Rund ein Jahr lang mußten sich Benutzer von Windows 98 vertrösten lassen, wenn die Sprache auf anstehende größere Fehlerkorrekturen kam. Jetzt ist nicht nur das mehrfach hinausgeschobene Service Pack 1 fertig, sondern Microsoft bietet nunmehr dieses und etwas mehr unter dem Namen ‘Windows 98 Zweite Ausgabe’ an.
Während die zweite Ausgabe und das Service Pack 1 für Windows 98 in den USA schon einige Wochen erhältlich sind, hat sich die deutsche Microsoft-Niederlassung mal wieder Zeit gelassen: Mit Erscheinen dieser c't soll beides auch hierzulande erhältlich sein. Wir lotsen Update-Willige durch die diversen Varianten, die Microsoft anbieten will, verraten, wo man die Versionen herbekommt und welche Klippen bei Installation und Update zu umschiffen sind.
Das Service Pack 1, das laut Microsoft die wesentlichen in der zweiten Ausgabe enthaltenen Fehlerkorrekturen vereint, gibt es kostenlos als Download über die Windows-Update-Funktion. Doch Service Pack und zweite Ausgabe sind nicht identisch: Während das Service Pack nur Fehlerkorrekturen enthält, weist die zweite Ausgabe zusätzlich neue Komponenten auf: Unter anderem gehören der Internet Explorer 5.0 und DirectX 6.1 zum Lieferumfang.
Zwei weiteren wesentlichen Neuerungen haben wir eigene Artikel gewidmet. Ab Seite 92 fühlen wir dem ‘Internet Connection Sharing’ auf den Zahn, das es erlaubt, in einem LAN die Verbindung eines PC zum Internet mit mehreren anderen PCs zu teilen. Auf Seite 96 untersuchen wir, ob Microsoft beim Support für das Advanced Control und Powermanagement Interface (ACPI) die Serienreife erreicht hat, die schon für die erste Ausgabe von Windows 98 versprochen war.
Die zweite Ausgabe gibt es in mehreren Versionen und zu deutlich unterschiedlichen Preisen: Update und Vollversion für zirka 200 und 400 Mark ersetzen die derzeit im Handel befindliche Version von Windows 98 aus dem Juli 1998. Zusätzlich dazu bietet Microsoft eine Variante an, die laut deutscher Pressestelle den schlichten Namen ‘Windows 98 zweite Ausgabe Updates CD’ trägt.
Besitzer einer Windows-98-Lizenz können diese spezielle CD bei Microsoft-Direkt per Telefon (01 80/5 25 11 99) oder Fax (01 80/5 25 11 91) für rund 50 DM (24 Euro) bestellen. Sie läßt sich nur verwenden, wenn auf dem PC bereits Windows 98 läuft. Der Umstieg von Windows 3.x oder 95 auf die zweite Ausgabe erfordert das teurere klassische Update, mit der CD für 50 DM ist es nicht getan.
Die ‘normale’ Update-Version genügt, um Windows 3.x und 95 auf den Stand der zweiten Ausgabe zu bringen. Eine ‘saubere’ Installation ist damit möglich. Das bedeutet, daß man die Festplatte getrost formatieren kann, sofern eine Vorgängerversion von Windows bereitliegt. Lediglich zum Nachweis des rechtmäßigen Besitzes verlangt das Setup den beziehungsweise die Originaldatenträger des Vorgängers.
Wer mit der 50 DM teuren ‘Windows 98 zweite Ausgabe Updates’-CD eine saubere Installation bewerkstelligen will, muß einen Umweg beschreiten. Das Setup läuft nur, wenn man es unter einer lauffähigen Windows-98-Installation startet. Zunächst heißt es also, die Urfassung von Windows 98 zu installieren. Erst dann kann es mit dem Update auf die zweite Ausgabe weitergehen.
Auch als OEM-Version kommt die zweite Ausgabe in den Handel. Nach den Erfahrungen von 1996 sollte man beim Neukauf eines PC sehr genau darauf achten, daß sie nicht nur vorinstalliert ist, sondern daß auch die beiliegende CD-ROM diese Version enthält. 1996, als die Zweitauflage (B-Version) von Windows 95 herauskam, installierten nämlich viele Händler zwar diese Version, legten aber nur die ältere CD bei, um sich von ihren Lagerbeständen zu trennen.
