Nicht wenige PC-Bastler haben in ihrer Kindheit Tage damit verbracht, kleine bunte Plastikklötzchen aus Dänemark zu immer neuen Welten zusammenzusetzen. Gleich mehrere Programme erlauben es dem jung gebliebenen PC-Benutzer, seine besten Lego-Modelle noch einmal am Monitor nachzubauen.
Software-Lego für den Windows-PC? Puristen werden sich schon bei der Vorstellung angewidert abwenden - Legosteine muss man doch mit der Hand zusammensetzen! Andere Bauklötzchen-Begeisterte werden für die nächsten Stunden oder Tage hinter dem Bildschirm verschwinden. Denn wer hat beim realen Lego schon die Wahl aus hunderten verschiedener Teile und muss nie befürchten, dass ihm die Klötzchen ausgehen?
Das dachte sich auch James Jessiman, der Vater von LEdit und LDraw, zweier DOS-Anwendungen, mit denen sich Lego-Modelle entwerfen und ausgeben lassen. Beide Programme wirken ein wenig angestaubt; LEdit erlaubt beispielsweise nicht, die Modelle mit der Maus zu bewegen. Damit LDraw und LEdit auf ‘schnelleren’ Systemen (ab Pentium 200) überhaupt laufen, muss man sie erst patchen.
Was LDraw und LEdit auszeichnet, ist die auf knapp 2000 unterschiedliche Klötzchen angewachsene Bibliothek von Bauteilen, auf die die Programme zugreifen können. Glücklicherweise kann man diese auch mit anderen Anwendungen nutzen. Michael Lachmanns Programm MLCAD beispielsweise erlaubt es, unter Windows LDraw-Modelle zu bauen.
Wie ein ‘echtes’ CAD-Programm gibt MLCAD mehrere Ansichten eines Modells gleichzeitig aus; die Perspektive lässt sich dabei für jedes Fenster genau festlegen. Über einen Explorer klickt sich der Benutzer durch die Beschreibungen der zur Verfügung stehenden Teile. Die jeweils zu einer Gruppe gehörenden Elemente zeigt das Programm grafisch an; aus der Liste mit den grafischen Darstellungen zieht der Benutzer die Klötzchen in die Konstruktionsfenster. MLCAD zeichnet den Zusammenbau eines Modelles Schritt für Schritt auf. Zu jedem Bauabschnitt fertigt es auf Wunsch einen Screenshot an. Dabei wechselt es bei Bedarf während des Zusammenbaus auch den Blickwinkel. Eine komplette Teileliste des fertigen Modells vervollständigt die Bauanleitung.
Wen MLCAD zu technisch anmutet, der wird mit BlockCAD eher glücklich. Das Programm bietet zwar nicht so viele Funktionen wie MLCAD und nur jeweils eine Ansicht des Modells, seine Bedienung erschließt sich aber im Unterschied zu MLCAD auf den ersten Klick. BlockCAD ist aber nicht zur Teiledatenbank von LDraw kompatibel. Daher stehen dem Benutzer deutlich weniger unterschiedliche Legosteine zur Auswahl - die Technik-Klötzchen fehlen beispielsweise völlig. Allerdings vermag BlockCAD, seine Modelle im LDraw-kompatiblem Format zu speichern. Wie LDraw, LEdit und MLCAD kostet BlockCAD keinen Pfennig. Der Autor, Anders Isaksson, würde sich aber über einen Legostein als Geschenk freuen.
Wir können hier nur eine Auswahl der Lego-CAD-Software vorstellen. Eine Übersicht bietet www.ldraw.org, wo Lego-Enthusiasten das Erbe des 1997 verstorbenen Jessiman fortsetzen. Dort finden sich auch Konverter wie L2P, mit dem sich LDraw-Modelle für den Raytracer POV-Ray aufbereiten lassen, sowie Ld2vr, das VRML-Modelle erzeugt. (jo)
LDraw, LEdit, Freeware für DOS, Download unter http://www.ldraw.org/
MLCAD 1.4, Freeware für Windows 95/98/NT, Download unter http://www.user.xpoint.at/m.lachmann/MLCad/MLCAD.htm)
BlockCAD 1.8, Freeware für Windows 95/98/NT, Download unter: http://user.tninet.se/~hbh828t/proglego.htm)
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