Business-Lösungen aus dem Open-Source-Baukasten

Wissen | Reportage

In der Open Source Integration Initiative (OSII) haben sich zahlreiche deutsche Open-Source-Unternehmen zusammengeschlossen, um eine modular einsetzbare Baukastenlösung für quelloffene Unternehmens-Lösungen zu entwickeln.

Erstmalig trafen sich die Open-Source-Unternehmen und -Experten aus ganz Deutschland auf der CeBIT in Hannover. Ihre gemeinsame Vision: Eine Baukastenlösung für Business-Anwendungen auf Open-Source-Basis. Es war das Kick-off-Meeting der neu ins Leben gerufenen Open Source Integration Initiative (OSII), die jetzt ihre Arbeit offiziell aufgenommen hat.

Die mitwirkenden Unternehmen wollen ihre unterschiedlichen Angebote zu einem Baukasten zusammenfassen, und zwar so, dass sämtliche Module miteinander kompatibel sind und Anwender-Unternehmen die vorkonfigurierten Bausteine je nach Bedarf flexibel kombinieren und integriert nutzen können. Unterstützt wird die Initiative bei ihrem Vorhaben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM).

Bisher scheuen sich viele Unternehmen, ihre Firmen-IT auf Open-Source-Lösungen aufzubauen. Ein wesentlicher Grund: Der Open-Source-Anbieter-Markt ist stark fragmentiert. Zwar gibt es viele, höchst leistungsfähige Einzellösungen, aber anders als bei den großen Anbietern lizenzpflichtiger Software müssen diese oft noch einzeln integriert werden. Dieser Integrationsaufwand und das Fehlen einer übergeordneten Anlaufstelle schrecken vor allem kleine und mittlere Unternehmen ab. Dabei ist das Interesse an Open Source groß – in der gerade abklingenden Wirtschaftskrise sogar noch gewachsen. Denn durch den Einsatz offener Lösungen können Unternehmen bares Geld sparen und sich von einzelnen Herstellern unabhängig machen.

„Der Anwender sucht One-Stop-Shops für seine IT. Im Open-Source-Bereich gibt es so etwas bisher nicht. Das wollen wir ändern“, sagt Thomas Uhl, Geschäftsführer der Topalis Holding GmbH und einer der treibenden Kräfte des Projekts. Und Dr. Jürgen Jähnert von der MFG Baden-Württemberg, die das Netzwerkmanagement für die OSII übernommen hat, ergänzt: „Vor allem Mittelständlern wollen wir die Entscheidung für Open Source leichter machen, indem wir für Kompatibilität der verschiedenen Business-Komponenten sorgen und alles aus einer Hand bieten“.

Neben der MFG kann die OSII auf weitere starke Unterstützer zählen. Als Pate steht ihr mit der Lisog der größte Open-Source-Verein im deutschsprachigen Raum zur Seite. „Die Lisog ist wichtige Schnittstelle zwischen Anbietern und Anwendern aus dem Open-Source-Bereich", sagt Lisog-Vorstand Dr. Karl-Heinz Strassemeyer von IBM. Als idealer Kooperationspartner des Projekts könne der Verein „dem Projekt zusätzliche Impulse und Aufmerksamkeit verleihen", so Strassemeyer weiter.

Insgesamt 20 Softwarefirmen und ein Forschungsinstitut arbeiten in der OSII zusammen. Gezielt haben die Initiatoren Mitglieder gewonnen, die zusammen das gesamte Spektrum möglicher IT-Lösungen abdecken – von Datenbank- und Archivlösungen über Middleware bis hin zu Anwendungssoftware wie Groupware oder ERP.

