95 Prozent alle Surfer nutzen derzeit Leitungen der Telekom. An den Neuvorstellungen im Bereich Internetprovider hat der rosa Riese auf der CeBIT einen ähnlichen Anteil.
Zwar hat sich die Situation bei den breitbandigen Internetzugängen seit der Vorjahres-CeBIT deutlich gebessert, doch ist sie noch lange nicht für alle zufrieden stellend: immer noch müssen viele Surfer auf einen schnellen Zugang verzichten. Andere hingegen haben zwar mittlerweile einen schnellen Internetzugang, der ihnen jedoch noch nicht schnell genug ist. Abhilfe will die Telekom schaffen und präsentiert auf der CeBIT einen Zusatzanschluss via Satellit sowie einen T-DSL-Zugang mit einer deutlich höheren Transferrate als das bisherige Angebot. Andere Provider wollten die Messe gar nicht mehr abwarten und verkündeten bereits im Vorfeld die Einführung neuer Tarifmodelle (c't 6/02, S. 77). Mancher Anbieter gab sich jedoch ungewohnt wortkarg - die sonst üblichen Ankündigungen auf der Messe zu erlebender ‘großer Überraschungen’ blieben aus, AOL sagte die Teilnahme an der Messe gar ganz ab.
Das schnelle T-DSL, das mit Transferraten von 1,5 MBit/s beim Empfangen und 192 kBit/s beim Versenden von Daten aufwartet, gibt es unter dem Namen Business Online zwar schon länger, bislang ist es aber an einen teuren Telefonanschluss namens ‘BusinessCall’ gekoppelt, der sich meist nur für Geschäftskunden lohnt. Noch in diesem Jahr will der rosa Riese das schnellere T-DSL nun zusätzlich auch Privatkunden mit einem herkömmlichen analogen oder ISDN-Anschluss anbieten. Ein genauer Termin zur Markteinführung steht noch nicht fest, angepeilt ist das vierte Quartal.
Außer bei den Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich Privatkunden- und Geschäftskundenangebot in einem weiteren Punkt: Während die Telekom den Geschäftskunden ein Komplettangebot verkauft, legt sie bei den privaten lediglich die Leitung und die Anschlussdose. Man benötigt deshalb - wie beim bisherigen T-DSL-Anschluss auch - zusätzlich einen Provider, der einen Internetzugang über die T-DSL-Leitung zur Verfügung stellt. Die meisten der bisher schon aktiven Provider (siehe c't 1/02, S. 80) haben aber bereits signalisiert, dass sie auch für das neue T-DSL einen Zugang anbieten wollen.
| Beim ab April erhältlichen Satellitenzugang der Telekom benötigt der Surfer zusätzlich einen herkömmlichen Internetanschluss, die Konkurrenz will ohne auskommen. |
Auch sonst gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen herkömmlichem und neuem T-DSL: Nach 24 Stunden will die Telekom eine Zwangstrennung durchführen, die IP-Adresse ist dynamisch und die Benutzung von Routern nicht immer gestattet: ‘Wir dulden die Mehrfachnutzung nur im privaten, nicht aber im gewerblichen Bereich’, so Telekom-Sprecher Walter Genz gegenüber c't. Das DSL-Modem muss sich der Kunde selbst besorgen. Die weiteren Details will die Telekom erst auf der CeBIT verkünden, da bislang ‘noch nicht alle Entscheidungen endgültig getroffen’ seien.
Für Surfer, die kein T-DSL bekommen können, etwa weil sie in ländlichen Gegenden wohnen, will der rosa Riese wohl bereits Anfang April einen Internetzugang via Satellit anbieten, nachdem die Pilotphase bislang gut verlaufen ist. Das Himmelssurfen ist als Ergänzung zu einem analogen oder ISDN-Anschluss gedacht: wie bisher surfen die Kunden weiter mit einem beliebigen Provider über die langsame Telekom-Leitung, lediglich beim Herunterladen größerer Dateien schaltet die Verbindung selbsttätig auf den Satelliten um, der die Daten dann mit einer Transferrate von 768 kBit/s auf den Rechner schaufelt. Die Umschaltung erfolgt automatisch, der Kunde hat keinen Einfluss darauf. Hierbei ist die Telekom dann selbst als Provider tätig; Abgerechnet wird nach Transfervolumen, genaue Preise sind jedoch bislang nicht bekannt.
Ohne zusätzliche Telefonleitung sollen die Satellitenzugänge von Tiscali und Freenet auskommen, die die Provider schon im letzten Jahr ankündigten, bislang aber immer noch nicht zur Marktreife brachten. Zwar hält Tiscali weiter an seinem Plan fest, noch ‘in diesem Frühjahr’ das Zweiwege-Surfen via Satellit anzubieten, allerdings kann man sich einen solchen Zugang auf der CeBIT voraussichtlich doch nicht ansehen: Laut Tiscali ist der geplante Demonstrationszugang dem Platzmangel zum Opfer gefallen. Auch Freenet will sich mit der Produktschau eines vergleichbaren Internetzugangs zurückhalten, als Termin bleibt es vorerst bei einem vagen ‘in diesem Jahr’. (axv)
Telekom, Halle 26, Stand A01
Tiscali, Halle 16, Stand B13
Freenet, Halle 16, Stand A18
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