center abgeschaltet hatte, ging ich online auf die Suche nach einer neuen Grafikkarte. Ich hatte mich schon fast mit dem Gedanken abgefunden, am nächsten Morgen bei einem Schrauber auf der Computer-Meile zwei- bis dreihundert Euro loszuwerden, als der ausgesprochen dumme Gedanke aufkeimte, man könnte die andere Grafikkarte (die, die den Rechner in die Totenstarre getrieben hatte) wieder einbauen.

Gesagt, getan. Reboot, Windows-Logo -- Login. Funktioniert problemlos. Weder die Kollegen aus dem Windows-Ressort noch die aus dem Hardware-Lager können mir erklären, was da passiert ist. In der Hardware-Fraktion meinte ein Kollege lediglich: "Warum passiert sowas immer dir?" Ich hätte das Editorial aus Heft 2/04 runterbeten können, aber was soll's.

Coda, 13.10.2004: Heute SP2 auf dem Arbeitsrechner installiert. Wieder ohne Backup und ohne Image. Lief auf Anhieb.

Weiterführende Links

17.08.2004: SP2 goes Boom

XY funktioniert nicht

Die Situation

"Mein Computer kann plötzlich nicht mehr XY. Neulich ging es noch. Jetzt ist XY aus dem System verschwunden / lässt sich nicht mehr starten / spuckt nur noch eine Fehlermeldung aus. Wissen Sie vielleicht einen Rat?"

Allein der Umstand, dass ich ein herzensguter und einfühlsamer Menschenfreund bin, hindert mich daran, bei solchen Leseranfragen einfach zurückzuschreiben: "Ihnen ist nicht mehr zu helfen, kaufen Sie sich einen neuen Computer. Oder besser noch, einen Mac."

Leider habe ich idR keine Lösung für ein derart beschriebenes Problem parat. Dafür gibt es drei Gründe:

  1. Die Problembeschreibung ist zu ungenau. Ich müsste wissen, was zwischen "neulich" und "plötzlich" passiert ist -- konkret: welche Änderungen an Ihrer Konfiguration vorgenommen wurden (Software-Installationen, Hardware-Änderungen).
  2. Der Leser beschreibt weder seine PC-Hardware noch die darauf installierte Software. Da bleiben viel zu viele Variablen, wo was haken kann. Aber HALT: Bevor Sie jetzt Ihre komplette Systemkonfiguration bis hin zur Seriennummer Ihrer RAM-Chips zusammenstellen, bitte den dritten Grund lesen!
  3. Aus hoffentlich verständlichen Gründen kann ich für Einzelfälle nur beschränkten Aufwand betreiben. Die primäre Aufgabe eines Redakteurs ist es, Artikel zu produzieren und ins Heft zu kriegen. Kann ich ein Problem nicht ohne erhebliche Klimmzüge reproduzieren (Software A installieren, Hardware B einbauen, Zustand C provozieren) und erscheint das Problem sehr spezifisch, finde ich nur selten Zeit zum Troubleshooting. Erreichen mich mehrfach ähnliche Anfragen aus unterschiedlichen Quellen, gehe ich dem Problem meistens nach.

Lösungsvorschläge

Im folgenden einige allgemeine Ratschläge, die bei der Einkreisung der Problemursache helfen. Ich gehe dabei davon aus, dass Sie sich mit Ihrem PC ausreichend auskennen. Wenn Sie bei irgendeinem der folgenden Schritte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend empfinden: Lassen Sie lieber einen Fachmann 'ran, als noch mehr kaputt zu machen.

