Leseprobe aus c't 23/04
Für ein richtig großes Fernsehbild gibt es mehr und mehr bezahlbare Alternativen zu zentnerschweren Röhrenmonitoren und umständlich aufzubauenden Beamern: LCD-Fernsehgeräte der 80-cm-Klasse sind hübsch flach und lassen sich sogar an die Wand hängen. Sie zeigen DVDs in nie gekannter Detailtreue, dienen dem Wohnzimmer-PC als Luxus-Monitor und sind fürs kommende HDTV gerüstet.
Gegenüber den alten Flimmerkisten versprechen die digitalen Geräte eine ganze Reihe von Vorteilen. Endlich braucht man nicht mehr zwei trainierte Möbelpacker und besonders stabile Regalböden, um einen großen Fernseher in die heimische Wohnlandschaft zu integrieren. Zur Not bekommt man die 20 bis 30 Kilogramm auch noch allein angehoben. LC-Displays sind kontrastreicher als jede Röhre und hell genug, um auch bei Tageslicht ein brauchbares Bild zu liefern.
Ein vom Eingangssignal bis zum leuchtenden Pixel durchgängig digitaler Signalweg verspricht am DVD-Player höchsten Sehgenuss. Da erkennt man plötzlich Details, die man am Röhrengerät oder im Kinosaal nie gesehen hat: einzelne Köpfe, wo vorher nur ein matschiges Heer von Menschen war, feine Strukturen düsterer Gemäuer, jedes Äderchen auf Smeagols Arm. Auch Computerspiele wirken auf so einem großen Bildschirm realistischer als je zuvor. Der Unterschied zur herkömmlichen Videoausgabe gleicht dem zwischen dem dumpfen Gekrächze eines alten Kassettenrecorders und dem luftigen Klang einer modernen HiFi-Anlage.
Das alles würde auch ein Beamer leisten, doch bietet dieser nicht den gleichen Komfort: Man muss ihn umständlich auf- und abbauen oder steht bei Deckenmontage vor dem Problem, die Verkabelung verschwinden zu lassen. Um mal eben die Nachrichten zu schauen, will man nicht extra das Zimmer verdunkeln, und schließlich schrecken die hohen Betriebskosten für die Projektionslampen.
All diese Nachteile hat ein großer LCD-Fernseher nicht. Neun Geräte mit Bilddiagonalen von 75 bis 80 cm haben sich auf unserem Prüfstand eingefunden. Loewe, Philips und Toshiba setzen auf ein 16:9-Format mit einer Auflösung von 1366 x 768 Pixeln, die übrigen sind etwas schmaler mit 1280 x 768 Pixeln im 15:9-Format.
Damit sind die Geräte gut gerüstet für die kommenden hochauflösenden Fernseh- und Videoformate: Noch in diesem Jahr erscheinen acht Spielfilme in einer HD-Auflösung von 1280 x 720 Bildpunkten mit 50 Vollbildern pro Sekunde (720p) auf DVD-ROM, die sich auf schnellen PCs und bereits angekündigten Standalone-Playern abspielen lassen sollen. Mit der Blu-ray Disc steht ein weiterer DVD-Nachfolger in den Startlöchern. Auch das hochauflösende Fernsehen nimmt in Europa Gestalt an: Ende nächsten Jahres will der deutsche Pay-TV-Sender Premiere ein reguläres HDTV-Angebot starten, und schon jetzt überträgt der Satellitensender HD1 des belgischen Betreibers Euro1080 über ASTRA (verschlüsselt) mit einer Bildauflösung von 1920 x 1080 Pixel bei 50 Halbbildern pro Sekunde (1080i).
Doch zurück zur Gegenwart: Schon heute zeigen die LCD-Fernseher ihr Potenzial an DVD-Playern wie den im Test verwendeten Denon DVD-3910, die die in Standardauflösung vorliegenden Videobilder von der DVD auf die angesprochenen HD-Auflösungen 1080i und 720p hochrechnen können.
Immer stärker ins Interesse der Heimcineasten rückt dabei der digitale DVI-Eingang, da bei seiner Nutzung die qualitätsschluckende Konvertiererei zwischen analog und digital entfällt. Die ersten DVD-Player mit Digital-Ausgang sind schon da - auf Druck von Hollywood allerdings in der Regel nur gesichert durch den Kopierschutz HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection).
Entsprechend müssen auch die Displays HDCP unterstützen, um die Videobilder darstellen zu können. Von den Modellen für den PC-Betrieb tun das nur wenige, auch die kleinen Fernseher nicht alle. Bei den großen LCD-Fernsehern mit Digitaleingang gehört der Kopierschutz hingegen zum Standard. Im Test zeigte von den Geräten mit Digitaleingang lediglich Schneiders 30M9901 das typische Schneegestöber, das der DVD-Player sendet, wenn das angeschlossene Display nicht HDCP-fähig ist.
