Der Upgrade-Trick

Upgrade-Lizenzen von Windows 7 sauber neu installieren

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Besitzer von XP oder Vista dürfen Windows 7 als Upgrade-Lizenz erwerben, als Student oder im Dreierpack sogar besonders günstig. Dass sich damit trotz des Namens oft keine bestehende Windows-Installation aktualisieren lässt, war bereits bekannt, nicht aber, dass nicht einmal eine saubere Neuinstallation vorgesehen ist. Mit einem Trick klappts trotzdem.

Wer Windows 7 ohne neuen PC kaufen will, spart am meisten Geld, wenn er zu den günstigen System-Builder-Lizenzen greift (siehe c't 22/09, S. 92). Doch es gibt Ausnahmen: So bietet Microsoft Studenten ein Upgrade auf Windows 7 Home Premium oder Professional für gerade mal 35 Euro an. Günstig ist auch das Family Pack: Es enthält gleich drei dieser Lizenzen. Kosten soll es laut Microsofts unverbindlicher Preisempfehlung 150 Euro. Viele Händler verlangen zwar mehr, doch ist es dennoch günstiger als drei einzelne System-Builder-Lizenzen. Voraussetzung für den Erwerb: für jede Upgrade-Lizenz muss eine Windows-XP- oder Vista-Lizenz vorhanden sein, die nach der Installation von Windows 7 nicht mehr weitergenutzt werden darf.

Nach dem Kauf droht allerdings eine unangenehme Überraschung: die lizenzrechtlichen und die technischen Voraussetzungen unterscheiden sich: Windows XP lässt sich grundsätzlich nicht auf Windows 7 aktualisieren, das klappt nur mit Vista, sofern mindestens das Service Pack 1 installiert ist. Vista muss in der gleichen Sprache installiert sein, ein englischsprachiges Windows 7 kann also kein deutschsprachiges Vista aktualisieren. Eine Upgrade-Installation von 32-Bit-Vista auf 64-Bit-Windows-7 ist ebenfalls nicht vorgesehen. Damit nicht genug: Die Versionen müssen ebenfalls passen (siehe Tabelle). So lassen sich Vista Business oder Ultimate nicht auf die günstigen Home-Premium-Upgrades aktualisieren.

Wenn schon keine Upgrade-Installation möglich ist, so sollte doch zumindest eine saubere Neuinstallation funktionieren – könnte man meinen. Doch Microsoft war es offenbar besonders wichtig, dass Upgrade-Lizenzen nur von Käufern verwendet werden, die wirklich eine ältere Lizenz besitzen. Um das sicherzustellen, hätte es im Prinzip reichen können, einfach wie bei älteren Windows-Versionen während der Installation nach dem entsprechenden Datenträger zu fragen. Doch dieser Weg ist verbaut: Zu viele OEM-Hersteller lieferten zum vorinstallierten Windows XP keine echten Windows-CDs, sondern lediglich Recovery-Medien mit. Auf denen finden sich nur allzu oft Abbilder der Systempartition, die von Imagern in proprietären Formaten abgelegt waren, in die das Setup-Programm nicht mal eben hineinsehen kann.

Microsofts Ausweg: Das Setup-Programm sucht (auch wenn es von DVD bootet) auf der Festplatte nach einer XP- oder Vista-Installation, die Installation auf einer leeren Festplatte ist nicht möglich. Käufer des Sonderangebots für Studenten, das nur online zu beziehen ist, bekamen anfangs sogar statt ISO-Abbildern der Setup-DVDs ausschließlich die nackten Installationsdateien zum Download zur Verfügung gestellt – keine gute Idee, denn das x64-Setup-Programm startet als 64-Bit-Anwendung nun mal nicht unter einem 32-Bit-XP oder -Vista. Mittlerweile steht den Käufern der Studentenversion zusätzlich ein x64-ISO-Abbild zum Download zur Verfügung. Wer zur 32-Bit-Variante gegriffen hat, kann sich ein ISO-Abbild selbst erstellen (siehe untenstehenden Kasten).

Nur mit einem Trick lassen sich die Upgrade-Lizenzen frisch installieren. Das von der DVD bootende Setup-Programm von Windows 7 weiß anfangs nämlich gar nicht, was für eine Lizenz die Grundlage für die Installation bildet – wie auch, unabhängig von der Lizenz sind alle Installationsmedien stets identisch. Die Information über die Lizenz steckt im Product Key. Die Folge: Erst nach dessen Eingabe verweigert das Setup-Programm die Arbeit – mit der falschen Behauptung, der Key sei ungültig. Der Ausweg: Überspringen Sie die Eingabe des Keys einfach, das Setup-Programm läuft dann anstandslos durch. Das Aktivieren nach Eingabe des Keys scheitert allerdings.