  1. Gehen Sie in sich. Was haben Sie installiert bzw. deinstalliert, seitdem das letzte Mal erfolgreich XY auf dem Rechner gelaufen ist?
  2. Gehen Sie systematisch vor. Stellen Sie am besten eine Liste auf (Zettel & Kuli, nicht Notepad) und legen Sie sie neben die Tastatur. Jetzt gilt es, diese Liste abzuarbeiten.
  3. Deinstallieren Sie die Software in umgekehrter Reihenfolge (jüngste Installation zuerst entfernen).
  4. Probieren Sie nach jeder Deinstallation aus, ob XY immer noch nicht funktioniert. Booten Sie vorher stets neu. Sobald XY wieder funktioniert, haben Sie Ihre Problemquelle gefunden.
  5. Wenn Sie Hardware-Änderungen vorgenommen haben: Stellen Sie zunächst den Zustand wieder her, bei dem XY zuletzt funktioniert hat. Probieren Sie aus, ob XY jetzt wieder funktioniert. Wenn ja, fügen Sie die Hardware-Komponenten Schritt für Schritt (Neustart, XP ausprobieren) wieder zu Ihrer Konfiguration hinzu -- in der Reihenfolge, in der sie schon einmal installiert wurden. Sobald XY nicht mehr funktioniert, haben Sie Ihre Problemquelle gefunden.
  6. Wenn Sie Hardware ein- oder ausbauen, entladen Sie sich vorher an einem Heizkörper. Statische Energie ist ein mächtiger Feind und hat keine Skrupel davor, auch die teuerste Komponente rettungslos zu zerstören. Wenn irgend möglich, erden Sie sich.
  7. Wenn Sie defekte Hardware im Verdacht haben: Borgen Sie sich von einem Kollegen, Freund oder netten PC-Händler eine vergleichbare Komponente. Tauschen Sie die verdächtige Komponente gegen die funktionierende Komponente aus. Funktioniert XY jetzt?
  8. Schieben Sie die Schuld nicht sofort auf Ihre Hardware! In einigen Fällen tritt die Besserung schon allein durch die Veränderung ein. Bauen Sie Ihre Komponente wieder ein. Funktioniert XY jetzt nicht mehr? Dann ist Ihre Hardware tatsächlich defekt.

Noch ein paar Ansätze zur zur Problemlösung:

  1. Suchen Sie mal bei neues FensterGoogle nach den Stichwörtern zu Ihrem Problem, konkret bei neues FensterGoogle Groups (das ist ein Usenet-Archiv). Taucht das von Ihnen beobachtete Problem dort auf? Vielleicht auch mit einer Lösung?
  2. Suchen Sie auf den Webseiten des Herstellers von XY nach einer FAQ oder einer Knowledge Base. Vielleicht ist das von Ihnen beobachtete Problem dort bekannt -- wenn ja, gibt es dort meist auch eine Lösung.
  3. Kontaktieren Sie den technischen Support des Herstellers von XY mit einer konkreten Problembeschreibung.

Wer jetzt mosert, das sei aber eine doofe und mühsehlige Methode zum Trouble Shooting: Bei mir funktioniert sie.

23.01.2004: XY funktioniert nicht

Blogger sind wichtig (sagen die Blogger)

neues FensterEin Artikel in Wired News beginnt mit den Worten:

Blogs are giving a voice to many people, including former journalists, who have been shut out by the mainstream media, said bloggers meeting last weekend at Harvard University.
neues Fensterhttp://www.wired.com/news/culture/0,1284,63120,00.html

Blogger finden sich wichtig. Das ist ja ganz was Neues.

Um es zum xten Mal zum Ausdruck zu bringen: Gute Blogs sind diejenigen, die harte Informationen bieten. (Und selbst diese menscheln mir zu oft. Ein Beispiel ist Raymond Chen.) So gesehen, ist selbst Slashdot ein Blog. Die meisten Blogs begnügen sich aber mit dem müßigen Kommentieren von Berichten anderer. "Guck mal was ich heute gelesen habe und was ich davon halte."

Die vielbeschworene Blogosphere ist eine Seifenblase, die mit obskuren, nicht selbsterklärenden Slang-Ausdrücken operiert (Blogroll, Trackback, Permalink... ersteres ist wie eine Eggroll was zum Essen, Trackbacks haben irgendwas mit Spuren zu tun und Permalinks sind Dauerwellen.)

Einige Blogs haben auch den Vorteil, dass sie ihre Urheber demaskieren. So hielt ich beispielsweise neues FensterPhil Greenspun einst für ein ziemliches Genie. Liest man sein Blog, wird schnell klar, dass dem nicht so ist. Nicht, dass er nicht intelligent wäre -- aber er scheut auch nicht davor zurück, uninformierte Kommentare abzugeben.