OEM-Versionen verweigern die Installation, wenn bereits ein Betriebssystem auf dem Rechner vorhanden ist. Die Vollversion weist solche Beschränkungen nicht auf: Sie kann zur Installation auf einer frisch formatierten Festplatte ohne Berechtigungsnachweis eingesetzt werden, installiert sich allerdings auch ohne Schwierigkeiten als Update auf einem bestehenden Windows.
Außer in den Setup-Routinen und Lizenzbedingungen unterscheiden sich die vier Varianten der zweiten Ausgabe von Windows 98 in keinem einzigen Punkt voneinander. Wer lediglich das Service Pack 1 haben möchte, den Download angesichts der Online-Tarife aber scheut, kann es auch auf CD-ROM erwerben. Die CD kostet bei Microsoft-Direkt (siehe oben) allerdings ebenfalls rund 50 DM. Der einzige Vorteil: Man bekommt den Internet Explorer 5 nicht per Dekret.
Das Service Pack ist ein Flickenteppich. Es besteht nicht nur aus einem einzelnen Bug-Fix, sondern in der US-Version aus insgesamt fünf: Drei Korrekturen für das Jahr 2000, davon zwei für Windows 98 selbst und eine für Outlook Express. Ferner gehört der Internet Explorer 4.01 inklusive Service Pack 2 dazu. Den letzten Flicken stellt das System-Update dar, das seinerseits verschiedene Korrekturen enthält.
Die Korrekturen zum Jahr 2000 beheben zahlreiche kleine Probleme, die in Windows schlummern. Sie führen im Jahr 2000 nicht zwangsläufig zu Fehlfunktionen oder Aussetzern. Deshalb stellen sie allein nicht unbedingt einen Grund für die Installation des Service Pack dar. Unter anderem handelt es sich um exotische Optionen des xcopy-Kommandos, den Message-Queue-Server und die Windows-Wählhilfe - alles wohl Funktionen, die nicht gerade jeder benutzt.
Allerdings beheben die Jahr-2000-Korrekturen auch das Fehlverhalten einiger OLE-/COM-Bibliotheken im Umgang mit Datumsangaben. Outlook Express lernt durch die Korrektur den Umgang mit zweistelligen Angaben in Mail- und News-Headern, die vermutlich im Jahr 2000 gehäuft auftreten werden (die RFCs empfehlen hier nur vier Stellen, fordern sie aber nicht explizit).
Hinter dem Flicken namens ‘System-Update’ verbergen sich ebenso eher exotische Korrekturen: Es beseitigt den Fehler, daß Windows nach 49,7 Tagen ununterbrochenen Betriebs abstürzt, räumt Probleme mit einigen USB-Geräten aus und beseitigt Schwierigkeiten mit Policies. Weiter läßt sich Microsoft nicht in die Karten schauen; eine Fehlerliste suchten wir vergeblich.
Die soweit aufgeführten Komponenten beziehen sich auf die Fassung des Service Pack 1 für die US-Version von Windows 98. Die hierzulande erhältlichen Updates unterscheiden sich von denen in den USA, so gibt es bisher nur eine Jahr-2000-Korrektur für die deutsche Version. Ein endgültiges deutsches Service Pack 1 lag bis Redaktionsschluß noch nicht vor.
Die zweite Ausgabe bringt all diese Korrekturen gleich mit, soweit sie überhaupt notwendig sind. Da darin bereits der Internet Explorer 5 nebst Zusätzen enthalten sind, fehlen die Korrekturen für den alten Internet Explorer und das alte Outlook Express. Zusätzlich bekommt der Käufer das Internet Connection Sharing und Unterstützung für neuartige Internet-Zugangstechniken (kombinierter ATM-ADSL-PPP-Support, der hierzulande bisher kaum angeboten wird).
Darüber hinaus enthält die zweite Ausgabe Euro-Patches und verbesserten ACPI-Support. Ob sich diese Zutaten auch im nackten Service Pack 1 finden, konnten wir mangels fertiggestellter deutscher Version nicht abschließend klären. Auch die deutsche Dependance von Microsoft wußte dazu kein definitives Statement abzugeben.
