Leseprobe aus c't 7/13
Martin Fischer, Hartmut Gieselmann
Dampfmaschine
c’t-Steam-Box – Spielkonsolen-PC selbst gebaut
Klein, leise, effizient und günstig: So stellt sich Valve die kommende Steam Box vor, mit der PC-Spiele auf großen Fernsehern laufen und sich kinderleicht vom Sofa aus per Gamepad bedienen lassen. Mit den richtigen Komponenten lässt sich schon jetzt ein solcher Konsolen-PC zusammenbauen.
Die Gräben zwischen PC- und Konsolenspielern sind noch immer tief. Während die einen die Leistungsfähigkeit und Flexibilität ihres Systems beschwören, loben die anderen die einfachere Bedienung und höhere Funktionalität. Viele Konsolenspiele zeigen zwar nicht ganz so viele Details und Effekte wie ihre PC-Pendants, laufen dafür aber flüssig und bereiten keine Probleme mit Bugs oder inkompatibler Hardware.
Valve Software hat sich mit seinem Online-Vertrieb Steam nun aufgemacht, diese Gräben zuzuschütten. Von Anfang an sollte Steam Spielern nicht nur Software verkaufen, sondern auch die lästige Suche nach Patches abnehmen und Spiele automatisch auf dem neuesten Stand halten. Seit Kurzem ist nun auch eine neue Bedienoberfläche namens Big Picture hinzugekommen, die eine einfache Navigation per Gamepad erlaubt, wie man sie von Konsolen gewohnt ist. Mit ihr soll ein Spiele-PC wohnzimmertauglich werden.
Im flachen PC-Gehäuse des LC-1400mi findet das Mini-ITX-Board von MSI samt AMD-Prozessor und entkoppelter Festplatte Platz.
Der hat schon heute Zugriff auf ein riesiges Angebot: Etwa 1800 Spiele sind derzeit im Download-Shop von Steam für Windows-PCs verfügbar. Rund ein Viertel davon lässt sich auch bequem von der Couch mit dem Gamepad bedienen – Tendenz steigend. Valve unterteilt die Titel in Spiele mit „voller Gamepad-Unterstützung“ und „teilweiser Gamepad-Unterstützung“. Letztere benötigen meistens zum Setup oder bei der erstmaligen Einrichtung noch den Maus-Einsatz, lassen sich im Spiel aber mit einem Gamepad steuern. Und wer sich nicht nur auf das Angebot von Steam beschränken will, kann auch fremde Titel einbinden und über den Big-Picture-Modus aufrufen.
Was zum Spaß bis dato fehlte, war die passende Hardware: Sie soll kompakt und schick sein, ins Regal unter dem Fernseher passen und genügend Grafikleistung bieten, ohne mit rauschenden Lüftern zu nerven. Vom Betriebssystem bekommt man, wie bei Konsolen üblich, möglichst nichts mit – direkt nach dem Einschalten soll die Box die Spieleauswahl anzeigen. Bezahlbar muss das Ganze natürlich auch noch sein, also möglichst nicht mehr als 400 Euro kosten.
Wegen ihrer hohen Kompatibilität, problemlosen Konfiguration und guten Verarbeitung empfehlen sich die Xbox-360-Gamepads von Microsoft, wahlweise mit Funk-Übertragung oder Kabel.
Bislang ließen sich diese Ansprüche kaum miteinander vereinbaren. Für das nötige Tempo brauchte man leistungsfähige Grafikkarten, die nicht nur Lüfter, sondern auch heimische Finanzvorstände aufheulen ließen. Doch aktuelle Kombiprozessoren mit starker GPU spielen selbst anspruchsvolle Spiele-Hits flüssig ab – zwar vielleicht nicht immer mit allen grafischen Details, für die Qualität einer Xbox 360 oder PS3 reicht es aber locker.
Valve Software und mehrere PC-Hersteller feilen allerdings noch an der Hardware einer solchen Steam Box. Sie soll zum Ende des Jahres in den Handel kommen. Wir haben schon jetzt einen Selbstbau-PC zusammengestellt, der alle nötigen Voraussetzungen erfüllt und auch im Wohnzimmer eine gute Figur macht.
AMDs Alleskönner
Ganz ohne Tastatur und Touchpad geht es leider nicht. Logitechs K400 vereint beides kabellos auf kleinem Raum.
AMD hat einen CPU-GPU-Kombiprozessor im Angebot, der für Steam ausreicht: A10-5700 (Codename: Trinity). In ihm arbeiten vier Prozessorkerne im 3,4 GHz Basistakt, unterstützt durch eine flinke DirectX-11-GPU Radeon HD 7660D mit 760 MHz. 384 Rechenkerne stellen auch die neuesten Effekte moderner Spiele dar und spielen HD-Videos mühelos ab. Dabei liegt die maximale Leistungsaufnahme (TDP) des Kombiprozessors laut AMD bei lediglich 65 Watt – das führt sogar der mitgelieferte Boxed-Kühler in einem kompakten Gehäuse zuverlässig und vergleichsweise leise ab.
Doch integrierte Grafikeinheiten bringen keinen eigenen Videospeicher mit und müssen sich den Hauptspeicher mit den CPU-Kernen teilen. Standardmäßig reserviert sich die Grafikabteilung 512 MByte RAM, genehmigt sich bei Bedarf aber mehr. Daher sollte man nicht knauserig sein und der Steam Box gleich 8 GByte RAM spendieren – genauso viel, wie die Playstation und Xbox der nächsten Generation mitbringen. ...
(mfi)
Spielkonsole selbst gebaut
Artikel zum Thema finden Sie in c't 7/2013
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 7/2013.