Gibt es ein deutschsprachiges Blog, das es wert wäre, gelesen zu werden? Ich weiß es nicht. Der Schockwellenreiter ist meist auch nur Meinung.

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20.04.2004: Blogger sind wichtig (sagen die Blogger)

Blogomanen am Abgrund

Zwei US-amerikanische Blogomanen strecken die Fahnen. Nicht wirklich eine Nachricht, aber eine interessante Beobachtung. neues FensterFrank Catalano verkündet "Blog no more"! Weil: zu viel Arbeit, zu wenige Leser, zu sehr wie Selbstbefriedigung. Zudem fand er sich in zweifelhafter Gesellschaft wieder. Wie wahr.

Writing is not really writing without third-party validation and an audience. Validation comes in the form of filters. Editors who want to take a risk with your stuff in their publication. Publishers who are willing to pay you for it. Essentially, people who think it's worth their reputation and pocketbook to have others hear what you have to say.
neues Fensterhttp://www.bytemeonline.com/2004_03_01_bytemeonline_archive.html

neues FensterWhitney Pastorek sieht in der "Blogosphere" sogar den Ruin ihres sozialen Lebens (und bestätigt das Klischee der ich-bezogenen jungen Amerikanerin): "Did I mention that blogs are ruining my life?" Seit es Blogs gibt, erscheinen die Leute nicht mehr zu Einladungen, man erzählt ihr nichts mehr (wurde ja alles schon gebloggt), man streitet nicht mehr (sondern streicht einander aus der Blogroll).

Something is going horribly wrong, and I have finally traced the problem to its source: blogs. Or, more specifically, the Blogosphere—a land where the smart get smarter, the connected connect to one another, and the losers go home.
neues Fensterhttp://www.villagevoice.com/issues/0409/essay.php

Andere Blogger kontern mutig: Künstler schreiben primär für sich selbst, das muss auch dem Blogophilen reichen. Das meint zumindest der Zeitungs-Editor neues FensterTom Mangan:

If writing is an art, and artists create for themselves, why does it matter if anybody sees it? What the guy really means is that his blog is available to the whole wide world but only a couple dozen people are seeing it, and this makes him feel small and his efforts seem pointless.
neues Fensterhttp://tommangan.net/printsthechaff/archives/001163.html

Wenn die Blog-Umgebung tatsächlich eine "Blogosphere" sein sollte, ist sie übrigens innen verspiegelt. Ich meine ja nur. Ich versuche seit mehreren Monaten, mich für Blogs zu begeistern, und habe immer noch nicht begriffen: Was ist eine Blogroll? Was soll Trackback? Und ein Permalink, ziept das -- wie eine Dauerwelle? (Jaja, ich weiß. Würde ich c't lesen...)

Vorschläge für eine Einteilung:

  • blogophil: jemand, der Blogs gut findet.
  • blogophob: jemand, der Blogs aus Prinzip, nicht aus Wissen, ablehnt.
  • blogoman: jemand, der viel zu viel Zeit mit Blogs verbringt (schreibend oder lesend).

Ich bin blogoskeptisch.

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04.03.2004: Blogomanen am Abgrund

Wenn Websites zu Blog werden

"Opinions are like assholes... everybody's got one."

Diesen Spruch habe ich erstmals in der Autobiografie von Chuck Jones (Charles M. Jones) gelesen, worin er Leon Schlesinger zugeschrieben wird. Im englischen Sprachraum zählt der Spruch offenbar zum Allgemeingut [google]. Und bei jedem Blog muss ich an diesen Spruch denken. Selbst die bestgemeinten Blogs geraten schnell auf dieselbe schiefe Bahn und enthalten dann:

  • Filmrezensionen. Die Blogosphere ist voll mit faden Filmrezensionen. Die meisten sagen nur aus: "Ich fand den Film so und so, seht ihn euch an oder nicht." Der Leser muss dann entscheiden, ob der Autor der Rezension ein Hansele ist oder vertrauenswürdig. Dafür gibt es Filmkritiker.
  • Artikel, deren Autor sich Dinge von der Seele schreibt, die niemanden interessieren. Da geht's dann über quälende Absätze hinweg um die Konsistenz des heutigen Stuhlgang oder weshalb alle Blogs -- bis auf das eigene -- Scheiße sind. Für sowas gibt es Tagebücher und /dev/nul/.
  • "Guckt mal, welchen lustigen Link ich heute gefunden habe" Postings. Jeder kann surfen. Und wenn mir Kollege Beißmichdoch eine E-Mail schickt mit einem Link -- "Unbedingt besuchen", dann mache ich das doch auch nur, wenn ich andernfalls einen Artikel pünktlich abliefern müsste.

