Wenn der vorhandene PC zu langsam, von den Kindern in Beschlag genommen oder gar nicht vorhanden ist, muss neue Hardware her. Ein wirklich maßgeschneiderter PC besteht aus sorgfältig ausgewählten und geschickt zusammengebauten Einzelteilen, was eine Menge Fachkenntnis und Zeit erfordert, so heißt es. Einfacher wäre ja, den Angebots-PC vom Supermarkt um die Ecke zu kaufen. Fallende Preise bei Notebooks, WLAN und Bluetooth rücken zudem den mobilen Arbeitsplatz in bezahlbare Nähe. Ein Sechser im Lotto erscheint einfach im Vergleich zu dieser verwirrenden Vielfalt.
Selbst bauen oder bauen lassen, Komplett-PC oder Notebook, das sind die Alternativen beim PC-Kauf. Dieser Artikel hilft beim Festlegen der Anforderungen an den PC, die folgenden drei gehen auf die einzelnen Komponenten ein. Sie nutzen damit dem Selbstschrauber, dienen aber auch zur Beurteilung der Innereien von Komplett-PCs (c't 23/2002 Seite 112: Prozessoren, Mainboards, Speicher, Gehäuse, Netzteile, Seite 118: Grafikkarten, analoge und digitale TV-Karten, Seite 124: CD- und DVD-Brenner, Festplatten). Der Artikel in c't 23/2002 auf Seite 126 erleichtert die Entscheidung zwischen Monitor und TFT-Display, im Artikel danach suchen wir das optimale Notebook. Ab Seite 130 in c't 23/2002 berichten vier Kollegen, welche Bedürfnisse bei ihren persönlich optimalen PCs ausschlaggebend waren. Auf den Kauf von Gebraucht-PCs gehen wir nicht ein, siehe dazu Heft 21/02.
Den universell optimalen PC gibt es nicht, sondern nur lokale Optima, also speziell auf ein Aufgabengebiet zugeschnittene Rechner. Vor dem Kauf sollte der Anwender sich überlegen, was er mit dem PC tun möchte: Dient er zum Programmieren, als moderne Schreibmaschine oder als Internet-Kommunikationszentrale? Braucht man ihn beruflich? Für welche Art von Spielen möchte man ihn nutzen? Soll er an Fernsehgerät, HiFi-Anlage oder Videokamera angeschlossen sein? Will man Videos gucken, bearbeiten, aus DVDs erzeugen, soll der PC als digitaler Videorecorder arbeiten? Soll er gar im Wohnzimmer stehen und dort nicht durch übermäßig hohe Lautstärke und hässliches Design auffallen? Oder will man einen ständigen Begleiter auch für unterwegs, also ein Notebook? Daraus ergibt sich eine Wunschliste, die den PC-Eigenschaften wie Arbeitsgeschwindigkeit, Ausstattung, Erweiterbarkeit, Lärmentwicklung, Gehäusegröße sowie Konfigurationsaufwand die notwendigen Unter- und erträglichen Obergrenzen zuordnet. Im Idealfall lässt sich der vorhandene PC aufrüsten und erledigt die neuen Jobs.
Die beste Lösung besteht nicht immer in einem alles erledigenden PC: Der Handel bietet spezialisierte Geräte an, die ihre Teilaufgaben zwar weniger flexibel erledigen als der aufgemotzte PC, aber meist einfacher konfigurier- und bedienbar sind. Wem die halbjährliche Investition in Grafikkarten zu teuer ist, der kauft sich eine Spielekonsole à la XBox oder Playstation. Wer sich nicht an den Bau eines leisen Wohnzimmer-PCs herantraut, dem genügt vielleicht schon das ständig wachsende Angebot an digitalen Videorecordern [1|#lit01].
Zudem sinken die Anforderungen an den neuen PC, wenn der alte einsatzfähig bleibt und einige Spezialaufgaben erledigt. Beispielsweise fällt die Entscheidung für ein Notebook leichter, wenn man mit einem zusätzlichen Server die Begrenzung der Notebook-Festplatten auf derzeit 60 GByte umgeht.