Um einige Erfahrungswerte mit der nun aktuellen zweiten Ausgabe von Windows 98 zusammenzutragen, haben wir schon die Vorabversionen und die endgültige deutsche Version (4.10.2222 A) in diversen Konstellationen installiert. Dabei kamen gängige Maschinen auf Pentium-Basis und besser zum Einsatz. Wir haben sowohl Updates als auch frische Installation erprobt.
Daraus resultiert eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die zweite Ausgabe kam besser mit Geräten klar, die noch beim Vorgänger Probleme verursachten oder ihm gänzlich unbekannt waren, zum Beispiel mit USB-Geräten, etwa Logitechs Homeweb Kamera, AGP-Grafikkarten und DVD-Laufwerken. Die schlechte Nachricht: Grundsätzlich ändert die zweite Ausgabe nichts, Windows bleibt seinen Traditionen treu.
ISDN-Karten zum Beispiel behandelt die zweite Ausgabe weiterhin stiefmütterlich. Sie erkennt selbst Plug&Play-fähige Karten nicht und trägt sie nur als unbekannte Geräte im Gerätemanager ein. Es fügt sie nicht automatisch einer Installation hinzu, sondern die Treiber sind weiterhin manuell einzubinden. Das stellvertretend im Gerätemanager angezeigte Gerät ist dazu zu löschen und Windows neu zu starten.
Um die Sache abzukürzen: Aufgrund neuer und verbesserter Treiber darf man von der zweiten Ausgabe bessere Resultate bei frischen Installationen erwarten. Das gilt insbesondere für neue Geräte, etwa USB-Modems und dergleichen. Diese Aussage decken unter anderem die Erfahrungen aus dem Beta-Test der neuen Windows-Variante. Gegen Ende des Tests häuften sich in den einschlägigen News-Gruppen Erfolgsmeldungen.
Weniger positiv fällt allerdings das Urteil über Update-Installation aus: Mehrmals ruinierte ein Update-Versuch aus einer bestehenden Windows-95- oder -98-Installation heraus die vorherige Systeminstallation. Das größte Problem daran ist, daß der von Microsoft vorgesehene Sicherungsmechanismus, der auf Wunsch eine Deinstallation der zweiten Ausgabe vorsieht, nach einem Fehler während des Setups nicht ausführbar ist. Die Deinstallation klappt nur, wenn das Update glückt und die zweite Ausgabe startet.
Wer ein schiefgelaufenes Update wiederholt, läuft Gefahr, daß die angelegte Undo-Datei (winundo.dat) durch eine Mixtur aus neuen und alten Systemdateien überschrieben wird. Jeder Versuch einer Deinstallation würde dadurch vereitelt. Statt dessen hat es sich bei uns bewährt, zunächst den Versuch zu unternehmen, das mißglückte Update rückgängig zu machen. Eine Garantie, daß der folgende Trick klappt, gibt es allerdings nicht.
Auf einem P166-System mit FlashPoint-PCI-SCSI-Controller von BusLogic verhaspelte sich das Update beim Initialisieren der Plug&Play-Komponenten und geriet in eine Endlosschleife aus Hardware-Erkennung und Neustart. Windows 95B lief darauf problemlos. Die Endlosschleife ließ sich durchbrechen, indem man die halbinstallierte zweite Ausgabe von Windows 98 im abgesicherten Modus startete und von dort aus über die Systemsteuerung wieder deinstallierte. Windows 95 lief anschließend wieder, als sei nichts geschehen.
Sitzt erstmal der Wurm im Windows-Gebälk, vollbringt natürlich auch die zweite Ausgabe keine Wunder. Besonders gilt das für alle Hoffnungen, eine angeschlagene Windows-Installation dadurch zu kurieren, daß man ein Update einspielt. Von derlei Versuchen sollte jeder die Finger lassen.
Eine Update-Installation ist für gealterte Windows-Installation deshalb nicht zu empfehlen, weil sie viele Dateileichen und überflüssige Registrierungseinträge mitschleppt. Wenn eine Installation über ein bestehendes Windows aus welchen Gründen auch immer unvermeidlich ist, sollte man das Setup vom DOS-Prompt aus starten. Das dauert zwar etwas länger, geht nach unseren Erfahrungen aber deutlich seltener schief.
Ein letzter Hinweis zur von Microsoft empfohlenen Installation aus einem bestehenden Windows heraus: Sie orientiert sich stoisch an den bereits installierten Komponenten und tauscht sie, sofern verfügbar, durch neue aus. Outlook Express 4 wird gnadenlos durch die Version 5 ersetzt.
