Chrome OS: Was hinter dem Google-Browser steckt

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Installiert man das Google-Betriebssystem auf dem eigenen PC, macht sich erst einmal Ernüchterung breit: Chromium OS degradiert den PC zum simplen Surfpad. Doch bei einem näherem Blick entdeckt man hinter dem Google-Browser eine Reihe interessanter Ideen.

Nun ist es also da: Chrome OS, das Betriebssystem von Google, das seit dem Sommer durch die Schlagzeilen geistert und die Computerwelt zumindest ein bisschen auf den Kopf stellen soll. Genauer gesagt: Die Quelltexte einer ersten Entwicklerversion der Open-Source-Variante namens Chromium OS sind da – Google fährt hier dieselbe Strategie wie bei seinem Browser Chrome und unterscheidet zwischen den Open-Source-Projekten Chromium (Browser) und Chromium OS (Betriebssystem) und den fertigen Produkten Chrome und Chrome OS.

Google Chrome OS Architektur
Vergrößern Überblick über die Architektur von Chrome OS.

Auf seiner Chromium-OS-Seite erläutert Google, wie das Betriebssystem aufgebaut ist. Und das ist einigermaßen ernüchternd: Auf einem Standard-Linux-Kernel 2.6.30 mit wenigen Patches läuft eine ganz normale Linux-Systemumgebung.

Der Connection Manager kümmert sich um die Netzwerkanbindung; für verschlüsselte Netzwerkverbindungen greift er auf den WPA Supplicant zurück. D-Bus bildet die Schnittstelle zwischen System und Anwendungen, X.org und Clutter sorgen für die grafische Oberfläche. Es gibt einen automatischen Update-Mechanismus, für das Powermanagement ist der ACPI-Daemon zuständig. Im Hintergrund arbeiten einige weitere Standard-Linux-Dienste. All das findet man so oder so ähnlich auch in anderen Linux-Distributionen – die Prozessliste des laufenden Chromium OS sieht nicht viel anders aus als bei jedem anderen modernen Linux. Grundlage von Chromium OS ist Ubuntu – kein Wunder, hat Google doch einige Ubuntu-Entwickler von Canonical unter Vertrag genommen, um an Chrome OS zu arbeiten.

Screenshot Google Chrome OS Connection Manager
Vergrößern Das Netzwerk-Applet ist in den Chrome-Browser integriert.

Nur bei der Bedienoberfläche geht Chromium OS eigene Wege. Der Fenstermanager chromeos-wm lässt Anwendungen immer bildschirmfüllend laufen. An die Stelle eines Desktops tritt der Google-Browser Chrome; die Applets für den Connection Manager und die Akkuanzeige sind dessen in Tab-Leiste integriert. Weitere Anwendungen gibt es nicht, sieht man von der Möglichkeit ab, mittels Strg-Alt-T ein (ebenfalls bildschirmfüllendes) Terminal zu starten, wo man die üblichen Kommandozeilen-Werkzeuge findet.

Chromium OS ist nämlich nicht gedacht als alternatives PC-Betriebssystem. Es soll weder Windows noch die etablierten Linux-Distributionen ersetzen, sondern auf einer eigenen Klasse von Geräten laufen – Netbooks, die als Web-Appliances immer online sind und im Wesentlichen für Internet-Aktivitäten genutzt werden. Konsequenterweise will Google Chrome OS gar nicht als eigenes Produkt vermarkten, sondern verspricht in etwa einem Jahr fertige Geräte mit vorinstalliertem Chrome OS.

Zwei Ziele stehen bei Chrome OS im Vordergund: hohe Sicherheit und eine kurze Bootzeit. Dabei spielt eine angepasste Firmware eine wichtige Rolle. Sie wirft eine Menge PC-Altlasten über Bord, um so den Startprozess zu beschleunigen – heutige PCs und Notebooks benötigen beim Kaltstart schon für ihre BIOS-Routinen mehr Zeit als die für Chrome OS angezielten sieben Sekunden Gesamt-Bootzeit. Und auch das Sicherheitskonzept von Chrome OS setzt auf der Firmware auf: Sie soll beim Booten die Integrität des Systems prüfen und, falls diese Prüfung fehlschlägt, eine Möglichkeit bieten, das ursprüngliche System-Image zu restaurieren.

Ebenfalls Teil des Sicherheitskonzepts ist die spartanische Software-Ausstattung. Da das Root-Dateisysten nur lesbar ist und aus dem Home-Verzeichnis keine Programme gestartet werden können, kann der Anwender in Chrome OS keine eigene Software installieren – und damit auch keinen Schadcode. Lediglich in HTML und JavaScript geschriebene Web-Anwendungen sind vorgesehen, die jeweils in einer eigenen Sandbox laufen. Eine ganze Reihe von Maßnahmen soll Chrome OS gegen Angriffe aus dem Netz und bösartige Web-Anwendungen sichern. Trotzdem ist es natürlich möglich, Daten lokal auf dem System zu speichern.

In dem Chromium OS, wie man es derzeit herunterladen kann, ist davon freilich noch nicht viel zu sehen. Auch die speziellen Web-Anwendungen für Chrome OS existieren noch nicht. So, wie sich das Entwicklersystem derzeit präsentiert, handelt es sich im Wesentlichen um ein abgespecktes Linux, bei dem der übliche Desktop durch den Chrome-Browser ersetzt ist.

Und das kann man auch auf einem normalen PC zu benutzen. Google stellt eine detaillierte Anleitung bereit, wie man Chrome OS selbst herunterladen und bauen kann, um es dann auf einem bootfähigen USB-Stick, auf der Festplatte eines Rechners (die dabei komplett überschrieben wird) oder in einem VMware-Image zu installieren. Wir haben uns Chrome OS näher angesehen.

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