Das Schlimmste daran: Ich weiß es eigentlich besser. Ich weiß, dass niemanden interessiert, was ich von Filmen halte oder was ich lustiges angesurft habe. Und dennoch: Kaum habe ich eine komfortable Form des Web Publishings entdeckt, produziere ich verbalen Dünnpfiff.

Was mich besonders beunruhigt: Das passiert selbst hochintelligenten Leuten. Blogs sind etwas ganz, ganz Schlimmes.

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03.12.2003: Wenn Websites zu Blog werden

Wie schlimm ist RFID wirklich

Wie viele bin ich hin- und hergerissen, ob die zahlreichen Unkenrufe zum Thema RFID [Heise-Online-Suche] nun Panikmache von Wichtigtuern sind oder berechtigte Warnungen vor dem kleinen Big Brother im Preisschild. (RFID steht für Radio Frequency IDentification.)

[...] this use of RFID could enable an omnipresent police surveillance state, it could erode further what's left of consumer privacy and it could make identity theft even easier than it has already become.
neues Fensterhttp://www.thenation.com/doc.mhtml?i=20040216&s=garfinkel

An Fantasie fehlt es mir gewiss nicht. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein Kaufhaus seinen Eingangsbereich mit diskret angebrachten RFID-Scannern versieht und in Nullkommanichts anhand der RFID-Signaturen der Kleidungsstücke herausfindet, wie viel mich meine Klamotten gekostet haben und daraus extrapoliert, wieviel Geld ich wohl im Haus lassen könnte, wenn man mich entsprechend umwirbt.

Nur, was sollte das irgend jemandem bringen? Meine Kleidung ist stets Marke billig und gibt somit mein Einkommen genauso akkurat wieder wie zu Studentenzeiten. Der Verlust meiner Privatsphäre kann mich schon eher beunruhigen, aber ich habe "Staatsfeind Nr. 1" [neues FensteriMdb info] gesehen und weiß eigentlich genügend über Peilsender um zu wissen: Wenn "die" jeden meiner Schritte verfolgen wollten, könnten sie es tun, RFID hin oder her.

Also: Wollen sich hier Aktivisten wichtig machen oder ist das wirklich ein Problem im Anflug? Die Zeit wirds zeigen -- nämlich wenn es dann zu spät ist, um etwas dagegen zu tun.

Argh. Dies ist ein Blog-Eintrag. Ich wollte doch kein Blog... arrrgh...

05.02.2004: Wie schlimm ist RFID wirklich

Wenn Charsets gegeneinander kämpfen

Vor zwei Stunden zerlegten sich alle Umlaute in der retched-Rubrik spontan in ihre Einzelteile. Die Quelltextansicht bot keine Informationen darüber, was hier schief lief. Zum Glück habe ich die Durchwahl unserer Netadmin in der Kurzwahlliste.

Schnell stellte sich heraus, dass die Apache-Server seit 14 Uhr einen charset-Header mitschickten, der aber ISO versprach. In den Datei-Headern steht hingegen, dass die Datei Unicode enthält. Beim Browser sticht der Apache-Header stets datei-interne charset-Definitionen aus. Also zerlegte der Browser die Umlaute.

Das Problem sollte mittlerweile wieder beseitigt sein. Dieses Verzeichnis des Servers wird künftig von Apache ohne Header versendet. Hoffe ich zumindest.

30.01.2004: Wenn Charsets gegeneinander kämpfen

Wo die Features herkommen

Liebes Kind! Wenn du dich jetzt ordentlich hinsetzt und die Klappe hält, erzählt dir neues FensterDavid Lemson von Microsoft, neues Fensterwo die neuen Features herkommen.

