Die Zeiten, als Microsoft seine Windows-Versionen schlicht nach Jahreszahlen benannte, scheinen endgültig vorbei: Auf Windows XP folgt nicht etwa Windows 2006 oder 2007, sondern Windows Vista. (Vista: Aussicht, Ausblick, Durchblick, Perspektive). Die erste Beta lässt ahnen, wie der XP-Nachfolger aussehen wird.
Anders als frühere Vorabversionen, die vor allem unter der Haube Neues zu bieten hatten und für Entwickler gedacht waren [#lit [1]], bietet die Beta 1 von Windows Vista auch für Anwender einiges Interessantes. Sie erreichte c't kurz vor Redaktionsschluss als rund 2,5 GByte großes DVD-Image. Die Installation läuft mit einer Imaging-Technik ab: Das Setup-Programm spielt sämtliche Dateien in einem Rutsch auf die Platte und lässt danach nur noch die Hardwareerkennung und sonstigen Anpassungen an den Rechner durchlaufen. Als Folge sind nach dem Booten von CD nur noch wenige Fragen zu beantworten, der CD-Key einzugeben, die EULA abzunicken und der Rest läuft dann von allein durch.
Nach der Installation, die bei der Beta-Version trotz der Imaging-Technik nicht schneller geht als bei XP, ist die Systempartition mit rund 4 GByte Daten gefüllt. Die Beta 1 fordert nach der Installation nicht zum Aktivieren auf, allerdings ist die Laufzeit auf 180 Tage begrenzt.
Die erste Neuerung fällt schon vor dem Start des neuen Betriebssystems auf: Vista (das sich selbst mitunter noch für Longhorn hält) bringt einen neuen Bootloader und ein neues Bootmenü mit. Ältere Windows-Versionen vermag der Loader zwar auch zu starten, doch versteckt er sie hinter einem Menüpunkt „Legacy (pre-Longhorn) Microsoft Windows Operating System“. Wählt man den aus, taucht das altbekannte Bootmenü wieder auf.
Augenfälligste Neuerung nach dem Start: Vista versieht Fenster - eine DirectX-9-taugliche Grafikkarte vorausgesetzt - mit halbtransparenten Rahmen und blendet sie butterweich ein und aus. Wenn man mit der Maus über die Schließen-Schaltfläche oben rechts fährt, leuchtet sie rot auf, wobei das Leuchten über das Fenster hinausreicht. Icons sind frei skalierbar, sodass sie sich auch bei einer großen Auflösung noch in einer gut erkennbaren Größe darstellen lassen und trotzdem hübsch aussehen.
Auch beim Startmenü hat sich einiges getan. So klappt das Programme-Menü nicht mehr nach rechts auf, sondern ersetzt beim Anklicken die Liste der am häufigsten aufgerufenen Programme. Zudem spendierte Microsoft ihm ein kleines Eingabefeld, mit dessen Hilfe sich der Inhalt des Startmenüs schnell filtern lässt: Tippt man dort ein Zeichen oder eine Zeichenfolge ein, blendet Vista sofort alle Einträge aus, in deren Namen oder in deren Metadaten diese Zeichen nicht enthalten sind. Wer also beispielsweise eine Remote-Desktop-Verbindung aufbauen möchte, muss sich nicht mehr durch diverse Untermenüs zum passenden Startmenü-Eintrag hangeln, sondern tippt einfach drauflos. Und schon nach der Eingabe von „re“ hat Vista alles außer „Remote Desktop Connection“ und zwei anderen Einträgen ausgeblendet.
Das Eingabefeld kann nicht nur die Startmenü-Einträge filtern, sondern auch Programme direkt starten, die nicht im Startmenü verknüpft sind. Allerdings ist dann die Eingabe des kompletten Namens erforderlich, etwa gpedit.msc zum Starten des Gruppenrichtlinien-Editors.
Am Explorer hat Microsoft vieles geändert. Auch er bietet ein Eingabefeld zum Filtern der Anzeige. Nach dem Drücken der Enter-Taste sucht Vista den eingegebenen Suchbegriff auf der gesamten Festplatte. Verschwunden sind die Menüleiste und die Standardschaltflächen, sie lassen sich aber wieder hervorholen.
Bei Laufwerken blendet der Explorer eine Füllstandsanzeige ein. Öffnet man einen Ordner, spendiert der Explorer eine zusätzliche Baumansicht, die die eigenen Dateien des Nutzers zeigt. Die sind übrigens umgezogen: Die Nutzerprofile sind nun nicht mehr unter „Documents and Settings“ zu finden, sondern unter „Users“.
Je nach Typ der angezeigten Dateien passt der Explorer eine spezielle Leiste oberhalb der Ordneransicht an. So bietet er beispielsweise bei Bildern an, sie in einer Diashow abzuspielen oder online zum Entwickeln zu verschicken. In der Statuszeile zeigt er eine Voransicht. Der Anwender kann Dateien ein Rating verpassen - zwischen einem und fünf Sterne lassen sich vergeben. Auch damit lässt sich die Ansicht eines Ordners filtern, was etwa bei einer in einem einzigen Ordner liegenden MP3- oder Bildersammlung praktisch ist. Zusätzlich kann man Keywords vergeben, die später die Suche erleichtern.
Die Suchfunktion bietet ebenfalls verschiedene Filter an, die sich zudem kombinieren lassen. So lassen sich beispielsweise Texte suchen, die ein bestimmter Autor in einem definierbaren Zeitraum erstellt hat. Allerdings wird die Suche noch nicht vom Dateisystemaufsatz WinFS unterstützt, der ursprünglich mal für Vista versprochen war - Microsoft kämpft bei WinFS mit so vielen Problemen, dass mit einer Veröffentlichung erst lange nach dem Fertigstellen von Vista zu rechnen ist.