Interessant in diesem Zusammenhang: Etliche Bausteine in der DVI-Eingangselektronik verstehen sich von Haus aus auf das HDCP-Protokoll. Nur bleibt dieser Teil der Receiver in herkömmlichen DVI-Monitoren bislang ungenutzt. Trotzdem gilt als Grund für die höheren Steuern, die seit kurzem bei der Einfuhr nach Europa auf jeden Monitor mit Digitaleingang fällig werden, seine Videotauglichkeit. Da könnten die Hersteller den HDCP-Handshake für DVD-Player doch ebenso gut aktivieren, sollte sich diese derzeit noch strittige Einstufung dauerhaft durchsetzen.
Ein DVI-Eingang lädt natürlich dazu ein, den Fernseher als Großdisplay für den Wohnzimmer-PC zu nutzen; die Geräte ohne DVI-Eingang stellen dafür einen analogen Sub-D-Eingang bereit. Leider ließen sich nicht alle getesteten Geräte problemlos am PC betreiben, mehr dazu im Kasten auf Seite 117. Wenn es aber funktioniert, dann bietet so ein Fernseher eine angenehm große Darstellung des Desktops, die sich für einen größeren, wohnzimmertauglichen Betrachtungsabstand eignet. Auch als Präsentationsdisplay für den kleinen Konferenzraum macht solch ein Gerät eine gute Figur, denn das Bild ist heller als das eines Beamers und die Winkelabhängigkeit so gering, dass auch seitlich sitzende Betrachter ein gutes Bild haben. Zudem muss der Vortragende hier nicht gegen lärmende Lüfter anbrüllen.
Viel Inhalt bekommt man jedoch trotz der Bildgröße nicht zu sehen, denn die Auflösung ist für PC-Verhältnisse eher niedrig. Wer einen geringen Betrachtungsabstand bevorzugt und vorrangig viel Platz auf dem Desktop haben möchte, ist daher mit einem der in [#literatur [1]] vorgestellten 23"- oder 24"-Monitore besser bedient, die mit einer Auflösung von 1920 x 1200 wesentlich detailfreudiger sind.
Beim normalen Fernsehbetrieb relativieren sich die Vorteile der Digitaltechnik. Große LCD-Fernseher weisen bei gleicher Bildfläche zwar eine höhere Pixeldichte als Röhrenfernseher auf, aber sie haben mit den Unzulänglichkeiten des hiesigen PAL-Fernsehsignals zu kämpfen. Zum einen besteht dieses aus Halbbildern, die ein Deinterlacer erst zu Vollbildern zusammensetzen muss, zum anderen sind diese Vollbilder nur 720 x 576 Pixel groß und müssen erst auf die volle Bildschirmgröße oder -höhe skaliert werden. Dabei gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Geräten: Die Spanne reicht von der unscharfen Halbbildauflösung eines Schneider Screenland bis zum intelligent hochgerechneten und teilweise nachgeschärften Bild eines Loewe Xelos SL 32 (siehe Einzelbesprechungen unten).
Keine Rolle spielt die Qualität des Deinterlacers, wenn das Videosignal als Vollbild von einer externen Signalquelle stammt. Deshalb kann ein hochwertiger DVD-Spieler mit Vollbildausgabe, auch Progressive Scan genannt, die Bildqualität eines LCD-Fernsehers sichtbar steigern.
Im Unterschied zu 17"-LCD-Fernsehern bieten die großen sehr viel mehr Ausstattung und Komfort. So beherrschen bis auf zwei Testkandidaten alle eine Bild-in-Bild- (Picture in Picture, PIP) oder Bild-neben-Bild-Darstellung (Side by Side, SBS). In das laufende Programm lässt sich dabei das Bild einer anderen Videoquelle im Kleinformat einblenden. So kann man im PC-Betrieb beim Surfen nebenbei das aktuelle Tennis-Match verfolgen. Wird es besonders spannend, tauscht man die Bildinhalte und verfolgt das Match in voller Größe weiter. Einige Modelle bieten einen zweiten TV-Tuner, sodass sich als Zweitbild auch ein beliebiger Fernsehkanal benutzen lässt. Damit kann man bei Werbepausen getrost auf ein anderes Programm umschalten und hat gleichzeitig immer im Blick, wann der Film wieder startet.
An den Rückseiten der Geräte findet man bis zu drei teils voll belegte Scart-Anschlüsse, ein oder zwei YCRCB-Eingänge für Komponenten-Signale sowie Buchsen für S-Video und Composite-Signale samt Audio. Loewe und Sony haben die Anschlüsse samt Tuner in separate Anschlussboxen ausgelagert. Zum Display führen hier jeweils nur zwei Kabel, was vor allem ästhetische Vorteile bringt. Will man neben der Festverdrahtung des Fernsehers mit Videorecorder, DVD-Spieler, Sat-Receiver und Audioanlage ab und an seine Video- oder Digitalkamera anschließen, wird man einen leicht zugänglichen frontseitigen oder zumindest seitlich angebrachten zusätzlich AV-Eingang zu schätzen wissen.
