Leseprobe aus c't 25/11
Erkenntnisse aus einem Vortrag, Denkanstöße aus der Kantine und spontane Einfälle landen oft genug auf Post-it-Zettelchen oder Papierservietten – und später im Papierkorb. Sammelt man Informationen dagegen systematisch per Smartphone, Digicam oder Digitalisierstift, so genügt zur Archivierung auf der Festplatte oder in der Cloud ein simpler Upload.
Um unterwegs Nützliches und Interessantes festzuhalten, gibt es nicht den einen empfehlenswerten Workflow. Die in diesen Artikel eingestreuten, persönlichen Statements von Kollegen zeigen: Wie man Informationen am liebsten sammelt, ordnet und nutzt, ist eine Frage ganz individueller Vorlieben, Ansprüche und Fähigkeiten. Wer sicher und schnell tippt, wird nicht ohne Tastatur verreisen – wer schon sein halbes leben lang diktiert hat, zieht vielleicht Audionotizen vor. Auch die spätere Verwendung der Aufzeichnungen spielt eine Rolle: Sollen Fotos und Töne im Originalformat aufgehoben werden oder müssen sie in editierbaren Text verwandelt werden? Wenn eine Umwandlung geplant ist, stellt sich die Frage, ob ein absolut fehlerfreier Volltext benötigt wird oder ein nach Stichwörtern durchsuchbares PDF zur Archivierung genügt.
Wir beleuchten im Folgenden das Schreiben auf virtuellen und mobilen Tastaturen, gesprochene Notizen und sonstige Audioaufnahmen, das Fotografieren von Vortragsfolien oder Dokumenten sowie digitale Aufzeichnungen handschriftlicher Notizen und Skizzen. Einen Spezialfall stellen schließlich kombinierte Aufzeichnungen von Handgeschriebenem plus Tönen dar – inklusive zeitlichem Bezug. Für alle Szenarien nennen wir Apps, mit denen sich Smartphones oder Tablets zum Notizensammler aufrüsten lassen, betrachten aber auch den Nutzen spezieller Geräte, mit denen man in manchen Anwendungsfällen weiter kommt. In diversen Praxistests haben wir dazu Smartphones, Audiorecorder, Digitalkameras und spezielle digitale Stifte gegeneinander antreten lassen. Sie mussten sich etwa in Konferenzsituationen, Vorlesungen und bei Vorträgen mit anschließender Diskussion bewähren.
Mit Spracherkennung, Handschrifterkennung und Zeichenerkennung (OCR) stehen zwar grundsätzlich Techniken zur Verfügung, um Notizen der unterschiedlichsten Art in ASCII-Text umzuwandeln. Allerdings funktioniert in der Praxis längst nicht alles so, dass man es als Routinemaßnahme empfehlen kann. Unser Artikel erklärt, was praktikabel ist.
Einige Web-Dienste und Apps zum Notizensammeln kümmern sich auch gleich um die Archivierung. Die getesteten Digitalstifte bringen ihre eigenen Programme zum Ordnen und Aufbewahren von Informationen mit. Soweit diese Ordnungshelfer im direkten Zusammenhang mit den vorgestellten Apps und Gerätschaften stehen, gehen wir auf deren Vor- und Nachteile ein. Dieser Artikel gibt allerdings keinen generellen Überblick über Archivierungsprogramme aller Art, sondern zeigt lediglich Wege, um Notizen in Standardformate zu bringen. Die Daten lassen sich dann in beliebige Outliner und Dokumentenmanager einsortieren. Die wichtigste Frage, die man sich im Vorfeld dazu stellen sollte, lautet: Möchte ich flexibel in der Cloud speichern oder meine Informationen lieber lokal ablegen?
Am Schreibtisch bewährt sich die Tastatur nach wie vor als das schnellste Werkzeug zur Texteingabe. Unterwegs sieht das anders aus: Bonsai-Keyboards wie in einem Blackberry sowie virtuelle Tastaturen, die den größten Teil des Displays belegen, taugen allenfalls, um SMS oder kurze E-Mails zu verfassen. Wie sehr sich ein Anwender durch eine Behelfstastatur eingeschränkt fühlt, hängt von persönlichen Gewohnheiten und Vorlieben ab. Eine Befragung in der Redaktion ergab, dass einige Kollegen auf der anerkannt guten virtuellen iPad-Tastatur klaglos E-Mails oder kurze Texte tippen. Andere, vor allem Zehnfinger-Blindschreiber, fühlen sich dagegen ohne haptische Rückmeldung ausgebremst. Einhellig fiel das Urteil aus, dass das Überarbeiten eines vorhandenen Textes selbst auf dem iPad zur Strafarbeit gerät. Es ist einfach zu umständlich, jede Textposition mit spitzen Fingern am Lupenwerkzeug anzusteuern. Auf den viel kleineren Smartphone-Displays gestaltet sich das Editieren von Texten noch kniffliger.
Die Android-Apps Swiftkey oder Flex T9 bieten sich an, die virtuellen Smartphone-Tastaturen zu ersetzen. Flex T9 verwandelt mit Serverhilfe auch gesprochene Wörter in Text, und Swiftkey berücksichtigt, wenn es Wörterbucheinträge zur Eingabekomplettierung vorschlägt, sogar die vorausgehenden Wörter. Beide Apps lasten die Handy-CPUs allerdings weitgehend aus und verursachen insbesondere auf älteren Modellen häufige Denkpausen.
Vielerlei Hilfsmittel im Test für mobile Datensammler: von Smartphone und Tablet über Funktastatur, Digicam und Diktafon bis zum digitalen Stift oder Klemmbrett
Eine Alternative sind externe Bluetooth-Tastaturen. Abgesehen von solchen Exemplaren mit Handy-Abmessungen bieten externe Keyboards ausreichend große Tasten für entspanntes Tippen. Zudem entfällt die Notwendigkeit, Zeichen-, Cursor- und Funktionstasten zeitaufwendig aus drei bis vier Belegungsebenen auszuwählen. Freilich trägt man ein Objekt mehr mit sich herum – im Vergleich zum schlanken Handy ist selbst eine kompakte Tastatur spürbares Zusatzgepäck. Außerdem müssen Mobilgerät und externe Tastatur zusammenspielen und das ist leider keine Selbstverständlichkeit, wie unsere Tests ergaben. Der Kasten auf Seite 94 erklärt, warum.
Gelingt die Verständigung zwischen Tastatur und Mobilgerät, lässt sich die Kombi mitunter komfortabler nutzen als ein Notebook, weil die bloße Tastatur unabhängig vom Display beliebig platziert werden kann. Zudem reserviert manche Tastatur eigene Knöpfchen für Handy-spezifische Funktionen, etwa zum Wählen einer Telefonnummer oder zum Annehmen eines Anrufs. Die Bedienung eines Mobilgeräts per Funktastatur ist aber nur dann praktikabel, wenn dessen Anzeige für den Benutzer auch sichtbar ist, deshalb gehört noch eine Aufstellhilfe ins Gepäck. Für iPad-Besitzer kommt hierfür Apples aufstellbare iPad-Hülle in Betracht. Das Bluetooth-Keyboard Freedom Pro bringt eine aufklappbare Handy-Stütze mit, die allerdings schon mit einem kleineren Tablet überfordert ist. Zur Not tut es freilich auch eine selbstgebastelte Stütze aus Pappe.
(dwi)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 25/2011.
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