War im Vorgänger-Windows FrontPage Express installiert, bleibt es benutzbar. Nachinstallieren kann man es allerdings nicht, da es im Lieferumfang der zweiten Ausgabe fehlt. Eine nachträgliche Installation von der alten Windows-98-CD ist ebenfalls nicht mehr möglich; die zweite Ausgabe spielt da nicht mit.
Einzelne Fehler aus Windows 98 hat Microsoft dadurch behoben, daß man stillschweigend Standardeinstellungen geändert hat, die in der Vorgängerversion noch als ‘Feature’ verkauft wurden. So ist die Option ‘Schnelles Herunterfahren deaktivieren’ nun standardmäßig eingeschaltet. Das schnelle Herunterfahren hat mitunter Systemstillstände verursacht und bei einigen Platten mit großen Schreib-Caches für ein vorzeitiges Abschalten gesorgt, so daß sich beim nächsten Einschalten zunächst scandisk über die Platte hermachte.
Allerdings scheint dieser Schritt die Probleme, die beim Herunterfahren von Windows mitunter auftreten, nicht zu beseitigen. In den USA, wo die zweite Ausgabe seit einigen Wochen auf dem Markt ist, mehren sich schon wieder Stimmen von Benutzern, die trotz des Eingriffs weiterhin Probleme beim Herunterfahren haben. Microsofts lakonische Empfehlung lautet derzeit: BIOS-Update einspielen.
Andere Fehler jedoch hat Microsoft ganz radikal beseitigt: Das mit Windows 98 noch ausgelieferte Utility TweakUI98 fehlt auf der CD der zweiten Ausgabe. Die Funktion zum Verstecken von Laufwerken hat nämlich den Seiteneffekt, die Einträge ‘Öffnen’ und ‘Explorer’ im Kontextmenü des Start-Buttons zu deaktivieren. Für einige Tage verschwand TweakUI sogar von der Microsoft Website. Jetzt prangt dort die Warnung, es nicht mit Windows 98 zu verwenden. Etwas übertrieben: Solange man keine Laufwerke versteckt, erlaubt TweakUI nützliche Einstellungen.
Auch andere ärgerliche Verhaltensweisen bleiben der Windows-Welt erhalten. Jeder Versuch, die zweite Ausgabe dazu zu bewegen, sich Explorer-Einstellungen tatsächlich zu merken, ist nach wie vor zum Scheitern verurteilt. Abhilfe schafft nur regelmäßiges manuelles Löschen der beiden Registrierungsschlüssel HKCU\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Explorer\StreamMRU und HKCU\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Explorer\Streams, in denen Windows die Einstellungen einzelner Fenster speichert.
Geblieben sind selbst optische Fehler, die schon in den Beta-Tests für das erste Windows 98 bemängelt wurden. Die ‘Einstellungen der Taskleiste’ und das Benutzerdialogfeld bei der Erstellung einer neuen Verknüpfung zeigen immer noch den Schriftzug ‘Windows 95’.
Ebenso spukt noch die Deskleiste in der zweiten Ausgabe herum, eine Idee, die Microsoft eigentlich schon bei Windows 95 über Bord geworfen hatte. Bei Aufruf der Eigenschaften des Startmenüs (Rechter Mausklick auf den Taskbar) bringt Windows Einstellungsoptionen für diese Leiste zum Vorschein, wenn man gleichzeitig die Strg- und Umschalt-Tasten gedrückt hält.
Das größte Problem der zweiten Ausgabe scheinen aber nicht die alten Fehler zu sein, sondern die neuen: Die Einträge in der Microsoft Knowledgebase dazu mehren sich derzeit tagtäglich. Schon vor der Markteinführung sprach sich der erste Fehler herum: Die zweite Ausgabe bleibt im Suspend-Modus hängen, wenn im [386enh]-Abschnitt der system.ini-Datei der Pfad zur Auslagerungsdatei mit einem kleingeschriebenen Laufwerksbuchstaben beginnt.
Systematische Hinweise dazu, was man bei der Installation oder dem Update beachten sollte, lassen sich weder aus unseren Erfahrungen noch aus den einzelnen Beschreibungen der Fehler ableiten. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte vorher einen Blick in die Knowledge-Base werfen [#lit1 [1]]. Die üblichen allgemeinen Warnungen, etwa vor Virenscannern und spezifischen Geräten, finden sich wie bei jeder Windows-Version in \win98\setup.txt auf der CD.
