Nielsens schlimmste Webfehler

Zum Jahresende hat jeder eine Liste mit den zehn besten Filmen, den zehn schönsten Platten oder den zwanzig prallsten Plastikbrüsten. Jakob Nielsen hat eine Liste mit den zehn schlimmsten Web-Design-Fehlern des Jahres 2003 zusammengestellt:

Now that sites are doing certain things correctly, we get hit by second-order phenomena that only cause problems because users have progressed past the first-order issues.

Schnell übersetzt und mit eigenen Erklärungen garniert

  1. Unklare Beschreibung des Ziels einer Site -- So erfährt der Besucher nicht, was er von der Site eigentlich erwarten kann. (Aufgabe: Versuchen Sie herauszufinden, was SCM Microelectronics herstellt.)
  2. Änderung der URL bei der Archivierung von Inhalten -- gestern besucht unter URL x, heute zu finden unter URL y. Die Folge: Lesezeichen, die in die Leere führen. (Hey!)
  3. Undatierte Inhalte -- schön, wenn man auf der Website vom bald verfügbaren Produkt liest, obwohl das Produkt schon seit einem halben Jahr in den Läden steht. Die Pressemitteilung war halt undatiert, und so wartet man und wartet...
  4. Nichtssagende Thumbnails von großen Fotos -- Miniaturansichten sind eine feine Sache, doch geht dabei oft der Sinn des Bildes unter. Bei einem Gruppenbild mit Katie Price erkennt man im Thumbnail nicht mehr, wer hier zu sehen sein sollte. Besser wäre, wenn die Miniatur nur ihr Gesicht zeigt. Oder ihr Dekolletee.
  5. Zu detaillierte ALT-Attribute -- Das alt-Attribut des img-Tags soll eine kurze Beschreibung des Bildinhalts liefern. Stattdessen wird darin allzuoft geschwafelt. Falsch: alt="Ein stilisiertes kleines h, umgeben von einem halboffenen Kreis, der an den Klammeraffen des @-Zeichens erinnern soll, daneben ein grauer Schriftzug". Richtig: "alt="heise online".
  6. Zu wenig Entscheidungsfreiheit -- Wenn ich mich entschieden habe, doch nicht nach Berlin Zoo zu fahren, sondern bis nach Tegel durch -- warum muss ich dann meine Anfrage bei der Bahnauskunft komplett neu starten?
  7. Keine Listen mit Ausschlusskriterien -- Bei den Ergebnisseiten einer Amazon-Suche kann der Besucher bestimmte Kriterien herausfiltern. Andere Seiten kennen diese Option nicht und überschwemmen den Surfer mit ellenlangen Listen. Dumm gelaufen.
  8. Produktsuche nur nach Marke möglich -- Wenn man einen CD-Spieler haben will, sucht man nach CD-Spielern und nicht nach Sony-Produkten (nach denen schon gar nicht).
  9. Übermässig strenge Eingabefelder -- Besonders prima bei Telefonnummern -- wenn das Eingabefeld keine Möglichkeit zur Angabe der internationalen Vorwahl hat. So ist die Telefonnummer der c't-Redaktion für formulargefütterte Amerikaner meist 511-535-2300. Meinetwegen. Bekomme ich weniger Anrufe.
  10. Seiten, die auf sich selbst verlinken -- so wie die Hauptseite dieser Rubrik. Klicken Sie auf die Grafik im Menü. Klicken Sie dann wieder drauf. Upps. Das heißt wohl, dass mir Jakob auch in diesem Jahr wieder Kohle in den Strumpf stecken wird. (Wer's noch nicht wusste: Jakob Nielsen ist der Weihnachtsmann.)
    http://www.useit.com/alertbox/20031222.html

Ich muss zugeben, dass ich auch Jakob Nielsens illustrierte Liste der zwanzig prallsten Plastikbrüste lesen würde. Er ist übrigens der Meinung, die aktuelle Liste zeige, dass das Web Fortschritte macht. Ich bin da weniger optimistisch.

Verfasst am 22.12.2003 um 19:53
Zuletzt geändert am 16.06.2004 um 15:36

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