Zum Anschluss an einen PC bieten fünf Testkandidaten einen DVI-I- beziehungsweise DVI-D-Anschluss. Die restlichen Hersteller setzen auf eine analoge PC-Anbindung in Form einer VGA-Buchse in Sub-D-Ausführung. Das eigentlich als DVI-Ablösung beziehungsweise Erweiterung für Consumer-Geräte konzipierte HDMI hat sich anders als in der Projektorwelt bei LCD-Fernsehern noch gar nicht etabliert.
Selbst wenn die Bildqualität überzeugt, ein monumentaler Kinofilm kommt nur so richtig zur Geltung, wenn auch der Ton stimmt. Voraussetzung für eine voluminöse Kinoatmosphäre sind leistungsstarke Lautsprecher mit kräftigen Bässen. Die in den Testkandidaten fest eingebauten Stereolautsprecher können sicher nicht mit einer kräftigen 5.1-Surroundanlage mithalten. Lediglich Loewe und Sony haben ihren Geräten klanglich überzeugende Lautsprechersysteme spendiert, die nicht unbedingt lautstarke Unterstützung von einer separaten Audioan-lage brauchen.
Soll der Fernseher in eine bestehende AV-Anlage integriert werden, sind abnehmbare Lautsprecher wie bei Schneiders Screenland und dem LT-3000 von Triumph-Adler sinnvoll, da sich dadurch das Display wesentlich verschlanken lässt und es bei Wandmontage weniger protzig erscheint. Nettes Detail: Sonys Anschlussbox bietet einen separaten Lautsprechereingang, über den sich die eingebauten Lautsprecher in einer bestehende AV-Anlage als Centerlautsprecher beschalten lassen. (pen/uk)
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Soll das TV-Bild im korrekten Seitenverhältnis auf die volle Schirmhöhe gebracht werden - der 4:3-Modus der meisten Geräte -, muss der Scaler die 576 Zeilen des errechneten Vollbildes auf die Zeilenanzahl des Displays (768 Zeilen bei 30- und 32-Zöllern) interpolieren. Eine solche Interpolation mindert wie in jedem LC-Display stets die Darstellungsqualität. Dass die TV-Bilder dabei trotz gleicher Quellenauflösung weniger gerastert aussehen als auf herkömmlichen Röhren-TVs, ist der feinen Pixelstruktur der LCDs zu verdanken.
Die vollflächige Wiedergabe eines 4:3-formatigen Signals erfolgt im einfachsten Fall durch direktes Umrechnen der 720 x 576 darzustellenden Bildpunkte auf die 1280 x 768 Pixel des Displays (Wide-Modus) - was zu verzerrten Bildern mit überbreiten Köpfen führt. Alternativ kann das TV-Bild unter Beibehaltung des Seitenverhältnisses auf die volle Schirmbreite gezogen werden, wobei dann oben und unten ein Stück fehlt. Dieser Zoom-Modus bietet sich für Sendungen an, bei denen das Wichtigste in der Bildmitte stattfindet, also etwa für Nachrichten. Bei Infosendern mit laufendem Newsticker fehlt dann allerdings die Tickerzeile.
Einige LCD-Fernseher bieten auch einen so genannten Panorama-Modus an: Während die Bildmitte weitgehend unverzerrt bleibt, ziehen sie die Ränder weiter auseinander, um die vollflächige Anzeige von 4:3-Formaten auf den 15:9- oder 16:9-Schirmen zu erzielen. Auch dieser Modus ist für Sendungen interessant, bei denen „die Musik“ in der Bildmitte spielt. Hier fehlen keine Bildinhalte, allerdings sehen Personen an den Bildrändern recht lustig, weil arg breit respektive verzerrt aus. Die Qualität einer solchen Umrechnung spiegelt sich in den Tickerzeilen der Infosender wider: Bei einigen Geräten erfolgt der Übergang am Rand so abrupt, dass die Laufschriften breiartig auseinander quellen und unleserlich werden.
Für Sendungen, die im Breitformat ausgestrahlt werden, eignen sich die LCD-Fernseher besser, schließlich passen diese weitestgehend verzerrungsfrei auf die gesamte Schirmfläche. Weitestgehend deshalb, weil die Fernsehbilder nicht immer exakt im Format des Displays vorliegen. Bessere Geräte nutzen auf Wunsch das originale Seitenverhältnis und belassen gegebenenfalls einen schmalen Trauerrand oben und unten, oder sie schneiden alternativ ein klein wenig von den Bildseiten ab. Beides irritiert weniger als die vollflächige, aber verzerrte Darstellung.
[1] Matthias Herrmannstorfer, Flache Riesen, Große LCDs helfen gegen Platznot auf dem Desktop, c't 20/04, S. 136
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