Trotz recht jämmerlicher Leistung muss der eingebaute Blitz mancher Digitalkamera auf fremde Hilfe verzichten - einfach weil ihm der entsprechende Anschluss fehlt. Eine simple Schaltung triggert externe Blitze auch ohne Blitzkabel.
Das Schöne an einer Digitalkamera ist ja bekanntlich, dass man Lichtführung und Belichtung sofort und ohne chemische Umwege begutachten kann; das Experimentieren mit zusätzlichen Lichtquellen, Filterfolien und Reflektoren bietet sich also geradezu an. Auf dem Flohmarkt findet sich schnell ein ausgemustertes Blitzgerät, dessen Leistung die des kameraeigenen Winzlichts oft um ein mehrfaches übersteigt - das sich aber kaum mit der vorhandenen Digitalkamera verträgt. Um so gut wie jedes Blitzgerät drahtlos zünden zu können, benötigt man einen so genannten Tochterblitz-Auslöser. So etwas gibt es fertig aufgebaut für rund 50 DM im Fotofachhandel - oder für einen knappen "Heiermann" im Selbstbau.
Im einfachsten Fall sind es gerade mal fünf Bauteile, die es zu verbinden gilt (siehe Bild links). Zentrale Bedeutung kommt der Fotodiode BPW34 zu, die bei einem Lichtblitz einen kurzen Spannungsimpuls von einigen hundert Millivolt liefert. Der verstärkende Transistor wird dadurch nach Masse leitend und zündet das Blitzgerät. Ein Kondensator als Differenzierglied an seiner Basis sorgt dafür, dass kein Dauerlicht, sondern nur ein Lichtimpuls den Blitz auslöst.
Diese Schaltung ist allerdings nur für Blitzgeräte neuerer Bauart geeignet, die sich dadurch auszeichnen, dass an ihrer Kontaktschuh-Mitte eine Spannung von maximal 6 V anliegt. Sollten an Ihrem Blitz hier 150 V und mehr stehen (im Zweifel nachmessen!), arbeitet das Gerät noch mit einem Hochspannungs-Zündkreis, und die vorgenannte Schaltung muss mit einem Triac-Optokoppler erweitert werden (siehe Schaltbild unten).
Beim Zubehör-Versand Pearl (www.pearl.de) fanden wir das oben abgebildete Billigst-Blitzgerät für gerade mal sieben Mark (!), dessen minimalistische Schaltung ebenfalls mit Hochspannungszündung arbeitet. Erweitert um den optogekoppelten Tochterblitzauslöser, wird daraus der wohl preiswerteste Sklavenblitz aller Zeiten. Die Schaltung lässt sich bequem im unteren Blitzgehäuse unterbringen, wobei die für die Optokoppler-LED notwendige Versorgungsspannung den Batterien entnommen werden kann (aus Sparsamkeit erst hinter dem Ein/Aus-Schalter abgreifen). Die beiden Kabel, die vorher zum Blitzschuh führten, kommen nun an Pin 4 und 6 des MOC3020-Optokopplers (Polung ist dem Triac egal).
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Drahtloser Zusatzblitz für 12 DM: Man erkennt links unten die nachträglich eingebaute Fotodiode. |
Die Fotodiode lugt vorn aus einem hineingebohrten 6-mm-Loch heraus; zur Fixierung der Schaltung genügt etwas Heißkleber. Ein satter Tropfen davon sollte bei der Gelegenheit auch der lose im Reflektor klappernden Blitzröhre zukommen. Vorsicht vor dem violetten Blitzelko: Hat man das Gerät noch nicht im ausgeschalteten Zustand "abgeblitzt", steht an seinen Beinchen wie auch an der Blitzröhre eine Spannung von gut 300 V an, die mangels Leistung zwar nicht tödlich, aber immerhin für einen heftigen elektrischen Schlag gut ist. Das Gerät hat mit frischen Batterien eine Leitzahl irgendwo zwischen 7 und 12 - nicht umwerfend viel, aber für die "kleine Mark" doch erstaunlich.
Ein systemimmanenter Nachteil beider Schaltungen sei hier nicht verschwiegen: Sie können nicht zwischen den von manchen Digitalkameras ausgesendeten Meß- oder Vorblitzen und dem eigentlichen Hauptblitz unterscheiden. Das spielt bei modernen, leistungsfähigen Computer-Blitzen keine Rolle, da diese auch zwei Blitze kurz hintereinander aussenden können. Ein Billigstblitz ist damit natürlich völlig überfordert. (cm)
Ergänzungen und Berichtigungen unter: c't-Projekte
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