Während die PC-Industrie mit speziellen Multimedia-Rechnern und Add-on-Lösungen ins Wohnzimmer drängt, verknüpfen die Consumer-Electronic-Konzerne ihre neuen Geräte via Netzwerk untereinander, aber nicht alle auch mit Standard-PCs. Der Showdown findet auf der diesjährigen IFA in Berlin statt.
Seit der Einführung des Media Center Edition PC dürften die Hersteller der so genannten „braunen Ware“ erstmals ernsthaft um ihre lange unangefochtene Vormachtstellung im Wohnzimmer fürchten. Noch hat sich die Unterhaltungselektronik-Industrie jedoch nicht auf eine gemeinsame Gegenstrategie geeinigt, aber doch viel mehr in petto, als mancher ihr zugetraut hätte.
Derzeit lassen sich die Firmen nach den von ihnen gewählten Ansätzen grob in drei Lager einteilen: Die Hersteller von Consumer Electronic (CE) und/oder PC-Produkten beschränken sich zunächst darauf, für den PC mittels kleiner Boxen (Streaming Clients) eine Brücke ins Wohnzimmer zu schlagen. Eine zweite Gruppe gesteht dem PC allenfalls eine Rolle als Content-Lieferanten zu und besetzt die zentrale Position lieber mit einem autark arbeitenden AV-Server im HiFi-Geräte-Look. Noch weiter gehen schließlich einige Elektronikkonzerne, die mit hochgezüchteten Server-Modellen zum Gegenangriff auf die PC-Industrie blasen und den klassischen PC bestenfalls zu einem kleinen Baustein in einem wesentlich umfassenderen Netzwerk machen wollen.
Dieser Artikel setzt sich mit diesen Konzepten auseinander und klärt deren Vor- und Nachteile. Zur besseren Übersicht ist jedem Abschnitt eine allgemeine Betrachtung vorangestellt, bevor auf die einzelnen Unternehmen und ihre Konzepte eingegangen wird. Sony kommt dabei zweimal ins Spiel: Zwar präsentiert die Firma auf der diesjährigen IFA lediglich einen Wohnzimmer-Client, doch in ihrer Heimat haben ihm die Japaner bereits einen AV-Server zur Seite gestellt.
Andere werden in Berlin vor allem AV-Server als Herzstück ihrer geplanten Home-Entertainment-Netzwerke zeigen - nicht zuletzt, weil die Strategie oftmals Technologien umfasst, die sich in Europa - nach Ansicht der Unternehmen - noch nicht ausreichend durchgesetzt haben. Weite Teile stecken auch noch in einem so frühen Entwicklungsstadium, dass die Firmen sie auch in ihrer Heimat frühestens im kommenden Jahr anbieten und erst danach an die technischen Gegebenheiten anderer Märkte anpassen wollen. Eine „verfrühte Vorstellung“ könne in den Augen mancher Manager „die ganze Planung verderben“.
Wir beschränken uns in diesem Bericht nicht auf die Produkte, die während der IFA zu sehen sein werden, sondern betrachten jeweils das gesamte Konzept. Denn auch wenn die Unternehmen zunächst lieber die Filetstücke ihrer Systeme präsentieren, ergibt sich die Qualität eines Heimnetzwerks aus der Summe aller Teile.
Obwohl sich auf dem PC immer mehr sehens- und hörenswerte Multimedia-Daten sammeln, die nach hochwertiger Wiedergabe über Surround-Anlage und Großbild-Fernseher oder Projektor verlangen, ist der PC im Wohnambiente längst noch nicht gern gesehen. Die PC-Industrie möchte ihm daher das Entree mit geräuscharmen Boxen in gefälligem Styling verschaffen.
Die Unterhaltungselektroniker belassen es beim PC-Verbot im Wohnzimmer und rüsten stattdessen die neue Generation ihrer Geräte mit Ethernet-Schnittstelle oder WLAN-Empfänger aus, um die Multimedia-Daten vom PC im Wohnzimmer in Empfang zu nehmen. Alternativ können auch Settop-Boxen als Streaming-Clients Audio- und Videoströme vom Rechner entgegennehmen und an Fernsehgerät und HiFi-Anlage weiterreichen. Die passende Server-Software für Windows-PCs liegt in der Regel gleich dabei.
Die Hersteller müssen sich bei dieser Lösung keine Gedanken darüber machen, wie Filme und Musik zum Anwender gelangen: Der sorgt selbst für Musik und Videos auf der Festplatte seines PC und muss sich folglich auch um etwaige Rechtsverletzungen scheren. Der CE-Hersteller garniert dieses (Fremd-)Angebot lediglich mit rechtlich unproblematischen Streaming-Diensten und mit einem Bedienkonzept, das dem Anwender die bequeme Navigation durch den Content auf der Harddisk erlaubt. Letzteres wird meistens über ein On-Screen-Menü für das Fernsehgerät gelöst, manchmal auch über ein in den Client integriertes Display.
Bleibt das Problem, dass der Client nur Multimedia-Daten in den für ihn ab Werk vorgesehenen Formaten spielt. Integrierte (Auto-)Update-Funktionen sollen daher Korrekturen nach der Auslieferung an den Kunden ermöglichen und zudem sicherstellen, dass die Geräte im Wohnzimmer möglichst lange mit den Codec-Entwicklungen am PC Schritt halten.
Doch dass das Konzept in der Praxis so reibungslos funktioniert, darf man bezweifeln: Die in der c't-Redaktion getesteten DivX-tauglichen Stand-alone-Player zeigen zum Beispiel immer wieder, dass ein Gerät, das alle Formatvarianten ohne Wenn und Aber abspielt, illusorisch bleibt: Zu groß ist die Zahl der möglichen Kombinationen von Codecs, Bitraten und Container-Formaten, die in der realen Welt existieren.
Probleme dürfte es vor allem mit Kunden geben, die die bislang geltende Idee der Consumer-Electronic - „einstecken, einschalten, läuft“ - verinnerlicht haben. Gehen sie mit dieser Vorstellung auch an die neuen Heimnetzwerk-Geräte heran, steht den Herstellern ein Support-Aufwand wie im PC-Lager bevor, für den sie aber definitiv nicht gerüstet sind. Nur ein Beispiel: Während es für DVD-ROM-Laufwerke von einem Hersteller wie Pioneer durchaus Firmware-Updates auf der Website gibt, sucht man solche für Consumer-Player oder AV-Receiver vergeblich. Hinzu kommt, dass sich das Anbinden der Streaming-Clients an PC-Netzwerke oft als so kompliziert erweist, dass diese Aufgabe so manchen HiFi-Händler überfordern dürfte.
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[1] Uwe Meyer-Gruhl, Boris Pasternak, Netzmusik - Fünf MP3-Spieler fürs Heimnetz, c't 8/03, S. 106
[2] Nico Jurran, HDMI - Hollywoods DäMonische Intention, c't 17/02, S. 182
[3] Nico Jurran, Dr. Volker Zota, DivX für Couchpotatoes - Acht DivX-taugliche DVD-Player im Vergleich, c't 15/03, S. 128
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| Auf der IFA 2003 | |
| Fast TV AG | Halle 25, Stand 155 |
| KiSS | Halle 23, Stand 102 |
| LG Electronics | Halle 01.2, Stand 203 + 231 |
| Onkyo | Halle 12, Stand 102 |
| Panasonic | Halle 05.2 Stand 103 |
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