Der einfachste Weg zum neuen PC ist der Kauf von Komplettgeräten. Sie kosten fertig zusammengebaut und inklusive Softwarepaket meist weniger als die Komponenten im Einzelhandel, sie funktionieren zumindest grundsätzlich, und sie halten eine Menge Probleme vom Kunden ab: Im Rahmen von Gewährleistung und Garantie müssen Händler und Hersteller dafür sorgen, dass die PCs die versprochenen Anforderungen erfüllen. Allerdings sind vor allem die Billigangebote vor dem Kauf kaum konfigurierbar, oftmals kann der Kunde nicht mal genau feststellen, welche Komponenten überhaupt eingesetzt sind. Beim Notebook gibt man für die Mobilität den Preisvorteil auf und hat noch weniger Einfluss auf die eingesetzten Komponenten. Der Selbstbau eines PC bietet sich dennoch erst dann an, wenn die eigenen Ansprüche über das Angebot an Komplettsystemen und Notebooks hinausgehen.
Die meisten derzeit erhältlichen Komplettsysteme eignen sich aufgrund schneller Prozessoren, großer Festplatten, DVD-Laufwerk und halbwegs modernem Grafikchip uneingeschränkt für Office-Aufgaben, viele Spiele oder zur Wiedergabe von Musik und DVD-Videos. Mit entsprechenden Brennern gelingt auch die selbst gebrannte CD oder DVD problemlos. Wer viele Stunden vor dem PC sitzt, sollte ihn allerdings ohne Monitor kaufen und sich separat nach einem hochwertigen Display umsehen, auch genügen die den Billigsystemen beiliegenden Tastaturen und Mäuse oft nicht gehobenen Ergonomieansprüchen.
Bei der Surfstation kommt als zusätzliche Anforderung die Internet-Infrastruktur hinzu. Insbesondere stellt sich die Frage, ob nur ein einziger PC im Haushalt Internet-fähig sein soll oder ob ein kleines Netzwerk mehreren Rechnern den Zugang gewährt. Ersteres erfordert ein Analog-, ISDN- oder DSL-Modem, die sowohl in internen (Steckkarte) als auch externen (per USB, DSL-Modems auch per LAN) Varianten verfügbar sind. Die internen Lösungen sparen ein Kästchen samt Netzteil unter dem Schreibtisch und kosten etwas weniger, die externen Geräte sind wiederum über mehrere PC-Generationen hinweg nutzbar und beispielsweise beim Wechseln von analog zu DSL einfacher austauschbar. In fast allen Komplettrechnern steckt ein Analogmodem, ISDN findet man seltener, DSL gar nicht. Bei Notebooks gehört das Analogmodem zum Standard, ISDN und DSL sind jedoch praktisch nur extern möglich.
Für den Anschluss mehrerer PCs ans Internet muss der Rechner mit dem Modem als Router arbeiten, was die Ausstattungsliste um einen LAN-Anschluss und einen externen Hub oder Switch erweitert. Die richtige Konfiguration erfordert zusätzliche Kenntnisse, zudem muss der routende PC ständig eingeschaltet sein und in der Nähe des Telefonanschlusses stehen.
Viel eleganter gelingt der Internet-Zugang mit einem externen Router. Das sind kleine Kästchen, in die man auf der einen Seite das Telefon-, ISDN- oder DSL-Kabel steckt und aus denen auf der anderen Seite LAN-Anschlüsse für alle Rechner rauskommen. Diese Router sind einfach zu konfigurieren und kosten kaum mehr als externe Modems. Den angeschlossenen PCs reicht dann ein 10/100-MBit-Ethernet-Port, den jedes aktuelle Notebook und auch viele Komplett-PCs mitbringen, auch sind fast alle Mainboards in Varianten mit LAN lieferbar. Kein PC braucht mehr ein internes oder externes Modem, was als Nebeneffekt vor 0190-Dialern schützt.