(Eine Kurzfassung für anglophobe Überflieger:

  1. Kundenwünsche über die Produkt-Support-Hotline,
  2. Die Kundenwunschliste im Internet (neues FensterMSWISH),
  3. Ideen der Entwicklergruppe,
  4. Lösungen zu Problemen, wegen denen Kunden die MS-Hotline anrufen, sowie
  5. anonyme Fernbeobachtung von Anwendern (derzeit in MSN Messenger, Windows Media Player, Office 2003).
    http://weblogs.asp.net/dlemson/archive/2004/01/27/63756.aspx

Lemson erklärt weiterhin, dass natürlich neues Fensterauch direkter Kundenkontakt auf Messen und über sein Blog zu neuen Features führen kann.)

Und wenn du morgen den ganzen Tag brav bist, lasse ich dich am Abend das MSWISH-Formular ausfüllen. Da kannst du dir dann eine bessere CSS-Unterstützung in FrontPage 2003 wünschen und ein Ende des Aktivierungsterrors.

31.01.2004: Wo die Features herkommen

Endlich erledigen, was man tun will

Na, heute noch nichts getan außer herumzusurfen und mit Kollegen geschwafelt? Gerade erst den Beginn eines neuen Projekts mit "Morgen ist ja auch noch ein Tag" aufgeschoben? Susanne Schmidt nennt diese Verhaltensweise "verpeilen" und bietet in einem umfangreichen (um nicht zu sagen "erschöpfenden") Dokument Tipps zur Umstellung zu einem produktiven Alltag an.

Produktiv sein heisst nicht im kapitalistischen Sinne total effizient das letzte bisschen Kraft aus sich heraus zu arbeiten [...]. Ich rede hier von der zufrieden machendenden Produktivität wie das Lieblings Open Source Projekt zu programmieren, von dem man träumt, [...] den Job zu behalten, weil man endlich sein Zeug erledigt bekommt, [...] Es geht also darum: Ich tue einfach das, was ich mir vorgenommen habe, zu tun.
neues Fensterhttp://www.nibbler.de/texts/antiverpeilhowto.html

Ich würde ja noch mehr dazu schreiben, muss jetzt aber dringend mit einem Artikel anfangen. Gleich, erst muss ich noch dringend das Web absurfen...

07.01.2004: Endlich erledigen, was man tun will

Die Matrix im Zahlensumpf

Nicht schlimm genug damit, dass der Film eine Enttäuschung ist. Jetzt macht sich auch noch Forbes.com über die Matrix-Sequels her.

The Matrix Regurgitated (Die Matrix, erbrochen): Dan Ackman schimpft über die Marketing-Welle von The Matrix und dass beide Sequels einen steilen Abfall der Einnahmen nach der ersten Woche hatten bzw. haben werden. Wohingegen der erste Matrix-Film ein lahmes erstes Wochenende hatte und dann ein Langzeitbrenner wurde. Viele interessante Zahlen in einem schlecht geschriebenen Text.

The Matrix is a classic example of a product that is getting worse and worse, but whose marketing is getting better and better. [...] Within a month, [...] [Matrix Reloaded] was averaging $2,848 per theater--which means that the average showing was watched by roughly 30 lonely souls.
http://www.forbes.com/home/2003/11/07/cx_da_1107topnews.html

Ackman hatte wohl schon im Mai mal gegen Matrix Reloaded gewettert, mit einer ähnlichen Argumentationsschiene ("How The Matrix Ruined Movies"):

Reloaded opened with huge fanfare [... ] The marketing budget is reportedly $50 million. Fans can buy the sunglasses. In another sign of the times, the film is showing on two screens at Angelika Film Centers in Houston and New York, venues normally devoted to low-budget and non-U.S. releases.
http://www.forbes.com/2003/05/19/cx_da_0519topnews.html
10.11.2003: Die Matrix im Zahlensumpf

