Jochen Bölsche: Herr der GEZeiten
Faszinierender Mehrteiler über die GEZ (GebührenEinzugsZentrale) von Jochen Bölsche auf Spiegel Online, mit der herrlichen Dachzeile "Datenkrake GEZ" [ Teil 1, Teil 2, Teil 3 ]. Im ersten Teil wirbt der Autor absatzweise für Verständnis mit den armen Rundfunkanstalten:
Die GEZ-Gebühreneintreiber haben sich längst daran gewöhnt, dass ihr Ruf ähnlich grottenschlecht ist wie der von Drückern und von Politessen. [...] Schon vor vier Jahren schockierte eine vertrauliche Studie die Gebühreneintreiber, nach der fast 40 Prozent der Menschen unter 35 Jahren nicht daran dächten, ihre Geräte anzumelden. [...] Ursachen seien, so analysierte die Gebührenzentrale, die "schlechte wirtschaftliche Lage" und die "gesellschaftliche Individualisierung" - soll heißen: Schmarotzer- und Ellbogenmentalität verdrängen solidarisches Denken. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273563,00.html
Im zweiten wird der Ton dann schärfer und der Autor schlägt sich verständnisvoll auf die Seite der Fernsehverweigerer:
Beliebt sind Fangfragen wie: "Darf ich Ihnen eine Fernsehzeitschrift schenken?" In einer rechtlichen Grauzone bewegen sich Gebührendetektive, wenn sie den Eindruck erwecken, sie arbeiteten für die Marktforschung. Dann heißt es schon mal: "Wie fanden sie gestern 'Wetten, dass?'" Oder, nicht minder hinterhältig: "Guten Abend, störe ich gerade bei der Tagesschau?"
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273697,00.html
Der dritte Teil stellt dann die zur Diskussion stehenden Alternativen vor, darunter eine Pauschalsteuer für jeden Volljährigen oder zumindest eine "Bürgerabgabe". Das würde dann eine eidesstattliche Erklärung von Nicht-Fernsehinhabern mit sich ziehen. Ebenfalls gebührenpflichtig würden dann Mobiltelefone und ans Internet angeschlossene Computer. Damit das funktioniert, müsste die GEZ von den Meldebehörden Daten über alle in Deutschland gemeldeten Personen bekommen, die über 16 Jahre alt sind. Und das bei einer Organisation, die sich nicht einmal an allgemeine Datenschutzrichtlinien hält.
Bisher schon haben sie sich einer umfassenden unabhängigen Datenschutzkontrolle (außer in Berlin, Brandenburg, Bremen und Hessen) entziehen können - "mit einem Trick", so Thilo Weichert von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz (DVD). [...] Die Gebühreneintreiber behaupten allen Ernstes, für sich das Medienprivileg in Anspruch nehmen zu können, das der grundgesetzlich verbürgten Pressefreiheit entspringt.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273827,00.html
In meinem Briefkasten habe ich letzte Woche schon wieder ein Schreiben von der GEZ gefunden. Wir haben keinen Fernseher, wir wollen auch keinen Fernseher. Obwohl ich den KiKa grundsätzlich finanzieren würde, allein wegen des grummeligen Brotes.
Links zu den Artikeln:
- Teil 1: Der Inkasso-Riese mit dem Stasi-Image
- Teil 2: Jagd mit Fangarmen und Fangfragen
- Teil 3: Der Pantoffelzähler geht, der Rasterfahnder naht
(Herzlichen Dank an Jochen Bölsche für den Link zum dritten Teil, den ich nicht ohne seine Hilfe gefunden hatte.)
Zuletzt geändert am 24.11.2003 um 16:45
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