Bei diesen Vorteilen der externen Router lohnt sich ein routender PC nur, falls man besondere Ansprüche an die Firewall stellt oder sowieso einen älteren Rechner (schon ein 486er langweilt sich beim DSL-Routing) übrig hat.
Für eine kabellose Vernetzung bieten sich die Funkstandards Bluetooth und WLAN an, die auch in einige Router für überraschend günstige Preise schon integriert sind. WLAN arbeitet knapp so schnell wie die älteren 10-MBit-Netze, was so gerade für die Übertragung von komprimierten Videos reicht. Bluetooth funkt deutlich langsamer und bremst schon einen zügig per DSL kommenden Download aus. Für größere Büros und Wohnungen oder den Gartenfunk ist zudem die Reichweite zu gering.
Notebooks lassen sich am einfachsten mit WLAN ausrüsten: Per PC-Card gelingt es bei allen Geräten (außer einigen Billigstangeboten ohne PC-Card-Schacht), zudem erscheinen immer mehr Modelle serienmäßig oder wahlweise mit einem internen WLAN-Modul. Das Angebot an PCI-Karten zum Einbau in PCs wächst, die Karten sind mit rund 150 Euro jedoch nicht ganz billig. Externe Lösungen für den USB kosten etwas weniger, drücken aber auf die Übertragungsgeschwindigkeit. Der PC-Hersteller 4MBO sieht sich als Funkpionier und bietet sowohl ein sehr preisgünstiges Notebook als auch einen der wenigen Komplett-PCs mit serienmäßigem WLAN an (siehe auch c't 23/2002 Seite 84).
Außer dem Kommunikationsanschluss benötigt jeder Rechner weitere Schnittstellen. Für die meiste Peripherie wie Drucker, Scanner, Tastaturen, Mäuse, Joysticks und auch PDAs reichen die überall vorhandenen USB-Ports. Wer viele Geräte gleichzeitig anschließen möchte, muss lediglich überlegen, ob er auf eine ausreichende Zahl integrierter Ports Wert legt oder mit einem externen USB-Hub lebt. Parallel- und RS-232-Buchse benötigt man nur noch für wenige, meist ältere Geräte.
Der Datenaustausch mit Geräten wie Digitalkameras oder MP3-Player gelingt notfalls per USB, schneller jedoch per Speicherkarte. Hier haben die Notebooks die Nase vorn: Einige Modelle haben eingebaute Speicherkarten-Slots, fast alle nehmen einen billigen PC-Card-Adapter auf. Doch auch bei Komplett-PCs kommen die praktischen Frontpanel-Einschübe in Mode, die nicht nur einige Schnittstellen einfach zugänglich an die Vorderseite bringen, sondern oft auch Einschübe für verschiedene Speicherkarten bieten.
Für externe Massenspeicher reicht die Geschwindigkeit von USB 1.1 nicht aus, da müssen USB 2.0, FireWire oder (bei Notebooks) der PC-Card-Schacht her. Die USB-2.0-Peripherie kostet bei der Anschaffung etwas weniger, doch die Technik gehört erst seit kurzem bei Komplettrechnern zum Standard, bei Notebooks ist sie noch die Ausnahme. Für FireWire spricht die größere Zahl und Vielfalt der vorhandenen Geräte, insbesondere haben praktisch alle DV-Camcorder einen FireWire-Anschluss. FireWire-Ports fehlen nur noch bei wenigen, meist billigen PCs und Notebooks.
Ihre Grenzen erreichen die Billigangebote seltener bei ihren Kernkomponenten wie Prozessor oder Festplatte. Die Schwächen liegen in Details wie schlechter Audio-Qualität, lautem DVD-Laufwerk oder knappem Gehäuseplatz. Doch vor dem Kauf lässt sich sowas kaum anders als durch die Lektüre von Testberichten feststellen.
