Debian 6.0 Squeeze im Kurztest

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Knapp zwei Jahre dauerte die Entwicklung von Debian 6.0 alias Squeeze. Die neue Version ist das erste vollständig freie Stable Release und zudem die erste Debian-Distribution, die es nicht nur mit dem Linux-Kernel, sondern auch mit dem FreeBSD-Kernel gibt.

Nach fast zwei Jahren Entwicklungszeit hat das Debian-Projekt die Version 6.0 mit dem Code-Namen Squeeze am frühen Sonntag Morgen veröffentlicht.

Debian 6.0 ist das erste vollständig freie Stable Release: Es enthält ausschließlich unter GPL oder anderen OSI-konformen freien Lizenzen veröffentlichte Software. Das geht soweit, dass selbst Firmware-Dateien, deren Quellcode nicht veröffentlicht ist, nicht länger Bestandteil der Debian-Distribution sind. Davon sind vor allem manche Advansys-SCSI-Controller, AMD- und Matrox-Grafikkarten, Ethernet-Adapter von 3Com und Broadcom sowie verschiedene WLAN-Module betroffen. Damit man die Debian-Distribution dennoch auf dieser Hardware nutzen kann, pflegen die Entwickler die Firmwares im Non-Free-Repository weiter.

Allerdings sind Pakete aus dem Non-Free-Repository in den offiziellen Debian-CDs und -DVDs nicht enthalten – mit Absicht: Der Anwender soll sich bewusst dafür entscheiden, nicht-freie Software einzusetzen und so vielleicht dazu bewegt werden, künftig Hardware einzusetzen, für die es vollständig freie Treiber und Firmwares gibt.

Debian 6.0 Squeeze im Kurztest
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Viele der betroffenen Komponenten werden aber schon für die Installation benötigt – und im Fall der Netzwerkkomponenten lassen sich die nötigen Firmware-Dateien dann wohl kaum aus dem Internet herunterladen. Daher sollte man das Tar-Archiv mit den nicht-freien Firmware-Dateien für alle Fälle auf einem USB-Stick speichern. Dort findet es der Debian Installer automatisch und lädt die benötigten Firmware-Dateien bei Bedarf nach.

Eine Alternative sind die inoffiziellen Debian-Installations-CDs, die die nicht-freien Firmware-Dateien enthalten. Bei Redaktionsschluss standen allerdings nur sogenannte Daily Images zum Download bereit, die noch auf dem Stand kurz vor der Veröffentlichung von Debian 6.0 waren. Es dürfte aber nur eine Frage von Stunden sein, bis die Entwickler eine inoffizielle Installations-CD auf Basis des Stable Release anbieten. Diese inoffiziellen CD sind vor allem für den Admin-Notfall-Koffer interessant, da man sich nicht immer die Hardware aussuchen kann, auf der man flugs ein neues System aufsetzen muss.

Beim Debian Installer hat sich seit der Vorgängerversion Lenny nur wenig geändert. Nach wie vor enthalten der Text-Mode-Installer und die grafische Oberfläche die gleichen Dialoge. Das vereinfacht zwar die Dokumentation und die Arbeit der Entwickler, bei beiden Installationsmethoden die gleichen Funktionen zu implementieren – andererseits sorgt das gerade beim grafischen Installer für eine wahre Klick-Orgie und weniger übersichtliche Dialoge. Etwa bei der Partitionierung: Hier muss man sich allein zum Anlegen und Formatieren einer Partition durch ein halbes Dutzend verschiedene Bildschirmmasken klicken, während man bei den meisten anderen Distributionen die Optionen bei Bedarf bequem über Pulldown-Menüs auswählen kann.

Neu ist, dass der Installer nun auch mit Software-RAIDs, LVM und verschlüsselten Partitionen umgehen kann. Zudem bringt Debian 6.0 Unterstützung für die Dateisysteme Ext4 und Btrfs mit. Erstmals ab Version 6.0 unterstützt Debian offiziell auch das ZFS-Dateisystem – allerdings nur in den kFreeBSD-Architekturen für i386 und amd64, die ebenfalls erstmals mit Squeeze Teil eines Stable Release sind.