Jochen Bölsche: Herr der GEZeiten

Faszinierender Mehrteiler über die GEZ (GebührenEinzugsZentrale) von Jochen Bölsche auf Spiegel Online, mit der herrlichen Dachzeile "Datenkrake GEZ" [ Teil 1, Teil 2, Teil 3  ]. Im ersten Teil wirbt der Autor absatzweise für Verständnis mit den armen Rundfunkanstalten:

Die GEZ-Gebühreneintreiber haben sich längst daran gewöhnt, dass ihr Ruf ähnlich grottenschlecht ist wie der von Drückern und von Politessen. [...] Schon vor vier Jahren schockierte eine vertrauliche Studie die Gebühreneintreiber, nach der fast 40 Prozent der Menschen unter 35 Jahren nicht daran dächten, ihre Geräte anzumelden. [...] Ursachen seien, so analysierte die Gebührenzentrale, die "schlechte wirtschaftliche Lage" und die "gesellschaftliche Individualisierung" - soll heißen: Schmarotzer- und Ellbogenmentalität verdrängen solidarisches Denken. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273563,00.html

Im zweiten wird der Ton dann schärfer und der Autor schlägt sich verständnisvoll auf die Seite der Fernsehverweigerer:

Beliebt sind Fangfragen wie: "Darf ich Ihnen eine Fernsehzeitschrift schenken?" In einer rechtlichen Grauzone bewegen sich Gebührendetektive, wenn sie den Eindruck erwecken, sie arbeiteten für die Marktforschung. Dann heißt es schon mal: "Wie fanden sie gestern 'Wetten, dass?'" Oder, nicht minder hinterhältig: "Guten Abend, störe ich gerade bei der Tagesschau?"
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273697,00.html

Der dritte Teil stellt dann die zur Diskussion stehenden Alternativen vor, darunter eine Pauschalsteuer für jeden Volljährigen oder zumindest eine "Bürgerabgabe". Das würde dann eine eidesstattliche Erklärung von Nicht-Fernsehinhabern mit sich ziehen. Ebenfalls gebührenpflichtig würden dann Mobiltelefone und ans Internet angeschlossene Computer. Damit das funktioniert, müsste die GEZ von den Meldebehörden Daten über alle in Deutschland gemeldeten Personen bekommen, die über 16 Jahre alt sind. Und das bei einer Organisation, die sich nicht einmal an allgemeine Datenschutzrichtlinien hält.

Bisher schon haben sie sich einer umfassenden unabhängigen Datenschutzkontrolle (außer in Berlin, Brandenburg, Bremen und Hessen) entziehen können - "mit einem Trick", so Thilo Weichert von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz (DVD). [...] Die Gebühreneintreiber behaupten allen Ernstes, für sich das Medienprivileg in Anspruch nehmen zu können, das der grundgesetzlich verbürgten Pressefreiheit entspringt.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273827,00.html

In meinem Briefkasten habe ich letzte Woche schon wieder ein Schreiben von der GEZ gefunden. Wir haben keinen Fernseher, wir wollen auch keinen Fernseher. Obwohl ich den KiKa grundsätzlich finanzieren würde, allein wegen des grummeligen Brotes.

Links zu den Artikeln:

(Herzlichen Dank an Jochen Bölsche für den Link zum dritten Teil, den ich nicht ohne seine Hilfe gefunden hatte.)

13.11.2003: Jochen Bölsche: Herr der GEZeiten

Geniale Überschrift

Aufrichtiger Neid spricht aus den folgenden Worten: Ich beneide den namenslosen Redakteur von Spiegel Online, der die folgende Titelzeile getextet hat:

Depp hat größten Sex-Appeal
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,274829,00.html

Das muss man sich mal in aller Ruhe auf der Zunge zergehen lassen. Die Unterzeile entschärft das zwar gleich wieder, aber da ist der Schaden schon passiert.

Auszeichnung für Hollywood-Star Johnny Depp: Der 40-Jährige knöpfte Ben Affleck den Titel des "Sexiest Man Alive" ab.

Wie wollen die das noch toppen? Wenn David Lynch wegen irgendeinem derzeit noch unbekannten Verbrechen verurteilt wird, heißt der Titel dann "Lynch-Justiz in L.A."? Ich hör' ja schon auf.

21.11.2003: Geniale Überschrift

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