Erst Anwendungen wie aktuelle 3D-Spiele oder Videokomprimierung stellen Anforderungen an Grafikkarte, Prozessor und Hauptspeicher, denen billige Komplettrechner meist nicht gewachsen sind. Wer seinen PC als Fernseher-Ersatz und digitalen Videorecorder nutzen möchte, benötigt dafür eine analoge oder digitale TV-Karte. Angeschlossen an eine HiFi- oder Surroundsound-Anlage kommt man selten um eine gute Soundkarte mit hochwertigen Analog-Ausgängen oder besser einem digitalen SPDIF-Anschluss herum. Zum Ansteuern eines Fernsehers muss die Grafikkarte einen TV-Ausgang mitbringen. Einzelheiten hierzu bringen die folgenden Artikel.
Welche Art von Gehäuse man gerne neben Fernseher und HiFi-Anlage sehen möchte, ist ja noch eine Geschmacksfrage, aber zumindest leise sollte der PC sein. Durch die wohltuende Ruhe gewinnt nicht nur der Wohnzimmer-PC, sondern auch der normale Arbeitsplatz an Qualität. Zwischen Ausstattung und Geschwindigkeit auf der einen und Lärm auf der anderen Seite besteht glücklicherweise kein direkter Zusammenhang: Zwar erzeugen schnellere Komponenten meist mehr Stromhunger und dieser wiederum unabdingbar mehr Abwärme. Doch sorgfältig durchgeführte Maßnahmen zur Schallreduzierung wie leise Prozessorlüfter oder Dämmmatten ermöglichen durchaus sehr schnelle und gleichzeitig leise Rechner [2|#lit02], wie auch die folgenden Artikel zeigen.
Erfahrungsgemäß wachsen die Ansprüche an den PC mit der Zeit. Doch die Komplett-PCs wachsen nicht immer mit: Viele Hersteller bauen abgespeckte Mainboards ein (so genannte OEM-Versionen), die mit nachträglich eingebauten Steckkarten oder Speichermodulen deutlich mehr Probleme haben als die im Einzelhandel verfügbaren ‘Retail’-Versionen. Weitere Fallen bei OEM-Mainboards beleuchtet der nächste Artikel. Noch schlechter sieht es bei Notebooks aus, bei denen Komponenten wie Mainboard, Grafikchip und Soundeinheit generell nicht auswechselbar sind.
Problemlos gelingt bei vielen Komplett-PCs und auch immer mehr Notebooks immerhin der Austausch von Festplatte oder optischem Laufwerk. Vor dem Umbau sollte man die Garantiebedingungen auf erlaubte Eingriffe ins Gerät durchsuchen, denn mit dem Verlust der Gewährleistung gibt man sonst einen wichtigen Vorteil der Komplett-PCs auf.
Glücklicherweise erscheinen immer mehr durchaus hochwertige Komplettsysteme, die auch Anforderungen wie Frontpanel-Schnittstellen oder brauchbarem Audio gerecht werden. Die Hersteller entdecken zunehmend die Spartenmärkte für sich, so bieten Acer und Sony PCs mit TV-Karte an, auch tauchen immer mehr speziell auf Hardcore-Gamer zugeschnittene Komplett-PCs auf. Die teureren Modelle sind zudem meist in mehreren Konfigurationen erhältlich, oft kann man Prozessortakt, Festplattengröße, Hauptspeichermenge, Grafikkarte und weitere Komponenten detailliert auswählen. Das Angebot an leisen Komplettsystemen fällt allerdings gering aus, zumal kosten die PCs meist viel oder überzeugen wenig [3|#lit03].
