Bunter Kiesel: Pebble Time im Test

Test & Kaufberatung | Test

Farbdisplay, mehr Speicher, schöneres Design: Die Pebble Time räumt alle Kritikpunkte des Vorgängers aus. Leider ist die Smartwatch mit 250 Euro vergleichsweise teuer.

Smartwatch-Benutzer, die keine Lust auf Blattgold-Bling-Bling, tägliches Aufladen oder stromlininenförmiges Allerwelts-Design haben, waren bislang potenzielle Pebble-Kunden. Mit der runderneuerten Pebble Time dringt der Hersteller nun auch in mainstreamigere Gefilde vor: Das Gehäuse sieht nicht mehr ganz so kastig-selbstgebaut aus, außerdem gibt es ein Farbdisplay. Und: Endlich passen mehr als acht Apps oder Zifferblätter in den Uhrenspeicher – der ist jetzt erst nach 50 Programmen voll. Auf der neuen Pebble laufen auch fürs Vorgängermodell entwickelte Apps.

Wie die Ur-Pebble wird die neue Version komplett über vier Drucktasten (eine links, drei rechts) bedient. Einen Touchscreen gibt es nicht. In der Praxis funktioniert das nach kurzer Eingewöhnung geschmeidiger als bei Apple Watch und Co.

Das neue Pebble-Betriebssystem mit der Versionsnummer 3.0 wurde nicht nur an das Farbdisplay angepasst, sondern obendrein tüchtig im Retro-Pixel-Art-Stil aufgehübscht. An jeder Ecke gibt es nun putzige Animationen zu sehen – wenn beispielsweise keine Termine anliegen, wird man von einem Faultier angezwinkert.

Während die Drucktasten bei der Schwarzweiß-Pebble nur zwischen Apps und Zifferblättern durchschalteten, bewegt man sich nun durch sogenannte "Timeline"-Karten, also chronologisch sortierte Kalendereinträge und Wetterberichte. Wer keine Karten sehen möchte, kann sie in der Smartphone-App abschalten. Der Hersteller will das neue Pebble OS 3.0 – inklusive Timeline-Karten – demnächst auch für die Schwarzweiß-Varianten Pebble und Pebble Steel anbieten.

Das transflektive 64-Farben-E-Paper-Display mit 144×168 Pixeln verhält sich so wie der alte Schwarzweiß-Bildschirm: Es zeigt permanent ein Bild an und ist auch bei hellem Sonnenschein problemlos ablesbar. Bei Schummerlicht muss man per Knopfdruck oder Schüttelgeste die Hintergrundbeleuchtung anschalten. Das Farbdisplay ist sichtbar kontrastärmer als der Schwarzweiß-Bildschirm – wirklich gestört hat das aber nur wenige Kollegen in der c't-Redaktion.

Der ungewöhnliche Bildschirm – konventionelle LC-Displays zeigen nur mit aktiviertem Backlight ein Bild an – und der vergleichsweise langsame Prozessor wirken sich äußerst positiv auf die Akkulaufzeit aus. Bis zu sieben Tage soll die Pebble Time mit einer Ladung durchhalten, das ist länger als jede andere Smartwatch. Da unser Testgerät erst kurz vor Redaktionsschluss bei uns eintraf, konnten wir die Herstellerangabe nicht überprüfen.

Und noch etwas macht die Pebble anders als die Konkurrenz: Sie funktioniert sowohl mit iPhones als auch mit Android-Smartphones – das Telefon muss lediglich Bluetooth 4.0 unterstützen. Auf iPhones konnten wir jedoch keine einzige Benachrichtigung (Mail, Whatsapp, iMessage etc.) auf der Uhr beantworten. Mit einem Android-Smartphone klappte das problemlos: Entweder lassen sich – wie bei den alten Pebbles – Textbausteine oder Emojis verschicken, oder – neu – Texte ins Mikrofon diktieren. Die Spracherkennnung auf dem Server funktionierte auch in deutscher Sprache einwandfrei, wir konnten sogar Satzzeichen diktieren. Pebble hat angekündigt, in einem der nächsten Updates auch Sprachnotizen einzubauen.

Die bis 30 Meter wasserdichte Time wird mit einem austauschbaren Industriestandard-Armband (22mm) aus Silikon geliefert. Über den Lade- und Datenanschluss an der Gehäuserückseite sollen sich später einmal Armbänder andocken lassen können, die Zusatzfunktionen bereitstellen. Denkbar ist laut Pebble, dass mit Armbändern die Akkukapazität erweitert oder GPS nachgerüstet wird. Spark.io etwa kündigte ein erstes Sensorband mit einem Slot für SIM-Karten an, womit die Pebble Time auch ohne eine Verbindung zu einem Smartphone Benachrichtigungen anzeigen könne.

Pebble hat gut zugehört und mit der neuen Version die drei wohl am häufigsten genannten Kritikpunkte ausgeräumt: Klotziges Design, Schwarzweiß-Display, begrenzter Speicher. Mit der langen Akkulaufzeit, der rasenden Arbeitsgeschwindigkeit und der durchdachten Bedienung kann sich die Pebble Time nun locker mit der Konkurrenz messen. Leider auch in Sachen Preis: War die alte Pebble mit ihren 130 Euro (jetzt 100 Euro) eher Low-Budget, kostet die Pebble Time nun mit 250 Euro mehr als die meisten Android-Wear-Uhren. (hob)

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  1. Farbe, aber wenig Kontrast
  2. Funktioniert mit Android und iPhone
  3. Fazit
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