Ausprobiert

Das WebOS-Tablet HP Touchpad im Kurztest

Im ersten Test erweist sich WebOS als durchdachte Plattform, das HP Touchpad zeigt viele Stärken, aber auch einige Kinderkrankheiten.

Die grundlegende Bedienung des Touchpad hat sich seit der ersten Vorführung im Februar nicht geändert. Apps unterteilen ihre Anzeige in nebeneinander liegende Bereiche oder Listen ("Panels"). Diese Panels kann man über- und nebeneinander stellen, aber nur in von der App vorgegebenen Grenzen – also weder in beliebiger Breite noch beliebiger Konfiguration oder Reihenfolge.

Gestartete Apps bleiben geladen und können im Hintergrund weiterlaufen. Umschalten geht, indem man entweder den Knopf drückt oder von unten wischt und dann zwischen den verkleinert dargestellten Apps wechselt. Dabei öffnet sich auch das (konfigurierbare) Schnellstartmenü mit fünf Apps, dort kann man dann das Startmenü aufrufen, das alle Apps enthält.

Apps können mehrere Fenster ("Cards") öffnen, die dann in der Liste übereinander dargestellt werden. Das tun beispielsweise der Browser als Tab-Ersatz und die Mail-App beim Schreiben einer neuen Mail. Öffnet eine App eine andere (beispielsweise durch Berühren eines E-Mail-Anhangs), wird das meistens, aber nicht immer, ebenfalls gestapelt dargestellt.

Eine Stärke der Palm-Smartphones hat HP übernommen: die Offenheit für Cloud-Dienste. Viele kann man direkt einrichten, darunter nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Exchange-Konten, Google-Accounts oder Facebook-Kontakte, sondern auch die Dateidienste Dropbox und box.net, Apples MobileMe oder LinkedIn. Diese Synergy genannte Struktur ist offen angelegt, nicht vertretene Dienste-Anbieter können also ihre Clients per App Catalog nachliefern

Die Apps nutzen diese Dienste transparent: Zum Beispiel zeigen der PDF-Viewer und Quickoffice Dokumente vom Gerät, aus der Dropbox oder von Google Docs an. Mit der Foto-App kopiert man Fotos in die Alben eines Diensts, was dann ins Hochladen auf Facebook, Photobucket oder Snapfish resultiert.

Vollständig ist die Unterstützung allerdings noch nicht. Der Dropbox-Client implementiert nur den Dateidienst, doch die Foto-App will den Bilderdienst – also kann man keine in Dropbox liegenden Fotos und Videos anschauen. Anhänge an Mails müssen aus lokalen Ordnern stammen, nicht aus der Cloud.

Der Browser auf WebKit-Basis macht einen guten Eindruck, er rendert recht zügig; einmal geladene Seiten zoomt und scrollt er nahezu ruckelfrei. Flash funktioniert. Eine YouTube-App legt HP daher gar nicht bei, das YouTube-Icon öffnet die normale Website. Leider funktionierte nur ein Teil der Videos; bei den anderen öffnete sich eine neue Karte, auf der aber nichts passierte. Beim Schließen von Browserfenstern mit Flash stürzte das Touchpad mehrmals ab, einmal ging danach der Ton bis zu einem Neustart nicht mehr.

Der Mailclient unterstützt Google Mail, POP, IMAP und Exchange. Das installierte Quickoffice kann Dateien nur anzeigen, aber selbst einfache Textdateien nicht bearbeiten. Mit Bildern, Videos und Musik kann es nichts anfangen. Musik kann man vom PC aufs Gerät spielen, die Dateien müssen dort im Unterverzeichnis "music" liegen, was nirgends dokumentiert ist. Als Karten-App ist Microsoft Bing installiert, das etwa so wenig Funktionen hat wie Apples Maps – mit Android-Maps können beide nicht mithalten.

Zum App-Angebot lässt sich einige Tage vor dem Verkaufsstart nicht allzu viel sagen; immerhin weist der übersichtlich gestaltete App Catalog die Tablet-optimierten Apps eigens aus. Darunter sind einige Spiele wie Angry Birds HD, der schöne Twitter-Client Spaz HD, ein gelungener Facebook-Client (für den schon ein Icon zur Vorinstallation gehört), ein RSS-Reader und einige Nachrichten-Apps beispielsweise von USA Today und der deutschen Zeitschrift Cinema.

Apps für die Palm-Smartphones lassen sich ebenfalls installieren, fühlen sich aber eher wie Fremdkörper an. Sie starten in Originalgröße in der Displaymitte und lassen sich nicht vergrößern. Um die Apps herum ist ein Smartphone angedeutet, das man für die Vor- und Zurück-Wischgesten benötigt.

Die Rückseite besteht aus Plastik und nimmt bereitwillig Fingerabdrücke entgegen. An der Seite mit dem Knopf sitzt eine Micro-USB-Buchse, an der man das Netzteil oder einen PC anschließt – Laden klappt nur per Netzteil. Das Tablet lässt sich komplett ohne PC in Betrieb nehmen und betreiben, die Kopplung dient nur dem unkomplizierten Datenaustausch.

Das Display zeigt kräftige Farben über einen riesigen Blickwinkel. Ein erster Laufzeittest bescheinigte dem Touchpad über fünf Stunden beim Abspielen eines Videos bei voller Helligkeit. Aufgeladen war der Akku nach etwa drei Stunden. Die Lautsprecher überraschen mit einem für Tablets satten Klang.

Beim täglichen Umgang fallen nicht nur langen Ladezeiten der Apps störend auf, sondern auch häufige Wartezeiten darin. Manchmal vergehen mehrere Sekunden, bevor eine Reaktion auf eine Geste kommt. Und zwar an unterschiedlichen Stellen, an denen manchmal die Pause auch nicht auftritt.

Dabei macht die Palm-Oberfläche auf Tablet-Format durchaus Spaß, der Browser ist gut, das Multitasking mit Panels und Cards ist übersichtlicher und nützlicher als unter iOS oder Android. Sympathisch auch das große Angebot an Cloud-Diensten. Es stören aber die Kinderkrankheiten wie der Sekundenschlaf. (jow)

Einen ausführlichen Test lesen Sie in c't 15/11, ab nächstem Montag am Kiosk.

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