Notebooks mit schnellen 3D-Chips, guten Lautsprechern, TV- und SPDIF-Ausgang sind keine Seltenheit mehr; viele Hersteller konfigurieren auch ihre Mobilgeräte weitgehend nach Kundenwünschen. Zudem führt der Zwang zum Platz- und Stromsparen zumindest in der Mittel- und Oberklasse zu vielen leisen Geräten: Nur wirklich notwendige Zusatzlüfter sind vorhanden, die niedrige Stromaufnahme führt zu weniger Abwärme, alle Lüfter springen nur bei Bedarf an. PC-Cards mit TV-Tuner oder gar integrierte Lösungen existieren jedoch nicht. Auch gibt es wenig andere praktikable Lösungen, um ein Fernsehbild ins Notebook zu schleusen: Externe Tuner mit USB-1.1-Anschluss bieten eine schlechte Qualität [4|#lit04], solche mit FireWire-Anschluss sind selten und teuer [5|#lit05], der Weg über Analog-Videorecorder und DV-Camcorder mit Analog-Ein- und Firewire-Ausgang ist umständlich.
Renommierte PC- und Notebook-Hersteller verlangen gegenüber den Billiganbietern einen Aufpreis, den sie unter anderem mit umfangreicherem Support rechtfertigen. Einige bieten zudem spezielle Service-Optionen oder teurere Business-Modellreihen an, die sich hauptsächlich in Service-Details von den Consumer-Reihen unterscheiden. Nicht zuletzt ein Blick in unsere Rubrik ‘Vorsicht Kunde’ zeigt jedoch, dass die Hersteller ihre Support-Versprechen nicht in jedem Einzelfall halten.
Einige dieser Aufpreis-Hersteller bieten jedoch direkten Mehrwert. Firmen wie Apple oder Sony liefern beispielsweise ihre Geräte nicht nur mit installiertem Betriebssystem und Treibern quasi halbnackt aus, sondern versuchen sich an einer engeren Integration von Soft- und Hardware, die insbesondere bei Apple angenehm weit fortgeschritten ist.
Die Grenzen zwischen Marke und Noname verwischen langsam. Einerseits überraschen Lebensmittel-Ketten und Elektro-Discounter mit sehr brauchbaren PCs und Notebooks, andererseits verwässern einige renommierte Marken ihre Qualitätsansprüche, indem sie versuchen, mit Billigware Marktanteile im unteren Preissegment zu halten. Zu verschenken hat dabei niemand etwas: Jedes Billigangebot hat mit Sicherheit einen Haken. Als wahres Schnäppchen bietet sich am ehesten noch die preislich reduzierten Auslaufmodelle von renommierten Herstellern an. Sie entsprechen zwar nicht dem neuesten Stand der Technik, bieten aber dafür eine oft bessere Qualität als vergleichbare Billigangebote.
Unter diesem Preiskampf leiden vor allem die Notebooks, deren Ergonomie mit jedem bei Display, Tastatur oder Lautstärke gesparten Cent deutlicher sinkt als beim Komplett-PC. Auch die Versorgung mit Ersatzteilen ist bei Notebooks wichtiger. Während versierte Techniker einen defekten Komplett-PC notfalls auch ohne Hersteller-Support wieder in Gang bekommen, misslingt das bei Notebooks aufgrund der Vielzahl von nicht standardisierten Komponenten.
Wem die Möglichkeiten der Komplettrechner nicht reichen, der stellt sich einen optimal auf die eigenen Anforderungen angepassten und mit den Ansprüchen wachsenden PC zusammen. Das erfordert insbesondere beim Blick auf die zukünftige Aufrüstbarkeit viel Fachwissen, wie die nächsten Artikel zeigen.
Einige Händler bieten an, einen PC weitgehend nach Kundenwünschen zusammenzustellen. Dabei sorgt der Händler für die korrekte Funktion und erledigt den nicht ganz trivialen Zusammenbau. Der Vorteil gegenüber den teilweise auch detalliert konfigurierbaren Komplettsystemen ist, dass man bei kritischen Komponenten wie dem Mainboard uneingeschränkte ‘Retail’-Versionen bekommt. Problematisch ist jedoch, einen Händler zu finden, der zum einen sich an die gewünschte Konfiguration herantraut und sie im Dialog mit dem Kunden optimiert und der zum anderen beim Misslingen seinen Gewährleistungspflichten auch ohne Streitereien nachkommt.