In der Systemsteuerung sind die einzelnen Elemente in Kategorien einsortiert. So finden sich unter dem Menüpunkt „Security“ die Firewall, die automatischen Updates, die Internet-Optionen sowie die Einstellungen für die Nutzerkonten. Die lassen sich wie von XP gewohnt verwalten, allerdings hat Microsoft zusätzlich die „Parental Controls“ spendiert, mit der Eltern einstellen können, welche Spiele ihr Nachwuchs zocken darf. Dabei haben sie die Wahl, nur namentlich benannte Spiele zuzulassen oder sich auf Rating-Systeme zu verlassen. Sie können die Auswahl zusätzlich durch Schlüsselwörter einschränken.
Das Setup-Programm erstellt wie von XP gewohnt nur ein Administratorkonto ohne Kennwort. Wer sicher ohne Admin-Rechte arbeiten will, muss sich die nötigen Konten später selbst zusammenklicken. Doch selbst Microsoft ist mittlerweile aufgefallen, dass es so nicht weitergehen kann, denn der Hauptgrund für die vielen Virenschwemmen der letzten Jahre ist, dass die Mehrheit der Windows-Nutzer mit Administratorrechten arbeitet. Klar, auch unter Windows XP können Sie sicher ohne Admin-Rechte arbeiten, doch erfordert das viele Kenntnisse und Mühen [#lit [2, 3]], worauf der Großteil der Anwender schlicht keine Lust hat. Um dem Dilemma zu entgehen, will Microsoft mit Vista die „User Account Protection“ (UAP) einführen.
Wenn man die UAP aktiviert, ändert sich im ersten Moment scheinbar nichts. Der Anwender kann weiterhin Programme wie gewohnt starten, doch laufen die dann nicht mehr mit den Rechten des Anwenders, sondern mit denen eines eingeschränkten Nutzers. Das gilt auch dann, wenn der Anwender ein Administratorkonto nutzt. Damit können die laufenden Anwendungen das System nicht mehr verändern, weil eingeschränkte Nutzer auf Systemdateien nur lesend zugreifen dürfen - wenn überhaupt. Will der Anwender Änderungen am System durchführen und startet er dafür beispielsweise die Computerverwaltung, so teilt ihm Vista mit, dass dafür Admin-Rechte erforderlich sind, und fragt nach dem Passwort eines Admin-Kontos - gibt es mehrere, hat man die Wahl. An anderen Stellen, etwa im Explorer, verweigert Windows bestimmte Aktionen mit dem Hinweis auf die fehlenden Rechte.
Dass Vista eine Aktion verweigert, passiert übrigens trotz der eingeschränkten Rechte, mit der die Anwendungen laufen, relativ selten. So scheint das System nichts dagegen zu haben, wenn etwa eine Anwendung versucht, ins Windows-Verzeichnis zu schreiben. In Wirklichkeit verweigert es den Zugriff jedoch, mosert aber deswegen nicht rum, sondern leitet den Schreibvorgang kurzerhand und für die Anwendung transparent in einen anderen Ordner um („Virtual Store\
Diese Umleitung wird unter Vista nicht nur für den Windows-Ordner gelten, sondern auch für das Programm-Verzeichnis sowie für den Registry-Wurzelschlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE.
Über „Run elevated“ im Kontextmenü lassen sich Programme wie mit „Ausführen als“ unter XP von vornherein mit höheren Rechten ausführen [#lit [4]], hierfür ist wieder die Eingabe des Kennworts eines Admin-Kontos erforderlich.
Der Internet Explorer hat schon seit längerem den Ruf weg, einer der unsichersten Browser überhaupt zu sein. Und so ist es kein Wunder, dass Microsoft hier besondere Anstrengungen unternimmt. So soll der IE7 künftig mit Rechten laufen, die noch geringer sind als die eines eingeschränkten Nutzers. Der Ansatz ist gut, denn Schädlinge haben in der Standard-Konfiguration auch bei eingeschränkten Nutzer-Accounts noch Chancen, sich in das System einzunisten. Grund dafür sind unter anderem der Autostart-Ordner im User-Verzeichnis unter Dokumente und Einstellungen, auf die der User Vollzugriff hat, sowie einige Run-Schlüssel in der Registry, für die das Gleiche gilt. Von diesem „LowRights-IE“ ist in der Beta 1 jedoch noch nichts zu sehen, er soll erst in der Beta 2 auftauchen. Mehr zum Internet Explorer 7, der in einer leicht abgespeckten Version auch unter Windows XP laufen wird, finden Sie in in c't 17/05 auf Seite 24. (axv)
[1] Axel Vahldiek, Ein Stier am Horizont, Der Nachfolger von Windows XP nimmt Gestalt an, c't 11/05, S. 104
[2] Axel Vahldiek, Selbstschutz, Das Sicherheitskonzept von Windows 2000 und XP, c't 15/04, S. 110
[3] Axel Vahldiek, Es geht auch ohne, Arbeiten ohne Admin-Rechte unter Windows, c't 15/04, S. 118
[4] Axel Vahldiek, Undercover, Programme unter Windows 2000 oder XP in anderem Sicherheitskontext starten, c't 18/04, S. 176
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Wie schon bei früheren Vorabversionen lautet auch dieses Mal die Antwort leider wieder: auf legalem Wege gar nicht. Microsoft hat die Beta 1 nur für eingetragene Beta-Tester und MSDN- und Technet-Kunden zur Verfügung gestellt. Ob Microsoft sie auch irgendwann für die Allgemeinheit bereitstellen wird, blieb bis Redaktionsschluss unklar.
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