Die zweite Ausgabe ist deutlich fetter geworden. Eine Minimalinstallation ausschließlich mit den benötigten Treibern belegt bereits deutlich über 200 MByte auf einer FAT32-Festplatte. Trotz ausdrücklicher Abwahl im Setup-Menü werden die in Deutschland sinnlosen Dateien für den hier nicht mehr existierenden Online-Dienst ‘The Microsoft Network’ ohne Rücksicht auf Festplattenplatz installiert. Gemeinerweise finden sich diese Dateien über das ganze System verstreut.
Um das System zu entschlacken, ist viel Handarbeit nötig. Knapp zehn Megabyte werden frei, wenn man die MSN-Dateien findet und entfernt. Der größte Einzelbrocken ist im Ordner C:\WINDOWS\SYSTEM versteckt. Der Ordner OOBE mit dreieinhalb Megabyte, 13 Unterordnern und 238 Dateien ist überflüssig. Wenn man dann noch im Explorer nach ‘msn*.*’ sucht, kann man alle gefundenen Dateien außer c:\windows\system\MSNP32.DLL, c:\windows\system\MSNET32.DLL und c:\windows\inf\MSNETMTG.INF auf den Weg aller Elektronen schicken.
Dabei sollten Sie aber Vorsicht walten lassen: Zumindest alle *.DLL-Dateien sollte man zunächst nur umbenennen oder in einen anderen Ordner verschieben. Erst wenn das System ohne Murren einen Neustart überlebt und anschließend einwandfrei läuft, kann man diese Dateien endgültig löschen. Der Ordner c:\windows\anwendungsdaten\microsoft\welcome und vieles Weitere sind zusätzlicher Schnickschnack. Mit dieser Anleitung und weiteren zielsicheren Eingriffen schon bei der Installation (Weglassen ohnehin nicht benötigter Komponenten) läßt sich die zweite Ausgabe ohne wesentlichen Funktionsverlust auf 130 MB Umfang abspecken.
Wer auch auf den Internet Explorer verzichten will, kann sich weiterhin des 98lite-Werkzeugs von Shane Brooks [[#lit2 2], [#lit3 3]] bedienen. Brooks Programm IE-Remove putzt auch den Internet Explorer 5 der zweiten Ausgabe ordentlich aus (eine alte Windows-95-CD mit den nötigen Dateien vorausgesetzt). So läßt sich die zweite Ausgabe um nochmals zirka 40 MByte abspecken. Die Sache hat aber den Haken, daß man fürderhin mangels Internet Explorer auf die Online-Update-Funktion via Internet verzichten muß. Die Windows-Hilfe nimmt nur geringen Schaden, obwohl sie inzwischen auf HTML basiert.
Kurz gesagt: Die zweite Ausgabe von Windows 98 bringt viel sinnvollen Kleinkram, notwendige Bugfixes, aber wenig Neues. Wer wie beim Schritt von Windows 95 auf die B-Version wirklich neue Features erwartet - wie damals etwa das neue Dateisystem FAT32 -, wird enttäuscht. Die einzige Ausnahme sind die verbesserten ACPI-Funktionen sowie die Internetverbindungsfreigabe (Internet Connection Sharing).
Dennoch lohnt sich die zweite Ausgabe für jeden Benutzer von Windows 95 oder 98, der nicht den baldigen Umstieg auf Windows 2000 plant: So gut wie keiner, der früh auf die zweite Ausgabe gesetzt hat, zeigt bisher Reue. Erstaunlich einhellig hört man von besserer Standfestigkeit. Zwar ist das keine repräsentative Aussage, doch gehört sie zu den positiven Seiten, die wir keinesfalls unterschlagen wollen.
