Doppelherz-Netbook

Asus Eee PC 1015PEM mit der Zweikern-Version des Intel Atom

Der zweite Kern des Intel Atom N550 sollte den trägen Netbooks Feuer unterm Hintern machen. In der Praxis gelingt ihm das nur bedingt, dennoch hat Asus ein interessantes Netbook zusammengestellt.

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Der zweite Kern des Intel Atom N550 sollte den trägen Netbooks Feuer unterm Hintern machen. In der Praxis gelingt ihm das nur bedingt, dennoch hat Asus ein interessantes Netbook zusammengestellt.

Der zweite Kern beschleunigt den Atom nicht aufs Doppelte, weil Intel die Taktfrequenz gesenkt hat: Die beiden Kerne des N550 laufen nur mit 1,5 GHz, während in den meisten Netbooks inzwischen der N450 mit 1,66 GHz sitzt, in einigen wenigen sogar der N470 mit 1,83 GHz.

Beide Kerne zeigen per Hyper-Threading einen weiteren virtuellen Kern an, sodass vier Threads gleichzeitig laufen. In der Praxis fühlt sich trotz zweitem echten Kern vieles immer noch lahm an, auch weil überraschend viele Anwendungen nur einen Kern nutzen, beispielsweise der vorinstallierte Internet Explorer 8. Aufwendiges wie Raw-Bildbearbeitung nervt nur marginal weniger, immerhin reagiert das System oft etwas schneller auf Nutzereingaben. Viele HD-Videos laufen ruckelfrei, aber nicht alle. Ein Teil der Verzögerungen liegt aber auch daran, dass Asus nur 1 GByte Hauptspeicher einbaut, was für Windows 7 knapp ist.

Programme wie einige Bildverarbeitungen, die alle Kerne ausnutzen, arbeitet der N550 60 bis 75 Prozent schneller ab als die Vorgänger. Single-Thread-Anwendungen laufen hingegen rund 10 Prozent langsamer – hier ist der N550 der derzeit langsamste Notebook-Prozessor. Bei Grafikanwendungen hängt es davon ab, ob der Grafikchip stark gefordert ist – dann herrscht Gleichstand – oder ob eher die CPU rechnet. Dann kommt es darauf an, ob die Anwendung mehrere Threads nutzt, was zumindest kein Benchmark tut: Fast alle unserer Grafiktests liefen auf dem N550 langsamer, im besten Fall herrschte Gleichstand, schneller lief nichts.

Den Vergleich mit anderen Prozessoren verliert der N550. Bei Multithread-Anwendungen ist er mit beiden Kernen zusammen nun etwa so schnell wie ein Kern des Intel i3-330UM (die Stromsparvariante mit 1,2 GHz), Core 2 SU2700 (1,3 GHz) oder AMD Turion II Neo (1,5 GHz) – und die beschleunigen allesamt dank zweitem Kern um noch mal mindestens 60 Prozent.

Bei den übrigen Eigenschaften weiß das 1015PEM zu überzeugen. Das Display erreicht die für Asus-Netbooks ungewöhnlich hohe Helligkeit von etwa 250 cd/m² und hat eine matte Oberfläche. Der Rahmen drumherum spiegelt allerdings – anders als der mattschwarze Deckel. Ihn bietet Asus auch in Weiß, Blau und Rot an, alternativ gibt es eine glänzende Lackierung in Schwarz, Weiß und Pink. Das große Touchpad erkennt Zweifinger-Gesten beispielsweise zum Scrollen, reagierte manchmal aber etwas zäh.

Fast sieben Stunden hält der Akku bei voller Displayhelligkeit, gedimmt sind es knapp über neun. Falls das nicht reicht, trägt das kleine und leichte Netzteil in der Tasche kaum auf. Die im Datenblatt erwähnten Modelle mit USB 3.0 wird es hierzulande nicht geben. Der LAN-Chip spricht nur 100 MBit/s, man kommt also auch bei schnellen Servern nicht mit mehr als etwa 15 MByte/s an seine Daten.

Das 1015PEM kombiniert viele gute Netbook-Eigenschaften: lange Laufzeit, unhörbare Lüfter, im Rahmen der Möglichkeiten gute Tastatur und ein helles, mattes Display. Das Gewicht liegt im Mittelfeld; fehlende Extras wie ein HDMI-Ausgang kann man nicht unbedingt in dieser Preisklasse erwarten.

Für den zweiten Kern zahlt man rund 50 Euro Aufpreis. Das ist ziemlich viel dafür, dass man das System weiterhin als irgendwie lahm empfindet; besser angelegt wären sie für 2 GByte Hauptspeicher. Wer allerdings alternativ die Notebooks mit spürbar schnellerem Prozessor möchte, muss dann mit anderen Nachteilen leben: Die mit AMD-Prozessoren haben eine kürzere Laufzeit, die mit Intels Core 2 oder i3 haben 12-Zoll-Displays und sind daher teurer und schwerer. (jow)

EeePC 1015PEM
Netbook mit Dualcore-Prozessor
Hersteller Asus
Lieferumfang Windows 7 Starter 32 Bit
Spezifikation Intel Atom N550, Intel GMA 3150, 10,1-Zoll-Display (1024 × 600, matt), 1 GByte RAM, 250-GByte-HDD, LAN (100 MBit/s), WLAN (802.11a/b/g/n-300), Bluetooth, Kartenleser
Schnittstellen USB, VGA, LAN, Kopfhörer, Mikrofon
Gewicht/Größe 1,25 kg / 26,2 cm × 17,7 cm × 3,7 cm
Preis 350 €

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Kleine Nische
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