Leseprobe aus c't 22/07
Wer von einem sicheren System ohne akute Virengefahr träumt, das dem Anwender nicht verheimlicht, was es tut, für den könnte die Zeit reif für Linux sein. Mit OpenSuse 10.3 fällt der Umstieg besonders leicht.
Wurde man vor einigen Jahren im Bekanntenkreis noch milde belächelt wenn man als Privatanwender das freie System einsetzte, so betrachten inzwischen sogar einige PC-Hersteller Linux als Alternative zu Windows und bieten ihren Kunden vorinstallierte Linux-Systeme an. Linux unterstützt die meiste Hardware und lässt sich problemlos neben einem bereits vorhandenen Windows-System installieren. So können Sie gefahrlos testen, ob es für Sie das richtige System ist.
Auf der Heft-DVD finden Sie die brandaktuelle Version 10.3 der Distribution OpenSuse, die sich hierzulande wegen der guten Lokalisierung und dem Administrationswerkzeug Yast besonderer Beliebtheit erfreut und neben einer guten Hardwareerkennung mehr als tausend aktuelle Programme für alle Aufgaben im Gepäck hat.
Das schöne an der Installationsroutine Yast ist, dass sie den Anwender nicht bevormundet: Man hat freie Hand bei der Partitionierung, der Software-Auswahl und der Konfiguration des Netzwerks, muss aber nicht zwangsläufig selbst eingreifen. Es ist möglich, nur mit Übernehmen der Vorgaben und Klicks auf „Weiter“ in nicht mal einer Stunde ein voll funktionsfähiges Linux-System einzuspielen.
Die Heft-DVD enthält die 32-Bit-Version von OpenSuse 10.3, die sich auch auf 64-Bit-Rechnern installieren lässt. Das System benötigt mindestens zwei Partitionen, eine Root-Partition für System- und Nutzerdaten sowie eine Swap-Partition für Auslagerungsspeicher. Wenn Windows die komplette Festplatte belegt, aber noch genug freier Plattenplatz vorhanden ist, ist das kein Problem, denn OpenSuse bringt ein Partitionierungswerkzeug mit, das sowohl NTFS- als auch FAT-Partitionen verkleinern kann. Ohne Benutzerinteraktion verkleinert OpenSuse bei der Installation die Windows-Partition und legt drei Linux-Partitionen an: eine Root-, eine Home- und eine Swap-Partition. Die Home-Partition hängt es beim Systemstart im Verzeichnis /home ein; darin befinden sich die Verzeichnisse der angelegten Benutzer. Das ist praktisch, wenn man Wert darauf legt, System- und Benutzerdaten voneinander getrennt zu halten, eine bessere Lösung dafür ist jedoch die Verwendung des Logical Volume Manager (LVM), der nachträgliche Größenänderungen der eingerichteten Volumes erlaubt.
Wer Linux parallel zu Windows installieren möchte, sollte zunächst unter Windows die Festplatte defragmentieren, damit alle Dateien an den Anfang der Partition geschoben werden. Außerdem ist eine Sicherung der persönlichen Daten ratsam. Normalerweise geht bei der Linux-Installation nichts schief, aber falls doch, muss man sich hinterher nicht ärgern.
Lässt man die Windows-Partition vom OpenSuse-Installer verkleinern, werden Windows XP und Vista beim ersten Booten nach der Linux-Installation die Datenträgerüberprüfung starten und danach wie gewohnt starten. Um einen Bootmanager, mit dem man beim Start zwischen den Systemen wählt, muss man sich nicht kümmern: OpenSuse spielt automatisch den Bootmanager Grub ein und trägt vorhandene Windows-Installationen in das Boot-Menü ein.
Damit das System von der OpenSuse-Installations-DVD startet, muss man das BIOS des Rechners so einstellen, dass er vom DVD-Laufwerk bootet. Die BIOS-Einstellungen erreicht man je nach BIOS-Typ etwa mit einem Druck auf die Entfernen- oder F2-Taste. Die meisten Rechner zeigen beim Einschalten an, welche Taste man drücken muss, um ins BIOS-Setup zu gelangen. Alternativ kann man auch unter Windows das Programm openSUSE10_3_LOCAL.exe aus dem Wurzelverzeichnis der Installations-DVD ausführen. Es kopiert den Installationskernel und alle benötigten Dateien in den Ordner C:\openSUSE und legt einen Eintrag im Windows-Bootmenü an, nach dessen Auswahl der OpenSuse-Installer startet. Bei diesem Vorgehen hat man allerdings nicht die Möglichkeit, Bootoptionen wie etwa das Deaktivieren von ACPI zu wählen, die weiterhelfen, wenn Linux nicht auf Anhieb bootet. Beim nächsten Windows-Start meldet sich automatisch die Deinstallationsroutine und entfernt den OpenSuse-Installer mitsamt dem Eintrag im Windows-Bootmenü von der Windows-Partition.