Konzeptschwächen, die Windows 9x seit jeher innewohnen, hat Microsoft aber nicht beseitigt. In Notepad etwa läßt sich jetzt die verwendete Schriftart einstellen, größere Dateien aber kann das Programm immer noch nicht bearbeiten. Die Selbstheilungskräfte der zweiten Ausgabe sind so wenig vorhanden wie die seiner Vorläufer. Daß ein Gerät oder Treiber unter einer älteren Version von Windows 9x tadellos läuft, ist nicht immer ein Indiz dafür, daß es auch mit der zweiten Ausgabe klappt. (ps)
[1] http://support.microsoft.com/support/search/c.asp?SPR=
[3] Hajo Schulz, Egbert Meyer, Windows 98 läuft auch ohne Explorer, c't 1/99, S. 26
[4] Jo Bager, Navigationshilfen, Websites finden, Bookmarks verwalten, c't 13/99, S. 116
[#anfang Seitenanfang]
Nachdem es in der Gerüchteküche seit der Markteinführung von Windows 95 immer wieder einmal brodelte, weil der Software-Riese angeblich mit dem Microsoft Network oder der angebotenen Online-Registrierung den Kunden ausspioniere, lichteten sich die Nebel um diese Mechanismen erst mit Windows 98 vor einigen Monaten: Richard M. Smith, Präsident der Firma Pharlap Software, hatte durch Zufall eine Entdeckung gemacht. c't war es gelungen, durch einen Trick die genauen Vorgänge zu ergründen.
Bei der Online-Registrierung sendet Windows 98, egal ob der Benutzer zustimmt oder nicht, eine ID an Microsoft, anhand der er eindeutig identifiziert werden kann (es handelt sich um die weltweit eindeutige MAC-Adresse, die eine jede Ethernet-Karte aufweist). Der darauf einsetzende Proteststurm darüber, daß Microsoft damit die Privatsphäre seiner Kunden verletzt, hat Früchte getragen: Die Online-Registrierung der zweiten Ausgabe überträgt die fragliche ID nicht mehr.
Grund zur Entwarnung ist das aber noch nicht: Bei der Registrierung verpaßt Microsoft dem Kunden auch weiterhin eine eindeutige ID, die allerdings nur von Microsoft selbst verwendet werden kann. Diese ID vergibt der Microsoft-Web-Server bei der Online-Registrierung mit einem Cookie. Wer sich danach auf Microsofts Website umsieht, der ist also bereits ein alter Bekannter für den Software-Riesen. Wem das nicht gefällt, der sollte den Cookie entweder umbenennen oder kurzerhand löschen (die zugehörige Datei findet sich unterhalb des Windows-Verzeichnisses in cookies als benutzername@microsoft.txt).
[#anfang Seitenanfang]
Der in der zweiten Ausgabe enthaltene Internet Explorer 5.0 weist zahlreiche Verbesserungen gegenüber seinem Vorläufer auf. Er unterscheidet sich nicht von dem auch einzeln als Download erhältlichen Exemplar, das auch auf anderen Windows-Versionen läuft. Dasselbe gilt für die Integration in Windows. Den Active Desktop muß man bei der zweiten Ausgabe indes selbst einschalten; der Vorläufer tat dies noch von sich aus. Die Channel-Leiste ist vom Desktop verschwunden.
Vor allem angenehme Kleinigkeiten haben sich am Explorer selbst getan: Eine Schaltfläche ‘Wechseln zu’ spart den Griff zur Return-Taste, wenn man mittels Maus und Copy & Paste Adressen einträgt. Der Internet Explorer erinnert sich nicht nur an besuchte Seiten etc., sondern auf Wunsch auch an alles, was der Benutzer einmal in ein Formular eingetippt hat. Das Ausfüllen von Formularen beispielsweise zur Registrierung wird so zum Kinderspiel - da die Daten dazu lokal gespeichert werden, natürlich nicht ohne Risiko.
Zahlreiche neue Features erleichtern das Wiederfinden einmal besuchter Websites. So enthält die Liste, die beim Eingeben einer URL herunterklappt, nicht nur die zuletzt eingetippten Adressen, sondern alle passenden, die der Explorer kennt. Dazu gehören URLs aus dem Verlaufsordner genauso wie solche aus den Favoriten. Wer sich an die URL nicht mehr erinnert, kann die History im Volltext durchsuchen.
Die erneuerte Internet-Suche speichert zwar alte Suchläufe, aber leider läßt sich die Liste der vorgesehen Suchmaschinen nicht um eigene Vorlieben ergänzen (jedenfalls nicht ohne Frickelei an der Registry). Sogenannte Suchleisten bieten dazu allerdings eine Alternative, zum Beispiel die aus [#lit4 [4]]. So kommen als Suchdienste nur Excite, Fireball und MSN Web Search zum Einsatz. Dazu gesellt sich noch Alexa, ein Dienst, der darauf spezialisiert ist, zur gerade angezeigten Seite themenverwandte Angebote im Web aufzuspüren.