Um doch noch aktivieren zu können, müssen Sie Windows weismachen, dass es nicht frisch, sondern von einem älteren Windows aus installiert wurde. Das erledigen Sie in der Registry: Starten Sie durch das Eintippen von „regedit“ ins Suchfeld des Startmenüs den Registry-Editor und hangeln Sie sich dort zum Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Setup\OOBE durch. Dort ändern Sie den Wert des Eintrags MediaBootInstall auf 0. Anschließend setzen Sie den Lizenzstatus von Windows zurück: Dazu tippen Sie „cmd“ ins Suchfeld des Startmenüs, bestätigen mit Strg+Umschalt+Enter und klicken bei der folgenden Sicherheitsnachfrage auf „OK“. Es öffnet sich eine Eingabeaufforderung, die mit Administratorrechten läuft. Hier tippen Sie den Befehl slmgr -rearm ein. Bis zur Reaktion kann es etwas dauern, dann erscheint die Aufforderung zum Neustart. Nach Neustart und Anmeldung drücken Sie die Tastenkombination Windows+Pause: In dem sich öffnenden Fenster können Sie unten den Product Key eingeben und endlich aktivieren.

www.ct.de/0924032

Windows-7-DVD brennen

Käufer der 32-Bit-Studentenversion können kein DVD-Abbild herunterladen. Stattdessen lädt der Downloadmanager lediglich drei Dateien auf die Platte. Eine davon ist ein Programm, das die anderen beiden entpackt: Auf der Platte landet ein Ordner namens expandedSetup, in dem sich die eigentlichen Installationsdateien befinden. Das Setup-Programm lässt sich jedoch nur aus einem laufenden Windows-Betriebssystem heraus starten. Doch aus den vorhandenen Daten lässt sich mit einigen Kniffen auch ein bootfähiges Windows-7-Installationsmedium erstellen.

Der nötige Bootcode steckt in der Datei etfsboot.com, die Sie im Ordner expandedSetup\boot finden. Brennen können Sie die DVD beispielsweise mit ImgBurn (siehe Link am Ende des Artikels). Weisen Sie unter „Dateien/Ordner auf Disc schreiben/Erweitert/Startfähige Disc“ die Datei etfsboot.com als Boot-Image zu. Als Emulationstyp wählen Sie „Keine“, die Anzahl der zu ladenden Sektoren beträgt „8“, der Rest kann auf den voreingestellten Werten bleiben. Unter „Einschränkungen“ machen Sie ein Häkchen vor die Option „Dateien ’;1’ Versionsnummer nicht hinzufügen“. Unter „Optionen“ stellen Sie als Dateisystem „ISO9660 + UDF“ ein (reines UDF funktioniert auch) und aktivieren das Berücksichtigen von versteckten und Systemdateien. Im Register „Namen“ können Sie unter „ISO9660 und UDF“ einen Namen vergeben, beispielsweise „Win7“. Schließlich fügen Sie den Inhalt des Ordners expandedSetup als Quelldateien komplett hinzu und brennen die DVD mit einem Klick auf „Erstellen“.

Auf manchen Systemen kann es beim Booten der selbst erstellten Windows-7-DVD – meist in Verbindung mit älteren Mainboards – zu einem Code-5-Fehler kommen, was ein erfolgreiches Starten der Installationsroutine verhindert. Der Grund dafür ist bislang nicht bekannt. Die einzige uns bekannte Lösung: Laden Sie das „Windows Automated Installation Kit“ (WAIK) herunter (die 700-MByte-Version für Vista reicht, die Version für Windows 7 ist 1,6 GByte groß). Auf der Platte landet ein ISO-Abbild, das Sie entweder auf CD brennen oder mithilfe des auf der Heft-DVD befindlichen „Virtual Clone Drive“ als virtuelles Laufwerk im Explorer einbinden können (siehe S. 140). Nach der Installation des WAIK finden Sie im Startmenü unter „Alle Programme/Windows AIK“ die „PE-Tools“-Eingabeaufforderung. Starten Sie diese mit Administratorrechten (Vista: Rechtsklick, „Als Administrator ausführen“, XP: Administrator-Benutzerkonto). Folgender Befehl, der in einer Zeile einzugeben ist, erstellt das bootfähige DVD-Image:

oscdimg
-bC:\expandedSetup\boot\etfsboot.com -h
-lWin7Pro -u2 C:\expandedSetup C:\Win7.iso

Laufwerksbuchstaben und Pfade passen Sie Ihren entsprechend an. Die Image-Datei „Win7.iso“ lässt sich anschließend mit Hilfe eines geeigneten Brennprogramms auf einen DVD-Rohling brennen. (mfi)

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