„Wir fangen nicht bei Null an. Die Mitglieder der OSII sind Unternehmen, die mit ihren Produkten schon voll im Markt stehen“, betont Thomas Uhl. Das heißt: Die Einzelmodule sind bereits einsatzfähig. Und getrieben durch den Kundenbedarf haben die Hersteller bereits begonnen, einige Lösungen miteinander zu vernetzen. „Unser Ziel ist aber ein Level der Integration, das über bilaterale Schnittstellen hinausgeht, das die komplette, standardisiert austauschbare Vernetzbarkeit aller Komponenten ermöglicht“, erklärt Uhl.

„Technologisch ist das überhaupt kein Problem“, sagt Harald Piotrowski von der Sopera GmbH. Sein Unternehmen bringt einen Enterprise-Service-Bus in den OSII-Lösungsstack ein, der für die standardisierte Verständigung verschiedener Softwarekomponenten untereinander sorgt. „Die Herausforderung liegt vielmehr darin, das Paket am Markt gut zu platzieren“, glaubt Piotrowski.

Ein entsprechend attraktives Päckchen zu schnüren, ist denn auch eine der zentralen Aufgaben der OSII. Die Arbeitsgruppe „Vermarktung“, die sich beim Kick-off-Meeting auf der CeBIT formierte, hat sich dieser Aufgabe bereits angenommen. Ihr Leiter, OliverSchulze, Geschäftsführer der agorum Software GmbH, ist optimistisch: „Ich sehe gute Chancen in diesem Stack, weil wir durch die Kombination unserer einzelnen Angebote etwas recht Leistungsstarkes, Großes anbieten können“. Zwei weitere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit der technischen Integration und der Zertifizierung.

Der Wille, das gesteckte Ziel gemeinsam zu erreichen, ist stark. Das wurde bereits beim Kick-off-Meeting deutlich. „Natürlich hoffen wir auch, durch die Teilnahme am integrierten Lösungsstack langfristig breitere Anwenderkreise zu erschließen“, sagt Oliver Schulze von agorum. Schon jetzt arbeitet seine Gruppe nicht nur am Gesamtkonzept, sondern überlegt pragmatisch, welche Lösungen die OSII zeitnah als vollintegriertes Teilpaket anbieten kann.

Die Vision von Thomas Uhl geht derweil schon über die Baukastenlösung hinaus: „Indem wir Standards für quelloffene Schnittstellen definieren oder de fakto etablieren, wollen wir nicht nur sämtliche Komponenten der OSII miteinander vernetzbar machen, sondern im Idealfall auch Anwendungen anderer Anbieter, die sich diesen Standards anschließen.“

Das nächste Treffen der OSII findet am Rande des LinuxTags in Berlin (11.-14. Mai 2011) statt.; die Netzwerkpartner wollen sich hier ganz konkret zur technischen Integration der Softwarekomponenten abstimmen. Interessierte können das Netzwerkmanagement und die -partner am Stand der Lisog antreffen. (odi)


Bei der OSII handelt es sich um ein offenes Netzwerk. Unternehmen, die sich über die Arbeit der OSII informieren wollen, erhalten weitere Details bei der MFG (Ansprechpartner: Alexandra Rudl, Tel: 0711/ 9 07 15-365, rudl@mfg.de, und Dr. Sami Rabieh, Tel: 0711/ 9 07 15-371, rabieh@mfg.de).

Die beteiligten Unternehmen (Stand 10.5.2011):

  • agorum Software GmbH
  • Cquadrat GmbH
  • fortiss gGmbH
  • GRAU DATA AG
  • HELIUM V IT Solutions GmbH
  • Information Desire Software GmbH
  • Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof (IISYS)
  • innova GmbH
  • Novabit Informationssysteme GmbH
  • peteara GmbH
  • QuinScape GmbH
  • Red Hat GmbH
  • SEP AG
  • Sones GmbH
  • Sopera GmbH
  • SUSE Linux Products GmbH
  • tarent GmbH
  • Topalis Holding GmbH / Topalis AG
  • Univention GmbH
  • VIPcom GmbH
  • Zarafa Deutschland GmbH

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