Recht gelungen sind die neuen Dialoge zur Verwaltung der Favoriten. Neben Üblichem wie der Möglichkeit, Einträge neu anzulegen, umzubenennen, zu löschen und in Ordner zu sortieren, gibt es Informationen darüber, wann und wie oft man die einzelnen Seiten bereits besucht hat. Highlight ist hier sicher die Möglichkeit zum Im- und Export als Netscape-Bookmarks. Das klappt aber nur, wenn der Communicator auch installiert ist.
Endlich kann der Explorer ohne den Umweg über Frontpage Express Web-Seiten komplett mit eingebetteten Bildern speichern (allerdings nur eine Ebene). Ausgewählte Einträge aus den Favoriten lassen sich durch einen Klick auf die entsprechende Option Offline verfügbar machen. Dadurch speichert der Internet Explorer nicht nur einzelne Seiten, sondern verfolgt auf Wunsch die auf ihr enthaltenen Links bis zu einer einstellbaren Tiefe und aktualisiert diese Dateien wahlweise zeitgesteuert oder auf Anforderung. Leider landen diese Dateien im normalen Browser-Cache, werden also bei zu klein bemessenem Cache schnell unbrauchbar. Bei hinreichendem großem Cache verschluckt sich der Internet Explorer allerdings mitunter. Der Nutzen ist deshalb nicht allzu groß.
Der Internet Explorer 5.0 der zweiten Ausgabe zeigt von sich aus Verzeichnisse auf ftp-Servern wie Ordner im Windows Explorer an. Man kann Dateien aus dem Browser auf die Festplatte und umgekehrt ziehen, um Dateien herunter- oder hochzuladen. Diese Funktion gibt es auch ohne Update auf die zweite Ausgabe als ‘Internet-Explorer-Browsererweiterungen’ über die Windows-Update-Funktion. Outlook Express 5.0 ist deutlich unübersichtlicher geworden und daher sehr gewöhnungsbedürftig. Das Dateiformat, in dem das neue Outlook Mails und News speichert, hat sich geändert. Das Update von der vorherigen Version konvertiert die Nachrichten automatisch ins neue Format. Sie belegen dann mindestens doppelt so viel Platz auf der Festplatte wie zuvor. Wem das neue Outlook Express nicht zusagt, dem bietet Microsoft auf der CD der zweiten Ausgabe im Verzeichnis \tools\mtsutil\oemig ein Programm an, um Nachrichten aus der neuen Version zurück in die alte zu konvertieren. Der gleichzeitige Betrieb der Versionen 4 und 5 von Outlook Express ist aber nicht vorgesehen. Die Konvertierung ist also nur für diejenigen interessant, die downgraden wollen.
Die Unterstützung für Modembenutzer hat Microsoft deutlich verbessert: Jedem Mail- oder News-Konto kann man einen anderen Eintrag aus dem DFÜ-Netzwerk zuordnen, so daß Outlook Express die Internet-Verbindung über den gewählten Provider herstellt. Wer ein Online-Postfach bei einem Provider wie T-Online unterhält, der zum Abholen der Mail die Einwahl über das eigene Netz erzwingt, wird diese Automatik zu schätzen wissen.
Wer bei mehreren Providern einen Internet-Zugang besitzt, wird sich freuen, daß er für jeden eigene Proxy-Einstellungen vornehmen und einen Zugang als Standard festlegen kann, der automatisch angewählt wird, wenn eine Internet-Verbindung notwendig ist.
Des weiteren gehören zum Dunstkreis des Internet Explorer eine Fülle weiterer Anwendungen, die sich von der CD der zweiten Ausgabe beliebig nachinstallieren lassen: Chat, Netmeeting, Wallet und Web Publishing Wizard unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von den Vorläufern aus der Internet-Explorer-4-Suite.
Lediglich der HTML-Editor Front Page Express (auch FrontPad) ist - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr im Angebot des Windows-Setups. Irgend jemandem in Redmond muß das entgangen sein, denn bei einer Standard-Installation wird unverdrossen ein (leerer) Unterordner namens ‘FrontPage Express’ erstellt. Wer das Programm nachinstallieren will, kann das jedoch über das Windows-Update erledigen.