Hat man sich für den Selbstbau seines PCs entschieden, sollte man möglichst viele Einzelteile beim gleichen Händler kaufen. So ist zum einen die Chance größer, dass dem Händler unpassende Teilekombinationen auffallen, zum anderen verspielt man einen kleinen Preisvorteil schnell mit zusätzlichen Versandkosten, Telefonaten oder Parkgebühren.
Der Einbau älterer Hardware in neue Rechner misslingt oft. Neu zu neu, alt zu alt heißt die Devise. ISDN-PCI-Karten der ersten Stunde laufen in modernen Mainboards ebenso schlecht wie ein aktuelles DSL-PCI-Modem oder eine AGP-8X-Grafikkarte im alten Sockel-7-Mainboard. Der Neukauf der fraglichen Komponente kommt deutlich stressfreier, als für ein paar gesparte Euro weitere Kompromisse einzugehen.
Ohnehin lohnt sich der Selbstbau aus rein finanziellen Gründen selten. Die Hersteller von Komplett-PCs erhalten aufgrund der riesigen Stückzahlen enorme Preisnächlässe, die den Aufwand für Montage, Vertrieb und Support deutlich übertreffen. Im Highend-Bereich kommt der Selbstschrauber wiederum meist besser weg, weil dort sich zum einen nur Markenanbieter mit einem gewissen Preisaufschlag tummeln und zum anderen die Stückzahlen geringer und damit die Herstellungskosten höher ausfallen.
Selbstschrauber haben beim Betriebssystem im Wesentlichen die Wahl zwischen Linux und Windows.
Die Empfehlung für die beste der Windows-Versionen fällt aus Hardware-Sicht eindeutig aus: Bei neu gekauften PCs ist Windows XP erste Wahl, weil es im Vergleich zu den anderen Varianten mehr Treiber mitbringt und aktuelle Techniken besser unterstützt. XP entwickelt zwar mehr Hunger nach Performance, Plattenplatz und Hauptspeicher als die Vorgänger. Doch genau dafür kauft man sich ja den neuen PC: um genügend Reserven für einen angenehmeren Umgang mit dem Rechner zu haben (siehe auch den Artikel in c't 23/2002 ab Seite 170).
Einige ältere Programme - vornehmlich Spiele - laufen unter XP nicht besonders zufrieden stellend. Wenn man sie unbedingt auf dem neuen PC einsetzen will, bietet sich die Installation einer zweiten, älteren Windows-Version samt Boot-Manager an [6|#lit06], auch wenn damit nicht alle Komponenten funktionieren: Während eine USB-2.0-Festplatte für gelegentliche Spiele unerheblich ist, muss die Grafikkarte funktionieren, doch beispielsweise bietet Matrox für die Karten mit dem Parhelia-Chip keine Treiber für Windows 98 und ME mehr an. Auch ein Internet-Zugang erfordert je nach Zugangsart recht viele Treiber, sodass es oft einfacher erscheint, den alten PC zu behalten oder ein Update für die fraglichen Programme zu besorgen.
Wem weder die alten noch die neuen Windows-Versionen gefallen, der greift zur Alternative Linux. Als Vorteile gelten die Unabhängigkeit vom nicht nur unter Linux-Fans als Monopolist verschrienen Microsoft und der niedrigere Preis. Trotz freier Verfügbarkeit im Internet ist Linux natürlich nicht ganz umsonst, aber selbst eine gekaufte Distribution samt gedrucktem Handbuch bleibt mit rund 50 Euro deutlich billiger als Windows XP, das als Einzellizenz über 200 und selbst als Update oder OEM-Version noch mindestens 100 Euro kostet.
Fluch und Segen zugleich ist die hohe Konfigurierbarkeit eines Linux-Systems. Während Laien große Schäden anrichten können, öffnen sich Experten umfangreiche Möglichkeiten, ein optimal angepasstes Wunsch-System zu erstellen.
