Diese Leseranfragen werden bevorzugt behandelt
Zeit, mal wieder grausam zu sein. Ja, schon wieder.
Letzte Woche erreichte mich mal wieder eine dieser Leser-Mails: "Bekomme ich jetzt endlich mal eine Antwort auf meine Anfrage vom Juni?" Woraufhin ich brav die Ordner meines Mail-Programms nach einer vorangegangenen Anfrage des Absenders untersucht habe. (Fehlanzeige: Der Leser hat entweder die erste Anfrage von einer anderen Mail-Adresse abgeschickt oder beim letzten Mal einen anderen Redakteur angeschrieben.)
Viele Leser scheinen der Meinung zu sein, dass wir technische Unterstützung für Probleme mit der in c't vorgestellten Soft- und Hardware leisten. In den meisten Fällen läuft die Antwort leider auf eine Rückfrage heraus: "Wie hat denn der Hersteller auf Ihre Support-Anfrage reagiert?"
Die Leser-Hotline und die gebotenen Kontaktmöglichkeiten dienen dazu, Fragen zu unseren Artikeln zu beantworten. Viele Leser sind sich dieser Spielregel durchaus bewusst. Die benutzen dann oft einen cleveren Trick: "Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel zum Thema X gelesen. Ich hätte da eine Frage zum Thema Y..."
Etwa ein Prozent der Leser-Mails und -Anrufe sind tatsächlich Fragen zu Artikeln.
Besonders verzweifelte Anschreiben enden mit einer Variante der Floskel: "Ich denke, dass die Lösung dieses Problems auch andere Leser interessieren wird." Diesen Worten geht meist eine sehr konkrete Beschreibung eines unter sehr eng definierten Bedingungen auftretenden Problems voraus. In anderen Worten: Um das Problem zu reproduzieren, müsste ich am Rechner des Lesers sitzen.
Wie gehe ich als Redakteur mit Mails und Anrufen von Lesern um? Das kommt ganz darauf an.
Unter den folgenden Randbedingungen bestehen die größten Chancen auf eine Beantwortung Ihrer Leser-Anfrage:
- Ihre Anfrage ist freundlich formuliert.
- Sie sprechen mich nicht mit "Herr Himmelreich" oder gar "Herr Himmler" an.
- Ihre Anfrage ist kurz gefasst.
- Sie haben den Hersteller-Support kontaktiert, bevor Sie mich angeschrieben haben.
- Sie erwarten nicht a priori, dass ich eine Frage beantworten kann, auf die der Hersteller-Support keine Antwort wusste.
- Sie setzen mich nicht kommentarlos ins CC- oder BCC-Feld für eine mit Kraftausdrücken angereicherte Anfrage beim Hersteller-Support.
- Sie haben verstanden, dass c't-Redakteure grundsätzlich keine Produkte empfehlen dürfen (so wie wir auch in Artikeln keine "Siegel" vergeben).
- Sie wissen, dass c't-Redakteure keine Rechtsberatung geben dürfen.
- Sie schicken Kekse.
Leseranfragen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit beantwortet werden:
- Fragen zu Artikeln, die ich geschrieben habe (Autorenzeile oben)
- Fragen zu Artikeln, die ich betreut habe (Redakteurskürzel am Artikelende)
- Fragen zu Artikeln, die ich schreiben könnte
- Fragen zu rezensierten Produkten, die keine Support-Anfragen sind
- Fragen zu rezensierten Produkten, bei denen der Support nicht weiterhelfen konnte (Warnung: Ich kann es auch oft nicht, aber die Probleme sind oft interessant)
- für mehr als eine einzige Person interessante Problemstellungen, für die sich nicht schon tausend Lösungen im Web finden
Siehe auch:
- Aberglauben bei c't-Lesern (Vorsicht, Sarkasmus)
- Aberglauben bei PR-Leuten (Vorsicht, noch mehr Sarkasmus)