Debian/kFreeBSD hat noch den Status einer Technical Preview und enthält statt dem Linux-Kernel den FreeBSD-Kernel. Das System steht derzeit nur für die i386- und die amd64-Plattform zur Verfügung, zudem wurden längst noch nicht alle Pakete des Main-Repositories auf Debian/kFreeBSD portiert. So gibt es zum Beispiel noch keinen grafischen Installer. Ansonsten sieht Debian/kFreeBSD nach der Standard-Installation aber genauso aus wie die Linux-basierte Variante. Künftig soll die Portierung Debian/kFreeBSD die gleiche Unterstützung wie jede der neun anderen Plattformen genießen. Gleichzeitig hat das Debian-Projekt mit der Veröffentlichung von Squeeze die Plattformen hppa, alpha und arm (jedoch nicht armel) aufgegeben.

Die Aktualisierungen bei Debian Squeeze halten sich im für Debian üblichen Rahmen: Das Stable Release hat vor allem stabil zu sein und wird daher mit gut getesteter und somit meist nicht mehr brandneuer Software bestückt – Kernel 2.6.32, X.Org 7.5, Gnome 2.30, KDE 4 mit Plasma Workspaces, Iceweasel (Firefox) 3.5.16, Google Chrome, OpenOffice 3.2.1, Gimp 2.6.11, Samba 3.5.6. Die aktuelle Xen-Version 4 ist in Squeeze einsatzbereit enthalten. Der für den Betrieb als Host (Domain-0) angepasste Kernel baut auf den pv_ops-Patches auf, weshalb nicht jede Xen-Funktion zur Verfügung steht.

Für Netbooks und andere Rechner ohne optische Medien haben die Debian-Entwickler die erste Installations-CD so gebaut, dass sie 1:1 auf einen USB-Stick übertragen werden kann und ohne weitere Anpassungen, also auch ohne Neuschreiben des Boot-Codes, vom Stick startet. Zudem gibt es spezielle Live-CD-Images, mit denen Debian Squeeze ohne Installation starten und bei Bedarf auch auf Festplatte installieren lässt.

Wer bereits Debian Linux installiert hat, kann wie gewohnt auf die neue Version aktualisieren, indem er bei den Paketquellen von "lenny" auf "squeeze" umstellt und anschließend ein Distributions-Upgrade durchführt. Das klappt in der Praxis sehr gut.

Debian 6.0 Squeeze im Kurztest
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Standardmäßig verwendet Debian 6.0 den Gnome-Desktop im aktuellen Space-Design, das sich pünktlich zum Release-Termin auch auf der Debian-Homepage, dem Wiki und anderen Projektseiten wieder findet. Alternativ lässt sich die Distribution aber auch mit KDE, XFCE und LXDE installieren – die Wahl des Desktops trifft man noch am Bootprompt des Installationsmediums.

Der Desktop entspricht dem, was man von einer modernen Linux-Distribution erwartet, inklusive maschinenspezifischen Anpassungen wie zum Beispiel die Batterieanzeige bei Laptops in der oberen Programmleiste. Was an Software nicht schon bei der Installation auf die Festplatte kopiert wurde, kann wie gewohnt über die Kommandozeile oder die grafische Paketverwaltung aus den Debian-Repositories nachinstalliert werden.

Mit Debian 6.0 Squeeze haben die Entwickler ihr lange verfolgtes Ziel einer vollständig freien Distribution endlich erreicht. Dank der inoffiziellen CD-Images mit all den unfreien Bestandteilen brauchen Anwender die Entscheidung, sämtliche nicht offengelegte Software zu entfernen, nicht zu fürchten – sie werden lediglich daran erinnert, dass sie nicht freie Software verwenden. Debian bleibt genauso benutzerfreundlich und leicht bedienbar wie bisher. (mid)

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