Die Treiber-Verfügbarkeit sieht für Linux etwas schlechter aus als für Windows XP, doch vor allem bei aktueller Hardware besser als für ältere Windows-Versionen. Immer mehr Hardware-Hersteller bieten eigene Linux-Treiber an oder unterstützen zumindest halbwegs die engagierte Linux-Gemeinde. Dennoch sollte man sich vor dem Hardware-Kauf nach Treibern umsehen, um keine Enttäuschung zu erleben.
Mittlerweile haben sich Windows XP und aktuelle Linux-Distributionen in einigen Belangen angeglichen: Eine grundlegende Installation läuft bei beiden weitgehend unproblematisch und einfach ab, der Ressourcen-Hunger ist so unterschiedlich nicht, die Stabilität beider Systeme steht und fällt hauptsächlich mit der Qualität der Treiber und der Hardware. Auch der Middleware-Streit um Microsoft, also die feste Integration von Komponenten wie dem Internet Explorer in das Betriebssystem, relativiert sich: Auf der einen Seite erlaubt Microsoft zunehmend das Entfernen dieser Komponenten [7|#lit07], auf der anderen Seite bringt inzwischen auch fast jede Linux-Distribution einen Haufen ‘Middleware’ mit, die man ebenfalls nicht immer einfach wieder los wird.
Linux gilt als potenziell sicherer als Windows, doch auch das gilt nur eingeschränkt. Wer ständig als Linux-Root arbeitet, untergräbt Sicherheitsvorkehrungen genauso wie als Windows-Administrator. Für - oder besser gegen - Windows existieren mehr Schädlinge, die jedoch mit etwas Vorsicht keinen Schaden anrichten [8|#lit08]. Die Gefahr geht eher vom Internet Explorer und den Outlook-Mailern aus als vom Betriebssystem selbst.
Für Käufer von Komplettsystemen oder Notebooks stellt sich die Frage nach dem Betriebssystem etwas anders, weil ein Großteil der Geräte mit einem vorinstalliertem System - meist Windows XP Home - ausgestattet sind. Einige Business-Geräte sind wahlweise mit Windows XP Professional oder 2000 lieferbar, was sich für Privatanwender jedoch nur selten lohnt, sondern hauptsächlich der Integration in eine bestehende Firmen-Infrastruktur dient. Die Apple-Kunden bleiben von dieser Diskussion verschont: Die Dual-Boot-Installation mit dem alten MacOS 9 und dem aktuellen MacOS 10 funktionieren gut genug für praktisch alle Einsatzgebiete.
Linux ist auf Komplettsystemen selten zu finden, zudem nicht notwendigerweise in einer optimalen Konfiguration. Der Preisvorteil von Linux schwindet bei den Geräten, die nicht ohne Windows lieferbar sind, weil man die Windows-Lizenz gezwungenermaßen mit bezahlt.
Wer mit dem vorinstallierten Betriebssystem nicht zufrieden ist, sollte vor der Installation des Wunschsystems nach passenden Treibern suchen. In vielen Komplettsystemen stecken Komponenten, die einzeln im Handel nicht erhältlich sind, beispielsweise AC97-Modems oder die in Notebooks eingesetzten Cardreader, WLAN- oder Bluetooth-Adapter. Für diese Komponenten existieren meist nur Treiber für diejenigen Betriebssysteme, die der Rechner-Hersteller auch ausliefert - oft also nur für Windows XP. Zudem verweigern viele Hersteller den Support für andere als das vorinstallierte Betriebssystem, sodass man einen der Vorzüge der Komplettsysteme wieder verschenkt.
Etwas besser stehen die Linux-User da, weil sich viele Treiber besser an unterschiedliche Geräte anpassen lassen. Vor allem bei Notebooks erweist sich jedoch die derzeit unvollständige ACPI-Unterstützung als Hemmnis, weil sich die Stromspar-Techniken der Mobilgeräte nicht komplett nutzen lassen und die Laufzeit sinkt. Einige Komponenten wie beispielsweise der ATI-Chipsatz für AMD-Prozessoren funktionieren unter Linux gar nicht.
