Grenzgänger

10-Zoll-Netbook Toshiba AC100 mit Nvidia Tegra 250 und Android 2.1

Toshiba wagt sich als erster namhafter Hersteller mit einem ARM-Netbook auf den deutschen Markt. Als Grundlage dient Android in der Version 2.1.

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Während ARM-Netbooks, also Netbooks mit Smartphone-Hardware, im vergangenen Winter noch ein Hype-Thema waren, ist die Kategorie inzwischen schon wieder aus vielen Köpfen verschwunden. Das wundert wenig, denn es fehlt schlicht an Geräten: Lenovos zur CES angekündigtes Modell ist immer noch nicht auf dem Markt, HP vertreibt sein Compaq Airlife 100 nur in Spanien. Toshiba wagt sich nun als erster namhafter Hersteller auf den deutschen Markt.

Seit dem offiziellen IFA-Start ist der 10-Zöller AC100 mit Nvidias ARM-Prozessor Tegra 250, Android 2.1 und integriertem UMTS-Modem für 379 Euro beim Elektronik-Discounter Media Markt erhältlich. Weitere Händler will Toshiba in den kommenden Wochen beliefern.

Auf den ersten Blick fällt das extrem flache Gehäuse auf: Zugeklappt misst es an der dicksten Stelle weniger als zweieinhalb Zentimeter. Die Handballenablage ist nicht mal einen Zentimeter hoch, was eine entspannte Handhaltung beim Tippen ermöglicht. Die meisten Tasten sind mit 19 Millimeter Breite normal groß, Vielschreiber können sofort flüssig loslegen.

Moment mal: Schreiben per Tastatur? Ja, denn obwohl das Smartphone-Betriebssystem Android zum Einsatz kommt, hat das AC100 keinen Touchscreen. Sämtliche Eingaben müssen klassisch per Tastatur und Touchpad erfolgen.

Das funktioniert beim Internet-Surfen mittels des vorinstallierten Browsers Opera Mini ganz gut, doch an vielen Ecken und Enden merkt man schnell, dass Android und auch alle anderen Anwendungen – inklusive des Toshiba-eigenen Medienplayers und dem Startmenü – per Touch bedient werden wollen: Wer durch die Einstellungen scrollen oder die Homescreens wechseln will, muss den "Untergrund" per linker Maustaste festhalten und dann per Touchpad verschieben. Bei der Bedienung nervt zudem, dass die vier häufig benötigten Android-Standard-Tasten Zurück, Menü, Homescreen und Suchen quer über die Tastatur verteilt liegen.

Auf den Android-Market darf das AC100 nicht zugreifen. Stattdessen installiert Toshiba einen Client für den Camangi-Market. Dieser ist mit knapp 130 Programmen jedoch nur sehr dürftig bestückt. Immerhin sind etwa ein RSS-Reader, Dateimanager oder der k9-Mailer verfügbar; auch Twitdroid und der Dolphin-Browser sind vorhanden. Kaufprogramme sind noch nicht darunter: Erst am 7. September will Camangi eine Bezahlfunktion einführen. Weitere Freeware-Programme sind etwa über das Verzeichnis www.freewarelovers.com/android erhältlich, sie sind jedoch nicht an die Bildschirmauflösung des AC100 angepasst.

Alle Bildschirminhalte lassen sich per HDMI an Fernseher und Beamer ausgeben, die Ausgang ist jedoch wählerisch: Während er an Monitoren von Dell und LG einwandfrei funktionierte, ließ sich ihm an einem Samsung-Monitor kein Bild entlocken. Beim Anschließen eines Flachbildfernsehers von Samsung fror das AC100 reproduzierbar ein. Auch bei normalem Arbeiten stürzte es in der kurzen Testzeit einige Male ab, etwa beim häufigen Wechseln zwischen Programmen.

Nvidias Tegra 250 spielte alle ihm vorgelegten Videos verschiedener Codecs und Auflösungen ohne Murren ab. Flash für YouTube & Co. ist allerdings nicht an Bord, sodass nur Filme von SD-Karte, USB-Stick oder der 8 GByte großen SSD abgespielt werden können. Das Befüllen der SSD ist pfiffig gelöst: Verbindet man das AC100 über die Mini-USB-Buchse an der rechten Seite mit einem PC, meldet es sich dort als USB-Massenspeicher an.

Toshiba bewirbt das schnelle Starten dank Instant-On, doch wer Android-Handys oder andere aktuelle Smartphones kennt, wird enttäuscht sein: Es dauert mehrere Sekunden, bis das Gerät einschläft und genauso lange, um wieder aufzuwachen – da ist so manches Windows-Notebook schneller wieder einsatzbereit. Nach jedem Standby muss man die PIN der eingelegten SIM-Karte erneut eingeben.

Die UMTS-Erfahrung ist wenig positiv: Mit einer SIM-Karte von Vodafone wollte das AC100 gar nicht zusammenarbeiten, mit einer von E-Plus haben wir die Netzsuche nach mehreren Minuten abgebrochen. Mit einer O2-Karte waren wir dagegen sofort nach dem Booten online, hatten aber selbst unter freiem Himmel in Hannover nur einen von vier Balken der Netzstärkeanzeige; eine Netzsuche schlug auch dann fehl.

Der 25-Wh-Akku soll rund acht Stunden durchhalten, was wir wegen der kurzen Testdauer von nur wenigen Stunden bislang nicht nachprüfen konnten; der zugrundeliegende Verbrauch von rund 3 Watt – am meisten schluckt das 180 cd/m2 helle Spiegeldisplay mit 1024 × 600 Punkten – scheint jedoch realistisch.

Mit seinem abgespeckten Funktionsumfang und der energieeffizienten Hardware ist das AC100 näher am ursprünglichen Netbook-Gedanken als aktuelle Vertreter der Atom-Zunft – diese sind inzwischen zwar leistungsschwache, aber dank Windows vollwertige Notebooks.

Während es an der Hardware von Toshibas AC100 wenig auszusetzen gibt, offenbaren sich beim gewählten Betriebssystem und den Anwendungen große Mängel hinsichtlich der Bedienung mit Maus und Tastatur – Android ist nun mal für Touch gemacht. Anders als die zusätzlich vorhandenen Kinderkrankheiten wie Abstürze sowie Probleme mit UMTS und HDMI kann Toshiba die Bedienungsinkompatibilitäten nicht durch künftige Updates ausbügeln. Der happige Preis von 380 Euro macht das AC100 schließlich zu einem kaum zu empfehlenden Produkt, denn vielfältigere Atom-Netbooks bekommt man bereits für ein Viertel weniger. (mue)

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