Bei der klassischen Installation von DVD erscheint ein Bootbildschirm, auf dem man zunächst über die Taste F2 die Sprache Deutsch und - sofern nötig - über F3 die richtige Auflösung wählen kann, gerade auf LCDs macht die Arbeit mit der falschen Auflösung nur wenig Spaß. Über den Eintrag Installation startet die Installation mit Standard-Werten. Bleibt dabei der Bildschirm schwarz oder bricht die Installation ab, kann man eine der Installationsmethoden ausprobieren, die man über die Taste F5 des Bootbildschirms erreicht. So lässt sich dort ACPI deaktivieren, es gibt die Option, den lokalen APIC (Advanced Programmable Interrupt Controller) abzuschalten, und für den Fall, dass auch damit keine Installation gelingt, kann man es mit der Option „Sichere Einstellungen“ versuchen. Der Startbildschirm erlaubt es darüber hinaus, von der Festplatte zu booten, eine beschädigte OpenSuse-Installation zu reparieren, ein Rettungssystem zu starten oder den Arbeitsspeicher des Rechners zu testen. Oft ist fehlerhaftes RAM schuld, wenn Linux immer wieder an unterschiedlichen Stellen abstürzt, ohne dass man eine reproduzierbare Ursache dafür ausmachen könnte.
Nach dem Start der Installation hat man die Möglichkeit, die Sprache auszuwählen, wobei OpenSuse hier automatisch Deutsch markiert, wenn man sich schon im Boot-Bildschirm dafür entschieden hat. Anhand der Spracheinstellungen bestimmt Yast auch die voreingestellte Tastaturbelegung, die Zeitzone und wählt passende Sprachpakete für die zu installierenden Programme aus.
Nachdem man die Lizenzvereinbarung akzeptiert hat, erfragt der Installer den Installationsmodus. Ist bereits eine Version von OpenSuse auf dem Rechner vorhanden, hat man die Wahl zwischen einem Update und einer Neuinstallation. Hinter dem Eintrag „Sonstige Optionen“ verbergen sich die Möglichkeiten, ein installiertes Linux-System zu starten oder eine beschädigte OpenSuse-Installation zu reparieren. Zusätzlich kann man weitere Paketquellen im Internet einbinden. Dafür erfragt der Installer die Netzwerkeinstellungen, allerdings zu diesem Zeitpunkt nur für kabelgebundene Ethernet-Karten. Das Einrichten von WLANs oder Modems ist erst am Ende der Installation möglich. Es ist allerdings nicht nötig, schon während der Installation die Paket-Repositories im Netz hinzuzufügen, da sich das im laufenden System mit nur wenigen Mausklicks nachholen lässt, siehe Artikel ab Seite 92 in c't 22/07.
Im folgenden Bildschirm stellt man die Zeitzone ein. Linux bevorzugt es, wenn die Systemzeit des Rechners auf UTC (Coordinated Universal Time) eingestellt ist, auf Dual-Boot-Systemen ist „Lokale Zeit“ die richtige Wahl, da Windows nicht mit UTC umgehen kann. Lässt man OpenSuse mit UTC arbeiten, stellt man beim nächsten Booten von Windows fest, dass die Uhr falsch geht. Normalerweise muss man in diesem Bildschirm nichts ändern: OpenSuse erkennt, ob sich schon ein Windows-System auf dem Rechner befindet und entscheidet danach, ob Linux später mit UTC oder lokaler Zeit läuft. Im Zweifel überprüft man, mit welcher Einstellung die korrekte Uhrzeit angezeigt wird. Ein Klick auf Weiter bringt einen zur Desktop-Auswahl. Neben KDE und Gnome stehen unter dem Punkt Andere ein minimales grafisches System und der Textmodus zur Verfügung. Der letztgenannte kommt nur für hartgesottene Kommandozeilen-Fans in Frage, die das System als Server nutzen wollen, das minimale grafische System ist eine Überlegung wert, wenn man Linux auf einem Rechner mit weniger als 512 MByte Arbeitsspeicher installiert. Für den Desktop-Einsatz sollte man sich hier für Gnome oder KDE entscheiden.
Wer Windows kennt, wird mit jedem der beiden Desktops zurechtkommen, Anwender mit Linux-Erfahrung dürften sowieso ihre Lieblings-Arbeitsumgebung haben. Während der Installation oder später im laufenden System kann man außerdem die jeweils andere Arbeitsumgebung zusätzlich einspielen und dann zwischen den beiden Desktops wechseln. Verfügt man über ausreichend Plattenplatz, sollte man das auch tun, da man so zusätzlich die Anwendungen der jeweils anderen Desktop-Umgebung mit installiert. Viele Programme benötigen die Bibliotheken des KDE- oder Gnome-Desktops, laufen aber, sofern diese installiert sind, problemlos unter jeder Arbeitsoberfläche. Der Gnome-Desktop wirkt unter OpenSuse 10.3 ein wenig runder und präsentiert sich übersichtlicher als KDE, in OpenSuse-Foren und auf Mailinglisten arbeiten allerdings die meisten Nutzer mit KDE, sodass man bei Problemen eher Hilfe zu KDE erhält.
(amu)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 22/2007.
| "OpenSuse 10.3" | |
| Artikel zum Thema "OpenSuse 10.3" finden Sie in der c't 22/2007: | |
| Vorbereitungen und Installation | S. 88 |
| Systemkonfiguration mit Yast | S. 92 |
| Desktop und Anwendungen erkunden | S. 96 |
| Virtualisierung mit Xen und VirtualBox | S. 100 |
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