Eine ganze Reihe neuer Abzock-Domains zeigt: Die Dialermafia hat sich auf das seit September geltende „Gesetz zur Bekämpfung des Missbrauchs von 0190er-/0900er-Mehrwertdiensterufnummern“ eingestellt und rechnet nach wie vor mit dem großen Reibach.
Wer bei einer Suchmaschine einen Link anklickt oder eine Abfrage startet, der erwartet Ergebnisse. Bei Suchmaschine.de führt seit Anfang Oktober jeder Klick und jede Suche stattdessen zum Download eines Dialers.
Über das Impressum der Webseiten ist eine Adresse in 64572 Büttelborn zu erfahren, laut Denic ist der Domaininhaber aber ein Österreicher, vertreten durch einen Patentanwalt in München. Der „Webmaster“-Link führt zu einem Dialer-Vertrieb und damit wieder zu der Adresse in Büttelborn. Die Software wird von einem ungarischen Porno-Anbieter geliefert. Die 0190er Nummer ist von einer Firma aus den Niederlanden gemietet.
An dieser Stelle liefen Beschwerdeversuche über einen betrügerischen 0190-Dialer vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes ins Leere: Dienste-Anbieter, Site-Besitzer, Dialer-Hersteller und Rufnummernbetreiber schoben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu.
Das neue Gesetz schützt den Verbraucher besser. Es definiert nun feste Kriterien für Dialer (siehe Kasten rechts). Die Einwahlprogramme müssen bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, abgekürzt RegTP, angemeldet werden. Die Behörde betreibt auf ihrer Homepage eine Datenbank mit den Rufnummern und so genannten Hash-Werten der Dialer [#literatur [1]]. Ist ein Dialer dort nicht registriert, so muss der Benutzer dessen Kosten nicht bezahlen.
Damit Betroffene einfach kontrollieren können, ob ein bestimmter Dialer bei der RegTP registriert wurde, stellt die Behörde ein kleines kostenloses Programm zum Herunterladen bereit (siehe Soft-Link). Es berechnet aus dem Dialer-Programmcode einen Hash-Wert, anhand dessen der Verbraucher feststellen kann, ob ein bestimmter Dialer registiert wurde. Der Suchmaschine.de-Dialer war, obwohl er den Kriterien der Regulierungsbehörde entspricht, nicht registriert; entsprechend müsste ein Betroffener die Einwahlkosten auch nicht bezahlen.
Für den Fall, dass ein Verbraucher einen registrierten Dialer für betrügerisch hält, kann er Beschwerde bei der Regulierungsbehörde einlegen. Auf der Website der RegTP und in einer Broschüre, die man auch als PDF downloaden kann [#literatur [2]], informiert die Regulierungsbehörde schriftlich über Maßnahmen bei Rufnummernmissbrauch.
Sie hat auch eine Hotline eingerichtet, um Verbrauchern Hilfestellung bei zweifelhaften Mehrwertdiensten zu geben. Unter der Telefonnummer 01805-DIALER (0 18 05/ 34 25 37) kann man sich Rat holen und auch Missbrauch melden. Zusätzlich sollte man dies aber schriftlich tun und Belege oder Screenshots als Beweis beilegen. Wir haben eine Beschwerde über den Suchmaschine.de-Dialer bei der RegTP eingereicht und werden verfolgen, welchen Weg die Meldung nehmen wird.
Die Regulierungsbehörde wird aber auch „vom Amts wegen“ tätig, wenn sie Kenntnis von gesetzeswidrigen Praktiken bekommt. Nach Paragraph 43c des neuen Gesetzes können die Maßnahmen bis zum Entzug der Mehrwertdienst-Telefonnummer reichen und zur Aufforderung an den Betreiber, keine Rechnungslegung vorzunehmen.
In der Praxis wird aber bei Streitfällen seitens der RegTP zuerst der Anbieter kontaktiert und ihm Gelegenheit gegeben, sich zu dem Sachverhalt zu äußern. Erster Kontakt ist immer der Betreiber der kostenpflichtigen Nummer, im Falle des Suchmaschine.de-Dialers also die Firma aus Holland.
Hierbei müssen natürlich angemessene Antwortfristen eingehalten werden, um eine eventuelle spätere gerichtliche Auseinandersetzung nicht durch Formfehler scheitern zu lassen. Man darf also keine schnellen Resultate erwarten. Der Ausgang einer Beschwerde ist offen und entwickelt sich ganz individuell.
Dem Suchmaschine.de-Betreiber scheint die neue Gesetzeslage egal zu sein. Er spekuliert offenbar darauf, dass ausreichend viele Anwender die durch den Dialer entstandenen Kosten zahlen, weil sie die neue Rechtslage nicht kennen. Er betreibt seine Masche nicht nur auf Suchmaschine.de; auch auf Gedichte.de, Musik.de, Songtexte.de, Ufo.de, Vornamen.de, Cocktail.de und womöglich weiteren Domains führt jeder einzelne Klick zu einem Dialer-Download.
Andere Dialer-Anbieter haben sich auf die neuen Spielregeln eingestellt. Da die Registrierung von Dialern nichts kostet - offenbar eine Lücke im System -, überschwemmen sie die Regulierungsbehörde förmlich mit Neuanmeldungen. Nachdem am 3. September erst 1500 Dialer registriert waren, verzeichnete die Datenbank am 2. Oktober bereits 450 000 und eine Woche später schon 650 000 Einwahlprogramme. Davon stammen knapp 400 000 vom selben Anbieter (Mainpean) und wählen dieselbe Nummer.
Die Regulierungsbehörde prüft die Dialer nicht - die Registrierung stellt kein Gütesiegel dar, sondern dient lediglich dazu, den Betreiber zu identifizieren. Ob der Dialer den gesetzlichen Anforderungen genügt, muss der Nutzer dann selber herausfinden. So bietet das Gesetz zwar eine gute Handhabe gegen den weit verbreiteten Missbrauch der Mehrwertdienst-Nummern. Der Verbraucher muss aber seine Rechte kennen und im Falle eines betrügerischen, aber angemeldeten Dialers Beschwerde bei der RegTP einlegen. (jo)
[1] Dialer-Datenbank der Regulierungsbehörde
[2] Broschüre über Maßnahmen bei Rufnummernmissbrauch
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