Das Betriebssystem der Komplettrechner und Notebooks sollte man als ähnlich unveränderlich ansehen wie auch die anderen Komponenten: Wer etwas umbauen möchte, sollte auf Probleme gefasst sein, bei denen zudem die meisten Hersteller-Hotlines ihre Unterstützung verweigern. Die besten Erfolgsaussichten bestehen bei einer Linux-Installation. Linux lohnt sich für engagierte Anwender, die sich gerne intensiv mit ihrem Rechner auseinandersetzen und möglichst viel Kontrolle behalten wollen. Neulinge sollten jedoch einen gewissen Lernaufwand einkalkulieren.
Selbst gebaute Rechner erlauben eine optimale Anpassung an die eigenen Bedürfnisse, benötigen jedoch eine Menge Fachwissen und viel Zeit. Zum Lösen aller Probleme ist ein gewisser Enthusiasmus und viel Geduld vonnöten. Die folgenden Artikel erleichtern die wichtigsten Entscheidungen und warnen vor den größten Fallen. Wer einen guten Händler findet, lässt sich den Wunsch-PC von ihm zusammenstellen und aufbauen.
Geld sparen lässt sich mit dem Kauf von Einzelteilen allerdings kaum, die Komplett-PCs kosten meist weniger. Insbesondere mindert der Kauf von aktueller Highend-Hardware den Kontostand gewaltig. Finanziell lohnt sich das frühestens bei der nächsten Modernisierung, wenn dann nur einzelne Komponenten auszutauschen sind. Doch schnell landet man in einer Aufrüst-Sackgasse; das Fachwissen muss ständig mit den Entwicklungen wachsen.
Wer seinen Rechner nutzen statt konfigurieren möchte, der greift zum vorkonfigurierten PC von der Stange inklusive Hersteller-Support. Die Komplett-PCs eignen sich für immer mehr Einsatzgebiete, zumal die Hersteller beginnen, Nischen wie leise Geräte, Spiele-Boliden oder Wohnzimmer-PCs zu besetzen. Der Aufrüstbarkeit und Flexibilität der Kompletten sind aber Grenzen gesetzt.
Noch einen Schritt weiter Richtung Unveränderbarkeit gehen die Notebooks. Doch die Portablen erlauben insbesondere in Kombination mit einer drahtlosen Vernetzung eine komfortable Mobilität, die man schnell nicht mehr missen möchte.
Der perfekte universelle PC existiert nicht. Wer vor dem Kauf seine Anforderungen kritisch gegen das Machbare abwägt, findet jedoch seinen persönlich optimierten PC. (jow)
[1] Sven Hansen, Dr. Volker Zota, Neue Fernsehfreiheit, Digitale Videorecorder machen den Zuschauer zum Programmdirektor, c't 22/02, S. 110
[2] Christof Windeck, Leiser rechnen, So baut man einen leisen PC, c't 18/02, S. 108
[3] Georg Schnurer, Die Leisen kommen, Fünf Flüster-PCs von der Stange, c't 18/02, S. 116
[4] Laurenz Weiner, Fernsehen per Bus, TV-Tuner mit MPEG-Encoder und USB-Anschluss, c't 22/01, S. 150
[5] Andreas Beier, Vermittlungsstelle, TV und Video via FireWire, c't 4/01, S. 69
[6] Peter Siering, Hajo Schulz: Installations-exPerimente, Dateisystem- und Installationsvarianten unter Windows XP, c't 22/01, S. 132
[7] Peter Siering, Re-Aktivierung, Service Pack 1 verschärft Windows-XP-Meldepflicht, c't 19/02, S. 26
[8] Patrick Brauch, Schotten dicht, Windows gegen Virenbefall absichern, c't 13/02, S. 186
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