Wenn Websites zu Blog werden
"Opinions are like assholes... everybody's got one."
Diesen Spruch habe ich erstmals in der Autobiografie von Chuck Jones (Charles M. Jones) gelesen, worin er Leon Schlesinger zugeschrieben wird. Im englischen Sprachraum zählt der Spruch offenbar zum Allgemeingut [google]. Und bei jedem Blog muss ich an diesen Spruch denken. Selbst die bestgemeinten Blogs geraten schnell auf dieselbe schiefe Bahn und enthalten dann:
- Filmrezensionen. Die Blogosphere ist voll mit faden Filmrezensionen. Die meisten sagen nur aus: "Ich fand den Film so und so, seht ihn euch an oder nicht." Der Leser muss dann entscheiden, ob der Autor der Rezension ein Hansele ist oder vertrauenswürdig. Dafür gibt es Filmkritiker.
- Artikel, deren Autor sich Dinge von der Seele schreibt, die niemanden interessieren. Da geht's dann über quälende Absätze hinweg um die Konsistenz des heutigen Stuhlgang oder weshalb alle Blogs -- bis auf das eigene -- Scheiße sind. Für sowas gibt es Tagebücher und /dev/nul/.
- "Guckt mal, welchen lustigen Link ich heute gefunden habe" Postings. Jeder kann surfen. Und wenn mir Kollege Beißmichdoch eine E-Mail schickt mit einem Link -- "Unbedingt besuchen", dann mache ich das doch auch nur, wenn ich andernfalls einen Artikel pünktlich abliefern müsste.
Das Schlimmste daran: Ich weiß es eigentlich besser. Ich weiß, dass niemanden interessiert, was ich von Filmen halte oder was ich lustiges angesurft habe. Und dennoch: Kaum habe ich eine komfortable Form des Web Publishings entdeckt, produziere ich verbalen Dünnpfiff.
Was mich besonders beunruhigt: Das passiert selbst hochintelligenten Leuten. Blogs sind etwas ganz, ganz Schlimmes.
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Zuletzt geändert am 28.04.2004 um 17:40
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