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Die ursprüngliche Planung von Microsoft, Windows 98 sei das letzte Kind der DOS-basierten Betriebssysteme, gilt längst als überholt. Schon wenige Wochen nach Erscheinen von Windows 98 im Oktober 1998 begannen bereits die Tests für die jetzt vorliegende zweite Ausgabe - wenngleich sie damals als reines Service Pack geplant war.
Vielleicht noch dieses Jahr kommt der NT4-Nachfolger Windows 2000 auf den Markt. Doch schon jetzt melden sich die Stimmen, die Windows 2000 als für den Privatanwender eher überdimensioniert einschätzen. Wobei man sich hier fragen muß, ob es Microsoft nicht ganz recht sein kann, zwei Kühe zu melken, solange sie Milch geben - zumal die NT-Kuh noch deutlich ertragreicher ist.
Von einer Consumer-Version, die auf der solideren NT-Technik basiert, hört man deshalb Widersprüchliches. Da Microsoft in den vergangenen Monaten - zum Teil, aber nicht nur unter dem Druck der US-Justiz - neu organisiert worden ist, kann alles, was heute als scheinbar ‘sicheres’ Wissen verkauft wird, morgen schon Makulatur sein.
Unter Berufung auf nicht näher benannte Microsoft-Dokumente berichten jüngst die die Online-Ausgaben der Ziff-Davis-Magazine Smart Reseller und PC Week über zwei Windows-Nachfolger namens Millennium und Neptun. Hinter beiden Versionen versteckt sich das viel beschworene Consumer-Windows: Millennium, so der Code-Name für das Update, das Microsoft angeblich im Jahr 2000 unter die Leute bringen will, basiert wie Windows 98 noch auf der alten Windows-Technik. Neptune, das laut ZDNet als Update für 2001 vorgesehen ist, soll dann endlich auf NT-Technik aufsetzen.
Wie weiter berichtet wird, soll jedoch schon Millennium auf Althergebrachtes verzichten. Angeblich hat Microsoft potentielle Beta-Tester darüber informiert, daß es keine Abwärtskompatibilität mehr zu DOS-Applikationen bietet. Als direkten Tribut an den von Intel und Microsoft ins Leben gerufenen EasyPC darf man den Verzicht auf Unterstützung für den ISA-Bus sehen. Der Universal Serial Bus (USB) soll dadurch gestärkt werden. Wie die Website BetaNews berichtet, hat Microsoft aber schon einen Notfallplan in der Schublade, sollte die Rechnung nicht aufgehen: Ein Update für 2001, das 16-Bit-Support in Millennium nachrüstet.
Neptune will Microsoft eine überarbeitete Bedienoberfläche verpassen, deren Kern eine weitere Verschmelzung von Web und Windows darstellt. Neptune soll es in speziellen Versionen für reine Spiele- oder Media-PCs geben. Außerdem soll Neptune die erste Version mit WinTone sein, einer Technik, die Windows eine Art Selbstheilung sowie automatische Updates einbringt. Ferner spekuliert ZDNet über Funktionen, die Neptune mit einer überarbeiteten Portal-Site von MSN verheiraten. Von diesen Änderungen sollen auch die ‘Business Windows’-Versionen profitieren. So nennt Microsoft derzeit den potentiellen Nachfolger von Windows 2000.
Kompatibilitätsprobleme, die durch die NT-Technik entstehen und an Windows 2000 bereits jetzt deutlich werden, sind der Hauptgrund für Microsoft, weiter an der alten Architektur festzuhalten. Der NT-Nachfolger Windows 2000, obwohl einst als potentieller Nachfolger für Windows 98 angesehen, offenbart die Probleme: Rund 75 Prozent der Spiele für Windows 9x sollen darauf nicht laufen.
John Lettice vom britischen News-Dienst The Register kommentierte Microsofts angebliche Pläne lakonisch: Hinter Millennium und Neptune stecke letztlich nur ein erneuter Anlauf, Windows 9x und NT zu verschmelzen. Lettice ist skeptisch, ob das Früchte trägt, und vermutet, daß Microsoft im Jahr 2001 genau so weit sein wird wie heute: Es gibt sowohl ein Windows mit 9x- als auch eines mit NT-Technik und einen Plan für deren Verschmelzung.
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